Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 13 (30.3.1894)
- Date
- 1894-03-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021007-3021021--03363-3027496- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 256 Vesterretchifchr Wochenschrift Nr. 13 dem Messer, ihn erbarmte das Thier, de.n nur eine einzige Wohlthat noch zu spenden war: der Gnadenstoß. Aber er hatte noch keinen Schritt gethan. da' hörte er Hufschlag im Walde. Auf ihrem schäumenden Rappen sprengte Recka auf die Lichtung hervor, das Antlitz brennend, das Harr zerrauft; mit jauchzendem Laut sprang sie aus dem Sattel, und während das wohlgeschulte Pferd keinen Huf mehr von der Stelle rührte, riß sie den blinkenden Genicker aus der Scheide und durchschnitt mit raschem Streich dem Hirsche die Sprungsehnen der Hinterläufe; stöhnend setzte sich das Thier — und da fuhr ihm auch schon der wohlgezielte Sch'uß ins Herz. Lachend sprang Recka zurück, um dem schlagenden Geweih zu entrinnen. Noch ein kurzer Kampf des erlöschenden Lebens, dann stürzte der Hirsch lautlos in den rothgefleckten Sand. Recka schnitt dem Hirsch die Granen aus dem Aeser, verwahrte sie hinter dem Gürtel und stieß den Genicker in die Scheide. Dann wieder trat sie auf ihre Beute zu, legte die Hand auf die klaffende Wunde des Hirsches und berührte mit den r o t h g e f ä r b t e n Fingern die Lippe. „Heil zum Gejaid!" Es war ein alter Jägerbrauch, den sie übte, sie „trank den Rothen" (das Blut). Als Antisemitin und Wotansverehrerin hätte das edle Fräulein, wenn sie jetzt lebte, gewiß eine Petition für das Verbot der jüdischen Schlachtmethode unterschrieben; aber des Blutgebrauches und des Bluttrinkens würde sie die Juden gewiß nicht bezichtigen, denn das war ja ihr Vorrecht, altgermanischer Jägerbrauch. Das wandernde Mvnument. Ein Brief von Heinrich Heine. Und wieder erheben sie die Hand In ihres Hasses Stärke Und werfen an den jüdischen Kopf Mir meine sämmtlichen Werke! Sie riefen entrüstet in Düffeldorf: „Was soll uns ein Denkmal Heine's?" Nun schreien sie in der Mainzer Stadt: „Wir wollen desgleichen keines!" Sie schüren gegen den todten Mann Den Haß in Palast und Bude; Mein Denkmal wandert von Ort zu Ort, . Ein steinerner ewiger Jude. Sie lieben noch immer im Deutschen Reich Die alten derben Späßchen; Sie wollen kein Heine-Monument. Dafür ein Ahlwardt-Gäßchen. Das Ahlwardt-Gäßchen in Dresden liegt Zum Hohne der jüdischen Raffe; Dem Heinrich Heine keinen Platz, Der Lüge eine Gasse! 9dm führte durch das ganze Land Ein Freund mich an der Leine, Und fragte die schriftgelehrte Welt: „Wie denken Sie über Heine?" Die Einen sagten: „Nicht gedacht Soll seiner in Deutschland werden!" Die Andern thaten, als gäbe es Noch Denker auf deuffcher Erden. Sie sprachen für und wider mich Ganz ohne Vorbereitung, Und was sie sagten, steht gedruckt In Sonnemann's „Frankfurter Zeitung". Da sagt von mir der Felix Dahn, Ich hätte keinen Charakter, Der Julius Sophus Felix Dahn Wird täglich abgeschmackter. Er nennt eine giftige Schöne mein Lied, Das vielfach Unheil gestiftet; Mein Gott, so schön wie Doctor Dahn Hab' ich mich niemals gegiftet! Er nennt mich den Hasser des Vaterlands Und führt noch andere Hiebe;• Ich habe es nicht aus Haß verhöhnt, Ich Hab' es verhöhnt aus Liebe. Das deutsche Land zu meiner Zeit War nicht das Deutschland von heute Es war noch nicht einig ... daß Felix Dahn Als Dichter wenig bedeute! Und wären die Deutschen heute noch So wie sie damals gewesen, Ich würde ihnen im heiligen Zorn Dieselben Leviten lesen! Ich würde ihnen mit Spott und Hohn In allen bedenklichen Fällen Die Meinung sagen, ohne mich erst Herrn Rosegger vorzustellen. Der steiermärkische Humorist, Ein Sternchen unter den Sternen, Sagt, daß er mich zu wenig kennt — Der soll mich kennen lernen! Der ehrliche Petri hechelt fein, Worüber mein Herz betrübt ist, Er stichelt, weil er von Jugend aus In Nadelstichen geübt ist. Man nehme ein Landesanlehen auf Und kaufe ihm meine Werke, Ich kam bei H offmann und Campe heraus In achtzehnbändiger Stärke. Doch nein, ich will sein reines Gemüth Nicht sündhafterweise gefährden, Drum gebt ihm kein Heine-Buch in die Hand, Er könnte verdorben werden! Doch eh' wir scheiden, mein braver Poet, Beherzige nur noch das Eine: Die Schneider Frank und Ebenstein, Die kennen ihren Heine! Auch Büchner hat zu meinem Schmerz Mich kräftig heruntergeriffen, Der Mann der Wissens kennt mich genau, Doch will er von m i r nichts wissen. Unwillig wendet er sich ab Von meiner frivolen Papierwelt Und gibt mir am End' einen Ehrenplatz Im Geistesleben der Thierwelt! Ergeben war ich der Materie — Da hat sich Manches ereignet — Nur möchte ich wissen, wozu ich's war, Wenn Büchner mich verleugnet! Daß man auch Adolph Wagner geftagt, Ist eine tolle Geschichte, Der wünscht natürlich, daß. man mir Ein Heine-Schandmal errichte! Der gute Herzog von Oldenburg Zieht schlau sich aus der Affaire, Er sagt nicht Ja und sagt nicht Nein — Herr Herzog, ich habe die Ehre! Herr Herzog, ich sage es ohne Scheu, Sie wissen, ich bin nicht schüchtern, Wenn S i e unter Fürsten ein Dichter sind, Bin ich ein Fürst unter Dichtern! Gottlob, noch wagt man im Deutschen Reich Ein Wörtlein zu meinem Preise — Ich grüße herzlichst Otto Roquette, Spielhagen, Brentano und Heyse. Sie treten mannhaft für mich ein Im edlen Kampfe vereinigt: Mit meinem zerttümmerten Monument Wird nächstens der Bund gesteinigt! Ich glaube, ein Denkmal von Felix Dahn —: Schon freut mich das Ereigniß — Paßt besser für Mainz, denn Mainz ist berühmt Als Stadt für Ledererzeugniß.