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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-03-30 · 13 (30.3.1894) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
13 (30.3.1894)
Date
1894-03-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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. Nr. 13 VestrrrrMMtze WortzrnfitzrM Seite 255 Aber der deutsche Forschungsreisende in Afrika hat was dem Juden fehlt, — nicht das bessere Recht, aber die besseren Waffen. Er findet die Erklärung des Negerfürsten unerhört frech und antwortet ruhig „wir werden hier bleiben", und mit Drohungen entfernte sich die Gesandtschaft. Da standen wir nun da, der Krieg war erklärt, zurück konnten wir nicht. (Warum?) Wir mußten die günstige Stellung halten oder selber angreifen. Als dann die Neger bewaffnet in größerer Zahl kamen, da warteten die Deutschen den Angriff nicht ab. „Legt an! Fener! Salve auf Salve rollte. Rosse und Reiter rollten zahlreich zu Boden und nach der dritten Salve waren nur noch einige Reiter vor der Stadt sichtbar. . . . Auf kohlschwarzem Rappen hielt ein Reiter und trieb das Fußvolk an. Ich nahm ihn mit Seelenruhe aufs Korn, zog langsam ab, der Schuß fiel und einen Augenblick später klappte der Reiter herab." (Wie zart ausgedrückt!) Nach dem Siege „wurde die Stadt geplündert und verbrannt. Die Todten wurden natürlich (!) sämmtlich ausgeraubt. Es war ein melancholisches Bild". (Hier wird unser Held auf einmal gefühlvoll.) „Die brennende Stadt, die Hunderte von Aasgeiern in der Luft und auf den todten Menschen und Pferden, und auf der andern Seite das tolle und ausgelassene Treiben der siegestrunkenen Leute. Ich selbst war recht deprimirter Stimmung, nicht weil mir die Gräuelscenen des Kampfes nahegingen, sondern weil die Leute wie die Rasenden und ohne Spur von Ueberlegung und viele, ohne zu zielen, darauf losgeknallt hatten und uns die Schlacht deshalb eine unglaubliche Menge Patronen gekostet hatte." — Verwundert fragt der Leser hier, ob denn kein Ritter Stampiglins da war, um Schußgeld zu zahlen. Aber das Schußgeld soll ja nach antisemitischem Vorschlag nicht für das Erschießen der Einheimischen, sondern der fremden Eindringlinge gezahlt werden!-- Trotz des Sieges müssen unsere Helden doch umkehren, was sie ja früher ohne Mord und Brand hätten thun können. „Bei unserm langsamen Vorwärtskommen hätten die Bewohner Zeit gehabt, ihre Dörfer gänzlich auszuräumen, wir hätten nirgends Lebensmittel gefunden". .... „Am selben Nachmittage brachen wir auf, überfielen Abends um halb acht Uhr Neu- Aßoli, unseren letzten Schlafplatz, vertrieben die Leute und plünderten den Ort." „Glücklicherweise fanden wir reichliche Vorräthe an Getreide, Hühnern und Ziegen". Nach diesem Ausdruck arischer Dankbarkeit für Gastfreundschaft und nach einem wohlschmeckenden Nachtmahl überläßt sich unser Civilisationsverbreiter in behaglicher Sieges- und Verdauungsstimmung poetischen Betrachtungen über die romantische Lage: „Wie schmeckten uns die im Feuer (der verbrannten Stadt!) gerösteten Hühner und das Ziegenfleisch nach dem heißen Tage und dem Nachtmarsch durch die stille Savanne!" .... Am nächsten Morgen kommt man nach Alt-Aßoli. Der Ort war verlassen und wird ebenfalls in Brand gesteckt. Wir können den Helden auf seinem weiteren Rückzug nicht begleiten, wollen aber zur Beruhigung gefühlvoller Leser mittheilen, daß er auch einmal sehr gekränkt war, noch bekümmerter als um die zur Niederschießung von Heiden verschwendeten Patronen. Dies war, als er erfuhr, daß in einem der niedergebrannten Orte sich ein mit Elfenbein vollgestopftes Haus befand, das auch verbrannte. So war ihm die reiche Beute entgangen. Wenn man in einem anständigen deutschen Blatte solche Berichte ohne tadelnde oder bedauernde Bemerkung abgedruckt sieht, so kann man sich über die Rohheiten und Niederträchtigkeiten antisemitischer Blätter nicht mehr wundern. Dagegen zeigen diese Blätter sich sehr gefühlvoll und human, wenn es gilt, die jüdische Schlachtmethode als sehr grausam zu verleumden. Wiederholt ist schon von Sachkundigen dargelegt worden, daß gerade die jüdische Schlachtmethode die für die Thiere verhältnißmäßig mildeste ist. Aber selbst wenn dem nicht so wäre, mit welcher Stirne können Leute, die auf die Jagd gehen, bei Wettrennen, Distanzreiten, Taubenschießen und dergleichen Vergnügungen vornehmer Arier die Thiere in erbarmungsloser Weise quälen, sich den Juden gegenüber für mildherzige Thierfreunde ausgeben. Die Juden in alter Zeit waren keine Jagdfreunde; als solche werden Nimrod und Esaü geschildert, für welche die Bibel keine Sympathie zeigt. Wiederholt wird in der Bibel Schonung der Thiere empfohlen, und in einem jüdischen Sittenbuche aus dem Mittelalter, dem Leker da Odassiäiw, wird jede unnütze Quälerei eines Thieres als Sünde erklärt. Bileam wurde getödtet, weil er seine Eselin mit dem Tode bedrohte, heißt es darin. Der Satz der Bibel „der Gerechte weiß, wie seinem Vieh zu Muthe ist, aber des Frevlers Herz ist grausam." (Sprüche Sal. XU. 10 wird so ausgelegt: „Der Frevler füttert sein Reitthier sehr reichlich, um es dann erbarmungslos über Berg und Thal rennen zu lassen." Sieht das nicht aus, als ob der Verfasser einen Renustall besucht und gesehen hätte, wie sorgfältig die edlen Pferde gepflegt werden, um sie dann sich außer Athem oder gar zu Tode rennen zu lassen? In demselben Buche heißt es ferner: „Wenn mau einen Sund aus dem Hause jagen will, so soll man sich eines kleinen töckchens bedienen, aber ihn weder mit einem großen Prügel schlagen, noch mit heißem Wasser begießen." Dann wieder an einer anderen Stelle: „Gott wird die Reiter bestrafen, welche ihre Pferde mit Sporen antrieben".*) Vergleichen wir damit eine Episode aus dem Distanzritt Berlin—Wien: „Das Pferd «.des Baron Reitzenstein) bot einen beklagenswerthen Eindruck. Es stand — nichts als Haut und Knochen — regungslos da mit gesenktem Kopfe und halb geschlossenen Augen. In den Flanken zeigten sich große Anschwellungen und mehrere durch den Sporn beigebrachte Wunden, aus denen das Blut quoll, rückwärts auf der Croupe starke, von Peitschenhieben herrührende Striemen." Aus Rücksicht auf die Leser breche ich hier ab. Wer starke Nerven hat, kann das Weitere in der „Neuen Freien Presse" Abendblatt vom 6. October 1892 Nachlesen. Das Pferd ging zu Grunde, aber der Reiter erhielt den ersten Preis. Nicht der „gottlose Jude" Spinoza, sondern der christliche Philosoph Descartes lehrte, daß die Thiere keine Seele haben, bloße Automaten fe'en, gegen die man sich Alles erlauben dürfe. Und doch können diese Thiere ohne Seele und Gefühl manchmal recht boshaft und menschenfeindlich fein. So heißt es in einem 1658 gedruckten Buche des Jesuiten Athanasius Kircher, eines Zeitgenossen des Descartes. von der Kröte: „Ihr Haß gegen die Menschen ist so arg, daß sie vor Wuth crep i r t, wenn mau sie a u f h ä n g t u n d s ch l ä g t." Böse Kröte das! Sollten in Folge des projectirten Hausirgesetzes ein paar jüdische Hausirer vor Hunger sterben, so wird es wahrscheinlich auch nur aus Menschenhaß geschehen. Und da wir von vor Hunger sterben reden, mag noch an die Satyre „Der Tag" des berühmten italienischen Dichters Abate Parini erinnert werden. Er schilderte u. A. wie eine lombardische Edelfrau ihren alten, treuen, seit zwanzig Jahren im Hause dienenden Kammerdiener ohne Erbarmen fortjagt, so daß er mit Frau und Kindern hungern muß, weil er ihr Schoßhünochen, das ihn gebissen hatte, mit dem Fuße fortstieß. **) Dagegen wird man dem deutschen Ritterfräulein aus dem Mittelalter, von dem uns der beliebte Erzähler Ludwig Ganghofer in seinem in der Gartenlaube erscheinenden höchst interessanten Roman „Die Martinsklause" erzählt, keine besondere Thierfreundlichkeit nachsagen können. Wir lassen seine Schilderung eines Jagdabenteuers einer arischen Jungfrau in Kürze folgen, im Vertrauen, daß er die Sitten der alten Zeit treu nach den Quellen geschildert hat. „Unter den Bäumen stolperte ein Hirsch auf die freie Lände hervor, das Wasser suchend, taumelnd und keuchend, mit pumpenden Flanken und hängendem Lecker; aus seiner Schulter ragte ein Pfeilschaft, in Fetzen hing zerrissenes Schlingwerk von dem mächtigen Geweih und vom Aeser tropfte die helle „Roten". Das Thier streckte den Grind nach dem See und schwankte vorwärts, aber schon waren die Hunde hinter ihm her, sprangen ihm an die Kehle und suchten den Hirsch in den Sand zu reißen. Sigonot. (ein bäuerischer Fischer, vielleicht gar ein feiger Semit?) stand mit finsterem Gesicht, und seine Hand zuckte nach *) Sefer Hachoffidim Cap. 45, 666—70, Fvl. 13, 101, 102 der Ausgabe Frankfurt a. M. 5484 (1724). **) Parini, II merriggio v. 665—703.

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