Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-03-30 · 13 (30.3.1894) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
13 (30.3.1894)
Date
1894-03-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021007-3021021--03358-3027491
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 13 OrstrrrrtcWltzr Wochrnschrifl Seite 251 auch an ihm die gleiche Procedur oorgenommen wurde, ohne daß diese seine Entwicklung irgendwie beeinträchtigt hätte. Dieser Wackere fiel leider als Opfer seines Diensteifers. Durch Hochwasser an der Jnspicirung seines „Flügels" verhindert, unternahm er bald darauf, trotzdem daß die Ueberschwemmungen fortdauerten, dennoch die Jnspectionsreise und kam bis nach Kossow, wo ihm der dortige Bezirkshauptmann klarlegte, daß die Reise, in's Gebirge geradezu lebensgefährlich i st, und daß er mit Rücksicht auf seine Familie sein Vorhaben aufgeben müsse, welches wegen der Bescheinigung seitens der k. k. Bezirkshauptmannschaft, keinerlei Conseguenzen nach sich ziehen könnte. — Vergebens! „Ich bin Jude", sagte der Rittmeister, „und als solcher muß ich meine Familie und mein Leben dem allerhöchsten Dienste opfern" — und fuhr gegen 2abja, bis ein Wolkenbruch in einem Engpässe die Fortsetzung der Reise unmöglich machte. — Selbst da entschloß er sich zur Rückkehr erst dann, nachdem er durch acht Stunden bis über die Brust im Waster gesessen hatte, was chm eine tückische Krankheit zuzog, welcher er im k. und k. Officiers-Spital in Wien, wo er Heilung suchte, auch erlag. Beim imposanten Leichen-Conducte waren alle hier stationirten Gendarmerie-Officiere, darunter auch Herr Rittmeister Edgar von Felsenberg, Personal-Adjutant Sr. Excellenz des Herrn k. und k. FZM. Freiherrn von Giesl, in dessen Vertretung, anwesend und gaben dem braven Kameraden bis an die letzte Ruhe statte das Geleite, um aus dessen Sarg pietätvoll noch eine Handvoll Erde zu werfen. Die Inschrift auf dem schlichten, mit einem militärischen Embleme gezierten Leichensteine, lautet wörtlich: „Hier ruht Herr Leo Spanier, k. k. Gendarmerie- Rittmeister. Er starb als Opfer seines Diensteifers, fern von seiner Heimat, tiefbetrauert von seiner Familie und den Kameraden. — Friede seiner Asche! Ehre seinem Angedenken!" Nicht alle activ dienenden jüdischen Officiere werden wohl den Traditionen des Glaubens ihrer Väter in diesem Maße treu geblieben sein, doch sind alle von gleichem Pflichteifer beseelt. In dem Bewußtsein, daß sie Juden sind, opfern sie freudig ihr Leben und ihre Familie dem allerhöchsten Dienste. _ Dmuchalski. Lesefrüchte. Der Stöcker-Krach. Wir entnehmen folgende Correspondenz der „Franks. Ztg." aus Siegen, 17. März; In der Gläubiger-Versammlung des in Concurs gerathenen conservativ-antisemitischen „Siegener Tagblatt" erklärte der Concursverwalter, daß der Inhaber und Redacteur des Blattes, Friede. Breitenbach, spurlos verschwunden sei, und zwar mit Hinterlastung von 20.000 Mk. Schulden. Die Gehilfen warten seit fünf Wochen auf Lohn, Handwerker haben keinen Heller bisher erhalten können, ja nach Muthmaßung des Concursverwalters hat sich Breitenbach vor dem Durchbrennen noch Gelder der Concursmasse angeeignet. Breitenbach, von Beruf Theologe, war eifriger Stöckerianer und die letzte Stütze des Hofpredigers a. D.; Fuchs und Franz — Börsenspekulanten, Stötzel wegen Betrug, Unterschlagung zu längerer Gefängnißstrafe verurtheilt, — Breitenbach flüchtig. — Herr- Stöcker kann auf seine hiesigen Paladine stolz sein. * * * Christenthum und Antisemitismus. In einer am 15. März 1894 in Berlin abgehaltenen Versammlung des „Socialitären Bundes", einer antisemitischen Vereinigung Dühring'scher Richtung, sprach Buchhändler Struppe über „die Kluft zwischen reactionärem und freiheitlichem Antisemitismus". Er sah, wie wir einen Bericht der „Post" entnehmen, bei den Religions-Antisemiten nur Privilegien- und Geldbeutelinteressen, Heuchelei, Autoritätendusel, Talmudunsinn, Futter-Antisemitismus, eine ganz abscheuliche Kriecherei vor Thron, Gewalt und lügenhafter Geschichte. Die Programme der Deutschsocialen und der Reformpartei gingen nicht weit genug. Nur Ahlwardt habe den Antisemitismus wieder vorwärts gebracht. Wer nicht im Stande sei, die Religion, d. h. das Christenthum aus sich auszuscheiden, der könne kein echter Antisemit werden. In der an den Vortrag sich anschließenden Discussion siel die Aeußerung, das Christenthum sei mit seiner Entwicklung die Schmach des Jahrtausends geworden. * * Der Untergang Israels. Bon einem Physiologen Zürich. Verlagsmagazin. Wir greifen Folgendes aus dieser Schrift heraus: „Können denn die Juden nicht einsehen, daß sie einen Typus repräsentiren, der beiweitem vollkommener ist, wie irgend ein anderer? Können Sie denn nicht begreifen, daß das Abweichen von den Lehren (ihrer Religion) nach und nach die Rasse verschlechtert?" Nachdem der Verfasser Mischehen dringend widerrathen hat, schließt er mit den Worten: „Jst's nicht ein prophetischer Geist, der die Satzungen der Juden durchweht, nicht das Juden hum die eiserne Consequenz, wohldurchdachte Absicht?" * * * Unsere arischen Moralprediger. Gegen den Stadtmissionär Weil in Frankfurt a. M. wurde ein interessantes Urtheil erlassen. Es lautete auf vier Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust, und zwar zunächst wegen § 174, Absatz 1, der von der Vornahme unzüchtiger Handlungen mit minderjährigen Schülern oder Zöglingen, die dem Lehrer oder Erzieher dauernd untergeordnet sind, handelt, sowie wegen § 175, 1, und 176, 3, im Ganzen wegen 17 Fällen. Das Gericht nimmt, wie die „Franks. Ztg." berichtet, keine Unzurechnungsfähigkeit des Angeklagten an, wenn man auch als mildernden Umstand eine gewisse geistige Befangenheit zulassen will. Mit vernichtender Schärfe spricht sich das Urtheil über den Angeklagten und sein Sündenregister aus. Kein Gegenstand sei so geeignet wie die Religion, um Einfluß auf die jugendlichen Gemüther zu gewinnen, und von dieser Stellung habe der Angeklagte den schlechtesten Gebrauch gemacht, uneingedenk des Gebotes: „Meidet die Lüge und redet die Wahrheit!" Er habe statt guten Samen in die jugendlichen Herzen zu säen, lauter Unkraut ausgesäet. Seine Aufgabe war, seine Zöglinge zu bessern und zu heilen; statt dessen hat er ihre Herzen vergiftet. Er habe die Lüge nicht abgelehnt, denn er sei ein vollendeterHeuchler gewesen, einer jener Wölfe in Schafskleidern, von denen die Schrift redet. Er habe durch seine Heuchelei selbst Männer von Lebenserfahrung und Menschenkenntniß getäuscht und eine höchst ehrlose Gesinnung an den Tag gelegt. Deshalb habe man die Aberkennung der Ehrenrechte für angemessen erachtet. Der Stadtmissionär, dessen Rolle zum Glück vorläufig ausgespielt ist, hat inzwischen die feste Haltung, die er während der Verhandlung zur Schau trug, eingebüßt. Erhört das Urtheil in anscheinend tiefster Beschämung und Zerknirschung an. Er sitzt mit erglühtem Antlitz, niedergeschlagenen Augen und verhaltenen Thranen auf der Anklagebank, getröstet von einigen geistlichen Freunden, die ihn durch ihren Zuspruch aufzurichten suchen. Madrid, 20. März 1894. (Verhaftung eines Richters.) Der älteste Richter in Madrid. Rodriguez Zapata, wurde wegen Mitschuld an einer Testamentsfälschung verhaftet. * * * Eine italienische Dichterin. Rom, im März. Italien hat eine seiner bedeutendsten Dichterinnen verloren. Eugenia Pavia-Gentilomo-Fortis, eine Zierde des Judenthums, beschloß in Asolo ihr der Wissenschaft, der Kunst und der Wohlthätigkeit gewidmetes Leben. Ihre erste, größere, mit einer Vorrede des Rabbiners Abraham Lattes in Venedig versehene, unter dem Titel „Nieaule" erschienene Dichtung behandelte den Besuch der Königin von

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.