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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-03-23 · 12 (23.3.1894) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
12 (23.3.1894)
Date
1894-03-23
Page
– (sequence 16)
Language
German
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(Seite 238 Seyerrrtchisltze Wochenschrift Nr. 12 Wien. Die vom k. k. Landesschulrathe concessionirte Privat-Zeichen- und Malschule für Damen I., Zelinkagasse 11, veranstaltet ihre U. Jahresausstellung der Schularbeiten, welche vom 24. März bis inclusive 1. April zur allgemeinen Besichtigung geöffnet bleibt. Floridsdorf. (Israelitischer Frauenverern.) In Ergänzung unseres letzten Berichtes über das vom israelitischen Frauenverein veranstaltete Costüm-Kränzchen wollen Sie, geehrter Herr Redacteur, noch einige Momente nachtragen. Die rührigen und eifrigen Vorstandsdamen, zu denen diesmal auch die neugewählte Frau Dr. Marie S ch r ö t t e r zählte, haben Alles aufgeboten, um dieses Fest zu einem Mittelpunkt der besten jüdischen Gesellschaft auszugestalten. Und nicht blos der moralische Erfolg des Festes war ein bedeutender, es hat auch dem wohlthätigen Vereinszweck einen Reinertrag von fl. 530 Angeführt werden können. — Eröffnet wurde der Abend mit einer Polonaise von den Herren des Comites mit den Frls. Eugeüie Redlich, Therese Schnabl, Jofefine Duldner, Emma Fischer, Rosa Neumann, Therese Grünwald und Rosa Glaser, welche Damen auch die reizenden Damenspeuden in der liebenswürdigsten Weise selbst verfertigten und dem Vereine frcundlichst zur Verfügung gestellt haben. Während der Ruhepause erfreute der Donaufelder Sängerbund unter persönlicher Leitung seines Chsrmeisters G. Waldmüller die Anwesenden durch einen gelungenen humoristischen Vortrag „Moderne Minnesänger", welcher colossalen Beifall fand. Der pecuniäre Erfolg ist nicht zum geringsten Theile der aufopfernden Liebenswürdigkeit des Fräuleins Therese Schnabl zu danken, welche das Vergnügen des Tanzes opferte und als „eine vom Naschmarkt" bei ihrem Stand Blumen feil bot. Aus der Maffe von schönen Costümen feien außer den bereits Genannten hier noch namentlich angeführt: Zigeunerin Fräulein Mathilde Glaser, Gärtnerin Fräulein Josefine Duldner, zwei Gretchen Fräuleins Nachmias und Neumann, Bäckermädchen Fräulein Anna Eisinger und viele Andere. Floridsdorf. Der Tempeldiener Herr Aron Körnitz er, der seit 14 Jahren an der Cultusgemeinde sein Amt versieht, feiert Samstag am 24. März l. I. mit seiner Gattin Charlotte, geb. Löw, das Fest der silbernen Hochzeit. L. B. Brünn. (Todesf all/) Anfangs dieser Woche verschied hier Herr Baruch Königsgarten im Alter von 86 Jahren, im 61. Jahre einer glücklichen Ehe mit seiner Gattin Charlotte. Der Verewigte war ein gottesfürchtiger Mensch und machte es sich, seitdem er sich von der früheren Berufsthätigkeit zurückgezogen, im Vereine mit seiner Gattin zur Aufgabe, Wohlthätigkeit zu üben und frommen Werken nachzugehen. Lemberg. Die alte jüdische Garde, die sogenannte Conservative Partei, hat einen herben Verlust erlitten; eines ihrer besten Mitglieder ist ihr in Herrn Saul Bernstein durch den Tod entrissen worden. Daß Mensch sein Kämpfer sein heißt, die Wahrheit dieses Wortes hat der Dahingegangene durch sein ganzes Leben bethätigt. Dieser edle Mann mit seinem milden, allen irdischen Strebungen und Irrungen abgekehrten Sinne, hat nie an sich und stets an die Anderen und für Andere gedacht und geborgt, dafür sind Zeugen nicht nur die Seinigen, sondern alle Diejenigen, die ihm näher traten und sein geflissentlich die Oeffentlichkeit und Ehrenstellen meidendes Streben kennen lernen durften. Saul Bernstein war Vorsteher der Talmud-Thora, Obmann vieler Wohlthätigkeits-Vereine, durch dessen Hand viele Spenden für die israelitischen Armen Lembergs gingen. Bei aller Frömmigkeit war er von humaner, toleranter Gesinnung getragen und erfüllt von humanitären Bestrebungen, für welche er viel Zeit opferte; er besaß bedeutende talmudische Kenntnisse, auch profanes Wissen und widmete seine Mußestunden dem Talmud und der hebräischen Literatur. _ Die Anerkennung trat auch bei der Beerdigung zum Vorschein, bei welcher in selten gesehener Einmüthigkeii Angehörige aller Stände, Parteien und Classen sich zu einer überwältigend großen Trauergemeinde zusammenfanden. An der Bahre sprach vor der Synagoge Se. Ehrwürden unser Rabbiner Isaak Schmelkes. In einer zu Thränen rührenden Hesped schilderte Rabbiner Schmelkes den Lebenslauf des Dahingeschiedenen und hob hervor, daß in der Gegenwart der Verlust eines hingebenden Glaubensgenossen doppelt zu beklagen sei. Außer unserem Rabbiner Herrn Isaak Schmelkes sprach noch der Rabbinats-Assessor Herr Halperen Worten der Trauer. Julius Hochfeld. Vukovar. Am 5. d. M. starb hier der königl. Bezirksarzt, Vorstandsmitglied der israelitischen Cultusgemeinde,HerrDr.Wilh. Rosenberg, im Alter von 36 Jahren in Folge von Typhus, den er sich von dem Krankenlager eines Patienten holte, als Opfer seines Berufes. Der Verblichene war ein hochgeachtetes, sehr beliebtes Mitglied unserer Gesellschaft, ein überaus tüchtiger Arzt — er war 2 Jahre Assistent des Professor Dittel — ein sehr angesehenes, treues Mitglied unserer Gemeinde und ihres Vorstandes. Die ganze Stadt trauerte um den Heimgang dieses tüchtigen Mannes. . Bei dem Leichenbegängnisse, welches am 6. d. M. stattfand, waren alle Behörden, Aemter, das Officierscorps, Vereine erschienen, um den früh Verklärten die letzte Ehre zu erweisen. Nach dem Trauerchorale widmete ihm Se. Ehrwürden, Herr Rabbiner Dr. Diamant einen tiefempfundenen, ergreifenden Nachruf in welchem er seine Verdienste als Arzt, als Familienvater, Gatte, Mensch und Jude würdigte. Kein Auge blieb während der Rede thränenleer. Vordem offenen Grabe nahm Vicepräses Victor Baum im Namen des Vorstandes und des Schulcomites einen warmen rührenden Abschied von dem Verklärten. Sein Andenken wird in der Stadt und besonders in unserer Gemeinde ein dauerndes sein. Wiznitz. (Großrabbiner-Hochzeit.) Aus Russisch Nowosielitza, 15. März, wird uns berichtet: Der Bruder des Wiznitzer Großrabbiners, Israel Hager Feibisch, feierte am 14. d. M. im Grenzorte Oesterr.-Nowosielitza seine Vermälung mit einer russischen Großrabbinerstochter. Der Gutsherr von Oesterr.-Nowosielitza, Herr Dr. Johann Ritter v. Zotta, hatte in seiner gewohnten Freundlichkeit sein Palais, sowie alle auf seinem Gntshose befindlichen Wohn- und Nebengebäude auf die Dauer der Hochzeitsfeierlichkeiten dem Großrabbiner zur freien Verfügung gestellt. Bei der am Abend nach vollzogener Trauung stattgefundenen Tafel, bei welcher Herr Dr. v. Zotta, die Beamtenschaft, viele Honoratioren und eine ungeheuere Volksmenge aller Confessionen und aus allen Gegenden anwesend waren, erhob sich der Landtagsabgeordnete Herr Doctor Ritter v. Zotta und hielt folgende kurze, aber zündende Ansprache: „Sehr geehrte Gäste und geehrte Anwesenden! Heute feiern wir hier ein doppeltes Fest: Heute wurde im Reichsrathe die Vorlage des Handelsvertrages zwischen Oesterreich und Rußland eingebracht, heute vollzog sich die eheliche Verbindung eines österreichischen Staatsbürgers mit einer russischen Unterthanin; Einer vom geehrten Rabbinerstamme führt eine Gleiche als Ehegenossin heim. Dies ist für uns eine glückliche Vorbedeutung und ein vielversprechendes Omen! (— Vivat! Bravo! — Dr. Zotta hoch! —) Dies fühlen wir Alle hier, das ganze Land fühlt es mit Freuden und möge Gott der allmächtige Allvater unseren Wunsch erhören und seinen vollen Segen und seine ganze Gnade auf dies junge Rabbiner-Brautpaar, auf den Großrabbiner Israel Hager und auf dessen ganze Familie bis in seine letzten Stammesmitglieder zu unserem Wohle, zum Wohle und Nutzen unseres theuren Heimatlandes und zum Wohle der Eintracht seiner friedliebenden Völker spenden — Amen!" Ein nicht endenwollender, enthusiastischer Beifallssturm der riesigen Menge folgte auf diese Rede, worauf der Großrabbiner, durch diese herzlichen, vielbedeutenden Worte tief gerührt, durch allseitiges Händereichen seinen Dank bezeugte. Am 18. d. M. fanden diese Hochzeitsfeierlichkeiten ihren Abschluß, worauf das junge Rabbinerpaar sammt Familie nach Wiznitz sich zurückbcgibt. Przemysl. Sonntag am 25. März l. I., 5 Uhr Nachmittags, findet hier im Hanse des Herrn Scheinbach die Trauung des Frls. Marie Maneles mit Herrn Adolf Czaczkis statt.

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