Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 12 (23.3.1894)
- Date
- 1894-03-23
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 12 OekterrektzMtze WmtzenkrhrM Sette 237 Vermijscktes. Wien. (Zur Reichsrathswahl in der Inneren - Stadt.) Dienstag, den 27. d. M. um ^8 Uhr Abends findet in Khuner's Nestauration I., Schottenring eine Versammlung jüdischer Wähler statt, in welcher der Reichsraths-Candidat Herr Dr. Julius Ofner erscheinen und sprechen wird. Wien. Der Gemeinderabbiner Herr Dr. Ad. Schmiedl wird Samstag, den 24. März 1894 Vormittags im Leopoldstädter Gemeindetempel die Predigt abhalten. Wien. (Trauung.) Herr Banquier Sigmund Geiringer hat am letzten Sonntag seine Tochter, Fräulein Jsabella G e i r i n g e r mit Herrn Victor Herz, Sohn des Budapester Großindustriellen Herrn Hermann Herz, vermählt. Den Trauungsact vollzog Oberrabbiner Dr. Güdemann unter Assistenz des Obercantors Gold stein. Der Ceremonie wohnte ein zahlreiches Publicum, Vertreter aller Kreise der Intelligenz bei. So sah man, um aus der überaus reichen Fülle der Persönlichkeiten nur einige Namen zu nennen: Baron Bourgoing. Baron Gustav Springer, Ritter v. Boschan, Oberstlieutenant Pletzger, Polizeirath Frankl, Commerzialrath Reiffer, Abgeordneten Dr. Bloch, Kammervirtuosen Alfred Grünfeld, den preußischen Hofvirtuosen Heinrich Grünfeld, Hofopernsänger van Dyck, Direetor E. von Bukovics und Gemalin, Componisten Charles Weinberger, Girardi, Frau Odilon, Regisseur Kadelburg, Schauspieler Weiße mit Gemalin, Schauspieler Giampietro mit Gemalin, Dr. Rudolf Tyrolt, Frau Johann Strauß und Tochter, Fräulein Hausner, Herrn Broda mit Frau, die Bank- und Finanzwelt und noch viele Andere. Der Statthalter Graf Kielmansegg hat Herrn Geiringer auf schriftlichem Wege gratulirt, wie auch Glückwunschdepeschen von den hervorragendsten Financiers aus Wien, Berlin, Paris, Frankfurt und Pest eintrafen. Das Hochzeitssest fand in dem durch Director Baumgarten von den Sofiensälen mit erlesenem Geschmacke decorirten Wintergarten des „Grand Hotel" statt. 150 Personen waren zu der um 8 Uhr Abends stattgehabten Soiree geladen. Die Tafelmusik wurde von der Capelle Strauß besorgt. Eduard Strauß dirigirte persönlich. Wien. (Trauung.) Am 18. d. M. fand im neuen Tempel in der Leopoldsgasse die Trauung des Frauenarztes Herrn Dr. Theodor Z e r n e r mit Fräulein Susanne Brecher, Tochter des Banquiers Herrn Julius Brecher, statt, welcher ein überaus zahlreiches, den besten Gesellschaftskreisen angehöriges Publicum beiwohnte. Unter den Anwesenden bemerkte man die Herren Universitätsprofessor Dr. O s e r, Reichsrathsabgeordneten Dr. Bloch, Gemeinderath S t i a ß n y, die Banquiers Max Weiß von Wellen st ein, Ritter von Stengel, Hermann Haber, den Gesammtvorstand des Synagogen-Bereines mit seinen Obmännern Herren M e i s el s und Zolles, ferner zahlreiche Mitglieder des medicinischen Doctoren-Collegiums. Den Trauungsact vollzog Ober-Rabbiner Dr. Güdemann, welchem Herr Obercantor S ch o r in trefflicher Weise assistirte. In seiner Traurede betonte Herr Dr. Güdemann die großen Erfolge, die sich der junge Arzt auf dem Gebiete der wissenschaftlichen Forschung und durch seine praktische Thätigkeit bereits errungen, und die allseitige Anerkennung, die ihm hiefür zu Theil geworden. Wien. Sonntag am 25. März I. I., v23 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel 1. Bezirk Seitenstettengasse die Trauung des Fräul. Hermine Kann mit Herrn Gustav Neurath statt. Wien. (Jubiläum einer Buchhandlungsfirma.) Am 15. d. M. feierte die hiesige allseits bekannte Buchhandlung Moritz Perles den Gedenktag ihres 25jährigen Bestandes. Aus kleinen Anfängen emporwachsend, hat sich diese Firma zu einer bedeutenden Ausdehnung entwickelt. Ihr vornehmer Verlag pflegt neben der Herausgabe von fast 200 Kalendern vor Allem streng wissenschaftliche Disciplinen. Auf dem Gebiete der Jurisprudenz ist Perles mit den epochemachenden Gellerschen Gesetzesausgaben hervorgetreten. Er cultivirt auch in ausgedehnter Weise Landwirthschaft, Forstkunde und Veterinäres. Groß angelegte lexikalische Werke, zu denen wohl selten ein österreichischer Verleger den'Muth findet, sind bereits mehrere bei ihm erschienen. Aber auch Prachtwerke ersten Ranges: „Der Festzug nach Makart von Stadlin", eine polychrome Leistung von bleibendem Werthe, und „Polens Könige und Herrscher" nach Matejko bilden zwei glänzende Blätter in dem Ruhmeskranze dieses Hauses. Herr Perles, welcher die für ihn arbeitenden Autoren fast ausnahmslos zu den intimeren Freunden seines Hauses zählt — ein seltenes Einvernehmen! — gab ihnen und seinen Angestellten, die er überdies noch mit einer Lebens¬ und Altersversicherung überraschte, am 17. d, M. ein solennes Festessen, bei dem das Lob dieses klugen, energischen und großherzigen österreichischen Verlegers in beredten Worten verkündet wurde. Wien. (Todesfall.) Das Mitglied des Bethausvorstandes der israelitischen Cultus gemein de für den Stadt- und Leopoldstädter Tempel I o s e f B a ch r a ch, ist heute Früh in seiner Wohnung, Alsergrund, Hörlgasse Nr. 16, an Herzschlag plötzlich gestorben. Der Heimgegangene, ein Mann von ungeheuchelter Frömmigkeit, genoß hohe Achtung in allen Kreisen der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde und sein plötzliches Hinscheiden erweckt allgemeine Theilnahme. Wien. (Todesfall.) Am 20. März starb in Kaltenleutgeben Frau Josefine Friedmann im 51. Lebensjahre. Wer jemals dieser ausgezeichneten Frau näher getreten, hat dieselbe schätzen und verehren gelernt. Sie vereinte seltenen praktischen Blick, eminente geschäftliche Uebersicht — als langjährige Mitarbeiterin der Firma D. Friedmann — mit einer rastlosen Arbeitskraft. Dabei war sie daheim die sorgfältigste, zärtlichste Mutter und ihrem ihr um 5 Jahre im Tode vorausgegangenen Gatten die liebevollste Hausfrau. Ihr klarer Geist begleitete alles Edle und Schöne in Kunst und Schriftthum mit lebhaftem Interesse. Im Verborgenen säete sie Wohlthaten — die Armen kannten ihren Schritt — und ihr edles, echt jüdisches Herz war, wenn es zu helfen galt, von opferfreudigster Bereitschaft. Wir betrauern zugleich in ihr eine warme Freundin unseres Blattes. Das Leichenbegängniß findet am 23. d. M. statt. Ehre und Segen ihrem Angedenken! Sie ruhe in Frieden! Wien. (Ein Hunderttausend-Gulden-Legat.) Der im Jahre 1892 in Wien verstorbene Fabrikant und Ban-- quier Herr Wilhelm Nagel hat außer zahlreichen Wohlthätigkeits-Legaten sein einen beiläufigen Werth von fl. 100.000 repräsentirendes Haus Nr. 6 in der Dreilaufergasse im siebenten Bezirke dem Handwerkerverein und einem anderen vom Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde zu bestimmenden humanitären Vereine testamentarisch vermacht. Sein Sohn und Universalerbe Herr Friedrich Nagel hat im Vereine mit dem Testamentsvollstrecker Herrn Dr. Philipp Kallmus sämmtliche Legate noch vor der Fälligkeit ausbezahlt und die erforderliche grundbücherliche Anmerkung soeben vollziehen lassen. Wien. Die Schrift des Herrn Hofrath Dr. Dembo ist in unserem Blatte wiederholt so eingehend besprochen worden, daß der ausgegebene Prospect keines weiteren empfehlenden Wortes bedarf. Angesichts des mit wachsender Heftigkeit tobenden Sturmlaufes gegen die Schechita sollte Jeder bemüht sein, sich mit den Kenntnissen zu rüsten, welche die Abwehr der thierschützlerisch-antisemitischen Angriffe erfordert. Das vorliegende Buch ist eine vortreffliche Wehr und Waffe; wir bezweifeln nicht, daß jeder unserer Leserdasselbe erwerben und nach dem Maße seines Könnens dazu beitragen wird, dasselbe in nichtjüdischen Kreisen verbreiten zu helfen. Wien. Bei dem am 18. d. stattgefundenen lit. Nachmittag, des lit. Geselligkeitsvereines jüdischer Mädchen „Moria" hielt Vicepräsidentin Frl. Natalie Pollak anläßlich des Todes unseres großen jüdischen Denkers und Dichters, Ludwig Aug. Frankl, einen Bortrag über denselben und Frl. Jda Werner recitirte zwei seiner Gedichte: „Das Grab" und „Der Wiedergefundene". Herr Dr. Ringel sprach hierauf über: „Die Frau im Talmud" und wußte sich durch seine originellen Ausführungen den Beifall aller Anwesenden zu erringen. Der nächste lit. Nachmittag findet am 1. April statt. Den Mitgliedern wird zur Kenntniß gebracht, daß der nächste gemüthliche Abend am 31. d. abgehalten wird, doch wird Näheres noch in der nächsten Nummer dieses Blattes bekanntgegeben. 2*. , Wien-Hernals. (Verlobung.) Fräulein Jrma Trnka Tochter des Vorstehers der Chewra Kadischa in Hernals, hat sich mit Herrn Felix Diamant, Gesellschafter der Firma , A. u. F. Diamant in Wien, verlobt.