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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-03-23 · 12 (23.3.1894) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
12 (23.3.1894)
Date
1894-03-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12 Vrsterreichiphr Wochenphrtst Seite 227 Priester und Gelehrten des Landes, damit sie über ihn zu Gericht sitzen; diese verhören den Angeklagten und sprechen ihn jedoch frei. Jssa fährt fort, von der Kanzel herab zum Volke zu sprechen; er fordert es auf, Cäsar den Gehorsam nicht zu versagen und die Frauen zu achten; nichtsdestoweniger lassen die Spione, mit denen ihn Pilatus umgeben, diesem Letzteren beunruhigende Berichte über den Enthusiasmus des Volkes zukommen; aus Furcht vor einer Empörung läßt er Jssa verhaften und ins Gefängniß werfen, hier auf die Folter spannen, und nachdem Jssa standhaft geblieben, lädt er ihn neuerdings vor den Sanhedrin zusammen mit zwei Straßenräubern. Diesmal hatte man falsche Zeugen gedungen. Der Gouverneur ließ zuerst jenen Zeugen aussagen, der über Betreiben seines Herrn Pilatus Jssa verrathen hatte; dieser Mann trat vor und richtete an Jssa die Frage: „Gabst Du Dich nicht für den König von Israel aus, als Du sagtest, daß Derjenige, welcher droben thront, Dich herabgesandt, um sein auserwähltes Volk würdig vorzubereiten." Und nachdem ihn Jssa begegnet, sprach er zu ihm: „Man wird Dir verzeihen, denn was Du vorhin sagtest, kommt nicht von Dir." Sodann zum Gouverneur gewandt: „Warüm Deine Würde so weit erniedrigen?" Jssa aber segnete ihn und sprach zu ihm: „Man muß Dir verzeihen, denn was Du vorhin sagtest, kommt nicht von Dir." Sodann zum Gouverneur gewandt: „Warum thust Du Deine Würde so weit erniedrigen, daß Du Deine Knechte verleitest, in der Lüge zu leben, da Du ja ohnedem die Macht besitzest, einen Unschuldigen zu verurtheilen?" Darauf geüeth der Statthalter in großen Zorn und erkannte bei Jssa auf Todesstrafe, indeß er die beiden Briganten freisprach. Nachdem der Richter die gemeinsame Berathung gepflogen. thaten sie Pilatus kund: „Wir wollen nicht auf unser Haupt die schwere Sünde laden, einen Unschuldigen zu verurtheilen und Banditen freizusprechen, weil so was den Gesetzen unseres Landes widerspricht. Thue also/ was Dir beliebt." Dies gesagt, schritten die Priester und Greise von dannen und wuschen ihre Hände in einem geweihten Becken mit den Worten: „Wir sind unschuldig an dem Tode des Gerechten." Jssa, aber auch die zwei Briganten werden an's Kreuz geschlagen. Doch am dritten Tage findet man das Grab, wo sein Leib gebettet worden, geöffnet und leer. In diesem buddhistischen Evangelium, sowie dasselbe vom Dolmetsch des Nicolaus Notovitch übersetzt worden, treten uns auf den ersten Blick zwei schier überraschende neue Momente entgegen. Vorerst füllt das Manuscript der Lamas eine sehr große Lücke aus, die nach den Erzählungen der Evangelisten in der Lebensgeschichte Jesu Christi sich vorfindet. Von seinem Disput an mit den Doctoren bis zu seinem Zusammentreffen mit Johannes dem Täufer wußten wir Nichts über sein Leben und seine Thaten. Nun erfuhren wir aus den Schriften der Lamas, daß er Indien durchzogen und die heiligen Bücher studirt. Doch das klärt uns nicht allein über einen bis jetzt dunklen Lebensabschnitt Jesu auf, sondern es gibt zugleich einen Fingerzeig darüber, wieso die schon oft heraus gefundenen Analogien zwischen seiner Lebre und jener des Sakjamuni, (Einsiedler von Sakja, berühmter, das Dogma der Buddhisten kündender Lehrer aus dem Geschlecht der Sakja, Anm. des Uebers.) sich erklären lassen. Die Gelehrten nahmen an, daß vielleicht buddhistische Mönche vom Tibet bis nach Judäa verschlagen wurden. Man wies zugleich auf die mächtigen Nachwirkungen des Orients in den religiösen Ceremonien der Essäer und der Baptisten hin. Wenn man sich auf das Manuscript in der Palischrift im Pali bezieht, wird sich das Räthsel bald lösen. Es bleibt nur übrig, den Umstand aufzuklären, wieso diese langen Pilgerfahrten Jesu den Evangelisten entgangen sein konnten, oder, wenn dies nicht der Fall, weshalb sie nirgends davon Erwähnung thun.. Doch das Interessanteste der vom Dolmetsch des Nicolaus Notovitch vernuttelten Geschichte ist offenbar im Schluß enthalten. Welche außerordentliche überraschende Enthüllung. Danach hätte nicht der Sanhedrin. sondern Pilatus in Person den Tod Jesu verschuldet. Mit einem Schlage sind die Rollen vertauscht. Die Richter und Priester hatten sich nur dem. Machtspruch des Statthalters gebeugt. Im Uebrigen wurden sie durch falsche Zeugen getäuscht. Und selbst dann noch waren sie gewissenhaft genug-, sich die Hände zu waschen und das denkwürdige Wort zu sprechen: „Wir sind unschuldig am Tode des Gerechten." Die Juden aber sind von dem Verbrechen reingewafchen, das seit Jahrhunderten auf ihrer Vergangenheit lastete. Ja die Lamas machen es uns zur Pflicht, den antiken Proceß Israels zu revidiren. Das ist in der That höchst merkwürdig. Und daß diese Offenbarung gerade jetzt, wo eine gewiffe Sorte von Christen den alten Streit aufzuwühlen beflissen ist, sehr gelegen kommt, brauchen wir nicht erst zu betonen. Herr Nikolaus Notovitch unterbreitete seinen Fund mehreren Personen. Der hochwürdige Herr Platon, Metropolit von Kiew, hätte ihm von einer Publication abgerathen. Weiters wäre ihm seitens eines in Rom residirenden Cardinals, der das unbegrenzte Vertrauen des heiligen Vaters besitzt, der Antrag gemacht worden, gegen eine bestimmte Summe seine Auszeichnungen todtzuschweigen. Endlich hätte ihn der Pariser Nnuttus Rotelli „im Interesse aller christlichen Kirchen" von der Publication abzuhalten gesucht. Schließlich wies ihn Jules Simon an Ernst Renan. Letzterer hätte ihm den Vorschlag gemacht, dem Institut über die fraglichen Memoiren Bericht zu erstatten. Doch Herr Nikolaus Notovitch wollte sich nicht mit dem Ruhm bescheiden, das Leben Jssas offenbart zu haben; er ließ es sich nicht nehmen, Alles mit einschlägigen Commentaren und seinen Reiseaufzeichnungen der Oeffentlichkeit zu übergeben. Das hat er soeben gethan. Ich werde mich Wohl hüten, diese unverhoffte Variante der christlichen Evangelien zu discutiren, da ich mich in dieser Hinsicht als nicht competent genug betrachte. Im Texte heißt's da wörtlich; „Da ich mir in dieser Hinsicht einer vollständigen Jncompetenz bewußt bin", ve facto ist bereits dem Chefredacteur des „Journal des Debats" in der Nummer vom 16. unter Bezugnahme auf diese Jncompetenz-Erklärung des Artikel-Verfassers Andre Hallays eine Protestzuschrift zugekommen. Das ist Sache der Orientalisten und Theologen, wenn sie glauben, daß es sich verlohnt. Andre Hallays. _ (Journal D. D.) Die jüdischen Schacht-Vorschriften im Lichte der modernen Medirin. Aus einem Bortrage. von Hofrath Dr. I. Drmbo aus St. Petersburg. .Nachdem ich Ihnen, meine Damen und Herren' bewiesen habe, daß die jüdische Schlachtmethode den Anforderungen der Humanität und der Hygiene durchaus gerecht wird, mehr als irgend eine andere Tödtungsart, wird es sich empfehlen, der Frage näherzutreten, ob die einzelnen Vorschriften über die Schechita mit dem gegenwärtigen Stande der Medicin in Einklang stehen. Ist diese Uebereinstimmung vorhanden — und wir werden sehen, daß dies bis in die einzelnsten Einzelheiten der Fall ist — so wird diese Thatsache unsere Bewunderung über die hohe Weisheit, welche aus jenen Vorschriften spricht, noch wesentlich steigern. Wie Ihnen bekannt sein dürfte, muß das Schächten mit einem vorschriftsmäßig zubereiteten scharfen Messer ohne jegliche Scharte vorgenommen werden. Sollte etwa der Gesetzgeber nicht gewußt haben, daß man auch mit einem nicht besonders scharfen Messer einem Rinde den Hals durchschneiden kann? Allerdings, aber je schärfer ein Instrument, desto weniger Schmerz bereitet der Schnitt, und je glatter der Schnitt, desto ergiebiger ist die Ausblutung. Ein vor Kurzem erschienenes Flugblatt des Berliner „Vereines gegen Massenthierquälerei" enthält folgenden Satz: „Raba sagt: wenn man mit einem stumpfen Messer schachtet, w?nn man auch einen ganzen Tag am Schneiden bleibt, so ist die Schächtung doch koscher, wenn keine Pause vorgefallen ist!" Dieser Satz ist einem Buche des Schächters der jüdischen Gemeinde zu Deutz, Meier Danziger, entnommen, dessen Kenntniß

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