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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-03-23 · 12 (23.3.1894) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
12 (23.3.1894)
Date
1894-03-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Vrstrrrrichischr Wochenschrift Nr. 12 Seite 226 meinen und verlogenen Schmutzartikeln des „Deutschen Volksblatt" an und beweist nur wiederum, welch niedrige Meinung „Ehren-Vergani" von den geistigen Eigenschaften seiner Parteigenossen haben muß, wenn er es wagen darf, ihnen solche literarische Produkte aufzutischen. In dankenswerther Weise ist die „Oesterrelchische Wochenschrift" in ihrer Nummer vom 16. März l. I. diesen den thatsächlichen Verhältnissen ganz entgegengesetzten Ausführungen des Antisemitenblattes entgegengetreten, indem die „Oesterreichische Wochenschrift" den officiellen ziffermäßigen Nachweis führte, daß die Hausirer nichts weniger als glänzende Geschäfte machen, sondern von Seite der Armenanstalten mit Beiträgen für Miethzins, Hausirsteuer, Bekleidung für ihre Kinder, Medicamente rc. unterstützt werden müssen, somit nicht einmal so viel verdienen, um sich und ihre Familie erhalten zu können. Gestatten Sie mir nun gleichsam als Pendant zu Ihrem Bericht in der Nummer 11 Ihres geschätzten Blattes über das neue Hausirgesetz einige Bemerkungen, die mir wichtig scheinen, anzuführen: Die Hausirgesetz-Novelle ist wieder eine jener Unbegreiflichkeiren, mit welcher wir in neuerer Zeit wiederholt von Seite der Regierung überrascht werden. Sie ist ein weiterer Schritt zur Reaction. Diese Gesetzesvorlage verstößt gegen die einfachsten Grundsätze der Staatsraison; sie ist gleichbedeutend mit der Vernichtung des Hausixhandels und mit ihm vieler Tausende von Existenzen. Durch die Creirung dieses Gesetzes werden Tausende von neuen Bettlern geschaffen werden, weil die Waare der meisten Hausirer kaum so viel Werth repräsentirt, als die erhöhte Steuer betragen wird, sonach für die Hausirer die Steuer unerschwinglich sein wird. Ja! um des Himmels Willen! Ist es denn die Aufgabe einer Regierung, Existenzen zu vernichten, oder vielmehr, die wirthschaftlich Schwachen zu stützen? - Gibt es noch zu wenig Bettler in Oesterreich? Ein solches Experiment, wie der Erlaß dieses Gesetzes, ist ebenso ein furchtbarer Mißgriff, wie das Gesetz über den Befähigungsnachweis es seinerzeit gewesen ist. Das Gesetz soll also eine einschneidende Einschränkung des Hausirhandels verursachen. Würde man unparteiische Informationen erhalten haben, so wäre man zu der Ueberzeugung gelangt, daß gegenwärtig in Wirklichkeit eine Einschränkung des Hausirhandels in dem Maße besteht, wie sich dieselbe der enragirteste Antisemit nicht eingeschränkter wünschen kann. Liegt doch die Einschränkung in den modernen Verhältnissen selbst. In fast allen Häusern, Restaurationen, Cafes :c. sind Täfelchen affichirt, welche dem Hausirer das Betreten dieser Räumlichkeiten verbieten. Nicht besser geht es dem Hausirer, welcher nach stundenlangem Marsche auf dem Lande draußen sein Brot suchen will, denn das immer mehr sich ausdehnende Eisenbahnnetz hat auch den Hausirer entbehrlich gemacht, da die jetzige bequeme billige und rasche Fahrt mit der Bahn dem Landmann es ermöglicht, seinen Bedarf an Wäsche, Kleider rc. bei dem Kaufmann direct in den nächsten Ort zu decken. Und wodurch, frage ich weiter, haben die Hausirer diese drakonischen Verschärfungen, wie sie in der Hausirgesetz-Novelle enthalten sind, verschuldet? Hätte man je, daß ein Hausirer Staatskassen beraubt, oder sonst anverttautes Gut veruntreut, oder gar Mordthaten begangen, oder staatsgefährlichen Gesellschaften sich angeschlossen hätte? Und doch wendet die Regierung jeder anderen Bevölkerungsclasse ihre Obsorge, ihre Hilfe zu, dem Beamten, dem Gewerbsmann, dem Arbeiter, nur die Hausirer sind das verstoßene Kind, das Aschenbrödel! Die Antiliberalen jubeln! Rühmte sich doch Dr. Lueger kürzlich in einer Versammlung, daß es das Verdienst der Antisemiten sei, daß die Regierung zur Verschärfung des Hausirgesetzes schritt. Die Wirkungen der Coalition beginnen bereits fühlbar zu werden. Man sieht, der Fortschritt zeigt sich — aber jener der Re act ion. L .. . Stt... b .... Ein uraltes Manuskript Wer das Leben Irfu. Auf seiner Reise durch Tibet erfuhr der Russe Nicolaus Notowitch in einem Kloster, daß die Buddhisten einen Propheten Namens Jssa kannten und verehrten, als einen der größten von den zweiundzwanzig Buddhas, ja ihn sogar eine größere Verehrung bezeugten, als sämmtliche Dalai-Lamas'). Die Namensanalogie, sowie gewisse Einzelheiten aus dem Leben Jssa's befestigten in ihm die Ueberzeugung, daß diese Persönlichkeit nur mit Jesus Christus, identisch sein könne und er zog bei den Lamas (tibetische Priester) Erkundigungen ein, ob nicht irgendwo eine Geschichte dieses Propheten existirte. Die Lamas belehrten ihn, daß wohl in den zahlreichen Klöstern der Provinz Ladak Aufzeichnungen über das Leben Jssa's aufbewahrt würden, dieselbenWdoch als „sacrosankte Schriften" angesehen würden. So machte sich denn NicolauS Notovitch auf die Suche nach den mysteriösen Schriften. Er durchstreifte Ladak, besuchte die Hauptstadt Le (Leh) und kam u. A. auch in ein Kloster Namens Hemis. Hier führte man ihm allerlei religiösen Mummenschanz vor, und nach einer breitspurigen Expectoration über den Buddhismus theilte der Priester ihm mit, daß das Kloster im Besitze einer Copie, betreffend das Leben Jssa's sei. Das kostbare Manuskript wollte man ihm jedoch nicht anvertrauen. Nach Leh zurückgekehrt, sandte der unverdrossene Reisende dem unzugänglichen Lama einige feine Geschenke, eine Uhr, ein Thermometer, einen Wecker, in der Hoffnung, auf diese Weise die religiösen Skrupeln des Frommen zu überwinden. Einige Tage hernach brach sich der Russe auf einem Ritt in der Nähe des vorgenannten Klosters das Bein, und siehe da, dieser Reiseunfall sollte ihn zum — wenn auch vorübergehenden — Besitz der langersehnten Schriften verhelfen. Man brachte den verunglückten Reisenden in's Kloster, ließ ihm hier eine sorgfältige Pflege angedeihen und gab ihm zum Zeitvertreib „zwei in Pergament gebundene^Rollen .mit großen, vergilbten Blättern". Diese Blätter enthielten die Geschichte Jssa's. Die Uebersetzung, welche ihm sein Dolmetsch vermittelte-mindest der Lama den im Palidialect?) verfaßten Text mit lauter Stimme vorlas — notirte sich der Russe Vers für Vers in sein Tagebuch. Im Nachfolgenden geben wir ein kurzes Resume dieser Translation wieder. „Jssa kam im Reiche Israel auf die Welt. Seine Eltern waren arme Leute, einem Geschlecht entstammend, das sich durch besondere Frönpnigkeit auszeichnete, das, ohne an seine einstige Macht und Größe auf Erden zurückzudenken, sein Höchstes und Bestes darin fand, den Schöpfer zu preisen und ihm zu danken für die schweren Prüfungen, die er in seiner Weisheit ihm auferlegte. Bon Kindheit auf verficht er und kündet er die Existenz des „ureinzigen und untheilbaren" Gottes. Nachdem er sein dreizehntes Lebensjahr zurückgelegt, in welchem bekanntlich nach jüdischem Gesetz Volljährigkeit eintritt, verläßt er — statt, wie es der Landesbrauch heischt, ein Weib zu nehmen — das elterliche Haus und wendet sich mit Kaufleuten nach Sind?) Mit vierzehn Jahren siedelt er sich unter den Ariern an. Er besucht Djagguernat, Radjagriha, Benares, wo er die Weden zu lesen und zu verstehen lernt. Doch eines Tages bricht er den Verkehr mit den Brahmanen ab, leugnet den göttlichen Ursprung der Weden und die Jncarnationen (oder Avataras si des großen Brahma in Wischnu. Die „weißen Priester" bedrohen ihn mit dem Tode. Er flüchtet sich in das Land der Gaoutamides, erlernt das Pali und binnen sechs Jahren ist er schon in die heiligen Mysterien des unverfälschten Buddhismus eingedrungen. Darauf wendet er sich nach dem Westen, allerwärts gegen die Götzen eifernd. In Persien bekämpft er die Lehre Zoroaster's. Doch den Nachstellungen der Gaukler (Geisterbeschwörer) muß er sich durch Flucht entziehen. Neunundzwanzig Jahre alt, kehrt er nach Judäa zurück. Hier hält er öffentliche Predigten. Doch seine wachsende Popularität beunruhigt Pilatus, Gouverneur von Jerusalem. Er berust die *) „Priester-Ocean", ursprüngliche mongolische, dann verallgemeinerte Bezeichnung des obersten Priesters aller Buddhisten in China und den Nebenländern. Anm. d. Uebers. 2) Einer der alten Volksdialecte Indiens. Anm. d. Uebers. 3) Um den Beginn der christlichen Zeittechnung Tummelplatz der aus Jnnerasien nach Indien Eingewanderten. Anm. d. Uebers. *) Türkisch-baturische Völker der Jndo-Scythen. Anm. d. Uebers.

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