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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-03-23 · 12 (23.3.1894) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
12 (23.3.1894)
Date
1894-03-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 224 Oesterreichifitzr Wochenschrift Nr. 12 fangt bei sich selbst an." Tatsächlich bilden die Strafvechandlungen gegen arische Lebensmittelfälscher eine stehende Rubrik in den Zeitungen und das Wiener Marktcommissariat hat die Hände voll zu thun mit Confiscationen verfälschter und gesundheitsschädlicher Lebens- und Genußmittel. Der Engroshandel in Fischen und Wasserthieren ist ausschließlich arisch. Es vergeht selten ein Markttag ohne Beanstandung und Confiscation verdorbener Fische. Im Monate Februar 1894 wurden in Wien in Ausübung der Markt- und Sanitätspolizei nachstehende Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände confiscirt: Finnige Schweine 4 Stuck, Haarwild 4 Stück, Federwild 4 Stück, Geflügel 123 Stück, Fische diverse 298 Kilogramm und 2 Füßchen Russen, verdorbenes Fleisch und Abfälle 284 Kilogramm, finniges Fleisch 83/4 Kilogramm, Würste 523/4 Kilogramm, Milch 825 Liter, Fettwaaren 78 Kilogramm, Eier 3972 Stück, Obst 1883‘/4 Kilogramm, Südfrüchte 743/4 Kilogramm und 7384 Stück (Orangen und Citronen), Grünwaaren 2614 Kilogramm, Gurken 7 Kilogramm und 200 Stück, Paradeis (conservirt) 8 Gläser, Kartoffel 1628 Kilogramm, Zwiebel 10 Kilogramm, Schwämme 71V2 Kilogramm, Mehl 5572 Kilogramm, Hülsenfrüchten 937s Kilogramm, Preßhefe 17 Kilogramm, Bier (Tropfbier) 41 Liter, Zuckerbäckereien ll/2 Kilogramm und 37 Stück, Safran 12 Gramm, Pfeffer 272 Kilogramm, Mohn 3% Kilogramm, Brausepulver 51 Stück, Medicinalkräuter 1772 Kilogramm, sanitätswidriges Eis 11.000 Kilogramm, Petroleum 5200 Liter (mit Beschlag belegt), Feuerwerkskörper 80 Stück, Maculaturpapier 18 Kilogramm, Metallbestandtheile von Chocolade-Artikeln 7057 Stück, Wagen und Gewichte 191 Stück, Milchkannen 32 Stück, Cimente 84 Stück. Man könnte noch viele Verkehrsgebiete anführen, welche ausschließlich in arischen Händen liegen, die durch unreelle Gebahrung degenerirt wurden, müßte man nicht befürchten, mit Anführung täglicher Vorfälle zu ermüden. Allein die pi&ce de resistance können wir dem Leser nicht ersparen, denn es handelt sich bei derselben um ausnahmslos antisemitischarische Producenien und noch antisemitisch gesinntere Consumenten. Dank der allzeit durstigen Kehlen der Ansemiten hat sich in der Umgebung Wiens und in den jetzt zu Wien einverleibten Vororten eine Weinindustrie merkwürdiger Art gebildet. Die Weinhauer besitzen nämlich das — Privilegium, den Eigenbau durch sechs Wochen alljährlich auszuschänken. Wenn der Hauer £ oder 9) „aussteckt", pilgern die Arier hinaus, um sich an einen „guten unverfälschten Tropfen" zu laben. Nun sind die Manipulationen und Schliche der biederen Weinhauer aufgedeckt worden. Die biederen Weinhauer verkaufen nämlich das werthvolle Eigenproduct zu hohen Preisen an die Weinhändler und schänken dagegen an die Heurigenbesucher ein Gemisch von fragwürdigem mährischen oder österreichischen Säuerling, sogenannten Siebenmännerwein, geschnitten mit den schlechtesten Sortm ungarischer oder italienischer Weine um den horrenden Preis von 56 bis 68 kr. per Liter. Was sagt Herr Psenner zu diesem Geschäftsbetrieb, der doch gewiß nicht ein Ausfluß jüdischer Gewohnheiten ist. Diese „Concurrence loyale“ ist doch zweifellos nicht auf eine» Zersetzungsproceß, den die jüdischen Unarten mit sich bringen, zurückzuführen! U. A. w. g. _ Eduard Beer. Lrsk & Schwidernoch. Wien ist um eine Specialität ärmer. Ueber die im Equitable-Palais etablirt gewesene antisemitische Buchhandlung L es k L Sch w id erno ch mußte der Concurs verhängt werden. Die Firma Lesk & Schwidernoch hat eine kurze, aber sehr intereffante Geschichte. Vor etwa drei Jahren übernahmen die Inhaber derselben die im Jahre 1799 begründete Hofbuchhandlung von Otto Sintenis und eröffneten in der Teinfaltstraße einen Laden, welcher rasch die Aufmerksamkeit auf sich zog. Anläßlich der Reichsrathswahl des Abgeordneten Doctor Kronawetter erschienen in dem Auslagefenster der Buchhandlung Lesk & Schwidernoch gedruckte und gemalte Pamphlete von unsäglicher Rohheit und Gemeinheit in Form und Inhalt. Es waren dies Farbendruckbilder, welche von einem antisemitischen Dresdener Verleger hergestellt wurden und nicht blos zu Haß und Verachtung, sondern zu directer Gewaltthätigkeit gegen die Juden ausreizten. Es gibt kein Verbrechen, welches in diesen Caricaturen den Juden nicht zugeschrieben worden wäre. Eines der Bilder zeigte einen Strick und der darunter stehende Text ließ keinen Zweifel über die Bedeutung dieses Symbols. Vor dem Schaufenster der Firma Lesk & Schwidernoch bildeten sich jeden Tag große Ansammlungen, die theils aus schadenfrohen Parteigängern der antisemitischen Buchhändler, theils aus Neugierigen bestanden. Die Polizei schritt ein und verbot die Schaustellung der aufreizenden Bilder. Aber die Herren Lesk & Schwidernoch setzten sich, obwohl sie in Oesterreich nur das Gastrecht genießen, mit der größten Unverfrorenheit über die Anordnungen der österreichischen Behörden hinweg. Am Tage der Wahl des Dr. Kronawetter erschien in ihrer Auslage ein neuer Bilderbogen mit jüdischen Zwerg gestalten und darunter klebte ein Zettel, welcher die herausfordernde Inschrift barg: „Die Wähler des Dr. Kronawetter." Bild und Zettel wurden von der Polizei entfernt, aber die Firma-Inhaber boten der allgemeinen Entrüstung noch weiterhin Trotz. In höhnischen Zuschriften an Wiener Blätter beleidigten sie das österreichische Gefühl, und als ihnen das Locale in der Teinfaltstraße gekündigt wurde, kündigten sie in Circularen und Plakaten, welche von neuerlichen Schmähungen gegen die Juden strotzten, ihre Uebersiedlung in die Seilergasse an. Im Verlage der Firma Lesk & Schwidernoch erschien auch die Hetzschrift des Weinhauser Pfarrers Josef Deckert, des bekannten Complicen des Paulus Meyer. Der eine Theilhaber, Herr Schwidernoch, propagirte den Antisemitismus auch durch die That. Er erschien als Gast bei einem am 1.Mai in Troppau stattgehabten antisemitischen Feste, attakirte und beschimpfte daselbst in brutalster Weise harmlose jüdische Passanten, überfiel in Gemeinschaft mit anderen Genossen einen Fabriksbeamten Namens Bellak und mißhandelte denselben. Herr Schwidernoch büßte diese Heldenthat mit mehrwöchentlicher Haft. All' diese Dinge verschafften der Firma Lesk L Schwidernoch einen gewissen Ruf. Die öffentliche Meinung mußte sich wohl oder übel mit ihr beschäftigen, aber über die Wirkungen dieser Reclame scheinen sich die Theilhaber der Firma doch gründlich getäuscht zu haben. Das Häuflein deutschnationaler Antisemiten, welche die Thätigkeit der Herren Lesk & Schwidernoch in helles Entzücken versetzte, steht mit der Literatur auf ziemlich gespanntem Fuße. Es bewunderte die zur Schau gestellten Schand- und Hetzschriften, aber es kaufte dieselben nicht. Mit Pamphleten und Caricaturen kann man sich ja nicht besaufen! Das anständige Publicum aber wendete sich von den ausländischen Importeuren der gedruckten und gemalten Gemeinheit mit Abscheu ab. Die Geschäfte der Firma scheinen schon seit geraumer Zeit schlecht gegangen zu sein, denn vor ungefähr einem halben Jahre trat der eine der Theilhaber, Herr Schwidernoch, aus der Firma aus. Herr Lesk führte nun die Buchhandlung aus alleinige Rechnung fort, ein Entschluß, welchen nunmehr die Gläubiger gründlich zu' beklagen haben, denn die Bücher der Firma weisen Passiven im Betrage von 50.000 fl. aus. Die Speculation auf die Gesinnungsrohheit der Wiener Bevölkerung hat sich diesmal nicht rentirt und mit der Firma Lesk und Schwidernoch verschwindet ein Schandfleck des geistigen Wien. Der Zusammenbruch derselben ist ein Beweis für den Niedergang der antisemitischen Bewegung. Vor Jahren schon hat der Buchhändler Cornelius Vetter, der sein Geschäft mit jüdischem Gelde errichtet hatte, den Versuch gemacht, sich durch den Vertrieb antisemitischer Schmähschriften zu bereichern. Auch er hat dabei seine Rechnung nicht gefunden und war klug genug, sich bald von der anti-

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