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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-03-23 · 12 (23.3.1894) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
12 (23.3.1894)
Date
1894-03-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 12. Wien» 23. Mär; 1894. Jahrgang XI. Cenkralorgan für die gefammten Interessen des Iudenthums. K. ft. Postsparrassrn-Rmt ClraringderKrhr Nr. 810.976. Nrdarlion und Admmistrstwn: Wien Irsrrr Josrfs-Nuai Nr. 3. Telephon-Nr. 6535. N---'- -^- Herausgeber: Rerchsraths-Atrgeordneter Dr. Dloch. - ■>. .H' - Erscheint jeden Freitag. -- Man abonnirt bei allen Postanstaltrn des In- und Auslandes. Bsjugapteia für Vestrrrrirft Halbjährig 4 fl. — 8 Ar Einzelexemplare 25 kr. Für'a Ausland: halbjährig S fl. — lOÄr. ganzjährig 10 „ 20 Anzeigen: Die 4>nal gespaltete Petitzcile lz kr. Inhalt: Leitartikel : Unsolide Concurrenz. — Lesk & Schwidernoch. — Unter aller Würde. — „Schießt die Inden nieder." — Zur Hausirgesetz-Novelle. — Ein uraltes Manuskript über das Leben Jesu. — Die jüdischen Schächt-Vorschristen im Lichte der modernen Medicin. — Baron Hirsch' Koloninalland. — Oesterreichisch-Jsraelitische Union. — Verfassung neuer Statuten für die israelitischen Cultusgemeinden. — Correspond enzen: Wien, Brünn, Troppau, Grybow, Mateszalka, Vukovar, Berlin, Fürlh, Carlsruhe, Magdeburg. — Vermischtes: Wien, Floridsdorf, Brünn, Lemberg, Bukovar, Wiznih, Przemysl, Hamburg. — Fürstengunst LI. — Wochenkalender — Briefkasten. — Inserate. Unsolide Conrurren;. Wien, im März. Dr. Psenner, berüchtigt durch die Propagirung der Scheicher'schen Definition der arischen Theorie von der christlichen Nächstenliebe, die nicht beim Nächsten, sondern bei sich selbst anzufangen habe, zieht zur Abwechslung den Schafspelz an und ergeht sich in seinem Judenhetzorgan „Oesterreichischer Volksfreund" über das Thema „Unsolide Concurrenz", welche in den letzten Jahrzehnten sich entwickelte. Er beklagt den unreellen, Treue und Redlichkeit im Verkehre untergrabenden Wettbewerb, welcher im gewöhnlichen Leben als ein Verstoß gegen die natürliche Sittenlehre angesehen wird. Von Psenner ist allerdings nicht zu erwarten, daß er die aus die Entstehung und Entwicklung von Handel und Industrie bei den Culturvölkern bezughabende Literatur einem Studium unterzogen haben soll — wo bliebe ihm auch Zeit und Muße, dem edlen Sport der Judenhetze obzuliegen — allein die Thatsache muß ihm doch bekannt sein, daß es den Juden im Vormärz verwehrt war, sich mit Industrie zu beschäftigen, daß die Industrie bis Anfangs der Fünfziger- Jahre ausschließlich und auch derzeit noch im weitaus überwiegenden Theile in arischen Händen sich befindet. Die alten Gesetzbücher aller Länder und Völker, auch der rein arischen, strotzen aber von Strafbestimmungen gegen unlauteren Handelsverkehr. Schon Horaz bemerkte: Jeder Krämer lobt seine Waare und sucht deren Absatz zu ermöglichen, daß hiebei nicht immer zu den lautersten Mitteln gegriffen wurde, sagt auch das uralte Sprichwort echt arischen Ursprungs: An des Krämers Schwören soll sich Niemand kehren. Um jedoch gerecht zu sein, muß vorausgeschickt werden, daß die heimischen arischen Industriellen nicht alle die von Psenner angeführten Mißbräuche selbst eingeführt haben, auch diese haben sie von ihren arischen deutschen Collegen aus dem Reiche zum allergrößten Theile entweder abgeguckt oder als ein nothwendiges Inventar übernehmen müssen; denn unsere Industrie hat sich, an der deutschen nachbarlich angrenzend situirt, selbstverständlich der Concurrenz halber den ausländischen „Usancen" accommodiren müssen. Die Weber in Preußisch-Schlesien haben seit undenklichen Zeiten Leinwänden gefälscht und so thaten und thun es noch bis heute die arischen Weber in Schönberg, Römerstadt, Trübau u. s. w, nur mit weniger Geschick und mit mehr Gewissenlosigkeit. Die arischen Buntweber in Rothwasser, Landskron,Grulich liefern derzeit nur 70 anstatt 73 Centimeter B^itc und 20 anstatt 2372 Meter Länge. In Zwittau, Rothmühl, Gewitsch sind viele Jndustrieartikel untergegangen wegen zu schlechter Dualität. Was Warnsdorf, Ruinburg, Schönlinde, Asch mitunter an Schund leisten, ist bekannt. Reichenau, Wildenschwert, Bistritz und Wischau wurden vom Tuchmarkt infolge schlechten Fabricates vom Schauplatze verdrängt. Bekannt ist die Unsolidität in der Industrie von gewöhnlichen Landwaaren, und zwar in der Richtung von Dualität und Maß. Wendel man sich von Böhmen, Mähren und Schlesien nach den Alpenländern, wo die biederen« arischen Landsleute Hausen, so wird man noch craffere Zustände gewahr. Die Lodenindustrie hat ihr Renomm« längst eingebüßt, aber nur ein vertrottelter Kopf wird den Vorwurf erheben, daß alle arischen Industriellen Lumpen sind. In Steyr, einst der Sitz der berühmten Messerindustrie, werden deutsche und englische Messerwaaren aus Weicheisen als berühmte steirische Stahlwaaren verkauft. Die oberösterreichischen und steierischen Nagelschmiede der guten alten Zeit, welche anstatt 1006nur 800-Nagelpakete in Verkehr brachten, waren doch zweifellos waschecht arisch. Alle angeführten Industrien und Jnduftrieorte sind judenrein. Wie es in puncto Lebensmittel bei Ariern beschaffen, bekommen wir tagtäglich zu fühlen. Auch der frommgläubigste Arier, der auf die Scheicher, Schnabel, Latschka und Rohling schwört, macht sich kein Gewissen daraus, Milch und Butter in Qualität und Quantität zu fälschen. Die biederen Landwirthe wandern haufenweise nach Wien, kaufen daselbst Margarinbutter und verkaufen sie dann im Sommer an die Sommerfrischler für echtes, unverfälschtes Product, wobei sie freilich einen Unterschied in der Confession nicht kennen. Sie beschummeln arische und jüdische Sommerfrischler mit gleicher Liebe; die arischen Butterhändler Steiermarks und des glaubenseinheitlichen Tirol zählen zu den besten Kunden der Margarinfabriken und die Abnehmer der steirischen und Tiroler Butter können sich glücklich schätzen, wenn die letztere schon einen Theil Naturproduct enthält, d. h. ein Nixtaw compositum von Kunst- und Naturbutter — bei welcher selbstverständlich die Kunst präponderirt. Was arische Selcher ln articulo Fälschung an Leistungen aufzuzuweisen im Stande sind, darf als bekannt vorausgesetzt werden. Finniges, verjauchtes Fleisch, von dessen Genuß jedes Thier h i n werden müßte, wird zu Würsten verarbeitet und an die arme arische Bevlökerung verschlissen, eingedenk des Scheicher'schen Lehrsatzes: „die Nächstenliebe

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