Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 11 (16.3.1894)
- Date
- 1894-03-16
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 214 Vestrrrrichische Wochrnschrifl Nr. 11 falles. Anläßlich eines Concertes am 2. December 1893 in Budweis machte sich der junge Claviervirtuos durch seine künstlerische Begabung sehr beliebt und zog sich die allgemeine Sympathie der dortigen Kunst- und Musikkenner zu. Herr Heinrich Edler von Zimmermann und der Landtagsabgeordnete Bürgermeister Herr Faschek stellten dem ' Clavierkünstler das günstigste Prognostikon. Hinsichtlich des Concertes am 17. Februar d. I. erntete Herr Roderich Baß in Pilsen ungetheiltes Lob, denn seine musikalische Leistung wurde in Fachkreisen nicht nur eine vollkommen gelungene, sondern eine vorzügliche genannt, nachdem einige von Pilsner Musikfreunden gewünschte Beethoven'schen Piecen alle Erwartung übertrafen. Besonderen Beifall erzielte Herr Baß durch die von ihm selbst componirte Romanze für Clavier und Violoncello ^.-äur. Der vor Kurzem in Pilsen verstorbene Herr Regenschori Mattes gab gelegentlich eines Gespräches die Erklärung ab, die Fingergymnastik des jungen Virtuosen sei „einzig". Anfangs April d. I. wird Herr Baß in Aussig und Lobositz und in den Sommermonaten in den Curstädten Marienbad und Karlsbad concertiren. Die Erfolge dürften um so günstiger sein, da dem beliebten, jungen Clavierkünstler ein vorzüglicher Ruf vorausgeht uni» in den Städten, in welchen Herr Baß Concerte abhielt, bei ausverkauftem Haus stets ^spielte. Herr Roderich Baß ist Mitglied des Tonkünstlervereines, dem die ersten Musiker und Capacitäten der Tonkunst angehören. R. . . . Teplitz. Im vorigen Jahre regte unser verehrter Herr Rabbiner Dr. Kurrein die Gründung eines Literatur-Vereines an, zur Pflege jüdischer Geschichte und jüdischen Wissens und zur Abhaltung öffentlicher Vorträge darüber. Um diesem berechtigten Wunsche zu entsprechen und um anderseits die nicht geringe Anzahl der Vereine in hiesiger Gemeinde nicht noch zu vermehren, übernahm es der Ausschuß des hiesigen Tempelvereines mit seinem wackern Obmanne Herrn Tausig, in dem Tempel- Dereine diese populärwissenschaftlichen Vorträge abhalten zu lassen. Nachdem im vorigen Jahre zwei Vorträge des Herrn Dr. Kurrein glänzend ausfielen, trat im heurigen Jahre der Ausschuß des Tempelvereines an Dr. Kurrein heran mit der Bitte, die Borträge fortzusetzen. Sonntag den 4. d. M. hielt nun in der zahlreich besuchten Vereinsversammlung Herr Dr.' Kurrein einen Vorjrag über das Thema: „Was ist der Talmud?" Er leitete ihn mit der Bemerkung ein, daß das in unserer Mitte neu erwachte Interesse an dem Talmud dem Antisemitismus zu verdanken sei, daß wir im Gegensatz zu dem k. k. Universitätsprofeffor und dem Pfarrer Deckert, die ihn nicht lesen können, mit dem, was wirklich darin steht, uns vertraut machen müssen. Hierauf wurde das Verhältniß der mündlichen zur schriftlichen Lehre erörtert, die Entstehungsgeschichte der Mischnah und des Talmud und die Methode des Talmud und seiner beiden Seiten, die Halacha und Hagada, vorgeführt. Drei verschiedene Beispiele aus dem Talmud wurden wortgetreu übersetzt und es zeigte sich, wie auch ein Laienpublicuin von Damen und Herren für eine Abhandlung aus dem Talmud zu gewinnen sei. Zum Schluffe wurde noch gezeigt, tote der Talmud nicht allein dem praktischen, religiösen Bedürfnisse diente, sondern auch wie er im Mittelalter die Geistes- und Denkthätigkeit, die Liebe zum selbstlosen Studium bei den Juden förderte, ihren Geist schärfte und bildete, trotzdem alle Bildungsanstalten den Juden verschlossen blieben. Die Juden, hätten sie den Talmud nicht gehabt, sie hätten ihn erfinden müssen. . Rauschender Beifall folgte dem l^stündigen freien Vortrage, den dieser ausgezeichnete Redner mit gewohnter Meisterschaft hielt; er hatte es verstanden, diesen rein wissenschaftlichen Stoff einem jeden dieser zahlreichen Zuhörerschaft von Damen und Herren zur Klarheit und. Verständlichkeit zu bringen und der Beifall wiederholte sich, als der Obmann Herr Tausig dem Redner für den begeistert aufgenommenen Vortrag dankte. L. Famnitz, 7. März. Heute nahm der vom mährischjüdischen Curatorium bestellte Religionsinspector Se. Ehrwürden Herr Dr. Stern aus Triesch in der hies. Volksschule eine Prüfung aus den Religionsgegenständen vor. Derselbe sprach sowohl hinsichtlich der Disciplin als auch bezüglich des Unterrichtserfolges seine vollste Anerkennung und Zufriedenheit aus. Bei dem Prüfungsacte waren nebst dem Religionslehrer Seine Ehrwürden Herrn Dr. N. I. Weinstein und Herrn Schulleiter Adolf Blümel auch Herr Samuel Kohn, Mitglied des k. k. Bezirksschulrathes und Cultusvorsteher, ferner die Herren Cultusräthe Dr. I. A. Gleißner und Moritz Mayer anwesend. Mähr.-Weihkirchen, 9. März. Den Bemühungen unseres geehrten Cultusvorstehers S. Ehrlich ist es gelungen, einen ausgezeichneten Obercantor in der Person des Herrn A. Reichard zu acquiriren. Der neugewählte Obercantor verfügt über eine helle Tenorstimme und bedeutende musikalische Kenntnisse und seine Kunstleistungen entzücken die Zuhörer. — Herr Gemeinderath Ferdinand R i n d l, Papierfabrikant, ist in Folge seiner hervorragenden Verdienste zum Polizeirath der hiesigen politisch-israelitischen Gemeinde gewählt worden. Pretzburg, 4. März. Zufolge des jüngsten Erlasses des hohen köuigl. Honved - Ministeriums wurde für die hier garnisonirenden israel. Militärsleute ein separater Gottesdienst eingeführt. Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Schreiber delegirte zur Abhaltung der diesbezüglichen Predigt seinen Schüler den Rabbinats-Candidaten Herrn Michael Duschinsky, Sohn des rühmlichst bekannten gelehrten Rabbiners Herrn B. Duschinsky aus Nümesto. Herr Candidat Michael Duschinsky hielt gestern vor einem zahlreichen Publicum, bestehend aus Soldaten, Honoratioren der Gemeinde und den Hörern der Rabbinerschule, eine Rede. Die oratorische Leistung des jugendlichen Redners hatte einen wahrhaften Erfolg. Der schöne, formvollendete Vorttag, die reine, schwungvolle Sprache, sowie der gediegene, ideenreiche Inhalt, mit tiefdurchdachten agadischen Erklärungen durchwoben, erregten allgemeinen, enthusiastischen Beifall. Gx.-Kaiiizsa. Am 4. März wurde seitens der Gemeinde die ordentliche jährliche Generalversammlung -- diesmal mit der Vorstandswahl verbunden — ab gehalten. Der Präses königlicher Rath Herr Wilh. Gutmann de Gelse eröffnete die Versammlung mit herzlichem Gruße an die zahlreich versammelten Mitglieder, betonte mit besonderer Befriedigung, daß die von ihm angestrebten administrativen Reformen durch den in diesem Jahre stattgesundenen Secretärwechsel bedeutend gefördert wurden; ferner, daß in Folge dieses Wechsels der Pensionirnng des 35 Jahre im Amte gewesenen Herrn H. Somogyi und anderer in der Verwaltung sich ergebender unausweichlichrr Bedürfnisse die Umlage der Cultusbeiträge erhöht werden mußte, daß aber bereits eingeleitete Schritte die zuversichtliche Aussicht bieten, daß dem jährlich anwachsenden Ausgaben-Etat ohne weitere Belästigung der Mitglieder abgeholfen werden wird. Hierauf wurde der Jahresbericht vom Secretär Herrn Ludwig Barta verlesen. Aus diesem in Wort und Styl Mit besonderem ' Fleiße "verfaßten, alle ' Zweige der Verwaltung umfassenden Berichte geben wir in Folgendem ein Resume der ganzen durch wusterhafte Leitung ausgezeichneten Gebahrung. Tempelsection: Obmann Herr Sam. Bettelheim hielt im Laufe des Jahres 10 Sitzungen. Ausgaben: einschließlich der Gehalte für Cultusbeamte, Tempelfunctiönäre, Orgel und Chorpersonal fl. 10.502'50. Außerordentliche Gottesdienste wurden abgehalten: am 18. August, dem Geburtstage unseres erhabenen Landesregenten, am 25jährigen Jubiläum der Emancipation, am 50jährigen Jubiläum des Frauenvereines, am 7. Adar und am Ende des Schuljahres Scklußgottesdienst für die Schuljugend. Das Matrikelamt, geratet vom Herrn Oberrabbiner Dr. Neumann, hat 650 Actenstücke ausgegeben, verzeichnet ferner 103 Geburten, 70 Todesfälle, 25 Trauungen und 2 Scheidungen. Schulsection: Obmann Herr Dr. Ludwig Schreyer. Schuldirektor Prof. Herr Sam. Bun hielt 24 Sitzungen. Die Schule, längst anerkannt als Glanzpunkt der hiesigen Gemeinde, besteht aus einer 6classigen Mädchen-, 4classigen Volks-, 4classigen Bürger- und 3c>assigen gesetzlich anerkannten Handelsschule mit dem Rechte, nach erfolgter Matura den Einjährig-Freiwilligen-Dienst machen zu können, wird intellektuell geleitet von 4 Lehrerinnen, 5 Volksschullehrern, 4 Bürgerschul-, 6 Mittelschul-Professoren und 3 Religionslehrern, in Wechselrecht, und Nationalökonomie ertheilen 2 Dr. jur. den Unterricht. Die Schüleranzahl war 606, wovon 74 mit halber Taxe und 260 ganz unentgeltlichen Unterricht genossen. Die Ausgaben betrugen rund Gulden 22.000, das den Einnahmen gegenüber sich resultirte Minus von circa fl. 9000 wurde aus der Geweindecassa gedeckt. Wohlthätigkeitssection: Obmann Herr Sam. Vidor hielt 12 Sitzungen. Die Ausgaben an Unterstützungen, Vertheilung von Brennholz, Bekleidung armer Schüler, Liweba äs Piszcha, betrugen rund fl. 7000. Legatensectiön: Obmann Herr Ignaz Löwinger hielt nebst den allmonatlich zur Besorgung der Stiftungs-Jahrzeiten und der daran geknüpften Bestimmungen abgehaltenen Commissionssitzungen, noch 10 volle Berathungen. Das Capital aller bei der Gemeinde fundirten Stiftungen beträgt heute fl. 143.890-31. Die in diesem Jahre ihrer Bestimmung zugeführten Zinsenbeträge ergaben die Summe von Gulden 6837-82. An ber Haskara, die hier nur einmal am Versöhnungslage geschieht, sind 74 Stifter betheiligt. Im Genüsse der Ehren-Maalrara sind die in Gott ruhenden Oberrabbiner Mayer Szanto, Oberrabbiner Hirsch, B. Fassel, Rabbiner Jacob L. Stern, Rabb.-Afsessor Wolf Löwy, Dr. Moritz Horschetzky und Obercantor I. W. Goldstein. Finanz- und Oeconomiesection: Obmann königl. Commerzien- Rath Herr Eduard Hirsche!. Diese alles überwachende Abtheilung entwickelte im abgelaufenen Jahre eine, von den