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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-03-16 · 11 (16.3.1894) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
11 (16.3.1894)
Date
1894-03-16
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Cent 212 Vrkterrektzischr WortzrnsttzrM 9tc. 11 München, 7. März. Zur Beerdigung des Herrn Rabbiners Dr. Perles hatten sich auf telegraphische Todesanzeige seitens des hiesigen Vorstandes mehrere Rabbiner und Gemeinde-Deputationen eingefunden, um dem zu früh Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Am 6. d. M., Vormittags 11 Uhr, veranstaltete die israelitische Cultusgemeinde zum ehrenden Gedenken ihres hochverehrten Führers und Leiters in der Synagoge eine Trauerfeier, an der die Anverwandten, Bürgermeister Brunner mit einer Abordnung der beiden Collegien, sowie die auswärtigen Rabbiner und Gemeinde-Deputationen und sehr viele Gemeindemitglieder theilnahmen. Die Gedächtnißrede hielt Dr. Groß, Rabbiner von Augsburg. Um 3 Uhr Nachmittags fand unter großem Andrang aus dem israelitischen Friedhofe die Beerdigung statt. Rabbinatsverweser Dr. Meyer hielt die Trauerrede. Dann sprach abermals Dr. Groß aus Augsburg. Großhändler Müller sprach als Vertreter der Cultusgemeinde Worte des Dankes, Rabbiner Dr. Cohn von Jchenhausen namens der baierischen Rabbiner-Conferenz, deren Vorstand der Verstorbene war. Doctor Frank-Köln sprach namens der ^.Ulanee i^aelite, Dr. Ehrentreu als Vertreter der gesetzestreuen Richtung in München, Rechtsanwalt Ofner namens der israelitischen Wohlthätigkeitsvereine, Dr. Oppenheimer als ehemaliger Schüler des Dahingeschiedenen. Dr. Josef Perles war geboren zu Baja (Ungarn) am 25. November 1835, absolvirte das Gymnasium seiner Vaterstadt und bezog sodann die Universität und das jüdisch-theologische Seminar zu Breslau, an welchem er eine Preisfrage löste. Im Jahre 1859 promovirte er mit der Dissertation über die „Peschitta" und wurde 1861 zum Rabbiner der Brüdergemeinde in Posen gewählt, wo er bis zu seiner 1871 erfolgten Berufung nach München wirkte. Seitdem war er unablässig zum Wohle seiner Gemeinde, die sich unter ihm verdreifachte, in seinem seelsorgerischen Amte und in der Wissenschaft thätig. Von den sonstigen wissenschaftlichen Arbeiten sind insbesondere die etymologischen Studien und die Beiträge zur Geschichte der hebräischen und aramäischen Studien hervorzuheben. Paris. Die geographische Gesellschaft von Frankreich hat dem M. Edouard Foa für seine Forschungen in Südafrika, vom Cap bis zum See Nyassa, eine goldene Medaille verliehen. In Royan (Charente-Jnserieur) starb vor Kurzem ein junges jüdisches Mädchen. Da kein jüdischer Functionär zur Stelle war, hielt der protestantische Pastor M. Trochut, welcher sich durch hochansehnlichen Charakter und liberale Gesinnung besonders auszeichnet, .über Wunsch der Angehörigen die Leichenrede. Der Pastor nahm Anlaß, seinen toleranten Ansichten beredten Ausdruck zu geben. Modena, 21. Februar. In der gestrigen Sitzung unseres Gemeinderathes interpellirte das clericale Mitglied desselben, Pier Biagio Casoli, unseren Bürgermeister Tosi-Bellumi, wieso er an einer städtischen Schule eine jüdische Lehrerin anstellen konnte. Diese Interpellation wurde vom ganzen Gemeinderathe mit Zischen und Johlen ausgenommen. Der Bürgermeister erwiderte nun ganz einfach, er habe gar keine Jüdin, sondern nur eine italienische Staatsbürgerin als Lehrerin angestellt. Der Interpellant schrie nun in voller Wuth: „Avete paura degli Ebrei!“ („Ihr fürchtet die Juden!") Daraufhin erklärte ihm der Bürgermeister, wenn er nur noch ein Wort spreche, so lasse er ihn mit Gewalt aus dem Saale entfernen. Diese strengen Worte des Bürgermeisters wurden vom Gemeinderathe und dem Galerie-Publicum mit tosendem Beifall begrüßt und Alles schrie: „Ervira i] sindaco!“ („Es lebe der Bürgermeister!") Die Sitzung nahm hierauf ihren ruhigen Fortgang. Bologna, 22. Februar. Auf Befehl seiner geistlichen Vorgesetzten hält jetzt der bekannte Pater Edgardo Mortara hier in seiner Vaterstadt, und zwar in der Salvatorkirche, in der er vor 33 Jahren gewaltsam getauft wurde, die Fastenpredigten, die immer sehr gut besucht sind. Zur Ehre des Paters sei jedoch hier sogleich bemerkt, daß derselbe in seinen Predigten jede Anspielung auf das Judenthum und die jüdische Religion unterläßt und in denselben immer nur christliche Themata erörtert. Auch schämt sich der Pater nicht, hie und da einem seiner jüdischen Anverwandten einen Besuch abzustatten. Dessen Mutter dagegen, die schon seit Jahren verwitwet ist, lebt in Modena, wo sie einen strena religiösen Lebenswandel führt. Pater Mortara ißt kein Fleisch, angeblich, weil er Vegetarianer ist, und lebt er daher fast ausschließlich von Brot, Milch, Obst, Früchten u. dgl. Petersburg. Die Kaufleute von Astrachan petitionirten bei der Regierung um Aufhebung der Repressivmaßregeln gegen die jüdischen Kaufleute an der Wolga, da der Export von Caviar und Fischen, welcher zumeist in den Händen von Juden lag, stark in Abnahme begriffen ist. Petersburg. Der Präfect von Petersburg, Generallieutenant Wahl hat die sofortige Schließung aller kleinen jüdischen Bethäuser in der Stadt verfügt. In Hinkunft dürfen die Juden ihren Gottesdienst nur mehr in der Synagoge abhalten, welche vor Kurzem hier eröffnet wurde. Petersburg. Wie die Tageszeitungen melden, beabsichtigt ein Glaubensgenosse (man nennt einen bekannten Zucker-Industriellen) noch im laufenden Jahre den Versuch zu machen, Ländereien solcher Städte, die innerhalb des jüdischen Ansiedelungsgebietes gelegen sind, parcellenweise an jüdische Familien des städtischen Proletariats zum landwirthschaftlichen Betriebe in Pacht zu vergeben. Zuverlässige, der Landwirthschasi kundige Personen sollen mit der strengen Aussicht über die Colonisten und ihre Arbeiten betraut werden. Mit den einer südrussischen Stadt gehörenden Ländereien soll der Versuch begonnen werden: glückt er, so soll mit der jüdischen Colonisation auf den Gütern auch anderer Städte vorgegangen werden. Daß gerade nur Stadtgüter für diesen Versuch in's Auge gefaßt sind, hängt mit d'er gesetzlichen Bestimmung zusammen, die den Juden, auch in den Gouvernements des Ansiedlungsbezirkes die Niederlassung außerhalb der städtischen Grenzen verbietet. Bruffilow. (Gouv. Kiew.) Ein furchtbarer Mord hat sich hier ereignet. In einer Nacht wurden eine Mutter und ihr Sohn erschlagen. Die ermordete Frau hatte, nach einer Nachricht des ..Hamelitz", einen Laden und borgte gegen mäßigen Zins den Schustern Geld, um Leder für ihr Handwerk zu kaufen. Am 15. (27.) Januar kam zu ihr ein Schuster, um Geld zu leihen. Als sie ihren Geldbeutel mit 2000 Rubel hervorzog, sprach der Bauer im Scherz: „Du bist sehr reich, es wäre nothwendig. Dich zu ermorden, um Dein Geld in meinen Beutel zu leeren." Die arglose Frau, die, wie es scheint, häufig solche Scherze von ihren Kunden hören mußte, achtete nicht darauf und gab ihm das Geld, das er verlangte. Mitten in der Nacht, als die Einwohner der Stadt in tiefem Schlafe lagen, hörte die -Frau plötzlich an's Fenster klopfen. — „Oeffne mir die Thüre, Jwanka, Deinem Bekannten, denn ich brauche Zucker." Die Frau öffnete ihm die Thüre und er tam in's Haus. Als sie nun mit ihm in den Laden ging, um ihm den gewünschten Zucker zu geben und sich etwas bückte, um die Gewichtsteine zu suchen, zog der Schuster unter seinen Kleidern ein Messer hervor und schnitt ihr den Kopf ab. Ein kleines Mädchen, das während der ganzen gräßlichen Mordscene ruhig in seinem Bette lag und Alles mit ansah, erzählte am andern Tage der Polizei, was sie gesehen. Der Mörder wurde bald ergriffen. Jaffa, 8. März. Man telegraphirt der „Jüd. Presse" : Die Herren Ben Jehuda und Jonas wurden gestern von dem Appellgericht in Beiruth vollständig freigesprochen. Vermijscktes. Wien. (Trauungen.) Sonntag, den 11. März 1894 wurden getraut: Im Stadttempel: Herr Bernhard Feuermann mit Frl. Hedwig Liebesny, Herr Leon Lupescu mit Frl. Lisa Falk. Im Tempel des VI. Bezirkes: Herr Max- Engel mit Frl. Johanna Wachtl. Im Tempel des IX. Bezirkes: Herr Adolf Streicher mit Frl. Jda Großmann. Im Leopoldstädter Tempel: Um halb 2 Uhr: Herr Abraham Widder mit Frl. Johanna Jellinek, um 2 Uhr: Herr Max Weißmann mit Frl. Chaje Ausländer. Wien. (Installations-Feier.) Freitag, den 16. März 1894, Abends 6 Uhr, findet die Jnstallirung des Rabbiners Herrn Wilhelm Sor in dem Bethause Währing, Wienerstraße 39, statt. (Personal-Nachrichten.) Professor Pollitzer wurde zum Officier des rumänischen Kronenordens ernannt. Der Kaiser hat dem commerziellen Beamten der Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft Elias Eskenasi das goldene Verdienstkreuz und dem a.-o. Professor und Badearzte Med.-Dr. Heinrich Kisch in Marienbad das Ritterkreuz des Franz Joses- Ordens verliehen. Wien, 12. März. Der humanitäre Geselligkeitsverein „Rudolfsbund", hatte wie alljährlich auch heuer und zwar letzten Sonntag im „Hotel Central" IL, Taborstraße, die beste Gelegenheit, dem großen Publicum sein Ansehen und seine Be-

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