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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-03-16 · 11 (16.3.1894) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
11 (16.3.1894)
Date
1894-03-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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öeite 210 ^eflerretaxUrtze Wortzeaiarrm Nr. 11 decretiren, die im Terminhandel entstandenen Differenzen sollen als Spiel angesehen werden und weder bei den ordentlichen Gerichten noch bei den Börsenschiedsgerichten klagbar sein. Der trefflich redigirte „Wiener Börsen - Courier" bewies in einer seiner letzten Nummern klipp und klar, daß die wunderlichen Heiligen von den Handelskammern in Linz und Graz von dem Wesen des Terminhandels absolut keine Kenntniß haben und daiür auch keine Spür von Verständniß besitzen; denn beim Abschlüsse der Zeitgeschäfte wird dieselbe Form beobachtet wie beim Effectivhandel, und um zu ersorschen, ob bei einem Abschluffe die Uebernahme der gekauften Quantität beabsichtigt wird oder nicht, dafür müßten die beiden Kammern erst ein Instrument erfinden, welches die Contrahenten innerlich untersucht und erforscht. Wenngleich der Umstand berücksichtigt wird, daß die Beschwerden wider den Terminhandel aus Ländern kommen, in welchen eine geistig minder gut veranlagte Bevölkerung zu Hause ist, so muß doch betont werden, baß die Handelskammern als Beiräthe des Ministeriums fungiren sollen und es ist für d -se Drolligen Kconweisen doch sehr beschämend, daß sie in den Elementen der Börse und des Handels sich so gar nicht zurecht finden und dennoch sich mit einem Votum an das Ministerium wenden, welch letzteres sich gewiß nicht der Erkenntniß wird entschlagen können, daß der Aufwand von fl. 50.000 und darüber, welchen die gedachten zwei Handels- und Gewerbekammern beanspruchen, viel besser angewendet wäre, wenn derselbe direct der Unterstützung der Gewerbe in den beiden Handelskammerbezirken zugeführt würde. Wien. (Arische Lebensmittelfälscher.) Am 15. Februar 1891 begann vor dem Bezirksgerichte Wieden die Verhandlung gegen den Greisler Ferdinand Kubin, der einer Frau, der Lehrerswitwe Schneider, Suppensträußel verkauft hatte, welche eine Suppe lieferten, die voll Maden war. Der staatsanwaltschaftliche Functionär (Auscultant Dr. v. Liszt) trat mit Entschiedenheit für die Berurtheilung Kubin's ein. Es sei seine Pflicht gewesen, sich von dem Zustande seiner Maare zu überzeugen; gesund heitsgefährlich sei so etwas jedenfalls. Schon der bloße Anblick könne Ekelgefühl erregen; was aber das Bewußtsein, davon gegessen zu haben, für Wirkungen üben könne, sei klar. Für diese Ansicht spreche auch das Gutachten des Bezirksamtes Die Maden seien so groß, daß sie bei geringer Aufmerksamkeit auffallen mußten. Der sachverständige Arzt meinte, man habe in der Suppe die Maden gleich sehen müssen. Der Richter, Dr. Czech, sprach den Angeklagten frei. Der staatsanwaltschyftliche Functionär meldete gegen das Urtheil die Berufung an. So wird sich also noch das Landesgericht damit zu beschäftigen haben. Wien. (Gr eg orig auf der Suche nach „Ma-> t eriale".» Beim Bezirksgerichte Leopoldstadt erschien gestern Herr Gregorig, doch nicht als Partei, sondern als Zuhörer. Es handelte sich nämlich um die Verdächtigung eines Statthaltereibeamten durch einen nunmehr wegen Amtsehrenbeleidigung angeklagten subalternen Landesbeamten, der seither entlassen worden ist, — und da mußte Herr Gregorig dabei sein. Als Angeklagter erschien der ehemalige Geometer-Assistent Franz Lang, als Zeuge und Beleidigter der Bezirkscommissär der niederösterreichischen Localcommission für agrarische Operationen Herr Heinrich Frank. Letzterer hatte den Auftrag, Lang zu entlassen, ihm das Entlassungsdecret zu intimiren und die Inventur auszunehmen. Als dies im Beisein anderer Beamten geschah, schleuderte Lang dem Bezirkscommissär die Ausdrücke „Unverschämtheit" und „Unanständigkeit" zu und behauptete, Herr Frank nabe das Sümmchen von hunderttausend Gulden aus Landesmittcln — wie anziehend für Herrn Gregorig — Verschwender. Der Angeklagte, dem außer einem Vertheidiger auch Herr Gregorig zur Seite stand, gab ähnliche „scharfe" Worte gebraucht zu haben zu, doch sei er darüber in Aufregung gerathen, weil in dem amtlichen Entlaffungsdecrete „nichtentsprechende Verwendung und Unfähigkeit" als Grund der Entlassung angegeben feien; seine Worte seien aber nur scharf und nicht iusurtös gewesen. Richter: Wie verhält es sich mit dem Vorwürfe der verschwendeten Landesgelder in der Höhe von huxdertt««fend Gnir-en? Angekl.: Im niederösterreichischen Landtage Mkrde wiederholt ausgesprochen, daß die agrarischen Operatroue«, die Commaffirungen, dein Lande viel zu theuer zu stehe« kommen, das Gleiche habe ich gemeint. Bezirkscommissär Frank bestätigt unter Diensteid die Richtigkeit der Anklage. Lang habe dem eintretenden Geometer mit den Worten „Marsch hinaus!" die Thür gewiesen; ihm, dem Zeugen, habe er zugerufen: „Sie haben dem Lande hunderttausend Gulden verschwendet, Sie müssen dafür zur Verantwortung gezogen werden!" Zeuge erklärt, es müsse das als Verdächtigung bezeichnet werden. Verth.: Ich bitte, Herr Richter, den Angeklagten vor solchen Ausdrücken zu schützen und den Herrn Zeugen zu verhalten. den Ausdruck „Verdächtigung" zurückzunehmen. — Richter: Ich finde hiezu keine Veranlassung. Bert h.: Mein Client gehört der Reformpartei an und hat einem politischen Gegner als solchen den Vorwurf gemacht.. — Richter: Eine Debatte über Parteistandpunkte kann ich hier nicht zulassen. Verth.: Ich beantrage, die Verhandlung zu v.ertagen, da mein Client bezüglich der hunderttausend Gulden den Wahrheitsbeweis führen will. — Richter: Da der Angeklagte selbst wiederholt erklärt hat, er könne Herrn Frank einer Verschwendung nicht zeihen, er habe einen allgemeinen Vorwuvs im Sinne gehabt, kann ich eine Beweisführung nicht zulaffen. B er t h.: Ich sehe die Bestrafung meines Clienten voraus und ... — Richter: Ich verwahre mich ganz entschieden gegen eine solche Sprache, ich müßte sonst disciplinarisch Vorgehen. Nach Schluß des Beweisvcrfahrens erkannte der Richter Adjunct Dr. Wrany den Angeklagten der Schmähung und Verdächtigung schuldig und verurtheilre ihn zu 25 Gulden Geldstrafe. — Herr Gregorig schien über den Erfolg der Verhandlung etwas verstimmt, offenbar' hatte er ein ganz anderes Materiale gefunden, als er erwartete. Wien, lieber die jüdischen Ackerb au-Colonien in Amerika, insbesondere in Argentinien, liegt derWerwaltungsbericht für das abgelaufene Verivaltungsjahr vor. Wir erfahren durch ihn über manche Schwierigkeiten, mit denen das junge Unternehmen zu kämpfen gehabt. Allein es sind auch auf der anderen Seite erfreuliche Fortschritte zu verzeichnen. Vier Colonien find in der Republik Argentinien in Betrieb, nämlich 'Mosesville in der Provinz Santa Fe, Mauricio in Buenos- Ayres, Clara und San Antonio in Entrerios. In der erstgenannten, ältesten Ansiedlung sind von 10 000 Hektaren etwa 1800 unter Cultur gestellt. 80 Familien bestellen diese Fläche mit Getreide und Mais; jede derselben hat je 50 Hektare anbaufähiges Land, ein Häuschen, ein Gemüsegärlchen erhalten, ebenso alles zum Ackerbau gehörige Geräthe. Aus Mauricio sind 224 Familien unter denselben Bedingungen angesiedelt. Hier sind auch eine Synagoge, zwei Schulen und einige Verwaltungsgebäude errichtet. Die Colonie Clara zäl lt 230 in acht Gruppen getheilte Familien; auf die einzelnen Gruppen entfallen 24 bis 45 Familien. Außer einer Schule und einem gottesdienstlichen Gebäude besitzt diese Niederlassung auch ein Krankenhaus. In San Antonio sind 45 Familien angesiedelt, welche 800 Hektare unter Cultur haben. Ein großes Hinderniß für die gedeihliche Entwicklung bildeten bisher die vielen unbrauchbaren.Elemente, welche den Colonien zugeführt wurden. Die Verwaltung ist unablässig bemüht, diese ungeeigneten Colonisten wieder weiter zu transportiren. Im Ganzen haben etwa 500 Personen aus den Colonien weggeschafft werden müssen. Sie sind zumeist nach den Vereinigten Staaten hin dirigirt worden. In diesem Frühjahr hofft die Verwaltung der Colonien, etwa 4000 Menschen nach Argentinien schaffen zu können. Jnsgesammt besitzt die Verwaltung gegenwärtig 160.000 Hektare. Bis jetzt hat die Colonisationsgesellschaft eine halbe Million Pfund Sterling zur Verfügung; davon müssen indessen 215.000 Pfund Sterling, welche zum'Ankauf von Ländereien verwendet worden sind, in Abzug gebracht werden, so daß für weitere Colonisationszwecke 285.000 Pfund Sterling vorhanden waren. Von dieser Summe muß die Hälfte als unbedingt verloren angesehen werden. Die neue Colonialverwaltimg hatte theures Lehrgeld zu zahlen. Viele vergebliche Versuche mußten unternommen, viele Fehlgriffe mußten gemacht werden. Dazu kamen die üblen Erfahrungen mit den ungeeigneten Ansiedlern, deren Beseitigung und Verschiffung nach den Vereinigten Staaten und anderswohin der Verwaltung ungeheuere Kosten verursachen mußte. Indessen hofft die Verwaltung zuversichtlich, die Schwierigkeiten größtentheils überwunden zu haben, so daß das Colonisationswerk fortan rüstig sorlschreiten wird. Waidhofen <r. d. Abbs, 8. März. Der Ausfall der Gemeindewahlen in unserer Stadt hat eine Vorgeschichte, welche einer größeren Oeffentlichkeir nicht vorenthalten sein soll, zumal sie nicht nur einer an sich erfreulichen, sondern nebenbei auch

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