Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 11 (16.3.1894)
- Date
- 1894-03-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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')tr. 11 deyrrrrlrhtptzr Ivortzenschrip Sene 209 daß wir uns daran erbauen und trösten. Die schlichten und schönen Verse, die Ludwig August Frankl an einen uralten Baum gerichtet hat, passen auf ihn selbst: „Du greiser Stamm, Lebenserprobter! Du sahst so manchen Lenz erblassen, Willst Du das Blühen noch nicht lassen, Noch immer nicht, Du Sturmdurchtobter? Den Göttern will ich freudig danken, Wenn ich es einst gleich Dir erfahre: Bei weißem Blüthenschmuck der Jahre Noch frische, grünende Gedanken." Die Götter haben dieses Dichtergebet erhört. Als einen Greis mit jungem Herzen und hellem Geist haben wir biefen Glücklichen unter uns wandeln gesehen, bis ihm der Gott der tönenden Leier mit sanftem Pfeil einen seligen, ungefühlten Tod beschied. Gleich dem alten Attinghausen, „der noch die alten Zeiten hat gesehen", weilte und wirkte er inmitten des jungen Geschlechtes. Diese freundlichen alten Augen, die mit ermunternder Theilnahme auf die schüchternen Versuche eines jungen Anfängers blickten, hatten noch in die unheimliche Tiefe der Dichteraugen Nikolaus Lenau's geschaut; dieses ernste, von Jahren -und Gedanken zerfurchte Antlitz hatte mit dem jungen Bauernfeld gelacht, dieser Mund hatte noch mit dem edlen und weisen Feuchtersleben sinnvolle Reden getauscht. Als ein lebendiges Wahrzeichen des alten Oesterreich, des alten Wien, dessen mächtige, wenn auch verborgene, geistige Triebkraft das neue Oesterreich geschaffen hat, ragte er in unsere Zeit. Was uns, den Jüngeren, zur Geschichte geworden ist, das war ihm'noch persönliches Erlebniß, persönliche Erinnerung. Den ersten Lerchenjubel des Gedankens, der frei über die Fluren unserer Heimat klingen durfte, er hat ihn angestinimt in den Frühlingsstürmen der neuen Zeit, an dem nämlichen Tage, an welchem wir heute seinen Leib der Erde wiedergeben und sein Geist dahin zurückgekehrt ist, woher Geist und Gedanken stammen. Doch zu schildern und zu würdigen, was Ludwig August' Frankl als Dichter wie als treuer Sohn seines Vaterlandes gewirkt und geleistet hat, ziemt nicht mir, der ich nur im Namen des Wiener Zweigvereines der deutschen Schillerstiftung dem geschiedenen Präsidenten die letzte Ehre zu erweisen habe. Wie er seine ganze Kunst daran gesetzt hatte, Wien durch ein Denkmal Schiller's zu schmücken und zu ehren, so strebte er mit Ernst und unermüdlichem Eifer danach, Sinn und Zweck der Stiftung, die Schiller's Namen trägt, voll zu verwirklichen; was ihn dazu befähigte, war seine genaue Kennt-kiß der Poetengeschlechter, die seit mehr als einem halben Jahrhundert in Oesterreich gesungen hatten und vor Allem sein edles, warm fühlendes, menschenfreundliches Herz. Gehörte er doch noch zum guten alten Schlag, dem Bildung des Geistes und Bildung des Herzens noch ein und dasselbe Ding bedeuteten. Sein tiefstes und reinstes Glück war, wenn er die finstere Sorge von einer Dichterstirne scheuchen, darbenden Waisen, Witwen oder Enkeln Solcher eine Thräne trocknen durfte, die einst der Heimat durch ein gelungenes Gedicht Freude und Ehre gemacht hatten. Im Namen des Vereines, im Namen Aller, denen er Gutes gethan, werfe ich eine Scholle in sein Grab: „Ehre seinem Andenken." Damit schloß die Ceremonie am Grabe Frankl's. Die Schollen rollten dumpf und schwer auf den Sargdeckel und in Trauer verließen die Anwesenden den Friedhof. MW Wien. Med.-Dr. Berthold Hamburger, ein ebenso angesehener und tüchtiger, als bescheidener und humaner Arzt, der durch mehr als 28 Jahre im Bezirke Leopoldstadt segensreich wirkte, verschied in der Vorwoche im Alter von 55 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit. Aus Nikolsburg stammend, absolvirte Hamburger das Studium der Medicin an der Wiener Universität und den secundarärztlichen Dienst im Rudolfsspitale, worauf er sich in der Leopoldstadt niederließ. Er gewann bald das Vertrauen der vornehmsten Familien, widmete aber bereitwillig auch der armen Bevölkerung seine ärztlichen Dienste und stand in allen Kreisen in großer Achtung. Allgemein bekannt ist sein verdienstvolles Wirken anläßlich der langen und schweren Krankheit der kürzlich verschiedenen Frau Oberrabbiner Doctor Güdemann,der er nun nach wenigen Wochen zur ewigen Ruhe gefolgt. DieTheilnahme während der kurzen Krankheit, sowiedas am Freitag stattgehabte Leichenbegängniß legten Zeugniß von der Beliebtheit ab, deren sich der Verblichene erfreute. Der ärztliche Verein des ll. Bezirkes organisirte einen ärztlichen Permanenzdienst. Tag und Nacht waren unsere Aerzte am Krankenbette für die Rettung des Patienten in collegialer Weise bemüht. Bei dem Leichenbegängniß erschien im Trauerhause eine große Anzahl seiner Clienten und Freunde, insbesonders aber seine ärztlichen Collegen. Ter Verein der Aerzte des II. Bezirkes war corporativ, andere Vereine durch Delegationen vertreten. Unter den Anwesenden sahen wir auch Hofrath Nothnagel, Prof. Oser und andere hervorragende Aerzte, welche dem Sarge zu Fuß bis zur Aspernbrücke folgten. Am Grabe sprach Oberrabbiner Dr. Güdemann ergreifende Worte der Anerkennung und lobte insbesondere die Anhänglichkeit an's Judenthum, dem er durch regelmäßigen Besuch des Tempels und durch die Erziehung seiner Kinder im Geiste des Judenthums Ausdruck gab. Am offenen Grabe sprach Gemeinderath Dr. Lerch im Namen der Collegen, welche den Sarg vom Ceremoniensaale bis zum Grabe trugen, lobte den collegialen Sinn und die humane Thätigkeit des Tahingeschiedenen in begeisternden Worten. In den verschiedenen wissenschaftlichkn und collegialen Sitzungen wurden warm empfundene Nachrufe gehalten. So in der Gesellschaft der Aerzte am 9. d. M., deren Verhandlungen Hamburger regelmäßig besuchte, ferner im Doctor- Collegium und namentlich im Verein der Aerzte des ll. Bezirkes, wo Dr. Heinrich Adler am 1.8. März einen ausführlichen, die Verdienste des Dahingeschiedenen würdigenden Nachruf in formvollendeter Weise hielt. Dr. Hamburger bintcrläßt eine tieftrauernde Witwe und fünf wohlerzogene Kinder, welchen Hie außerordentliche Anerkennungaller Kreise und die hohe Achtung, die der Dahingeschiedene genossen, als erhebender Trost dienen möge! Wien. Während der letzten Landtagssession ist von liberaler Seite eine sehr wohlgemeinte Interpellation an den Statthalter über den Einbruch antisemitischer Raufbolde in eine fortschrittliche Versammlung zu Tulln gestellt worden. Der Statthalter hat zugesagt, daß die Regierung bei derartigen Vorfällen in Zukunft mit aller Strenge den £ 83 Str.-G. anwenden werde. Der Frage jedoch, ob die Regierung auch den S 302 Str.-G. zur Anwendung bringen wolle, ist der Herr Statthalter aus dem Wege gegangen. Das heißt mit anderen Worten: Die - Störung einer Vereinsversammlung durch unberufene Gäste wird künftighin verhindert werden; geschimpft aber darf über die Juden nach wie vor in den antisemitischen Versammlungen werden. Und die Probe für die Richtigkeit dieser Auslegung brachte eine Versammlung, welche die Antisemiten am 11. d. M. in Tulln abhielten. In derselben hat der Landtagsabgeordnete Monsignore Sch eich er erklärt: „Es ist merkwürdig, daß die Schulkinder von Raubthieren lernen müssen, mit denen sie ja nie in Berührung kommen; wäre es nicht besser, man möchte sie über gewisse „Ra u b mensch en" unterrichten?" Dann besprach Dr. Lueger das Ratengesetz und erklärte, es sei bisher jedem „Bilderjuden" möglich gewesen, den „Herrgott" und die „Maria" auf Raten zu verschachern. Dann kam er auf den Saatenmarkt zu sprechen und bemerkte, „a lies Schöne in Wien habe ch r i st l i ch e Arbeit hervorgebracht und jüdische Frechheit und j ü d i s ch e r S ch w i n d e l a n s i ch g e r i s s e n." Der Regierungsvertreter nahm weder an dem ,,Raubmenschen", noch an dem ..Bilderjnden", noch an der jüdischen Frechheit und^dem jüdischen Schwindel einen Anstoß. Natürlich! Der 83 ist ja da nicht anwendbar, aber bezüglich der Anwendung des § 302 hat die Regierung keinerlei Zusage gemacht! So ge schehen im 5. Monate der Aera W i n d i s ch g r ä tz - P l e n e r. 'Wien. (Aus arischen H a n d e l s k a m m e r n. Die Handelskammer in Linz hat fick vor Längerem _nir einer Eingabe an das Handelsministerium gewendet, dasselbe möge den Terminhandel an den Fruchtbörsen einstellen. Ti- Handelskammer in Graz, der ersten Stadt Oesterreichs, welche ein Schächtverbot beabsichtigte, ließen die Lorbeeren ihrer Linzer Schwester und der Grazer Magistratur nicht ruhen und. sie hctt ihre Sympathien für die Terminhändler in einer Resolution an das Handelsministerium bekundet und gebeten, dasselbe möge