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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-03-16 · 11 (16.3.1894) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
11 (16.3.1894)
Date
1894-03-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 208 Oestrrreichifchr Wochenschrift Nr. 11 Mittwoch den 14. März fand die Beerdigungsfeier , statt. Schon um 9 Uhr versammelten sich im Trauerhause, Opernring Nr. 10, die ersten Leidtragenden und in ununterbrochener Folge siibr Wagen an Wagen vor. Die Trauergäste begaben sich in die Wohnung im vierten Stockwerke, in der der tobte Dichtergreis in einfacher Weise aufgebahrt lag. In der Trauergemeinde bemerkte man Generalmajor Ritter von Arbter, Generalmajor Hueber, Fregatten-Capitän Frankl, die Hofräthe Jeitteles, Professor Nothnagel' Ritter von Pfeifer, Professor Gomperz, Gräfin Hoyos-Amerling, Hofrath Herz, Hofrath Zimmermann, Hofrath Professor Minor, Hofsecretär Ritter von Zdekauer, Polizcirath Frankl, Regierungsrath Pisling, Pfarrer Formey, den Präsidenten der Advocatenkammer Dr. Ritter von Mündel. Reichsrathsabgeordneten Dr. Bloch, Herrenhausmilglied Nicolaus Dumba, Dr. Ritter von Weilen, Alfred Freiherrn von Berger, Professor Ritter von Basch, den Bicepräfidenten Regierungsrath Winternitz mit tem Vorstandsmitgliede Wilhelm Frey und vielen Mitgliedern des Journalisten- und Schriftstellervereines „Concordia", die Chefredacteure Benedikt, Dr. C. Bacher, Moriz Szeps und Alexander Scharf, die Schriftsteller Carl von Thaler, Carl von Mincreli, I. I. David, Fritz Singer, Emerich Ranzoni, Lemmermeher, Dr. August Silberstein. Rudolf Lothar, Reichsrathsabqeordneten Dr. Byk, Hofschauspieler Lewinsky, Schriftsteller Wurzbach, Regierungsrath von Egger-Möllwald, Herrenhausmitglied Lobmeyer, Professor Gärtner, Banquier Ritter von Bauer, den städtischen Archivar Dr. Gloffy, Professor Johannes Benk, Bildhauer Scherge, Verlagsbuchhändler Alfred Hölder, Schauspieler Natzler, Baurath Stiaßny, Gemeinderath Ritter von Goldschmiedt, den Präsidenten der Alpinen Montangesellschaft Theimer. Gemeinderath Dr. Stern, eine Deputation der Wiener Freiwilligen Rettungsgesellschaft, eine Deputation des Wiener Corps „Marchia", Commercialrath <Niaßny, Director Geiringer, August Schnapper, Deput^iouen des Zweigvereines der deutschen Schillerstistnng und ues Goethevereines, Stadtrath Matzenauer, Architekten Fleischer, den. Präses der Cultusgemeinde Gustav Simon, Gemeinderath mit den Vorstandsmitgliedern und Secretär Dr. Lieben, Landesschulrath Dr. Kohn, Director Heller mit dem Lehrkörper des Wiener Blinden-Jnstitntes und einer Zöglingsdeputation, Director Fischer der Leopoldstädter Kinderbewahranstalt rc. Um halb 10 Uhr wurde der Sarg gehoben. Während Obercantor Singer die rituellen Gesänge executirte, trug man deil Sarg die vier Treppen hinab auf den Wagen, der auf dem Albrechtsplatze hielt. Die zahlreichen Kränze wurden auf die Blumenwagen gelegt. Die Sonne brach eben mit hellem Scheine durch, als sich der Zug nach dem Centralfriedhofe in Bewegung setzte, Hn endlos r Wagenreihe folgten die Trauergäste. Es war circa halb 11 Uhr als der Conduct vor der israelitischen Abtheilung eintraf. Der einfache Sarg wurde in die Ceremonienhalle getragen und dort auf eine Estrade gestellt. Zu Häupten desselben stand die in Schmerz aufgelöste Witwe mit den beiden Söhnen, der Schwiegertochter und den Neffen. Obercantor Singer executirte einen Trauerpsalm, worauf Oberrabbiner Dr. Güdemann vortrat und folgenden warm empfundenen Nachruf hielt: „Ein langes und glückliches Leben war dem weit und breit bekannten und von Vielen verehrten Manne beschieden und dieses glückliche Leben wurde durch einen ebenso glücklichen Tod abgeschlossen. Sein Weg lief auf der Sonnenseite des Daseins, auf welcher keiner von den Schatten zu finden ist, die so manches Leben verfinstern. Auf eine kaum von ernstlicher Sorge getrübte Jugend folgten Mannesjahre, in welchen es ihm vergönnt war. schriftstellerischen Ruhm an seinen Namen zu knüpfen und durch seine Liebenswürdigkeit die Freundschaft der Besten zu erringen. Sein Alter blieb frei von körperlichen Gebrechen und wetteiferte an geistiger Frische mit seiner Jugend. Sein Ende aber macht das Bild von der Nacht des Todes zu Schanden, denn sonniger kann kein Ende sein, als das seinige gewesen. Am hellen Mittag, bei angeregtem Gespräch, im Kreise der Familie, wahrend des Gastmahles dahinsinken, das heißt beinahe nicht sterben, das heißt über die Grenze, welche das Diesseits vom Jenseits scheidet, hinüberschlummern. So muß denn an dieser Bahre jede Klage verstummen, sondern hier gilt der weise Satz des Predigers und seine noch weisere Auslegung: „Glücklich das Ende, wenn Alles vom Anfang an glücklich war." Wenn wir aber vom Ende auf den Anfang zurückblicken, dann müssen wir anerkennen: er hat von Anfang an danach gestrebt, durch unermüdliche Thätigkeit, durch eine verständige Anwendung der ihm von Gott verliehenen Gaben und durch eine würdige Lebensführung sein Glück zu verdienen. Selten hat es wohl einen Dichter gegeben, der Ideales mit Praktischem so, zu vereinen verstand, daß schwer zu entscheiden ist, auf welchem von beiden Gebieten er mehr zu Hause war. Aber soviel ist jedenfalls gewiß: Zu den Dichtern, die bei der Theilung der Erde zu spät gekommen sind, hat er nicht gehört. Er hat es weit gebracht, zu großen Erfolgen, zu hohen Ehren, zu einer behaglichen Lebensstellung, aber was.für ihn der oft beneidete Erfolg und die oft mißgönnte Ehre war, das war Vielen ein Gewinn, und man kann die berechtigte Eigenliebe nicht schöner als er es gethan, mit Patriotismus, Bürgersinn und Nächstenliebe verbinden. Ich brauche die segensreichen Institute und die Denkmale nicht erst zu nennen, die unsere Stadt allein seinen unermüdlichen Bemühungen zu verdanken hat. So ist ein reiches Leben, das zugleich Andere bereichert hat, hier abgeschlossen. Was ihm selbst aber als kostbarster Besitz und höchster Reichthum galt und gelten durfte, das war sein Familienleben. Eine Gattin, die wie wenige auf die Bestrebungen des Gatten einzugehen verstand und durch eigene Tüchtigkeit und rühmliche Leistungen Antheil an seinem Ruhme sich zu erringen wußte und die bei allem öffentlichen Wirkn dennoch gleichsam die häusliche Vorsehung des Gatten blieb, tüchtige und geachtete Kinder und. ein liebes Enkelkind — sie bildeten den Reichthum, welchen er gewiß über alle Erfolge und alle Ehren stellte. Mögen sie sich in dem Bewußtsein trösten, ihn mit diesem Reichthum beglückt und dadurch sein Leben so lange verschönt zu haben. Er aber ziehe hin in Frieden!" Als Redner geschlossen hatte, wurde der Sarg zur letzten Ruhestätte getragen, die sich Frankl selbst im Jahre 1882 an der Grenze der katholischen Äbtheilung gegenüber dem Grabe Dingelstedt's ausgesucht hatte. Der Sarg wurde in die Gruft gesenkt und vortretend sprach der Vice-Präsident der „Concordia", Regierungsrath Winternitz, folgenden Nachruf: „Einem Veteranen der deutsch-österreichischen Literatur haben wir das Geleite zu dieser Grabstätte gegeben. Einem Veteranen? Nein! Er war nur ein Greis an Jahren, in seinem Herzen war er bis zu seinem letzten Athemzuge ein Jüngling, ein Jüngling in seinem frischen unbefangenen Sinn, ein Jüngling in seinem schwungvollen Fühlen und Denken, ein Jüngling in seiner unerschöpflichen Begeisterungsfähigkeit für alles Gute, Große, Erhabene, das Gott in diese schöne Welt gesetzt. Seine ersten Verse stammen aus der rosigen Zeit, da noch ein großer idealer Zug durch die Literatur ging. Die Tage des politischen Sturmes reiften seine Poesien. Er war noch an der , Seite Lenau's und Anastasius Grün's im Haine der Kunst gewandelt und die Erinnerung an große Genossen und an große Erlebnisse erfüllte seine Seele mit Wehmuth und mit Stolz bis an sein Ende. Er hatte aus dieser Epoche der literarischen Größen seine Ideale in unsere nüchterne griesgrämige Zeit gerettet und — der Glückliche! — er wußte sie festzuhallen. Er hat gerungen, ihnen Ausdruck zu geben, in Wort und Schrift, in Stein und Erz. Und so dankt unsere Stadt ihm, seiner Initiative und seiner durch Begeisterung beflügelten Thatkrast das hoch aufragende Schillerdenkmal und die Denkmäler Lenau's und Anastasius Grün's. Ein Zug reiner Freude und frohen Behagens in allem Guten und Schönen geht durch sein ganzes Leben. Der Sonnenschein der Begeisterung erwärmte und verklärte sein Gemüth. Ein freundlicher Abendschimmer umleuchtete noch seine letzten Tage. Nicht beklagen, preisen wollen wir ihn, daß sein Leben so hell und sonnig den Idealen geweiht war. Er ist von uns gegangen: ein Bürger derer, die da waren und die durch ihr ganzes Leben uns das Beispiel geben, daß es höheres Glück und höhere Güter in dieser Welt gibt, als jene, um die im Kampfe dcs Tages am heißesten gestritten wird. Ehre seinem Angedenken! Nachdem Redner unter großer Bewegung geschlossen hatte, ergriff namens des Zweigvereines der deutschen Schillerstiftung' Dr. Alfred Freiherr von Berger zu einem warmenipfundenen Nachrufe das Wort. Redner sprach: „Am Grabe eines Dichters ziemt das letzte Wort seiner trauernden Muse. Sie, die ihn lehrte, zu singen und zu sagen, und das Herz des Lebendigen bewegte, möge uns dns Bild des Verstorbenen vor die Seele stellen,

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