Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 11 (16.3.1894)
- Date
- 1894-03-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 11 Vesterretchischr Wochenptzrtfl Seite 207 Zähnen krankmachende Mikroben, z. B. der Erreger der Lungenentzündung, der Diphtheritis haften. Die eventuelle giftige Wirkung des Bisses eines Menschen ist aus dem Gesagten zur Genüge erklärt. Warum soll aber der Biß eines nü cht ernenMenschen besonders giftig sein? Wenn der Mensch ißt und trinkt, so werden die Mikroben durch das Kauen der Speisen von ihrem Standpunkte mechanisch abgerieben, kommen mit dem Speisebrei in den Magen und Darm und werden da von den Verdauungssäften unschädlich gemacht. Fastet hingegen der Mensch, so haben die Mikroben Zeit und Mittel, zu gedeihen, und sich zu vermehren. Durch den Biß eines nüchternen Menschen kann mithin eine größere Menge von pathogenen Mikroben in die Wunde eingeimpft werden, dort auf günstigem Nährboden sich noch weiter vermehren und ihre deletäre Wirksamkeit entfalten. Wien, am 12. März 1894. Ich zeichne mit Hochachtung Dr. Jos. M. Loebl. r* Ludwig August Frankl I I Kitter von Hochwart. I Der Trauerrand, welcher diesen Namen umgibt, zeigt nicht blos an, daß der Träger dieses Namens dahingeschieden ist, er bedeutet mehr — vielleicht das Höchste — die Vollend un g. Nach einem thatenreichen, ruhmbekränzten Lebenden Abend des Daseins bis an die fernsten Grenzen rein und verklärt genießen und dann ohne Schmerz und Kampf einzugehen in die Unendlichkeit, heißt das nicht vollenden? Und auch dieses Glück ward dem Manne, dem diese Worte des Nachruhms gelten, zu anderem Glück zutheit. So erhebt sich denn aus der Trauer um den Dichter, den Freiheitskämpfer, den Menschenfreund die Lichtgeftalt seines Lebens, seines Wirkens, seiner bleibenden Bedeutung. Sie ragt an der Grenzinark einer großen Zeit empor, die nun dahin gesunken ist, in einer Zeit, wo die Besten und Edelsten im Aufblicke zu dem Ideale den Kampf mit der Finsterniß gekämpft und als Siegespreis das Himmelslicht der Freiheit errungen. Ludwig August Frankl stand in diesem Kampfe in der vorderen Reihe, er war in unserer traurigen Zeit, in welcher der finstere Geist die Menschheit wieder in die Niederungen des Lebens zu ziehen droht, einer der letzten Zeugen der geistigen Erhebung. Und auch die Hoffnung, daß unser Geschlecht endlich wieder den Ausweg finden werde aus dem Irrweg, in welchen es gewissenlose Verführer mit Wahnreden und wüstem Geschrei gelockt und gedrängt haben, erstarkte an seiner ehrwürdigen Erscheinung. Wir wollen sein Andenken ehrfurchtsvoll bewahren! In dem Kampfe,, der uns aufgezwungen wird, soll es uns vorangehen und uns in dem Glauben bestärken, daß der Wahn vor der Wahrheit, die Niedrigkeit der Gesinnung vor der Hoheit der Menschenrechte ohne Unterscheidung, der knechtische Sinn vor der siegenden Gewalt der Freiheit endlich weichen müsse. Und wir wollen daran festhalten, daß er unser war, daß sein Wirken und Schaffen in dem Boden unseres, des jüdischen, Volksthums wurzelte. Er' hat dies in jener himmlischen Klarheit, mit welcher der Greis an den Pforten der Ewigkeit das Wirrsal des Lebens löst und in dem Zufall den ordnenden Geist der Vorsehung und die Bestimmung eines höchsten Willens walten sieht, selbst erkannt und bekannt in seiner letzten Dichtung: „Chrast", die ihn an der Grenze des Daseins an die Stätte zurückgeführt, an welcher es begonnen. Diese Dichtung ist die Verherrlichung des jüdischen Familienlebens mit seiner Liebe und Innigkeit, mit seinem Ernste und seiner Entsagung. Und sehnsuchtsvoll wie ein Kind aus der Fremde, und wenn sie ihm auch die Krone des Glückes böte, immer wieder zurückkehrt in das Vaterhaus, so ist Ludwig August Frankl als Dichter immer wieder zurückgekehrt zu seinem Volke, zu dessen Schmerzen, dessen großen Erinnerungen dessen unbesiegbaren Hoffnungen. Und niemals klang seine Harfe ergreifender, als wenn er sie in der Heimstätte erklingen ließ. Der „Primator" ist und bleibt seine herrlichste Schöpfung und an diese reihen sich „Rachel" an und all' die Lieder, die wehmuthsvoll klagen um die vergangene Herrlichkeit Israels, die prophetisch die Erfüllung dessen verkünden, was unser Volk in seiner tiefsten Erniedrigung erhoffte und erflehte. Und jene Sehnsucht, die im Kindesherzen in der Enge des heimatlichen böhmischen Dorfes erwacht und in der weiten Welt immer mehr erstarkt ist, führte den Dichter über Meere und durch Wüsten in das heilige Land, welches uns das gelobte Land bleibt, mögen auch die Ströme von Milch und Honig für immer versiegt sein, und hier erfüllte er die Mission des Lehrerthums, die ein Erbtheil unseres Volksstamwes zu sein scheint, indem er im Aufträge einer edlen jüdischen Frau in der geheiligten Stadt Jerusalem Schulen begründete, welche kommenden Geschlechtern zur Wohlthat werden sollten. Das Amt eines Secretärs der Wiener Cultusgemeinde wußte der beherrschende Geist Ludwig August Frankl's zu einem Wirkungskreise zu erhöhen und zu erweitern, der geradezu zumVereinigungspunkte jener großen, ruhmreichen Reformen des Cultus und der Gemeindeordnung geworden, welche in den ersten Decennien dieses Jahrhunderts beispielgebend von der Wiener Cultusgemeinde ausgingen und unvergänglich eines der ersten Blätter ihres Ehrenbuches erfüllen wird. ' Und hat sich nicht an dem unerschütterlichen Glauben an Erlösung und Befreiung, welchen unser Volk sich im Aufblicke zu Gott, in dem jahrhundertlangen furchtbaren Drucke bewahrt hat, die Begeisterung entzündet, mit welcher Ludwig August Frankl mit hoffnungstrunkener Seele eintrat in den . Kampf um die unveräußerlichen Menschenrechte in jenen Tagen des Völkerfrühlings, welche er alljährlich, die er noch an dem letzten Tage seines Lebens gefeiert, welche den Lerchengesang, der in seinem Liede: „Die Universität" zum Himmel emporsteigt, in seinem Herzen erweckt haben? Und ist das himmlische Erbarmen, mit welchem Ludwig August Frankl den lichtberaubten Kindern seines Volkes eine Bildungsstätte begründet, nicht unser Erbgut, das wir durch Verbannung, durch Knechtung wie ein Heiligthum mit uns im Herzen getragen haben? Hoch 'ragt das Denkmal, welches Ludwig August Frankl dem Dichterfürsten Schiller errichtet und das mehr als ein Jahrzehnt täglich zu den Fenstern seiner Wohnung emporgegrüßt hat; am höchsten aber aus allen Werken des Dichters und Menschenfreundes erhebt sich das Denkmal, das er sich auf Hoher Warte in dem israelitischen Bliudeninstitute begründet hat und an welchem für alle Zeiten die Namen: Ludwig August Frankl und Jonas Freiherr v. Königswarter eingegraben bleiben werden von dem Finger Gottes. Ein Erlösungsgedanke voll göttlicher Erbarmung und Milde war es ja, jüdischen, blinden Kindern, die mit ihrer verzehrenden Sehnsucht nach Bildung und Gesittung hinweggewiesen wurden von den Blindenschulen, an deren Thüren siebange angeklopft, die zurückgestoßen wurden in die zweifache Nacht des lichtberaubten Auges und der beraubten Menschenwürde, eine Heimstätte zu schaffen, wo sie zu einem neuen, ehrenhaften, beglückten Leben erblühen! — Der Segen, welcher diesem Werke Ludwig August Frankl's entströmt, wird seinen Grabeshügel ewig mit unvergänglichen Blumen schmücken, die Gebete der blinden Kinder, die sein Andenken immerdar heilig halten werden, sind die Engel, die seinen Geist immer höher emportragen in das Reich der reinsten Seligkeit. 8. H.