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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-03-16 · 11 (16.3.1894) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
11 (16.3.1894)
Date
1894-03-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Säte 206 Vesterrektzifchr Wochenschrift Nr. 11 Darauf versetzte ihm Boros eine Ohrfeige und entfernte sich mit seinen beiden Zeugen. Infolge dieser thätlichen Insulte fand also heute in der Honvedreitschule das Pistolenduell statt. Es erfolgte dreimaliger Kugelwechsel auf 25 Schritte ohne Avance. Die beiden ersten Gänge verliefen unblutig, beim dritten Kugelwechsel erhielt Hofmann einen Schuß in die Stirne oberhalb des rechten Auges und fiel mit dem Rufe: „Mit mir ist's aus!" zu Boden. Die Kugel ist jedoch nicht in das Gehirn gedrungen, sie machte eine Reife um den Schädel und blieb im Nackenwirbel stecken. Der Duellarzt Dr. Gärber mußte geraume Zeit den Finger auf die Wunde halten, um den Gettoffenen vor dem Verbluten zu schützen. Ohne das Bewußtsein erlangt zu haben und in hoffnungslosem Zustande wurde Hofmann ins Spital gebracht. Boros trat auf die Secundanten des Duellgegners zu und drückte sein Bedauern über den Vorfall aus. Sodann stellte er sich der Polizeibehörde und dem Platzcommando, wo ein Protokoll mit ihm ausgenommen wurde. Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen. Berlin, im Februar. Unter den wenigen Berufsarten, welche den Frauen offen stehen, nimmt die Ausübung der Krankenpflege in allen Confeffionen eine hervorragende Stelle ein. Nachdem in Frankfurt a. M. ein Versuch, jüdische Mädchen zur Krankenpflege heranzuziehen, zu vorzüglichen Erfolgen geführt hat, wurde in allerletzter Zeit auch am Kranken hause der hiesigen jüdischen Gemeinde eine Anzahl von jüdischen Pflegeschülerinnen eingestellt, deren Leistungen in jeder Hinsicht den Erwartungen entsprochen haben. Bier solcher Schülerinnen sind zur Zeit thätig und deren Zahl wird demnächst noch vermehrt werden. Um indessen einem größeren Kreise von jüdischen Frauen und Mädchen Gelegenheit zu schaffen, sich dem verantwortungsaber ehrenvollen Berufe der Krankenpflege widmen zu können, soll eine Erweiterung dieser Bestrebungen angebahnt werden. Die Nothwendigkeit einer solchen Jnstitutton und deren wohlthätige Wirksamkeit bedarf kaum weiterer Begründung. Wir sind überzeugt, daß sich eine genügende Zahl jüdischer weiblicher Personen finden wird, welche sich mit Hingabe dem entsagungsvollen Berufe einer „Krankenpflegerin" widmen werden, falls für ihre .Ausbildung Fürsorge getroffen wird. Ist doch gerade im Judenthum die Krankenpflege von altersher als eine der wichtigsten, aus dem Gebote der Nächstenliebe sich ergebenden Pflichten betrachtet und geübt worden. Deshalb meinen wir nunmehr weitere Kreise unserer Glaubensgenossen, vor Allem unsere Frauen, zur Erfüllung dieser Aufgabe heranziehen zu sollen, die ja, wie kaum eine andere, den höchsten Zielen der Humanität, „Hilfe in Krankheit und Noth zu bringen", zustrebt. Zur Erreichung dieses Zweckes ist hier ein Comite zusammengetreten behufs Gründung eines „Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen". Dieser Verein will die Mittel beschaffen, eine größere Zahl jüdischer Mädchen und Frauen zu Krankenpflegerinnen auszubilden und eine Centralstelle zu unterhalten, von welcher aus die Leitung und Ausbildung der Pflegerinnen, sowie der Verkehr nach Außen geregelt wird. Der Verein will auch den Pflegerinnen selbst die Sorge für die Zeit des Alters oder der Arbeitsunfähigkeit abnehmen. Zur Erreichung dieses humanen Zweckes wendet sich der Verein an alle edlen Glaubensgenossen um Beittäge zur Unterstützung und Förderung. Das Comite besteht aus folgenden Damen und Herren: Julie Gersou-Licbermann, Louis Sachs, Stadtverord., Mathilde Behrcud, Zcrline Eisenmann, Frau Dr. Frankl, Clara Friedländrr, Anna Ginsberg, geb. Wolff, Anna Meyer-Gerson, EmmaJaffe, Tony Licbermann. Frau Dr. F. Liebermann, Bertha Mannheimer, Clara Nathorfs, Hermine. Rathenau, Rosa Sachs, geb. Ginsberg. Frau Dr. Weigert, Frau Professor Dr. Julius Wolff, SanitatsrathDr.Jul. Llumenthal, Geh. San.-Rath Dr. Jul. Boas, Rechtsanwalt Doctor Heinrich Meyer-Cohn, Dr. James Israel, dirig. Arzt, Geh. San.- Rath Dr. M. Kirstein, Sanitätsrath Dr. Jul. Lazarus, dirig. Arzt. Moritz Manheimer, Geh. San. - Rath Dr. Marcuse, Albert Philipp Meyer, Geh. Medicinal-Rath Prof. Dr. H. Senator, Sanitätsrath Dr. M. Wiesenthäl. Der Talmud. Herr Prof. Dr. Hermann L. Stra ck in Berlin hat soeben seine vortreffliche „Einleitung in den Talmud" in zweiter, theilweise neubearbeiteter Auflage erscheinen laffen (Leipzig, I. C. Hinrichs'sche Buchhandlung. Preis M. 2*50) Indem wir uns eine eingehende Besprechung Vorbehalten, glauben wir das Vorwort, welches Herr Prof. Sttack der zweiten Auflage vorausschickt, schon heute mittheilen zu sollen: „Die erste, im Sommer 1887 erschienene Auflage, ein Sonderabdruck aus der „Real-Encyklopädie für protestantische Theologie und Kirche", 2. Auflage, Band XVIII, war seit geraumer Zeit völlig vergriffen. Meine Absicht, das Buch, erst nachdem mein Commentar zu den Büchern Genesis bis Numeri (München, C. H. Beck) vollständig vorläge, von Neuem ausgehen zu lassen, mutzte ich aufgeben, da gerade in den beiden letzten Jahreg das Vorhandensein einer wirklichen Aufklärung über das Wesen des Talmuds als eine Nothwendigkeit nicht nur für Theologen und Orientalisten, sondern auch für Juristen und Staatsmänner, ja für Jeden, der eine gründliche allgemeine Bildung zu besitzen beansprucht, sich fast täglich mehr herausgestellt hat. Nicht wenige Agitatoren halten es für nützlich, dem christlichen deutschen Volk vorzureden, daß das Judenthum „den Talmud ängstlich mit allen nur erdenkbaren Mitteln geheim halte", das Bekanntwerden seines Inhalts fürchte, ja dessen Bekanntmachen seitens eines Juden für ein todeswürdiges Verbrechen erklärte. Noch am 11. April. 1892 hat ein Paul Förster aus Friedenau bei Berlin in seinem Vortrag „Talmud und Schulchan-Arnch (Breslau 1892) seine Zuhörer glauben zu machen versucht, die Juden hätten den Dr. Pinner, welcher den Talmud zu übersetzen begann, vergiftet, nachdem er mit dem ersten Traktate fertig war! Und doch hat E. M. Pinner das Erscheinen seines Buches (1842) mehr als ein Dritteljahrhundert völlig unangefeindet in Berlin überlebt! Und ebenso unangefeindet sind die anderen jüdischen Uebersetzer von Talmudtractaten geblieben: I. Sammler, I. I. M. Rabbinowicz, M. Rawicz, D. O. Straschun, M. Schwab. Allerdings ist gegenwärtig wohl kein Schriftwerk so viel g?nannt, so wenig wirklich gekannt wie der Talmud; die Schuld liegt aber nicht am Talmud, sondern an denen, die nichts gelernt haben, sondern, ohne prüfen zu können, theilweise auch ohne prüfen zu wollen, lediglich die schon um ihrer Einseitigkeit willen unwahren Aussagen des Prager Canonicus August Rohling und seines früheren Helfers Aaron Briman wiederholen. Zu . diesen Leuten gehört auch erwähnter Paul Förster, welcher in seinem Vortrage wenigstens dreimal (S. 14,15, 45) von den vierzehn Folianten des Talmuds spricht, obgleich keine einzige Ausgabe sei es des babylonischen, sei es des palästinischen Talmuds, aus vierzehn Banden besteht. Wer ernsthaft wünscht, über den Talmud oder irgend einen Tyeil seines Inhalts Aufschluß zu erhalten, kann, wie die S. 106—130 von mir verzeichnete Literatur beweist, auch ohne Kenntniß der Sprache des Grundtextes, jetzt eine im Allgemeinen ausreichende Belehrung sich verschaffen. Und gleichsam um den Thatbeweis zu liefern, daß auch für ein wissenschaftliches Urtheil der Christ nicht mehr von dem abhängig ist, was Juden ihm über den Talmud mitzütheilen für gut Halten,'habe Ich'die erste^ Auflage dieses Buches" geschrieben, ohne auch nur eines Fadens oder Schuhriemens Werth an Miltheilungen von Juden und Judenchristen erbeten oder angenommen zu haben. Der Talmud enthält schlechterdings keine Nachricht oder Aeußerung, welche der sachkundige christliche Gelehrte nicht finden könnte. (Was fpeciell die Censurlücken betrifft, so werden in Deutschland schwerlich zehn Rabbiner zu finden sein, welche alle vier Seite 75 genannten, in meiner Bibliothek befindlichen Schriften besitzen.) . . . Und nun, gehe hin, mein Buch, und trage in deiner neuen Gestalt noch mehr als in der alten dazu bei, Erkenntniß der Wahrheit zu fördern und dadurch auch Gerechtigkeit im Urtheilen!" Die Hygiene der alten Juden. Geehrter Herr Redacteur! Wenn der Raum Ihres Blattes es Ihnen gestattet, möchte ich Sie um Aufnahme folgender Zeilen bitten. In meinem Vortrage „Die Hygiene der alten Juden", den ich im Jänner d. I. im Verein „Oesterreichisch-israelitische Union" zu halten die.Ehre hatte, führte ich einen Ausspruch des Maimonides an, dahin lautend, daß der Biß eines nüchternen Menschen äußerst gefährlich werden könne. Ich habe, offen gestanden, das Wort nüchtern für eine schlechte Uebersetzung gehalten und darum die Bemerkung gemacht, ich wisse nicht, was hier unter nüchtern zu verstehen sei. Ich habe voreilig geurtheilt, denn ich bin zu der Ueberzeu mng gekommen, daß nicht nur die Uebersetzung eine correcte, sondern daß auch die Beobachtung des Maimonides eine richtige ist, ja daß die Richtigkeit derselben wissenschaftlich erklärt werden kann. Im menschlichen Speichel ist ein Ferment — das Ptyalin — enthalten, das mit dem Schlangengift große Verwandtschaft zeigt. Wird dasselbe direct in die Blutbahn gebracht, so wirkt es tödtlich. Zahlreiche Untersuchungen haben ferner außer Zweifel gestellt, daß auch bei gesunden Menschen an der Schleimhaut der Mundhöhle an und zwischen den

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