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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-03-16 · 11 (16.3.1894) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
11 (16.3.1894)
Date
1894-03-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Orsterreichtschr Wochenfchrtfl Seite 305 Nr. 11 in Galizien loszuziehen und dieselben in Bausch und Bogen zu verdächtigen, als ihn der Abgeordnete Dr. Bloch mit dcm energischen Zwischenrufe unterbrach: „Ich lasse auf die galizstschen Juden nicht schimpfen; warum schimpfen Sie nicht über die antisemitischen Spitzbuben und Zuchthäusler?" Der Ruf wirkte! Ritter Stampiglius stockte und sprach kein Wort mehr über die Juden. Das Geschichtchen ist überaus lehrreich; es zeigt, daß ein richtiges Wort am richtigen Platze und zur richtigen Zeit jene Nichtswürdigkeit wohl zu verhindern vermag, deren Schauplatz in jüngster Zeit so oft die parlamentmische Tribüne gewesen ist. Es genügt eben nicht blos, daß man über derlei Verdächtigungen innerlich sittlich entrüstet sei; man gebe dieser Entrüstung nur laut und furchtlos Ausdruck und man wird sofort sehen, mit welch' feigen und erbärmlichen Gegnern man es zu thun hat. * * * (Prestproeest.) Der Biedermann Herr Ernst Berg an i hat gegen die „Oesterreichische Wochenschrift" endlich die Klage überreicht. Er hat uns diese Klage längst angekündigt, aber etwas spät sich dazu entschlossen. Indessen besser spät als gar nicht. Im „Deutschen Volksblatt" vom 14. März l. I. theilt HerrVergani aus der letzten Abendsitzung des österr. Abgeordnetenhauses seinen Lesern mit: „Vielem Interesse begegnete auch das Ansuchen des Wiener Landesgerichtes um Zustimmung zur strasgerichtlichen Verfolgung des Abgeordneten Dr. B l o ch wegen Vergehens und Üebertretung der Ehrenbeleidigung nach § 438, 491 und 496 des Strafgesetzes. Es handelt sich in diesem Falle um eine Klage des Abgeordneten Vergant gegen Bloch wegen eines in der „Oesterreichischen Wochenschrift" enthaltenen beleidigenden Artikels". Wir freuen uns auf die Gelegenheit, diesem Biedermann einmal vor Gericht zu begegnen. * * 4- Ein Schelmenstück. Da die Ostern herannahen, beeilt sich Pan Verganew im Abendblatt vom 13. März 1894nachstehende Lüge zu verbreiten. Er publicirt - unter der Spitzmarke : „(@-i n Nitual,nor b.) Das vierzehnjährige Töchterlein eines Hoörcr (Comitat Zemplin) Bauern besuchte am 1. d. M. ihre Eltern und begleitete ihre Schwester bis an den Hotter der benachbarten Gemeinde, von wo sie jedoch nicht mehr zurückkehrte. Die besorgten Eltern suchten mehrere Tage nach ihrem Kinde und fanden endlich am 8. d. M. die Leiche desselben in der Nähe des nach der Gemeinde Banocz führenden Weges. Sonderbar an der Sache ist der Umstand, daß. trotzdem der Hals des Mädchens mit kunstgerechtem Schachtschnitt senkrecht bis an die Wirbelsäule durchschnitten ist, weder au der Leiche selbst, noch au den Kleidern oder am Fundorte Blntspuren gefunden wurden." Selbstverständlich ist diese ganze Geschichte eine giftige bodenlos niederträchtige Lüge, erfunden von der antisemitischen Erzschelmenbande. Dagegen gehen uns folgende Mittheilungen zu, für deren .Wahrheit wir uns dem „Deutschen Bolksblatt" verbürgen. Amsterdam, 8. März 1894. (Ein Pfarrer als Mörder.) Der Hauptpfarrer der Domkirche von Leeuwaerden ermordete heute ein junges Mädchen, welches seinen unsittlichen Anträgen Widerstand leistete. Der Mörder wurde verhaftet. Eine Volksmenge wollte den Mörder lynchen. Die Affaire ruft größte Sensation hervor. (Verbrechen oder Wahnsinn.) Kopenhagen, 5. März. Eine der merkwürdigsten Sachen, welche die dänische Criminalgeschichteauszuweisen hak, ist dadurch zum vorläufigen Abschluß gelangt, daß das „verwandelte Weib", die frühere Vorsteherin des Kinderheims „Kana", Wilhelmine Möller, durch das Criminalgericht zum Tode verurtheilt worden ist. lieber die Sache selbst sei hier in Kürze Folgendes mitgetheilt: „Es war am 28. Februar 1893 als in dem Kinderheim „Kana" anläßlich des Geburtstages des jüngsten Kindes eine kleine Feier stattfand. Während die Kinder spielten und Fruchtsaft mit Wasser tranken, wurde einer der ältesten Knaben, der 15jährige Volmer Sjögreen, plötzlich unwohl, wurde zu Bette gebracht und starb nach einigen Stunden. Die Leiche wurde nach erfolgter Besichtigung beerdigt. Einige Tage später wurde der Vorsteherschaft des Kinderheims von der Mutter eines der anderen Knaben die Anzeige gemacht, daß die Vorsteherin in einem unsittlichen Verhältniß zu dem verstorbenen Knaben gestanden sei. Man sprach mit ihr davon, und sie wurde, als der Verdacht gegen sie dringende Formen annahm, so angegriffen, daß sie nach dem städtischen Krankenhause geschafft werden mußte. Am 22. März wurde sie von dort nach dem Gefängniß gebracht und bei ihrer dritten Vernehmung gestand sie ein, daß sie in einem unsittlichen Verhältniß zu Volmer gestanden sei. Am 3. April gestand sie ferner ein, daß sie den Knaben dadurch ermordet habe, daß sie ihm Chloral in den Fruchtsaft gemischt habe. Erst viele Monate später kam es an den Tag, daß Wilbelmi'ne Möller ein Mann sei, was durch ärztliche Untersuchung constatirt wurde. Darauf geschah es, daß der Wilhelmine der Name Wilhelm beigelegt wurde, und daß der Mörder ans dem Frauenin das Männergefängniß überführt wurde. (Verhaftung eines antisemitischen Lehrerpaares.) Man meldet aus Wiener-Neustadt 8. März 1894.: Der in Mariensee bei Aspang angestellte Bolksschullehrer Michael Wernhardt wurde unter dem dringenden Verdachte, mit seinen Schülerinnen sträflichen Umgang gepflogen zu haben, verhaftet. Auch die Gattin Wernhardt's, Anna, wurde verhaftet, da sie beschuldigt wird, Zeugen und Zeuginnen zu Aussagen zu Gunsten ihres Mannes verleitet zu haben. Ueber den in Aspang und Umgebung Aufsehen erregenden Vorfall wird von anderer Seite noch berichtet: Michael Wernhardt ist 50 Jahre alt. Die Erhebungen brachten erschreckende Thatsachen zutage. Nicht weniger als 56 Mädchen haben bereits den Umgang mit ihrem Lehrereingestanden. Wernhardt, welcher schon länger als 20 Jahre in Mariensee als Lehrer wirkt, hat seine sträfliche Handlungsweise seit vielen Jahren fortgesetzt; unter den Zeugen befinden sich 25- bis 30jährige Frauenzimmer, mit welchen er, als sie noch schulpflichtig waren, Umgang Pflog. Breslau, 8. März. (Verurtheilung eines Antisemitenführers.) Die Görlitzer Strafkammer verurtheilte den Premier-Lieutenant a. D. Winter, den tonangebenden Führer der Görlitzer Deutsch-Socialen, wegen eines Sittlichkeits-Verbrechens zu zwei Jahren Zuchthaus und i fünf Jahren Ehrverlust. Nürnberg, 10. März 1894. (Vergehen gegen die Sittlichkeit.) Das Schwurgericht verurtheilte den antisemitischen Redacteur Weber von Fürth wegen Vergehens wider die Sittlichkeit, begangen durch die Presse, zu dreimonatlichem Gefängniß. Defraudirende Aristokraten. Aus Krakau, 8. März 1894, wird uns telegraphirt: „Schon seit mehreren Wochen wurden hier Gerüchte colportirt, daß ein Mitglied der hiesigen Aristokratie eine bedeutende Summe defraudirt habe und darauf flüchtig geworden sei. Mit Rücksicht auf den hochadeligen Namen des angeblichen Defraudanten schenkte man diesen Gerüchten anfangs nur wenig Glauben; nunmehr aber stellt es sich heraus, daß die Gerüchte nicht aus der Luft gegriffen zu sein scheinen. Man beziffert die Höhe der Defraudation auf 60.000 Gulden. Als Hauptbeschädigte erscheinen der „Verein der bildenden Künste" und der „Sportverein". Interessant ist. daß man im letztgenannten Vereine vor einigen Monaten ebenfalls eine bedeutende Defraudation entdeckt hat, die gleichfalls von einem Aristokraten verübt wurde." Antisemitisches Duell. Budapest, 9. März. Weitaus das größte Aufsehen erregt der traurige Ausgang eines Pistolenduells, welches genau zu derselben Stunde, wo die Herren Rohonezy-Battaszeki einander gegenüberstanden, zwischen dem antisemitischen Beamten des Ungarischen Bodencreditinstituts Josef Hofmann und dem jüdischen Kaufmanne Desider Boros stattsand. Beide Herren gehören der Armee als Reserveofficiere an. Gelegentlich eines Kränzchens, auf welchem Hofmann als Arrangeur fungirte, hatte er sich über Boros, der mit einer jungen Dame aus vornehmen Hause getanzt hatte, der letzteren gegenüber in wegwerfender Weise geäußert; Hofmann fragte die Dame nämlich, wie sie mit einem solchen Juden tanzen könne? Boros, dem diese verletzende Aeußerung zu Ohren kam, begab sich am nächstfolgenden Tage mit zwei activen Officieren in das Bureau Hofmann's, um diesen zur Rede zu stellen. Dieser stellte uiln die Aeußerung nicht nur nicht in Abrede, sondern fügte noch hinzu, daß er Boros für keinen anständigen Menschen halte.

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