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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-03-16 · 11 (16.3.1894) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
11 (16.3.1894)
Date
1894-03-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seilr 204 Weyerretchifche Wochenschrift Nr. 11 ftvett fei nur eine Etappe zum Millioneu-Neichthum und die . jüdischen Hausner machen derartig gute Geschäfte, daß sie im; Sommer in „Vöslau" wohnen und im Winter Logen-Aboimements im Burg- und Operntheater besitzen. An der Hand statistischer Daten, deren Classicität unanfechtbar ist, soll nun die materielle Situation der jüdischen Hausirer Wiens einer Schilderung unterzogen neiden, die von den Antisemiten in so rosigem Lichte und mit so glänzenden Farben dargestellt wird, daß man in Variation eines bekannten Refrains ausrusen möchte: „Ach welche Lust, Hausirer "zu sein!" Die angeführten Daten sind der-Armenanstalt der israelitischen Cultusgemeinde entnommen, welchen 'zufolge in den Armenbüchern derselben 402 jüdische Hausirer siguriren, jedoch nicht als „Spender", sondern als vom A rm e n so n d Betheilte und Unterstützte. Von diesen 402 jüdischen Hausirern sind 114 Wittwen, 12 von ihren Gatten verlassene Frauen; 282 Hausirer haben das fünfzigste Lebensjahr überschritten, und zwar: zwischen 50 und 60 Jahren 156, hierunter 65 Frauen 60 „ 70 78 tt 32 „ 70 „ 80 „ 43 tt 21 „ 80 „ 90 „ 5 tt 2 „ Von diesen 402 im Al menbuche der ijraelitischen Cultusgemeinde „verewigten" Hausirern ist der Familienstand nachstehend: Von 222 männlichen Hausirern sind ledig 21, verheiratet 121, verwitwet 80. Von den 201 verheirateten und verwitweten jüdischen Hausirern haben: männlich weiblich 16 Männer 1 Kind, davon unversorgt 14 8 6 30 „ 2 Kinder, „ „ 43 21 22 45 „ 3 „ ff „ 85 35 50 36 „ 4 tt tt „ 84 44 40 26 „ 5 tt tt „ 33 40 21 „ 6 tt tt „ 72 22 50 12 tt 7 tt tt „ 84 62 21 15 tt 8 tt tt „ 101 555 39 62 Von den 114 jüdischen Hausirerswitwen, respeetive den 12 von ihren Gatten verlassenen Frauen haben Kinder: männlich weiblich 13 Frauen 1 Kind, davon unversorgt 8 5 3 16 „ 2 Kinder, „ 14 8 6 17 „ 3 n tt „ 30 12 18 26 „ 4 ff tt 84 34 50 25 „ 5 tt tt 85 36 49 16 „ 6 64 30 34 2 „ 7 » v n 10 . 4 6 4 „ 8 n tt ft 21 7 14 316 r Es haben demnach von notorisch mittellosen oder armen Hausirern 201 männliche Hausirer für 555 und von 126 verwitweten Hausirerinnen für. 316, sohin zusammen für 871 Kinder zu sorgen, von welchen 400 männlich und 471 weiblich sind. Von diesen 871 in der Pflege ihrer Ernährer stehenden Kindern sind wieder bis 5 Jahre alt 386 hievon männlich 183 weiblich 203 „ 10 „ 311 „ „ 163 tt 148 „ is „ „ US „ „ 44 tf 71 über IS „ „ 5g n tt 43 tt 16 Es muß jedoch ganz besonders Betonung darauf gelegt werden, daß die Direction der Wiener israelitischen Arnienanstalt grundsätzlich mit peinlichster Rigorosität vorgeht und sich von dem richtigen Principe leiten läßt, Personen, die ein Gewerbe, und sei es auch nur das Hausirgewerbe, ausüben, nicht in periodische Versorgung zü nehmen, demzufolge werden die Hausirer auch nur fallweise unterstützt, wenn es die unbedingte Nothwendigkeit erheischt, z. B. bei Aushilfen zur Bestreitung der Wohnungsmiethe, um Delogirungen zu verhüten, behuss Erlag der Hausirlicenz, bei Krankheitsfällen und dergl. I Der allergrößte Th eil der Hausirer, namentlich diejenigen mit ' großem Kindersegen, ist nämlich in der Regel außer Stande, die Miethe, und wenn sie auch nur den bescheidenen Betrag von 8—12 Gulden monatlich erreicht, oder die schon gegenwärtig schwer drückende Hausirsteuer von 9 Gulden zu erschwingen. Wie sollte dies auch bei einem zwischen 50 Kreuzer bis 1 Gulden 50 Kreuzer betragenden Tagesverdienste möglich sein, insbesondere wenn, wie dies häufig der Fall, für einen Familienstand von 6—10 Personen zu sorgen ist. Obige Ziffern sprechen Folianten, wer durch dieselben von dem Elende und dem Jammer, mit welchem die jüdischen Hausircr zu kämpfen haben, noch nicht überzeugt ist, der ist überhaupt nicht zu überzeugen. Eduard Beer. Von der Woche. Die Ereignisse im Wiener Gemeinderath. Die Vorgänge, welche in der letzten Woche in der Wiener Rathsstube sich abgespielt haben, bilden einen europäischen Scandal, stehen vereinzelt in der Geschichte des Parlamentarismus da. Die fortschrittliche Partei verfügt noch immer über eine Zweidritlel Majorität im Gemeinderath, wird aber von der antisemitischen Minorität einfach brutalisirt und unter dem Schrecken, welcher dieser unerhörte Terrorismus um sich verbreitet, schreitet sie von Fall zu Fall. Ihre besten Führer bleiben auf der Strecke als Opfer dieser Brutalität und noch weiß man nicht, wie das Drama enden wird. Was jemals an Denunciation, an gemeiner Schmähung und Verdächtigung, an Heuchelei und Verdrehung, an frechster Anmaßung geleistet wurde — die bekannte Compagnie und ihre stillen Gesellschafter, sie haben es in diesen Tagen überboten! Es ist ganz offenbar, daß all' dieses planmäßig vor sich geht, um neben dem Abscheu auch noch Schrecken und Verwirrung zu verbreiten. Dr. Richter wurde meuchlings erschlagen, an seiner statt bestieg Dr. Grübl den Bürgermeisterstuhl, Allein im A b g e o.r d n^e t e n h.a n s e versicherten die Agenten des zukünftigen Ben s'ch e l b ü r g e r m e ist ers Allen, die es hören wollten: sie werden in Kurzen diesen Dr. Grübl beiseite schaffen und sie verfügen über die Mittel, den Mann zu beseitigen. Und man glaubt es ihnen. Die liberale Partei im Gemeinderath befindet sich in einer erbärmlichen Situation, aber in keiner unverdienten. Sie hat diese Schlange großwachsen lassen, hat ihren Scandalen schweigend jahrelang mit heimlicher Schadenfreude zugeschaut. Die Hetze richtete sich ja btos gegen die Juden und die sogenannten Liberalen erklärten, sie ginge das gar nichts an. Nun muß sie diese verhängnißvolle Passivität selber büßen; sie möchte sich zu einer rettenden That aufraffen, allein es ist zu spät. Leider können wir die Befürchtung nicht unterdrücken, daß die liberale Partei des Abgeordnetenhauses einem gleichen Geschicke entgegengeht. Der antisemitischen Schlange muß man den Kopf zertreten, wer sie durch Concessionen zu erkaufen sucht, dessen Geschick ist besiegelt. * * * Man kann dem neuen Ratengesetz, welches im Laufe dieser Woche im Abgeordnetenhause durchberathen wurde, nicht vorwerfen, daß es einen allzu philosemitischen Geist athmet. Der Ratenschwindelwird sowohl von arischen Gaunern, wievon jüdischen Sp'tzbuben betrieben, es gibt aber auch ein solides Ratengeschäft, welches geradezu ein Segen für Haushaltungen des arbeitenden Volkes ist, da nur auf solche Weise armen Familien Neuanschaffungen ermöglicht werden. Auch diese reellen Ratengeschäfte werden von Christen so gut wie von Juden betrieben. Aber wie beim Hausirgesetz, so hat man auch beim Ratengesetz der antisemitischen Hetze weitgehende Concessionen gemacht. Man hat nicht nur die Auswüchse, den Schwindel treffen' wollen, sondern auch zahlreiche Bestimmungen ausgenommen, welche das solide Geschäft ruiniren und welche vor Allem gegen jüdische Geschäftsleute gemünzt sind. Die Antisemiten haben denn auch das Gesetz mit Freuden begrüßt und der Ritter Stampiglius war es, welcher dieser Freude in einer längeren Rede Ausdruck gab. Nach einer längeren Auseinandersetzung über, die Segnungen der christlich-socialen Theorie schickte sich Ritter Stampiglius eben an, gegen die jüdischen Geschäftsleute

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