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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-03-16 · 11 (16.3.1894) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
11 (16.3.1894)
Date
1894-03-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 202 Vesterreichischr Wochrnfchrifl Nr. 11 das „Nicken". Das Princip dieses Verfahrens besteht darin, durch einen zwischen Hinterkopf und Atlas gelegenen engen Spalt einen Dolch so in den Nacken des Thieres' zu stoßen, daß das verlängerte Mark, beziehungsweise der in ihr gelegene Flourens'sche „ftoeud vital“ durchbohrt und damit das momentane Aufhören des Lebens herbeigefihrt werde. Die Erfolge schienen der theoretischen Ueberlegung günstig zu sein: Ein in der richtigen Weise „genicktes" Thier bricht sofort zusammen. Nun haben aber sorgfältige anatomische Untersuchungen den sicheren Beweis dafür erbracht, daß es absolut unmöglich ist, durch die geschilderte Methode die LleäuIIa oblongata zu treffen, man verletzt vielmehr stets das Rückenmark etwa in der Höhe des ersten Halsncrven. Damit ist aber zugleich bewiesen, daß es sich bei diesem Verfahren keineswegs um eine plötzliche Abtödtung des Thieres handeln kann, sondern nur um ein durch die Lähmung aller Extremitäten bewirktes Zusammenbrechen des bei vollem Bewußtsein befindlichen Tbieres. Damit hat Dembo gerade die Inhumanität der Methoden erwiesen, welche die Thiere vor dem Abtödten betäuben. Nun geht er auf die Schächtmethode im Speciellen näher ein. Diese besteht bekanntlich darin, daß den Thieren ohne vorhergehende Betäubung die Halsarterien mit einem scharfgeschliffenen Meffer durchschnitten werden. Nach den Erfahrungen Dembo's bewirkt nun ein plötzliches und vollständiges Aufhören der arteriellen Blutcirculation im Gehirn den momentanen Verlust des Bewußtseins und er berechnet die Zeit, welche zwischen dem tödtlichen Schnitt und dem Aufhören jeglicher Be-- wußtseinsempfindung verstreicht, auf 3—4 Secunden. Nach diesen Resultaten steht er nicht an, das Schächten für die humanste unter den Schlachtmethoden zu erklären, wpbei er allerdings nicht versäumt, darauf hinzuweisen, daß von Humanität oder gar von Ethik bei dem Act des Schlachtens wohl überhaupt kaum die Rede sein könne. Das glaube ich, ist bei einigem Nachdenken nur, gar nicht zu bezweifeln; es kann und darf also gar nicht die Absicht sein, die Frage des Schlachtens überhaupt, und das bezieht sich auf jede Methode/ vom humanitären oder ethischen Standpunkte zu entscheiden — denn einmal die Frage so aufgeworfen, müssen wir auf jeden Fleischgenuß verzichten und Vegetarianer werden. Aber sind die Herren Schweizer und Antisemiten gar so human, warum verbieten sie nicht den Jagdsport, das Taubenschießen u. s. w. Oder glauben die Herren so ein angeschoffenes, gehetztes Thier fühlt keinen Schmerz, kein Weh? Und warum wenden sich die guten Grazer nicht an die gewiß glaubensstarke und treue spanische Regierung um Sistirung der Stierkämpfe? Wie müßte denn da das Urtheil lauten, würden wir diese Dinge blos von humanitärer oder gar ethischer Seite beleuchten? Sind diese überhaupt wirthschaftlich s o wichtig wie das Schlachten von Hausthieren? Ich glaube, wir behalten Wohl diese Seite uns stets vor Augen, aber für die Beurtheilung der Zweckmäßigkeit einer Schlachtmethode dürfen denn doch in allererster Reihe — einzelne Forscher behaupten sogar: einzig und allein — d'" hygienischen Gesichtspunkte die maßgebenden sein. Der Erörterung der Schlachthygiene ist dann auch der zweite und wesentlichste Abschnitt der vorliegenden Untersuchung gewidmet. Zunächst war bereits a priori zu erwarten, daß bei der Schächtmethode das geschlachtete Fleisch vollständiger entblutet. Diese Vermuthung stellte sich durch angestellte Experimente auch als erwiesen heraus, indem er gleichgroße Thiere (Kanninchen) auf verschiedene Weise schlachtete und die durch den Blutabfluß hervorgerufene Gewichtsabnahme bestimmte. Es ergab sich, daß beim Schächten etwa 28 Percent, bei der Betäubungsmethode 71 Percent des Blutes im Körper zurückbleiben. Wie wichtig für die Haltbarkeit des Fleisches dieser verschiedene Blutreichthum ist, ist leicht zu durchschauen. Das Blut ist alkalische, sich leicht zersetzende Flüssigkeit, welche allen Bakterien einen willkommenen Nährboden bietet. Je mehr Blut also im Fleisch des geschlachteten Thieres zurückbleibt, desto schneller tritt die Fäulniß ein. Daß dem so richtig ist, konnte Verfasser direct beweisen, indem er die durch die Fäulniß gebildeten Zersetzungsproducte bei gleich altem, aber in verschiedener Weise geschlachtetem Ochscnfleische bestimmte. Der Einfachheit des Nachweises wegen wählte er das Ammoniak, und es gelang ihm, zu zeigen, daß die Production des Ammoniaks — also die Intensität der Fäulniß — bei dem durch Schächten gewonnenen Fleisch weit geringer ist, als bei dem Fleisch vor dem Schlachten betäubter Thiere. So enthielt z. B. in einer Serie das durch die gewöhnliche Schlachtmethode gewonnene Fleisch bei 35 Grad aufbewahrt am fünften Tage nach dem Schlachten beinahe die doppelte Menge Ammoniak als gleich altes und gleich conservirtes Fleisch, welches durch die Schächtmethode gewonnen war. Im nahen Zusammenhang mit dem verschiedenen Blutgehalt und dem verschiedenen Ammoniakgehalt der durch verschiedene Schlachtsorten gewonnenen Fleischsorten stehen gewisse Differenzen in dem zeitlichen Auftreten und der Dauer der Muskelstarre, ein Befund, den Dembo als der Erste erhoben und sorgfältig experimentell studirt hat. Es zeigte sick nämlich, daß bei geschächteten Thieren die Starre weit früher eintritt und weit länger anhält als bei den in anderer Weise geschlachteten Thieren. Wir wissen nun, daß der starre Muskel sauer reagirt, oder wenigstens Säure — Milchsäure? — producirt, diese verbindet sich mit dem im Blute und im Muskel vorhandenen phosphorsauren Kali und läßt aus letzteren das saure, phosphorsaure Kali hervorgehen, welches „antibakterielle" Eigenschaften besitzt. Auch die bei dem Schächttode zu beobachtenden intensiven, anämischen Krämpfe mögen durch die hiebei gebildete Milchsäure und durch die hiedurch bewirkte Herabsetzung der Blutalkalescenz fäulnißwidrig wirken. Alle diese Gründe wirken zusammen, um das geschlichtete Fleisch haltbarer und infolge seines Säurereichthums wohlschmeckender zu machen. Aber auch in ökonomischer Hinsicht ist ein großer Unterschied zu Gunsten des consumirenden Pnblicnms. — Bei der Schächtmethode fahren die Schächter entschieden schlecht — geht ihnen doch ein großer Theil des als Fleisch bezahlten, in den Muskeln sitzenden Blutes hiebei verloren; andererseits ist aber auch zu bedenken, daß das Publicum beim Schächtfleisch nur 28 Percent minderwerthiges Blut, beim gewöhnlichen Schlachtfleisch aber 71 Percent Blut mit in Kauf nehmen muß. Man sieht, von welcher Seite immer wir diese ohne Grund und ohne wissenschaftliche Begründung nur aus purer Animosität heraufbeschworene „cause“ betrachten, wir müssen die stützende Gelehrsamkeit, die uns Medicinern lange abhanden gekommen gewesene Fächkenntniß der. jüdischen Gesetzgeber bewundern, die solche Vorschriften zu Wege gebracht hatten; es ist ja für Jedem, der sich etwas mit der Geschichte der Medicin befaßt, ein Leichtes, herauszufinden, daß wir erst wieder seit 50 Jahren beginnen, uns Kenntnisse zu verschaffen, die zu den ältesten Zeiten schön theilweise den jüdischen Schriftstellern bekannt waren. Was zum Beispiel Hebra, der Begründer der Lehre von den Hautkrankheiten, diesem alten jüdischen Wissen, jüdischer Beobachtungsgabe und deren Beschreibungskunst verdankt, hat er oft.und laut genug in seinen Vorträgen anerkannt und ich hatte in meiner Bibliothek eine Ausgabe des Hebra'schen Werkes über Hautkrankheiten, in welchem bei den einzelnen Capiteln die darauf bezüglichen Stellen m der Ursprache citirt gewesen. Daß schon zu Zeiten Mosis die Anatomie des M e n s ch e n wahrscheinlich studienmäßig betrieben wurde, werden mir alle Mediciner — nicht nur die Herren, die sich mit dem Studium des Rückenmarks u. s. w. beschäftigen — zugeben. — Ja, ich glaube ein großer Theil dieser Herren Gegner ist sich dieser Thatsachen auch ganz gut bewußt —aber sie müssen ihre Anhänger in Athem halten, immer neue,, dem Verständnisse der großen Menge entfernt liegende Streitfragen zu actuellen Zeitfragen gestalten, und da gerade die Schächtfrage zu einer solchen gemacht wurde, wollte ich einen großen Leserkreis von der Unhaltbarkeit der erhobenen Einwürfe — mit Benützung wissenschaftlicher Ergebnisse — überzeugen. Eine andere Frage ist allerdings die: Wollen jene gewissen „Ouroe“ — lueus a non lucendo — denn überhaupt überzeugt .sein? . . . __ Der Fremdenhatz im deutschen Reichstag. Der deutsch-russische Handelsvertrag hat noch unmittelbar vor der entscheidenden Abstimmung im deutschen Reichstage den Anlaß zu einer Judendebatte geboten, in welcher nicht blos die Antisemiten, sondern auch Conservative, Nationalliberale und selbst Freisinnige sich in Uebertreibungen bezüglich der Einwanderung russischer Juden und in Schmähungen gegen die Einwanderer und Eingewanderten ergingen. Man mag sich denken, welcher Ton von den Antisemiten und konservativen angeschlagen wurde, wenn selbst ein freisinniger Abgeordneter jene armen, verfolgten Menschen eine „Landplage des Ostens" nannte. Der Judenhaß identisicirt

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