Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 10 (9.3.1894)
- Date
- 1894-03-09
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Surr 192 WellerreMripye MoltzenptzcM Nr. 10 geehrte Präsident unserer Gemeinde, Herr Dr. Baumfeld, worauf noch Postofficial Herr. S. Auerbach und Rabbinats-Affessor Herr Rabbiner Hebenstreit Nachrufe hielten. Am 18. d. M. veranstaltete der jüdisch-literarische Verein „Jeschurun“ dessen Gründer und Vicepräsident der Verblichene gewesen, eine Gedächtnißfeier, an welcher sich ein zahlreiches gewähltcsPublicum betheiligte. Es sprach als erster der dem Verblichenen geistesverwandte Gelehrte Herr B. Rapaport, ein Sohn des verewigten Rabbiners Sr. Ehrwürden Herrn Israel Rapaport in Tarnow. Er rühmte in begeisternden Worten die Eigenschaften und Vorzüge des Verblichenen und eiferte die Jugend dazu an, demselben nachzustreben und nachzuhandeln. Die Rede machte auf alle Anwesenden einen nachhaltigen Eindruck und erntete großen Beifall. Es sprachen noch der Präsident dieses Vereines Herr Dr. S. N. Kutna und Herr Abr. Maneles. Auch diese Redner entledigten sich ihrer Aufgabe in besonders gelungener Weise und so nahm diese Trauerfeier einen sehr würdigen, dem Andenken des Verstorbenen angemessenen Verlauf. Außerdem condolirte der Ausschuß des Vereines „Jesclmriinto der geehrten Familie des theueren Heimgegangenen corporativ. Der Ausschuß des Zweigvereines „Zion", dessen Mitglied der Verstorbene gewesen, überschickte ein sehr herzliches Beileidsschreiben. Friede seiner Asche. Tarvopol. Am 1. März verschied auf seinem Gute Biala nächst Tarnopol im 64. Lebensjahre der allgemein geachtete Bürger Herr Jacob Willner. In der Tradition wurzelnd, ein Sohn frommer Eltern, hat der Verblichene in seiner Jugend ein nicht geringes talmudisches Wissen erlangt, das er im Laufe der Jahre durch moderne Bildung veredelte. Durch eiserne Beharrlichkeit, redliches Streben und Charakterfestigkeit hat sich der Verstorbene ein bedeutendes Vermögen erworben. Er erfreute sich allgemeiner Werthschätzung seitens der hiesigen gesammten Bevölkerung, wovon die überaus zahlreiche Betheiligung an dessen Leichenbegängnis Zeugniß ablegte. Vo seinem Gute Biala, das eine halbe Meile von Tarnopol entfernt ist. trug man ihn nach alt-jüdischem Ritus ohne Gepränge und Chorbegleitung durch die Stadt an der alten großen Synagoge vorbei auf den Gottesacker hinaus und Tausende und Abertausende Menschen folgten theilnahmsvvll dem Sarge. Unmittelbar hinter der Bahre schritten sein einziger Sohn Herr Leon Willner, seine Schwiegersöhne der k. k Rathssecretär Herr Herutann Garsein und Banquier Herr Kohn Sohn, des gleichnamigen Land tagsabg e ordneten in Czernowitz. Einer letztwilligen Verfügung zufolge sollen alle vom Verstorbenen während dessen Leben geübten Wohlthaten auch künftig von seinen Erben in ungeschmälerter Weise ausgeübt werden und kannn die Ausführung dieser Bestimmung von dem humanen Sinne seines Sohnes, des Haupterben Herrn?Leon Willner, als zweifellos gelten. R. Karlftadt, den 28. Februar 1894. Am 18. Februar hielt die hiesige Chewra-Kadischa ihre ordentliche Generalversammlung ab. Aus dem Berichte des Vorstandes über die letzte Periode ragte die Erwähnung des Baues des 2iääuL-lmäin- Hauses besonders hervor. Dieser Bau bildet eine Zierde unseres Friedhofes, der, noch vor sechs Jahren eine unförmige Einöde, dank der rastlosen Bemühungen des Bereinspräses terrn Carl Beck, sich in ein wahres Eden verwandelte. Herr eck, dem die Generalversammlung protokollarisch Dank votirte, wurde denn auch mit stürmischer Acclamation zum Präses wiedergewählt. Um den Bau des prächtigen 2iääuü-llaäin- Hauses haben sich ferner besonders verdient gemacht: Herr Romeo Fischl, der rührige Casiier der Chewra, Herr Ignatz Hafner, Allsschußmitglied, und Herr Julius Josefovic, Öbereantor der Cultusgemeinde und Secretär des Vereines, welche Herren ebenfalls wiedergewählt worden sind. Berlin, 21. Februar./Der langjährige Leiter der chirurgischen Abtheilung des jüdischen Krankenhauses, Herr Dr. James Israel ist zum Professor ernannt worden. London, 18. Februar. In der heutigen Sitzung der „Federation of Synagogne“ drückte der Präsident Mr. Samuel Montague (Parlamentsmitglied) sein lebhaftes Bedauern aus, daß uns Dr. Lerner verlassen wird, und wünschte ihm Glück und Segen zu. seinem neuen Berufe als Oberrabbiner in Altona. Es wurde beschlossen, eine Adresse an Dr. Lerner, die von allen Mitgliedern unterzeichnet werden soll, zu überreichen, zu welck em Zwecke ein Special-Comitö ernannt wurde. Paris. Hier starb ein durch seine Frömmigkeit und Wohlthätigkeit ausgezeichneter Mann, Namens Eudlitz, der ein Nachkomme des berühmten Meharscha war. Der Verstorbene war ein Schwiegersohn des bekannten Kolmarer Oberrabbiners Samuel Klein und ein Schwager des hiesigen bekannten Arztes Dr. Klein. Frau Furtado, die Frau des Consistorialpräsidenten in Bayonne, welche im Alter von 78 Jahren am 27. v. M. gestorben, hat 100.000 Francs für Unterrichts- und Wohlthätigkeitszwecke vermacht. Dtvinsk (vormals Dünaburg). Am 8./20. d. M. hat hier wie alljährlich ein Tanzabend zu Gunsten der hiesigen jüdischen Handwerkerschule stattgefunden. Diese Schule, welche vor acht Jahren zum Andenken an die Krönung Ihrer kaiserlichen Majestäten gegründet worden ist, befindet sich in einem, vom bekannten Philantropen Herrn Friedland aus Petersburg eigens diesem Zwecke gewidmeten Hause. Sechzig Kinder finden da im Schlosser-, Tischler- und Drechslerfache Unterricht, wobei auch den geistigen, sowohl religiösen als profanen Kenntnissen Rechnung getragen wird; auf diese Weise sichert man einigermaßen den Schülern eine Existenz. Circa 8000 Rubel hat man jährlich für. dieses hochwichtige Institut nöthig, und wird diese Summe, dank dem humanen Sinne der angesehenen jüdischen Intelligenz, aus verschiedenen Geldquellen besorgt. An dem bereits erwähnten Tanzabend haben auch Christen warmen Antheil genommen, und war besonders der Militärstand-vertreten. Indem ich diese meine Zuschrift schließe, muß ich noch mein lebhaftes Bedauern darüber ausdrücken, daß leider auch die hiesigen Juden ihren Ehrgeiz dann zur Geltung bringen, wenn es sich sogar um öffentliche wohlthätige Zwecke handelt. I. Rapaport. Fürstengunst. Roman von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel". Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetzongs - 49) rechte Vorbehalten.) Achtzehntes Capi t e l. Rafael hatte den Zülzer Vorsteher und dessen Schwester, welche die Seinen nach Wien begleiten wollten, und denen er auf halbem Wege begegnet war, herzlichst gedankt und sie ersucht, sich nicht weiter zu bemühen, da nun er deren Schutz übernehme. Wertheimer hatte es schon vorher mit Rafael Fränkl verabredet, daß dessen Mutter und Schwester seine Gastfreundschaft annehmen, bei ihm wohnen müßten, und sie wurden von ihm in auszeichnendster Weise empfangen. „Ich Lin in der Lage", sprach er, nachdem er, die Ankommenden in die für sie bestimmten Zimmer geleitet hatte, „Ihnen sofort eine Mittheilung zu machen, die Sie erfreuen und beglücken wird. Ein Diener Ihres Hauses, wie es wohl nie einen treuem auf dieser irdischen Welt gegeben, ist gestern hier eingetroffen und kann es vor verzehrender Ungeduld nicht erwarten, Sie zu sehen, zu sprechen." „Sie können nur von Josel Deidelsheimer sprechen", rief Rafael Fränkl, „wenn er lebt, dann lebt auch mein Vater, wenn Deidelsheimer nicht von den Wellen verschlungen wurde, dann wurde auch mein Vater gerettet, Josel Deidelsheimer hätte meinen Vater in seiner Todesnoth nicht verlassen!" „Sie haben das Richtige getroffen. Deidelsheimer hat sich mir gestern vorgestellt, wohl hatte ihn unsere Aufforderung, nach Wien zu kommen, in einer ungarischen Gemeinde getroffen, aber es hätte derselben für ihn nicht bedurft, er war eben auf dem Wege zu mir. Er hoffte vPl mir Näheres über das Schicksal der Fränkl'schen Familie zu erfahren. Aus meiner Aufforderung ersah er, daß Sie, Herr Rafael Fränkl, bei mir wären und schöpfte daraus auch die Hoffnung, daß die Frauen am Leben und von diesen baldigst Nachrichten bei mir einlaufen würden. Wenn Sie ihn sprechen wollen, wird er Ihnen sagen, daß Ihr Familienoberhaupt in weiter Ferne, in der heiligen Stadt Jerusalem, ruhig lebt und überglücklich sein wird, zu erfahren, daß seine feste Zuversicht: auch die Seinen seien glücklich gerettet, sich bewahrheitet, daß die Gefahr, die über Ihren Häuptern schwebte, durch Gottes Gnade gänzlich abgewendet ist." „Wo ist Josel Deidelsheimer?" riefen Mütter, Sohn und Tochter, wie aus einem Munde.