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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-03-09 · 10 (9.3.1894) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
10 (9.3.1894)
Date
1894-03-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10 VeüerreüW^ WochrnfchrN Sette 187 dieser liberalen Katholikenversammlung anzeigen können. Hier seien nur die erhabenen Worte erwähnt, womit das aus lauter angesehenen hauptstädtischen Katholiken bestehende Vorbereitungscomite dieses heutigen Meetings die Nothwendigkeit der Abhaltung desselben - seinerzeit motivirte: . . Wir dürfen nicht verkennen," heißt es darin, „daß der welterstaunende Fortschritt unseres - Vaterlandes und unserer Hauptstadt nicht blos einer Confession, sondern der freisinnigen Richtung zu verdanken ist, 'ne jede individuelle und körperliche Kraft frei zur Geltung kommen läßt. Unsere Religion ist die Religion der Liebe, und wer heute Intoleranz predigt, der fälscht diese Religion." — Klingen diese beherzigenswerthen Worte nicht wie ein prophetischer Mahnrus in gewisse Kreise unserer Schwester- Hauptstadt jenseits der Leitha hinüber?/ Der Ideengang über den unverfälschten Liberalismus der Ungarn mag die freundlichen Leser auf eine Weile auch in unsere Gemeinderaths-Halle führen, wo es sich vor Kurzem um die Namengebung zweier neuer städtischer Spitäler handelte. Der Vorschlag des Magistrates, das eine nach dem heiligen Stefan, das andere nach dem heiligen Franziskus zu benennen, wurde gerade von christlicher Seite unter Hinweis auf die interconfessionelle Bevölkerung der' Hauptstadt bekämpft, und da sich die Debatte darüber arg zuzuspitzen drohte, so machte der jüdische Stadtrepräsentant Dr. Moriz Mezei den vermittelnden Vorschlag, beide Spitäler nach ungarischen Königen (St. Stefan und St. Ladislaus) zu benennen, welche Proposition denn auch mit allgemeiner Begeisterung angenommen wurde. Ein anderes schönes Bild: Der gefeierte Dichter Jokai wurde, dieser Tage gelegentlich einer Nachfeier zu seinem Jubiläum auch von der Universitätsjugend deputativ begrüpt. Bei dieser. Gelegenheit sagte er unter Anderem: „Es ist eine erfreuliche Erscheinung in Ungarn, daß die im liberalen Geiste sich äußernde Jugend und das Altervollkommen miteinander übereinstimmen. Parlament, Gemeinderath, Universität hüben und drüben. Man vergleiche. — Sapienti sat. Amygdalus. I Rabbiner Dr. Perle» in München. [ Die Trauerkunde von dem Ableben des Münchener Rabbiners Dr. Perles wird in weiten Kreisen Deutschlands, aber auch unter den Fachgenoffen in Oesterreich innige Theilnahme erregen. Der Verstorbene war als Seelsorger und Gelehrter gleich hoch geachtet; durch die Lauterkeit seines Charakters und durch edle Herzensgüte lat er sich die Liebe seiner Gemeinde in hohem Grade erworben. Perles gehörte zu den ersten Schülern, die der fel. Frankel mit freudigem Stolze als reif entließ, und in der That haben Perles und Güdemann den Ruhm des Breslauer Seminars ins Land hinausgetragen. Perles hat gleich durch Dissertation über die „Peschita" in gelehrten Kreisen Aufsehen erregt. Als Rabbiner der Brüdergemeinde' in Posen verfaßte er eine Geschichte der Juden dieser Stadt. Zn München bot ihm die Hofbibliothek Gelegenheit, seine archäologischen Studien zu vertiefen und so verdankt ihm die jüdische Alterthumskunde eine ungemeine Bereicherung. Zahllose Aufsätze rn Frankel's Monatsschrift zeigten den verdienten Gelehrten im Lichte scharfsinniger und gründlicher Forschung, und unter Denen, die unsere talmudische und Midrasch-Literatur philologisch erforschten, verdient Perles als einer der hervorragendsten genannt zu werden. Perles verband mit seiner hohen Gelehrsamkeit eine herzgewinnende Bescheidenheit, die ihm nicht nur die Verehrung seiner Glaubensgenossen, sondern auch eine hohe Wertschätzung in den gelehrten christlichen Kreisen Münchens emtrug. Sein Tod läßt in Deutschland eine fühlbare Lücke zurück, möge dieselbe durch edel vorwärtsstrebende Kräfte ersetzt werden. Seine Freunde und Genossen weinen ihm Thränen der Erinnerung und des Schmerzes, ihn verloren zu haben, nach. EorrespmäenLm. Wien. (O f en h e i m u n d B e r g a n i.) In Nr. 1856 vom 4. März d. I. erzählt Herr Vergani seinen Lesern gelegentlich des Jnvestitions-Uebereinkommens der Regierung mit der Lemberg-Czernowitzer Eisenbahngesellschaft, daß „der Staat von Ofenheim und Genossen um Millionen begaunert worden ist. — Die Acten über Herrn Victor Ofenheim Ritter v. Ponteuxin sind geschloffen und es fällt uns nicht ein, uns zu dessen Anwalt zu machen. Allein höchst sonderbar muß es uns erscheinen, Ernst Bergani als Ankläger wider ihn auftreten zu sehen. Denn das harte Urtheil, das er über Ofenheim fällt, hat ihn nicht abgehalten, vor mehreren Jahren, als es sich um die Uebernahme eines Graphit-Bergwerkes handelte, in sehr regen Verkehr mit ihm zu treten und sich eifrig um die Theilhaberschaft des Ritters von Ponteuxin zu bewerben. Es lag nicht an Vergani, sondern an Herrn Ofenheim, daß der Herausgeber des „Deutschen Volksblatt" nicht der intime Geschäftsfreund des Mannes wurde, der „den Staat um Millionen begaunert hat". Ernst Vergani rechnet auf das kurze Gedächtniß seiner Leser, wenn er heute Ofenheim angreift, wir aber kennen seine Vergangenheit und wissen, wie viel es geschlagen hat. Wien. (Die Humanität des „Vaterland".) Die Katze läßt das Mausen nicht und das lieb' „Vaterland" vermag trotz Coalition nicht an jene schöne Zeit zu vergessen, da es in rührender Uebereinstimmung mit anderen Antisemitenblättern täglich einige Juden zum Frühstücke verzehrte. Die „Zeitung für die österreichisch-ungarische Monarchie" besprach in ihrem Morgenblatte vom 2. l. M. die bekannte „Bombenaffaire" vom Budapester Abgeordnetenhause und leitete ihren diesbezüglichen Bericht mit folgendem Satze ein: „Die meist jüdischen Stenographen des ungarischen Abgeordnetenhauses sind heute nicht wenig in Aengsten gejagt worden; auf der zum Stenographenbureau führenden Stiege des Abgeordnetenhauses wurde während der Sitzung eine Blechbüchse gefunden n. s. w. Wir wissen nicht, woher das „Vaterland" über das Glaubensbekenntniß der ungarischen Kammerstenographen so gut unterrichtet ist; allein gesetzt den Fall, ein großer Theil derselben sei wirklich jüdischer Confession, so muß man entrüstet sein über diese echt jesuitische Schadenfreude des „Vaterland", welches es natürlich lieber gesehen hätte, wenn die Sache ernster abgelaufen wäre. Aber so muß sich das Blatt damit begnügen, daß nur einige jüdische Stenographen in Aengsten gejagt wurden. Die gräflichen Protectoren des „Vaterland" können ihre Helle Freude haben an dem gemeinen Ton und der brutalen Schreibweise desselben. Wien. (Christlich-arischer Menschenhandel.) Ehren-Vergani spielt wieder einmal den Sittenrichter. In Nr. 1556 des „Deutschen Bolksblatt" vom 4. März d. I. entrüstet er sich über angeblich „jüdische Menschenhändler", das heißt: Auswanderungsagenten und deren Treiben. Das Thema ist wiederholt auch an anderer Stelle besprochen worden und verdient immer wieder besprochen zu werden — allerdings nicht vom confeffionellen Standpunkte, denn unter den Auswanderungs-Hyänen befinden sich weitaus mehr Christen als Juden. Das Uebel liegt vor Allem darin, daß der Staat den großen norddeutschen Auswanderungs-Agenturen, welche ausschließlich in christlich-arischen Händen liegen, die Conceffion zum Geschäftsbetrieb in Oesterreich, d. h. zum Menschenfang ertheilt. Vergani selbst citirt einen Polizei- Erlaß vom 22. Juni 1891, wonach die Firmen N. A. S. M. und Red-Star-Line je einen „Beamten" auf den Bahnhöfen und Landungsplätzen aufstellen dürfen zum Empfang von Aus- Wanderern. Wenn man da schon vom „Menschenhandel" sprechen will, so kann man doch nicht vom „jüdischen" Menschenhandel sprechen. Das ganze Auswanderungs-Geschäft hat einen vorwiegend christlich-arischen Charakter. Die Concessionäre sind Christen, die conceffionirende Regierung ist christlich, die Polizei ist christlich, die Auswanderer sind Christen und unter den Agenten und Zutreibern sind 70 Percent Christen. E. B. Wien. Das corrupte „Deutsche Bolksblatt" des noch corrupteren Antisemiten Vergani bringt nachstehende Notiz: „Rothschild als Antisemit. Damit der Staat und verschiedene Vereine durch Defraudationen nicht so üble Erfahrungen ä ia Ferles machen, sollen sie es machen, wie Rothschild. Bei Rothschild findet man fast ausschließlich christliche Casfiere. Der

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