Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 9 (2.3.1894)
- Date
- 1894-03-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 170 ^eyerrrtltztfthr Wortzrnschrtst Nr. 9 (Aron)Adolph, cnrc (sic!) Paul,Julius, Sigismund" oder Siegfried, orros £)tto, nMn Hermann, 2'^ und Leopold; für den Verkehr mit den Landsleuten bestehen nur die nationalen Namen." Auf diese irrige Behauptung nun ist von einem namhaften Orientalisten und jüdischen Gelehrten, M. Gcünbaum,Folgendes (in der Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesellschaft, Band 40, Leipzig 1886, S. 249 ff.) erwidert worden, das ich hierher setzen will, da es nicht vielen Lesern dieses Blattes zugänglich sein dürfte. „Ob je", heißt es da, „der Name Isidor bei Juden gebräuchlich gewesen, ist zu bezweifeln; in dem sehr reichhaltigen Verzeichniß derartiger Namen, in Zunz' „Namen der Juden" kommt er wenigstens nicht vor; jedenfalls hätte Lagarde aus letzterem Buche oder aus Wolf's Vibliotbeea bsdraica sich eines Besseren belehren können." „Der von ihm gemachte Unterschied zwischen den „Deutschen" und den „Landsleuten" existirt nicht: die nationalen Namen, worunter doch wohl die Namen hebräischen Ursprungs zu verstehen sind, existiren nur als synagogale Namen; beim Aufrufen zur Thora, bei hebräisch zu schreibenden Urkunden gebraucht man den hebräischen Namen, sonst nie. Wer z. B. Adolf heißt, der heißt so bei Allen, die ihn kennen und gar mancher Adolf weiß es nicht einmal, daß der Verwandte, dem er „nachheißt", d. h.' dessen Name auf ihn übertragen wurde, eigentlich Abraham hieß." . . . „Einzelne der in neuester Zeit erschienenen hebräischen Bücher, die in der einen Hälfte des Buches den hebräischen Text, in der anderen die hebräische Uebersetzung enthalten, haben zuweilen ein Janusgesicht; aus der einen (der deutschen) Seite steht auf dem Titel das moderne Moritz, auf der anderen der altehrwürdige Name Ein großer Jrrthum aber ist es, mit Lagarde zu behaupten, daß diese Zweiseitigkeit auch im täglichen Leben vorkomme, daß Jemand auf der einen („nationalen") Seite mit ntPE, auf der änderen Seite mit Moritz angerufen würde; vielmehr heißt es auch hier .... Moritz hüben und Moritz drüben." Lagarde mit seinem „hie Moscheh, hie Moriz" erinnert au eine Bemerkung Voltaires, welcher in seinem Dictionnaire philosopliique (Art. Dieu) die sehr merkwürdige Entdeckung mittheilt, Spinoza habe mit seinem Vornamen gar nicht Benedict (Benoit), sondern Baruch geheißen; Voltaire wußte eben nicht, daß. das eine Wort die Uebersetzung des andern ist. Der Name Benedict kommt übrigens ebenso häufig wie Baruch auch unter deutschen Juden vor; in früherer Zeit sagte man dafür Bendet — wie noch heute bei den Juden in Polen — (wahrscheinlich vom italienischen Benedetto) und ich selbst habe ältere Leute gekannt, die auch von den „Nationalen" nie anders als Bendet genannt' wurden." „Aus den erwähnten Büchern", heißt es weiter (ebenda S..250) „von Wolf und Zunz hätte Lagarde ferner ersehen können, daß die deutschen Namen schon seit sehr langer Zeit existiren. Auf beit Titeln hebräisch geschriebener Bücher, die in Wolfs Bibl. Hebr. erwähnt werden, kommt z. B. statt m,“* eben auch der Name 2^ vor, d. h. Leb, Lew, Lewe bei Luther, mhd. Leb für Löwe . . . entsprechend dem n'ns im Segen Jacobs (Gen. 49, 9). Das von Lagarde angeführte 2'*? ist also ein deutsches Wort Oif? kommt nie als Vorname vor.),, Neben und statt findet man d. i. Hirsch (gewöhnlich Hersch ausgesprochen) und Hirz. Letzteres ist das mhd. — auch noch jetzt in der Schweiz gebräuchliche — Wort für Hirsch. . . . Die deutschen — und andere nicht hebräische — Namen gelten für so wichtig, daß sie in hebräischen Urkunden — einem Scheidebrief z. B. — mit der Bezeichnung N512-2N („genannt") dem hebräischen Namen beigefügt werden müsse n. Manche Bücher, wie z. B. das motp "isd von Simcha b. Gerschom, Rabbiner in Belgrad — aus welchem Buche Wolf (B. H. I, 29 sg.) einige Specimina mittheilt — handeln ausschließlich von der Bedeutung und der richtigen Schreibung dieser nichthebräischen Personennamen." Es ist überhaupt ein weit verbreiteter Jrrthum bei gebildeten und ungebildeten Christen, daß die Juden unter sich nur biblische Namen führten, der nichthebräische Name dagegen nur ein Aushängeschild sei. In Wahrheit aber haben Engländer, Amerikaner und auch Schweizer christlichen Glaubens weit mehr demAltenTestamentPersonennamen entlehnt, als die orthodoxesten Juden in Polen und Rußland. In Deutschland allerdings gilt, was Pott (Personennamen, Leipzig 1853, S. 96) schon vor vierzig Jahren gesagt hat: „Uebrigens werden in Deutschland jetzt die Namen des alten Testaments als Vornamen immer seltener, unzweifelhaft um nicht die-Eltern als Namengebrr dadurch im Lichte der Juden oder Altgläubigen erscheinen zu lassen? Mcht zwanzig Frauennamen z. B. hebräischen Ursprungs — d. h. sowohl biblische als später aus dem Hebräischen gebildete — finden sich, wie gesagt, bei den Juden in den slavischen Ländern, wo, wie bekannt, sie am Alten noch am zähesten hängen, wohl aber begegnet man dort Namen, die, wie schon augedeutet wurde, aus aller Herren Ländern herstammen. Kein Wunder. „Als nach anhaltenden grausamen Verfolgungen", sagt Zunz (Namen der Juden. Leipzig 1837, S. 80), „die Juden — zwischen den Jahren 1300 und 1590 — aus West- und Mitteleuropa getrieben, in verschiedene Länder zerstreut wurden, entstand da, wo die Flüchtigen sich wieder ansiedelten, als sie zu Gemeinden anwuchsen, ein Namen-Mischmasch. Man hörte englische und französische Namen unter den deutschen; schweizerische unter den polnischen Juden; italienische wurden germanisirt und germanische Namen kamen slavisch aufgestutzt zu den Gemeinden nach Deutschland zurück." Und wenn irgendwo, gilt bei den Inden, wenigstens den osteuropäischen, das Schiller'sche Wort: „Das Jahr hat eine heiligende Kraft." Die seit Jahrhunderten bei Juden gebrauchten Namen, wie einerseits Todres (Theodoros), Sander (aus Alexander), Liepe (aus Liep- oder Liebmann), Anschel (Anshelm), Beer (Bär), Hersch, Herz (s. oben), Leib, Wolff, Fischel, Getzel (aus Götz: Gottfried) u. a. sowie andererseits Pessel, (s. oben). Scheindel (Schöndel), Genendel (s. Förstemann u. a. O. Sp.- 949). Brandet (aus altdtsch. bruna, das in der Koseform Bräundel, Breindel geworden ist, dessen „ei" wie im Jüdendeutschen überhaupt zu a wurde), Golde und seine polnische Uebersetzung: Slatte (poln. Zlato: Gold), Peerl (Uebersetzung offenbar von Mapyao^c. (Margarete), Tolze, Sprinze, (s? oben), Reisel, (Rösel), Mindel (von Minne), Selde, Keile (s. oben) und noch viele andere, die keineswegs hebräisch sind, alle diese, sage ich, gelten bei den osteuropäischen Juden noch bis auf den heutigen Tag als „jüdische Namen", die bei den deutschen und westeuropäischen Juden schon längst nicht mehr in Gebrauch sind, da diese die unter ihren christlichen Mitbürgern jetzt üblichen Namen angenommen haben. Und so heißen in der That diese: Johannes, (Hans), Thomas, Elisabeth, Martha, Magdalena, Anna rc., — lauter Namen bekanntlich semitischen Ursprungs — während sie bei jenen nie und nimmer zu finden sind. Der Grund dieser Erscheinung ist eben der, daß in Mittel- und Westeuropa der Affimilirungsproceß seitens der Juden in Sitte wie in Sprache an ihre nicht jüdische Umgebung größere Fortschritte seit der Emancipation gemacht hat, als in Osteuropa, wo sie allerdings, namentlich in Rußland, eine keineswegs beneidenswerthe Sonderstellung einnehmen und die Landessprache nicht angenommen haben, sondern unter sich noch immer die Sprache reden, die ihnen vor drei, vier Jahrhunderten aus Deutschland vertriebene Juden beigebracht haben; denn es läßt sich mit ziemlicher Sicherheit Nachweisen, daß die Juden in den slavischen Ländern Jahrhunderte früher, bevor sie mit ihren deutschen Glaubensgenossen in Berührung gekommen sind, slavische Sprachen gesprochen haben. Doch auch hier, in den slavischen Ländern, macht sich in neuester Zeit vielfach das Bestreben geltend, die alten, oben charakterisirten „jüdischen" Namen zu modernisiren. Da hört man z. B. einen vielgebrauchten hebräischen Namen: Chajim, der Leben bedeutet, der aber weder in der Bibel noch im Talmud zu finden ist, und der erst im Mittelalter in Italien, Nordfrankreich und Deutschland erscheint und zweifellos, wie so viele andere hebräische Namen aus jener Zeit, eine Uebersetzung ist vom lateinischen Namen: Bitus, Vitalis, Veit, (Beitel), oder romanischen : Vivien, Bives, (germanisirt: Bivelin); ein Name also, der, nebenbei bemerkt, gar nichts beweist für die „Auffassung des Lebens" als „smmanm bonum" bei Semiten, wie der oben erwähnte Dr. G. Jacob im „Globus" (Bd. 64, Nr. 22 u. 23, „Das Beduinenleben im Lichte der Beduinenposie") am Schluß des Aufsatzes vermuthet und der „Leben, Vitalis, Veith" für Übersetzungen von Chajim hält. Einen Namen „Leben" gibt es aber nirgends, wahrscheinlich meint er das so häufig bei Juden vorkommende Anhängsel — „leben" bei Namen, wie Kindleben, Moscheleben rc. das aber gar nicht jüdischen, sondern deutschen Ursprunges ist und aus der im XV. Jahrhundert am Rhein gebräuchlichen Anrede: „Kint leve", „Kint lew", „Bader leve" stammt." Vom Rhein drang dann dieser Sprachgebrauch nach Osten, mit der Tren- ■1 rji rtJin-üfflMI