Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 9 (2.3.1894)
- Date
- 1894-03-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 9 VeflMLUtztsorr MortzrnsÄrrpt Gene 169 für allerdings eine Analogie vorhanden ist, in Jsac, das, wie im Englischen auch im Judendeutsch Eisec, (daraus Asic) lautet, sondern aus dem sranz. pueelle, das altsranzösisch puleellu lautete. In dieser Form findet sich das Work bei Juden als Frauenname sowohl in Frankreich selbst, als auch bereits im zwölften Jahrhundert in England, aber immer mit P im Anlaut nicht mitB. (Siehe Jos. Jacobs: The Jews of Angeviy England,Sonfooit, 1893 S. 370), und ist von dort aus, wie die anderen oben erwähnten romanischen Namen auch zu den Juden in Polen gedrungen, aber in etwas corrumpirter Gestalt, in der Form „Pessel", vielleicht in englischer Aussprach, wie das erwähnte Eisek. Und wie wir oben deutsche Uebersetzungcn romanischer Wörter fanden, so ist auch der polnisch-jüdische Frauenname „Malet" und „Matele" nichts weiter als eine Uebersetzung des französischen xaeelle, und mag ursprünglich „Madel", „Madele" gelautet haben und ist gerade so zum Eigennamen geworden, wie im Griechischen ^9ri und im Lateinischen Virginia (franz. Verglnik) weibliche Eigennamen waren, oder im Judendeutsch selbst der Frauenname: Pan«, das höchst wahrscheinlich das ungarische leäny ist, wofür sich auch Lyäny und auch Läny findet, welches „das Mädchen" bedeutet. Doch ist die Zahl der Frauennamen romanischen Ursprungs bei den osteuropäischen Juden weit geringer, als die der germanischen, was sich daraus erklärt, daß es meist Juden aus Deutschland waren, die, von hier vertrieben, sich in den slavischen Ländern niedergelassen haben und die dort, in Deutschland, lebenden Juden hatten wie man längst weiß, namentlich, das weibliche Geschlecht unter ihnen, rein-deutsche Namen. „So heißt der", sagt Höniger in der Zeitschrift für die Geschichte der Juden im Mittelalter (Braunschweig, 1887 1 S. 76) „in den ältesten Karten des Laurenzschreiers (in Köln, die bis Mitte des zwölften Jahrhunderts reichen) mehrfach genannte Judenbischos Bruningus und andere Juden heißen Alexander, Gerhard. Heinrich. Besonders häufig sind die deutschen Frauennamen Adelheid, Agnes, Heilsvindis, Johanna, Jutta, Richedis, Richeza, Sophia; in diesem Zusammenhang darf wohl auch eine puella nomine Valkinouge und eine Frau mit dem Beinamen Schone wif genannt werden." In dem aus .dem vierzehnten Jahrhundert stammenden Stadtbuch von Görlitz in der Lausitz finden sich als jüdische Namen, trotz aller seitens der Juden während der Kreuzzüge erlittenen Schmähungen und Drangsale schlimmster Art, auch die vielfach für christliche Frauen gebrauchten Clara und Katharine. Vergl. R. Jecht.> „Beiträge zur Görlitzer Namenkunde" im neuen Lausitzischen Magazin (Bd. 68, Görlitz 1892, S. 8). Hier, in dem damals noch meist slavischen Lande, kommen auch neben Vroyde (noch heute polnisch-jüdisch Freide) slavische Namen vor, wie die Frauennamen Pakusch und Pryba vom slavischen Stamm paku stark, kräftig u. priby sich vermehren, und die Männernamen: Tczechan und Zharnak neben Benisch, Fricz, Johannes, Ornold und Wigil. (Jecht a. a. O.) Dem erwähnten slavischen Tczechan entspricht vielleicht der mir bekannte polnischjüdische männliche Vorname: Schachne, nur weiß ich leider nicht zu sagen, was er bedeutet, während der noch heute gebräuchliche Frauenname Tscharne vom slavischen czerno „schwarz" stammt. Man hat es oft den Juden zum Borwurs gemacht — wir kommen gleich noch darauf zurück — daß sie statt der biblischen fremdsprachliche Namen sich beigelegt haben und noch beilegen. Aber mit der Annahme der Sprache der sie umgebenden Völker — seit über zweitausend Jahren ist das hebräische nicht mehr Sprache der Juden — war eine Anähnlichung an fremde Namen oder völlige Annahme derselben, wie beides schon zur Zeit der griechisch-römischen Herrschaft im Orient der Fall war, unvermeidlich. „Gleichwie der Juden Sprache und Literatur", sagt Zunz (Namen der Juden. Leipzig 1837, S. 1), „eine nach Epochen und Ländern gestaltete Entwicklung ist, offenbart sich auch in dem jüdischen Leben und der jüdischen Sitte, neben dem Kampfe für Alterthum und Selbstständigkeit, der Einfluß der Culturstufen, welche die Nationen betreten haben, und das Leben der Juden, das äußerliche wie das geistige, erscheint darum als ein Spiegel von Ideen, welche aus der Gegenwart und der Umgebung eintreten in den Kreis des Nationalen." Was hier im Allgemeinen gesagt wird, das . gilt auch aus dem speciellen Gebiete, dem der Namengebung, bei den Juden. So finden wir in England bereits im zwölften Jahrhundert unserer Zeitrechnung jüdische Frauennamen wie „Alemandina, Alfild, Antera. Bella f'B«41e), Beleasez, Ödere. Clarise. Comitissa. Denieosa. Pona, Pure Dnzelina, Flenr de Lis, Fluria o. Floria, Genril. Joie, Juetre Margaret, Maria, Mirabilia, Mnriel. Precieuse, Pnlienlle. Rana (Reine), Regina. Riehe, Slema." Vgl. Jacobs a. a. O. (S.370X Man sieht also, fügt er hinzu, daß die Ouelle der Vornamen der englischen Jüdmnen das anglo-normanische Französisch ist. Dasselbe gilt von den männlichen Vornamen derselben Zeit, da finden wir einen Amiot. Bonefei (Bonfoi , Bonevie, Bonenfaund (hon enfanti, Hospitard, Justelin. More!. Peitivin, Piers. Seignuret (dim ot seigneur). Ursel, Yvo and Yvelin.“ i^Siehe Jacobs a. a. O.) Wie bei den englischen Juden Piers, so bei den französischen Peter, wie selbst ein Talmudlehrer hieß, wie man ans dem Tosasoth d. h. den aus dem zwölften bis vierzehnten Jahrhundert stammenden, meist aus Nordsrankreich herrührenden „Zusätzen" und Comnientaren zum Talmud ersehen kann, in denen die Ansichten eines R. Peter ewähnt werden. In Carenton, einem Städtchen im Departement Manche in Frankreichs hieß der im Jahre 1147 erschlagene Rabbiner der Gemeinde R, Peter, der vielleicht identisch ist mit dem eben erwähnten Tosasisten. (Vgl. Hebräische Berichte über die Judenverfolgungen während der Kreuzzüge. Herausgegeben von A. Neubauer und M. Stern, übersetzt von S. Baer, Berlin 1892, S. 63 und 195). Nebenbei bemerkt, ist Petros wie bekannt, nur eine Nebersetzung eines aramäischen Wortes: XL'2 (Fels). Vgl. Ev. Joh. 1,42 und Matth. 16, 18. Dieser Vorgang nun, d. h. die Annahme fremder Namen seitens der Juden von dem sie umgebenden Nationen ist schon sehr alt. Als das Hebräische aushörte, Volkssprache zu sein, und das Aramäische an seine Stelle trat, entstanden auch aramäische Namen, und gar seit der so nachhaltigen Berührung mit der griechisch-römischen Cultur, wie sie die zahllose Menge der griechisch-römischen Fremdwörter zeigt in der nachbiblischen Literatur in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung, hatten die Namen jener ein fast völlig griechisches und zum Theil lateinisches Gepräge erhalten. Bald wurden die alttestamentlichen mit griechischer Endung versehen, dem Hellenen mundgerecht gemacht, bald der hebräische Name gegen einen griechischen vertauscht, wozu schon der geringste Anklang beider genügte. So nannten sich schon die beiden Söhne des Hohenpriesters Simon II. aus dem Hause der Hasmonäer ftati : Jesus (gräcisirt), und statt (Onias), : Jason und Menulaos (vgl. Josephus Antt. Yfl, 5, 1): ein Anderer Namens Jesus latinirte sich in Justus (vgl. Paulus' Brief an die Colosser IV, 11). Die judenchristliche Gemeinde in Rom, an die Paulus seinen Brief richtet und deren Mitglieder er am Schluß desselben auszählt und grüßen läßt, führt fast ausschließlich nur griechische und römische Namen. (Bgl. Römerbries. Cap. 16). Freilich wurde von strengjüdischer Seite Zögen diese Annahme heidnischer Namen geeifert, so heißt es im Midrasch zum hohen Liede: „Die Israeliten in Egypten wechselten nicht ihre Namen: Rüben und Simon kamen dorthin, und als Rüben und Simon zogen sie fort von da; den Rüben nannte man nicht Rusus, den Juda nicht Julios, den Joses nicht Justus und den Benjamin nicht Alexander." Aber trotz dieser Ermahnungen schwanden die heidnischen Namen nicht und so heißt es im Midrasch Rab. I.B. M., Abschnitt 49: „die Namen der Juden außerhalb Palästinas sind die Namen der Heiden." In späteren Jahrhunderten war, wie wir gesehen haben, die völlige Annahme fremder, nicht hebräischer Namen, was bis aus den heutigen Tag seitens der Juden der Fall ist, gang und gäbe. DieVorstellungder meisten Christen, der Gebildeten wie Laien, die Juden führten von Alters her bis heute nur hebräische Namen, ist eine ganz irrige. Es sind, um nur ein Beispiel anzuführen, bei den Juden in den slavischen Ländern, wo sie noch am meisten der Väter Sitte bis in unsere Zeit bewahrt haben, an Frauennamen biblischen Ursprungs etwa ein Dutzend in Gebrauch, zu denen noch etwa sechs bis acht, zwar nicht dem biblischen aber dem hebräischen Sprachsatz entnommene, hinzukommen. Und nur ein Mann, wie der verstorbene Lagarde, der trotz ganz oberflächlicher Kenntniß des nachbiblischen Judenthums sich herausnahm, mit einer dem Laien imponirenden Sicherheit über dasselbe zu urtheilen, konnte die Behauptung ausstellen (Gesammelte Abhandlungen, Leipzig 1866, S. 164, Anmerkung 2) „wie die zur Zeit der syrischen Herrschaft die DlttO sich in MsveXaot, die piV» in ’Haovss umwandelten, wie in Egypten aus pnir loeSaipog wurde, so. heißt in Deutschland für die Deutschen nwv Max oder seiner Martin, pnx