Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 9 (2.3.1894)
- Date
- 1894-03-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 168 Vesterrrichifche Wschenschrrst Nx. 9 schändliche Verleumdung und ein blödsinniges Borurtheil sei, und verlangte, daß vier christliche und drei Mische Zeugen die Anklage bestätigten: im Falle, wo der Kläger nicht die verlangten Zeugen stellen konnte, sollte an ihm die Hauptstrafe vollstreckt werden. Daher waren die Processe über rituellen Mord sehr selten in Polen. Zwei Jahre vergehen seit der Entdeckung der Leiche des christlichen Kindes. Es ist nicht bekannt, ob in dieser Zeit eine Untersuchung eingeleitet worden und mit welchem Ergebniß. Es ist wahrscheinlich, daß die gegen die Juden erhobene Anklage als zu wenig begründet erachtet wurde, daß die Behörden die Untersuchung nicht einmal veranlaßt. Vom gerichtlichen Standpunkte aus schien die Sache ad acta gelegt zu sein, wie es heißt. Die Juden hatten sie vergessen, aber die Bürger von Haß gegen die Juden beherrscht, vergaßen sie nicht. Nur die Gegenwart des Herzogs störte sie. Sie warteten den geeigneten Augenblick ab. um glänzende Revanche zu nehmen. Dieser Augenblick erschien. Im September 1659, nach der Abreise des Herzogs nach Warschau, beschließt eine geheime Versammlung von Bürgern, daß die jüdische Gemeinde des rituellen Mordes schuldig ist. Die Bürger fordern weder Zeugen noch Beweise. Einige unter den Notabeln von Roujany werden gefoltert, doch verrathen sie nichts, da sie nichts zu verrathen haben. Da beschließen die Bürger, daß die jüdische Gemeinde, Männer, Frauen und Kinder hingerichtet würden, wenn die Gemeinde nicht die schuldigen Juden ausliefere. Zwei Juden genügten. Wer wird sich nun für die Gemeinde opfern? Welches werden die Märtyrer sein? Es handelt sich hier nicht allein zum Ruhme Gottes, für die Religion zu sterben, sondern um die gesammte Gemeinde vor unvermeidlichem Tode zu retten. Die Lage war eine verzweifelte. Die Gemeinde versammelte sich in der Synagoge und es wurde um die beiden Mitglieder gelost, welche sich für die Allgemeinheit opfern sollten. Der Zufall bezeichnte Rabbi Jsraelben-Schlome und Rabbi Tvbia-ben-Joseph. Sobald sie ihre Namen vernahmen, begaben sich die beiden Bezeichnten zum Gemeinderath und erklärten sich als die beiden einzigen Schuldigen an dem Morde des christlichen Kindes. Starr über den Ausgang der Angelegenheit, beschließen die Bürger, daß die Schuldigen gerädert und dann geköpft würden. Die Hinrichtung fand statt am zweiten Tage Rosch-Haschanah. Der Sohn eines der beiden Opfer, Simon-ben-Jsrael, wohnte dem Tode der Märtyrer bei, und in einer schönen Elegie, die sich bis auf den heutigen Tag erhalten, beschreibt er die schmerzlichen Phasen des Dramas. Die Juden von Roujany haben die rührende Sitte beibehalten, ihre Märtyrer zu verehren. Alljährlich am zweiten Tage Rosch-Haschanah sprechen sie besondere Gebete für die Ruhe der Seelen von Jsrael-ben-Schlome und Tobia-ben- Joseph. Auf dem jüdischen Kirchhof zu Roujany halten die Juden an dem Grabstein, auf welchem sich die Namen der Märtyrer und das Datum ihrer Peinigung befindet, einen besonderen Cultus ab. „Dieser Gauner von einem Inden." (Aus dem „Freien Blatt".) „Juden! .... Ich hasse sie instinciiv! .... Ihre pappige (Sprechweise, ihr knechtisches Benehmen, ihre Arglist! Habe ich Ihnen schon erzählt, wie so ein Hund mich zu betrügen suchte?" „Nein, wie war das?" „Vor einigen Jahren wurde in einer alten Kirche in Venedig ein Donatello entdeckt, die Madonna mit dem Kind, eine herrliche Arbeit. Der Ersteher des Kunstwerkes ließ mich rufen, da cs beim Transport einen Bruch erlitten hatte. Er überwachte meine Restaurirungsarbeit mit Argusblicken, aber es gelang mir doch, ohne sein Wissen eine Copie davon anzusertigen und diese nach Hause zu schaffen. „War er der Jude?" „Nein, Geduld — ein Anderer. Das Original wurde um 60.000 Lire verkauft — eine nette Summe, wie? . . . Ich verbrauchte zweieinhalb beinahe drei Tage damit, meine Copie in Terracolta zu packen, ließ sie heimlich brennen und versenkte sie dann auf ein halbes Jahr in eine Lagune. Als ich sie nach dieser Frist wieder herausholte — welche Farbe welches Alter .... eine Pracht! Ich konnte zufrieden sein.^ Ich trug sie zu einem Antiquitätenhändler, so einem jüdischen Hallunken, und Sie hätten sehen sollen, was für Augen der Hund machte! Sein Blick glühte, seine Hände zitterten, ja er küßte thatsächlich meine Copie, als er rief: Ein wahrhaftiger Donatello! ... . . Ich hatte die Absicht gehabt, zweihundert Lire zu verlangen, jetzt aber, als ich sah, wie entzückt^ der Lump war, schlug ich tausend darauf" „Zwölfhundert Lire — ist das nicht zu theuer?" srug er. „Ich weiß nicht," erwiderte ich, „es ist das nicht meine Sache; ein Freund sandte mir das kostbare Stück, um es für ihn zu verkaufen, und sein ursprünglicher Preis war fünfzehnhundert, aber er sagte, er würde es schließlich auch um zwölfhundert lassen. Ich will ihm noch einmal schreiben und fragen, ob er es noch billiger gibt." „Danke," versetzte der geschmeidige Kerl, „aber wie immer seine Antwort aus fällt, Sie lassen mir das Vorkaufsrecht, ja!" „Ich ging heim und wartete "eine Woche, um dem angeblichen Freunde Zeit zu seiner Antwort zu lassen. Dann suchte ich wieder meinen lieben Juden auf und erzählte ihm mit enttäuschter Miene, daß mein Freund an seinem Preis von fünfzehnhundert festhalte, daß ich als Ehrenmann jedoch bei meiner Forderung von zwölfhundert bleibe, denn ich fühle mich verpflichtet, mein Wort zu halten." „Gewiß!" bestätigte der Jude und zählte mir den Betrag auf; dann ersuchte er mich in seinem singenden Jargon, ihm nur wieder Sachen zu bringen, wenn ich welche fände. Sehen Sie die Gaunerei des Kerls?" „Welchen Kerl meinen Sie?" „Nun, den Juden natürlich! Er glaubte einen echten Donatello zu erwerben, er wußte, daß er fünfzigmal mehr werth war, als er mir zahlte, und so betrog er mich in dieser infamen Weise!" E. M—y. -r- . Dieses wahre Begebniß wird mir von befreundeter Seite aus Venedig übermittelt. Es trägt das charakteristische Merkmal antisemitischer Logik und Moral an sich: den Juden betrügen und dann sich als Betrogenen ausgeben. Der Schurke stahl die Copie, fälschte sie und beschwindelte den Händler. Alles das aber gilt nicht; der Gauner war doch nur der Jud?! A. G. v. S u t t n e r. Etwas über jüdische und christliche Vor-und Zunamen. Von Biblioiheks-Cuftos Dr. I. Babad, Greifswald. (Schluß.) Neben diesen Namen germanischen Ursprungs haben sich bei den Juden in Polen bis auf den heutigen Tag auch solche romanischer Herkunft erhalten. So „Line", das mit dem deutschen Worte „Biene" nichts zu thun hat, sondern das italienische oder lateinische Bona ist, das zu Luna verdunkelt wurde, dessen u wiederum, wie so häufig, zu i geworden ist; ganz analog dem „Bine" ist der noch heute gebräuchliche Mannesname Lmew (aus Bonam d. h. — »wi gebildet); eine Uebersetzung des Namens Bitte ist der jüdisch-deutsche Frauenname: Gitele, das das Diminitivum ist zu: Gute, Gite, geradeso wie Schöndel (jüdisch-deutsch: Scheindel), eine Uebersetzung ist von dem bei den Mittelalterlichen Juden gebräuchlichen Namen: Bell», der aber nicht in dieser, sondern in der Form: Bela daraus: Beile (nach bekanntem lautlichem Vorgänge) noch erhalten ist. Denselben Vorgang endlich finden wir bei den jüdisch-deutschen Frauennamen: Tolze, der das italienische Dolce ist und wiederum in Süßl und Sißl übersetzt wurde. Für einen solchen aus dem Romanischen stammenden Namen halte ich den unter den Juden in Polen wohlbekannten Frauennamen: „Pessel", der meiner Ansicht nach nicht, wie man allgemein annimmt, aus beth, der Schlußsilbe von Elisabeth, nach englischer Aussprache, wo-