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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-03-02 · 9 (2.3.1894) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
9 (2.3.1894)
Date
1894-03-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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&eue 166 WvchttrMM Nr. 9 „Vorwärts" am 31. Jänner 1894 aus den „Leipziger Neuesten Nachrichten" abdruckt: Ei« Garde-Cavallerie-Offieier große, schöne Erscheinung, von altem Adel, 27 Jahre alt, wünscht Finanz Heirat. Adressen erbitte lagernd Hauptpost in Dresden unter Grs. v. W. I. Selbst die reinantisemitischen Blätter verschmähen es nicht, unsittlichen Annoncen ihre Spalten zu öffnen. Wie die „Bad. Landpost" vom 7. Februar 1894 schreibt, hat die antisemitische „Ulmer Schnellpost" jüngst folgendes Inserat gebracht: „Eine junge Dame von angenehmem Aeußern wünscht zur Carnevalszeit die Bekanntschaft eines lebenslustigen gebildeten Herrn zu machen. Officiere, Beamte rc. bevorzugt. Schriftliche Annäherung wird erbeten unter Chiffre I. O. 85 fiadtpostlagernd Ulm. Photographie erwünscht." Dazu bemerkt ein socialdemokratisches Organ mit Recht: „Gibt es eine schamlosere Art der Prostitution, als sie in obigen Zeilen zu finden ist, und dazu noch in einem Organ, das, neben seiner Judenhetze beständig von Ehristenthum, Zucht und Sitte faselt?" * * - * Aus dem judenreinen Spanien. Aus Saragossa wird Madrider Blättern geschrieben, daß im Gebiete San Miquel ein Schullehrer, der nicht weniger als dreißig Anerkennungsdiplome besitzt, kürzlich bei dem Alkalden um einen — Bettelschein eingekommen ist, damit er sich auf der Straße feinen Unterhalt erbetteln könne! Das „Martyrium der Schullehrer" ist jetzt in den spanischen Blättern zu einer ständigen Rubrik geworden, in der aus den verschiedensten Orten mitgetheilt wird, wie lange schon die einzelnen Ortsbehörden die Zahlung der Lehrergehälter unterlassen haben. » * Fm antisemitischen Zeitalter. Eine Schaudergeschichte wird aus Rekesely, einem kleinen ungarischen Dorfe bei Temesvar, gemeldet. Ein armes altes Weib Namens Therese Meitfch kam in den Verdacht, die Ställe ihrer Nachbarn behext zu haben, deren Vieh an einer Seuche zu Grunde gegangen war. Die Rache war schrecklich, denn die Unglückliche ist buchstäblich gekreuzigt worden. Die geychtliche Untersuchung konnte bis jetzt die Urheber dieses Verbrechens noch nicht ausfindig machen. Oesterreichisch -Israelitische Union. Unter überaus großer BetheUigung von Mitgliedern und Gästen, unter welchen man unter Anderen die GemeinderKthe Dr. Friedjung, Theodor R. v. Goldschmidt, Laug, und Dr. Alfred Mittler, sowie die Cultusvorsteher Architekt Max Fleischer und Landesschulrath Dr. Gustav Kohn bemerkte, hielt die österreichisch-israelitische Union Samstag den 24. Februar d. I. in Khuner's Restaurant eine Plenar-Bersammlung ab. Die bevorstehende Ersatzwahl für das durch den Tod des Abgeordneten Dr. Jaques erledigte Reichsrathsmandat in der Inneren Stadt bot manchem Redner dje Gelegenheit, die laxe Handhabung der Staatsgrundgesetze in Bezug auf die jüdische Religionsgenossenschaft seitens der maßgebenden Behörden einer Kritik zu unterziehen, und allgemein wurde dem Wunsche nach einem solchen Candidaten Ausdruck gegeben, welcher mit aller Energie für eine gerechte Durchführung der Staatsgrundgesetze einzustehen sich verpflichte. In anderer Beziehung ging der Tenor der Meisten Redner dahin, daß das Mandat der Inneren Stadt, das seit dem Jahre 1861 eine Jude inne hatte, wieder durch einen Juden besetzt werden möge. Nachstehend der Bericht über den Verlauf der Versammlung. Der Vorsitzende Cultusvorsteher Dr. Grünfeld eröffnetdieselbe nnt einem warmen Nachrufe für den verstorbenen Abgee ordneten Dr. Jaques, dessen Andenken die Versammlung durch Erheben von den Sitzen ehrte. Hierauf hielt Herr Dr. Edvard Mahler einen mit vielem Verfalle aufgenommenen Vortrag, über: „Das. Kalenderwesen bei den verschiedenen Völkern": Nach Unterbrechung der Sitzung ergreift als erster Redner Herr F ü r st e n t h a t das Wort. Derselbe unterzieht die Bertheidigungsweise der „Officiellen" im Kampfe gegen die Antisemiten einer scharfen Kritik. Den maßgebenden Führern empfiehlt Redner, korporative Schritte gegen die Gegner, nur nach genauester Prüfung des Rechts- und Competenz-Standpunttes zu unternehmen und perhorrescirt alles Petitioniren und Audienzwerben. Für diesen seinen Standpunkt spreche der negative Erfolg des Cultusvorstandes im Falle Paulus Meyer und des Vorstandes der „Union" im Falle „Christliche Familie". Herr Fürstenthal gelangte zu dem Schluffe, daß man überall, wo das Gesetz nicht ausreiche, sich der rohen Uebermacht gegenüber passiv verhalten solle. Hiedurch würden alle Mißerfolge auf unserer Seite verhindert und der posittve Erfolg erzielt werden, daß.der Gegner, ermüdet von seinen Angriffen, endlich selbst abstehen wird. } Herr Redacteur Fleischer begrüßt es mit Freuden, daß die Union ihren Mitgliedern die Gelegenheit bot, einen Meinungsaustausch über die bevorstehende Reichsrathswahl herbeizuführen. Die Juden können die Achtung ihrer Gegner nur dadurch erzwingen, wenn sie zeigen, daß sie eine Position, die sie bisher besessen haben, auch weiterhin behaupten wollen. Aus diesem Grunde müsse das erledigte Mandatwieder einem Juden zufallen. Dieser dürfe aber nicht der Bereinigten Linken beitreten, weil er sich hiedurch der Möglichkeit beraube, die Achtung und das Ansehen der Juden als einer gleichberechtigten Schichte der Bevölkerung zu wahren. Gemeinderath Dr. Friedjung Haltes nicht für zeitgemäß, zu Beginn des Wahlkampfes sich gegenseitig Mängel vorzuwerfen und sagte: „Wenn wir als Staatsbürger voll und ganz unseren Mann stellen, werdeff wir die Böswilligkeit unserer Gegner entwaffnen, deshalb dürfen wir nicht mit der Abwehr zurückhalten, denn nur Derjenige wird geachtet und geschätzt, der dem Gegner männlich entgegentritt. Wir wollen nicht auf ein einziges Recht verzichten, aus welches Andere Anspruch habend Dies müssen wir auch thun als Mitglieder jener großen Partei, der wir angehören. Wohl ist die liberale Partei in vielen Beziehungen nicht mit der -öthigen Schärfe in Bezug auf die Ausführung der Staatsgrundgesetzt vorgegangen, in Bezug aufdie Reinheit dieser Gesetze hat sie es nie fehlen lassen, und hierin kann sie sich mit jeder anderen Partei messen. Die liberale Partei, hat Gesetze festgestellt, welche fiir alle künftigen Zeiten das Gewissen bilden werden für die gesetzgebenden Körper aller Parteien, und dies ist ihr größtes Verdienst. Die liberale Partei dürfe aber bei diesem Verdienste nicht stehen bleiben, denn keine Partei dürfe auf den Lorbeeren ausruhen, die sie einmal errungen hat, Dr. F r i e d ju n g schloß mit den Worten: „Im gemeinsamen Hirten der verschiedenen freisinnigen Parteien liegt die Gewähr für ein gedeihliches Wirken, und dieser Richtung soll der Candidat, den Sie wählen, huldigen. Auch Hutmacher Bielitz tritt dafür ein, daß das freigewordene Mandat den Juden erhalten bleibe. Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Elias kann sich für die Candidatur des Dr. Ofner nicht erwärmen, weil derselbe erklärt habe, der Bereinigten Linken nicht beitreten zu wollen. Dieser Ansicht des Central-Wahlcomiles müssen wir Rechnung tragen. Entschieden müsse er jedoch dafür eintreten, daß das in Rede stehende Mandat den Juden erhalten bleibe und aus diesem Grunde würde er eher der Candidatur des Dr. Friedjung zustimmen, wiewohl derselbe nicht immer Anhänger der Bereinigten Linken, sondern deütfchnational war. Dr. Elias beanttagt schließlich, daß die in dem Central-Wahlcomite sitzenden Vertrauensmänner der Union ersucht werden, erstens^ für einen hervorragenden Candidaten zu sorgen, und zweitens mit aller Energie dahin zu wirken, daß dieses eine Mandat, der. Gepflogenheit gemäß, den Juden erhalten bleibe. Auch Herr Neustadt! kann der Candidatur des Doctyr Ofner nicht zustimmen, weil derselbe nicht das Temperament besitze, das man heute von einem Parlamentsmitglieds fordern muffe. Aus diesem Grunde müsse er für Dr. Friedjung eintreten, von dem mit Bestimmtheit erwartet werden kann, daß er im Parlamente die. Angriffe/der destructiven Elemente energisch zurückweisen wird. Auf alle Fälle müsse die Union auf die Besetzung des Mandates durch einen Juden, bestehen. Herr Neustadt! stellt schließlich den Antrag, daß der Vorstand der Union bei dem Central-Wahlconüte eine größere Delegirtenzahl reclamire.

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