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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-03-02 · 9 (2.3.1894) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
9 (2.3.1894)
Date
1894-03-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 164 Oestrrrektzischr WochrnschE Nr. 9 „S^ÄtzLen" allen anderen Tödtungssrten vorzuxietzeu, weites von allen sie sicherste undsch nett sie ist, die Thiere dabei am wenig st enSchmerzemp finden und die Entblutung am vollständigsten vor sich geht. Nachdem Sie nun auf Grund von mehrjährigen, ausgedehnten eigenen Untersuchungen nicht allein zu eben jenem Ergebniß gelangt find, sondern auch, die praktisch sehr wichtige Thatsache durch genaue Versuche festgestellt haben, daß in hygienischer Hinsicht das Fleisch der geschachteten Thiere das anderer weit übertrifft, haben Sie sich ein unbestreitbares Verdienst erworben, zu dem ich Sie aufrichtige beglückwünsche. Ich bin zu wenig mit'der Geschichte des Judenthums und . dem jüdischen Ritus bekannt, um zu verstehen, weshalb an dem letzteren mit erstaunlicher Zähigkeit seit Jahrhunderten sestgehalten wird', daß aber diese Consequenz physiologisch durchaus berechtigt erscheint, den tzumsnen Bestrebungen des Threrfttzutzes besser entspricht, als bas unstchrre Verfahren der christlichett Metzger, und das Wohl der Nation mehr zu fördern geeignet ist, als dieses — das haben Sie bewiesen.. Wenn Sie meinen, daß bie;e Anerkennung Ihrer gründlichen und mühevollen Arbeit derselben zur Empfehlung dienen und die Verbreitung Ihrer, wenigstens im ersten Theile auch dem Laien leicht verständlichen Schrift begünstigen kann, so steht der Veröffentlichung derselben nichts im Wege. In vorzüglicher-Hochachtung - Professor Dr. W. Preyer a. d. Univ. Berlin.. Wiesbaden, 20. Jänner 1894. . ... Das Gesammtergebniß seiner Schrift faßt Herr Dr. Dembo in folgende Thesen zusammen: 1. Vom Standpunkte des Thierschutzes gibt es keine humanere Schtschtmethode, als die jüdische, denn a) ,,e sühn am schnellsten und am sichersten .durch Anämie des Gehirns Bewußt- und Empfindungslosigkeit herbei; b) der Schnitt mit einem haarscharfen, .schartenlosen Messer ist an sich schmerzlos und trifft am Halse wenig enipsindsame Nervenfasern, Das Fesseln und Niederlegen der Schlachtthiere zum Zwecke des „Schächtens" kann einerseits vermittelst der zahlreich vorhandenen Apparate leicht und völlig schmerzlos bewerkstelligt werden und hat andererseits den hohen Borzug der Sicherheit für das Schlachtpersonal. 2. Vom Standpunkte der Hygiene gibt es keine rationellere Srtzlsitztmettzose, als die jüdische, demr a) infolge der reichlichen und zumal der wesentlich schneller sich vollziehenden Ausblurung, sowie infolge der gegen- Ende der Verblutung auftrctenden epileptoiden Zuckungen wird im Organismus der geschachteten Thiere Milchsäure'entwickelt, welche durch ihre weitere, chemische Verbindung mit phosphorsaurem Kalium dieses in milchsaures und saures phosph.rsaures Kalium verwandelt; saures phosphorsaures Kalium aber verhindert die EntwicklungHer Mikroorg an is m en, verzögert also die Bild mir g der Fäulnißproducte (Ptomarne, giftige Substanzen). Mid verleiht dem Fleische erhöhte Schmackhaft s g k eit; d) infolge der epeliptoiden Zuckungen wird das'im Fleische zurückgebliebene Blut weniger alkalisch.und bildet auch deshalb einen wenig er günstigen Boden für die EntwicklungderBakterien. o) infolge der epileptoiden Zuckungen ist das Fleisch mürber und hat ein besseres Aussehen. 3. Vom Standpunkte der Zweckmäßigkeit gibt es keine rmpfetzlrnskrerthere Srtzlartzmrethode, als die jüdisch^» denn a) durch das schnellere Eintreten der Starre wird das Fleisch früher genußsähig: b) durch das spätere Eintreten der Fäulniß bleibt das Fleisch auch im Sommer 2—3 Tage läng er genußfähig; e) durch den wesentlich geringeren Gehalt an Blut und Wässer im Fleische geschachteter Thiere wird der Käufer weniger b cnachtheiligt. In dem „Schlußworte" rechnet der Verfasser mit denjenigen sogenannten „Thierschutzvereinen" ab, welche im Sturmlauf gegen das Schächten ihre ganze Thätigkeit,erschöpfen, unter dem Deckmantel der „Humanität" den plumpsten Antisemitismus propagiren, bisher aber, wie an mehreren, drastischen Beispielen dargethan wird, durch ihr leidenschaftliches Drängen auf angebliche „Verbesserungen" des Schächtens thatsächlich es verschuldet haben, daß Modifikationen grausamster thierquälerischester Art eingeführt wurden. Wäre es diesen. Bekämpfern des Schächtens wirklich um den Schutz der Thiere zu thun, so wurden sie, anstatt Unsummen von Geld für Flugblätter, Broschüren, Zeitungsartikel rc. zu vergeuden, auf Beseitigung der bei den anderen Schlachtmethoden wirklich vorkommenden Barbareien drängen, würden sie vor Allem dem Machtworte der Wissenschaft, welches zu Gunsten des Schächtens spricht, sich beugen und nicht fortfahren, durch unwahre, tendenziöse Darstellungen ihre aberwitzige These von der „Thierquälerei des jüdischen Schlachtverfahrens" auftecht zu erhalten. Von der Woche. Das offene Schreiben der „Öesterr. Wochenschrift" vom 26. Jänner an Se.' Excellenz dem Justizmimster Grasen § ch v n b o r u hatte zur Folge, daß das Justizministerium im Wege des Lemberger Obergerichtes den Kreisgerichtspräsidenten in Stanislau beauftragt hat, das Urtheil gegen die Angeklagten Juden Fischet Wunderman n und- Moses T e n ne n b a u m sowie die sämmtlichen Proceßacte'n nebst genauerdeutscherUebersetzung bis zum 20. Februar dem Justizministerium vorzulegen. Bon der Aufhebung, des Urtheiles haben wir bereits in der vorigen Nummer Miltheilung gemacht. Der Appellsenat hat das Urtheil des Stanislauer Strafrichters Piskozub dahin abgeändert, daß die vierzehntägige Arreststrafe des Fischet Wundermann in eine dreitägige herabgesetzt und in eine Geldstrafe von 15 fl. umgewanhelt,- der Angeklagte Moses Tennenbaüm aber sreigesprochen wurde.! ' " .. . * ■ *, Die Barbaren des Wienerwaldes. Für die ungeheuerliche Verwilderung des öffentlichen Geistes, welche der Antisemitismus in Wien und Umgebung zu Wege gebracht hat, ist nichts so bezeichnend, als jene schreckliche Episode, welche sich bei dem Tode des Bürgermeisters Doctor Prix in Rekawinkel abspielte. *'• Das „V aterl an d" schreibt hierüber: „Erfand keine gastfreundliche Stätte, als ihn jählings aus der Landstraße das Todesübel befiel. Augenblickliche Pflege und Labung hätten ihn vielleicht noch retten können. Aber die Thüren, an welche man pochte, blieben verschlossen. ' Bei sinkender Nacht wurde der sterbende Mann mühselig sortgeschleppt und er^stürb auf der Straße, fern-von seiner Familie und von dem weiten Kreise der Freunde? — Bon den „Barbaren des Wienerwaldes" sprechen andere Blätter. Man denke sich die erschreckende Situation, daß man für einen Sterbenden um. Obdach bittet und wird abgewiesen und dieser Sterbende ist der Bürgermeister von Wien! Man 'versucht bei einem zweiten Hause ob da mehr Barmherzigkeit gefunden rvird.- Mit thränenerstickter Stimme bittet man um einen Wagen oder einen Handwagen zum Transport des sterbenden Bürgermeisters von Wien. „Daschaben wir nicht" — „Älso einen Schiebkarren?" — „Ja, den haben wir!" — „Geben Sie uns den!" Und nun antwortet man, daß der Schiebkarren : ausgeliehen sei. Man ist durchaus nicht zu bewegen, dem Kranken Einlaß zu gewähren und wirft barsch die Thüre zu. Die Bevölkerung des Wiener' Waldes ist heute durch und durch antisemitisch verseucht. Rekawinkel ist eine rein antise- . mitische Gegend. Jene herzinnige, gemüthvolle und werk.hätige Menschenliebe, welche meist diese Bevölkerung auszeichnet, ist der brutalsten Rohheit und Grausamkeit gewichen. Das christlich-sociale Evangelium hat diese Menschen verthiert. Kein jüdisches Haus, mag es noch so dürftig sein, hätte dem - Todtkranken die Aufnahme verweigert, jeder Jude, auch der Aermste, hatte es als seine heilige Pflicht betrachtet, dem Sterbenden Labsal zu bieten. Die „Barbaren des Wienerwaldes!" Das Wort ist eine furchtbare Anklage gegen den Antisemitismus und seine entmenschenden Wirkungen. * * * Arische Defraudanten. Wieder eine große Defraudation von Staatsgeldern! Der Mann, der sie verübt hat, gehörte in jungen Jahren als Cadet der Armee an, er stand an der Spitze der österreichischen Kriegerverbände und der Staat hatte ihn auf einen der verantwortungsvollsten Posten gestellt. Der Defraudant Adolf Ferles hat alle Qualificationen eines Musterariers, und sein Verbrechen ist deshalb den Judenhetzern, welche glauben machen wollen, daß Eigenthumsdelicte eine specifische Eigenthümlichkeit der „jüdischen Rasse" seien, höchst unbequem. Wie hilft sich nun die antisemitische.Schwefelbande? Sie wendet wieder einmal das alte und bewährte Recept an, aus dem Arier im Handumdrehen einen „Judenstämmling" zu machen. .. . Aus „Ferles" wird „Fereles". gemacht und die Thatsache, daß die Gattin des unredlichen Hauptcassiers der Staats-' schuldencasse ein Kaffeehaus und ein Wurstgeschäst betrieb,-wird-

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