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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-02-23 · 8 (23.2.1894) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
8 (23.2.1894)
Date
1894-02-23
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 8 DesterreiÄristtze Wochenschrift Seite 1*5 thum gedient hat. Den Glanzpunkt der Rede bildete der Nach- -ruf, den der ehrwürdige Herr Redner den vor einigen Tagen dahingeschiedenen Hofrath Prok. Billroth widmete. „Wären die leitenden Persönlichkeiten des Staates' von derselben Aufrichtigkeit beseelt, wie der Verewigte," rief der Redner aus, „so könnten sie binnen Kurzem den Krebsschaden des Antisemitismus vom Körper der Gesellschaft entfernen, wie ihn Pros. Billroth vom menschlichen Körper entfernt Hai". Die Rede machte auf die zahlreich erschienenen Anwesenden einen tiefen Eindruck. Rakel a. d. Netze, 15. Februar. Alljährlich am 7. Adar wird in unserer Gemeinde eine Gedächtnißfeier für die verstorbenen Gründer, Stifter und Förderer des hier bestehenden Beth Iia*Midiasch abgehalten. Bei der diesjährigen Gedenkfeier, die am 13. Februar stattgefunden hat, hielt unser Gemeinderabbiner Herr Dr. Perlitz auf den verewigten Oberrabbiner Dr. Adolf Jellinek in Wien eine Gedächtnißrede. Der Vortragende erinnerte zunächst daran, daß die jüdische Wissenschaft dem berühmten Entschlafenen ein zweifaches Belb-da-LIiclraaeb verdanke, und zwar das in Wien bestehende Lehrhaus dieses Namens, an welchem neben Jellinek bedeutende Männer wie Güdemann, Weiß, Friedmann wirkten — und dann die aus sechs Bänden bestehende Sammlung von Midraschim, die der Verewigte unter dem Titel „BetL-da-Lliürasod" herausgegeben hat. Im tveiteren Verlauf des Vortrages wurde die Bedeutung Jellinek's als Gelehrter, Schriftsteller und Kailzelredner geschildert und gewürdigt und zum Schluß ein Gebet für das Seelenheil des Verewigten gesprochen. Cöthen, 10. Februar 1894. Das 25 - j ä h r i g e I ubiläum als erster Vorsteher der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde begeht in nächster Zeit Herr Commercienrath Emil Meyer Hierselbst. — Die Gemeinde beabsichtigt, diesen Tag in festlicher Weife zu begehen. Zürich, 31. Jänner. Hier starb im 87. Lebensjahre Moritz Abraham Ster u, Professor der Mathematik, früher in Göttingen, Vater des hiesigen Professors Dr. Alfred Stern. Derselbe stand von 1829 bis 1884 in Diensten der Göttinger Universität. 1807 zu Frankfurt am Main geboren, promovirte Stern l829 in Göttingen mit der Schrift „Observationes in fractiones contiuuas“ zum Doctor. Im nämlichen Jahre habilitirte er fick als Privatdocent in der Göttinger philosophischen Famltät. 1849 erhielt er eine außerordentliche Professur, zehn Jahre später einen ordentlichen Lehrstuhl für Mathematik. 1884 begab sich Stern seines vorgerückten Alters wegen seiner Lehrtätigkeit und nahm seinen Wohnsitz in Zürich, wo sein Sohn Alfred Stern als Professor der Geschichte am Polytechnikum wirkt. Stern hat eine sehr umfangreiche literarische Thätigkeit entfaltet. Nom. Der Präsident der israelitischen Cultusgemeiude in Nom, Cavaliere S. Esdra, fiel dieser Tage aus der Piazza de Venezia tobt zu Boden. Als Gouverneur der Bank von Italien nahm derselbe eine hohe Stellung in der Finanzwelt ein, welche auch beim Leichenbegängnisse stark vertreten war. Unser Glaubensgenosse Cavaliere Ascoli, Vice-Gouverneur der Bank von Italien, war einer von den Trägern des Bahrtuches. Petersburg. (Vorläufige A n z e i g e). Vom Herrn H o frath Dr. Demb'o ist soeben ein sehr bedeutsames Werk erschienen: „Das Schcichten im Vergleich mit a n d e r e n S ch l achtln e t h o d e n vom S t a n d p u n E t c der H umanirät und Hygiene beleuchtet." Diese Schrist, welche die Schach tfrage zum ersten Male mit außerordentlicher wissenschaftlicher Gründlichkeit behandelt und eine glanzende Rechtfertigung der jüdischen Schächtmethode bildet, hat als Einleitung eine Zuschrift des Berliner Universitäts- Professors Dr. W. Pr eher, enthält zahlreiches statistisches Material und ihre wissenschaftlichen Darlegungen werden nicht verfehlen, gerechtes Aufsehen zu erregen. In der ganzen Literatur dieser Frage gibt es kein Werk, welches an Bedeutsamkeit zu dieser Schrift des Hofrathes Dembo heranreicht. Sie ist erschienen in Leipzig, Slavische Buchhandlung (H. Noskoschuy) 1894. Fürstengnnst. Roman von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel". Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uedersetzungs 47) rechte Vorbehalten.) Die beiden Frauen mußten alle ihre Kräfte aufbieten, es zu verbergen, wie lebhaft sie diese von der Wahrheit so abweichende Erzählung, die von keinem der Zuhörer augczweifelt wurde, interessire. — Eva hatte schon gefürchtet, ihre Mutter, die sich weniger als sie zu beherrschen vermochte, würde ihre Erschütterung durch einen Ausruf oder durch ihr Mienenspiek verrathen, allein die Aufmerksamkeit der Tischgenossen wurde durch einen Streit, der fick zwischen dem Hauslehrer und einem Commis des Hauses, der in seinen jüngeren Jahren die Talmudhochschule zu Metz besucht hatte, entwickelte, gefesselt. Der Hausbachur behauptete, Rabbi Hirsch Fränkl sei nicht nur aus dem Gefängnisse, sondern auch aus den. Leben geschieden, während der Commis überzeugt war, der Provhet Elias hätte den heiligen Rabbi nur in ein fernes Land, wo er vor den Verfolgungen des Markgrafen geschützt war. gebracht. Dina und Eva Fränkl besaßen sv viel jüdisches Wissen und waren an jenem Abende in Berclzheim. dem Tischgespräche mit solcher Aufmerksamkeit gefolgt, daß sie noch jetzt, die Gründe, die jeder für seine Ansicht ansiihrte, Rafael mitzutheilen vermochten. Der Hausbachur meinte.' Da in der gesammteu Bibel nur von einem Falle, daß ein Stanbgeboreuer, der Prophet Elias, zum Himmel emporgefahren. berichtet wird, müsse bei einer Wiederholung desselben Falles der Grundsatz des weisesten derMenschen: Es gibt nichtsNeues unter der Sonne, angenommen und könne nicht vorausgesetzt lverden, daß dasselbe Wunder sich diesmal in anderer Art vollzogen hätte. Das aber wollte der Commis nicht gelten lassen. Er replieirte: Es sei bekannt und aus dem Tone des ganzen Buches Koheleth ersichtlich, daß König Salomo nur von dem irdischen Weltenlaufe spreche, wie dies auch durch den Ausdruck „unter der Sonne" deutlich ausgedrückt sei, — nicht aber von überirdischen Dingen, und daß jedes Wunder eine Ausnahme der bestehenden Natur und Weltgesttze bilde und sich stets als etwas Nnies, »och nie unter der Sonne Dagewesenes darstelle. Ueberdies aber werde auch schon in der biblischen Geschichte ein Beispiel angeführt, daß ein Mensch durch die göttliche Kraft plötzlich an einem entfernten Orte gebracht wird, es spricht nämlich der fromme Owadjohu zum Propheten Elias: „Sieh! ich kann von Dir gehen und der Geist Gottes führte Dich au einen Ort, denn ich nicht kenne?) Wolf Buttenwieser, an ben sich die Streitenden um Entscheidung wanoten, erklärte bescheiden, er fühle sich zu schwach, in diesem Falle das Amt eines Schiedsrichters zu übernehmen, und bewunderte die Geistesblindheit des Markgrafen Friedrich Wilhelm, der die augenscheinlich lvunderbare Hilfe Gottes**) nicht anerkenne, sondern, in seiner Ruchlosigkeit verharrend, die Errettung des unschuldig Berurtheilten nicht der Macht Gottes, sondern Zauberkünsten zuschriebe. Der Markgraf glaubt, die Frau und die beiden Kinder hätten sich seinem Kerker genaht und hätten ihm durch schwarze Kunst, die Zauberwerkzeuge, deren er zu seiner Befreiung bedurfte, in deu wohlbewachten Thurm gebracht. Wolf Buttenwieser schloß mit den Worten: „Der Markgraf ist im höchsten Zorne gegen die Familienmitglieder des heiligen Rabbi entbrannt und ist bemüht, sie um jeden Preis in seine Hände zu bekommen. Der sonst geizige, geldgierige Fürst hat einen hohen Preis auf ihre Häupter gefetzt und ist dies nicht nur im Fürftenthume Ansbach, sondern im ganzen deutschen Reiche von allen Kanzeln herab und in allen Ortschaften am Marktplatze unter Trommelschlag verkündet worden. Es gibt so viele Schurken auf der Welt, die das Blutgeld gerne verdienen würden und kein Reichsfürsi würde dem Markgrafen die Auslieferung der Verfolgten verweigern!" „Ich bedauere die Unglücklichen aus tiefster Seele!" hatte darauf die alte Frau Kröndl Buttenwieser ausgerufen. „Sie sind einem schrecklichen Schicksale verfallen! Sie sind dazu verurtheilt jeden Augenblick ihres Lebens für sich und ihre Angehörigen zu fürchten, sie können nicht eine Secunde ruhig athmen, sie sind zu einem unstciten Leben, zu ewiger Heimatslofigkeit verurtherlt. Sie müssen, um der Gefahr-einer Entdeckung möglichst zu entgehen, die entferntesten Weltstriche aufsuchen, sie müssen Jeden meiden, der sie je einmal im Leben gesehen hat, wenn sie bei Jemanden Geld oder Geldeswerth zu fordern haben, müssen sie es diesem überlassen, denn sie müssen befürchten, der Schuldner oder irgend Jemand aus seiner Umgebung könne sie verrathen, und was sie gewiß noch härter als Alles treffen mag,? Buch der Könige II, Eap. 18, V. 12. *-) Hirsch F-ränkt sott wie seine Zeitgenossen erzählen, in vollkommen unerklärlicher Weise aus dem Manerthurm entflohen sein. Das Volk hatte ihm in der Thal überirdische Kräfte znqeschrieben. Namentlich und ganz besonders wurde ihm die Fähigkeit, sich unsichtbar zu machei!, beigelegt.

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