Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 8 (23.2.1894)
- Date
- 1894-02-23
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 154 Oestrrrrichifche Wochenfchrifi Nr. 8 genügend schonen könne. Auf die Stelle eines zweiten Cantors, die Herrn Schimetschek vom 1. Mai ab zugedacht war. hat derselbe aus Gesundheitsrücksichten freiwillig verzichtet, so daß Herr Schimetschek aus dem Beamtenstande der hiesigen Cultusgemeinde scheidet. Als Cantor wurde Herr Schlesinger aus Wien berufen, welcher sein Amt Anfangs März antreten wird. Budapest. Der Kaiser hat dem Herrn Arthur Altschul in Budapest die Annahme des Postens eines Consuls von Schweden und Norwegen zu bewilligen und dem bezüglichen Bestallungsdiplome desselben das Exequatur zu ertheilen geruht. Lemberg. Der unermüdliche Midraschforscher, Herr Salomon Buber, vollendete in den letzten Tagen ein umfassendes Werk, betitelt: „Die Geschichte der Rabbinen, Talmudgelehrten, Gemeindevorsteher u. s. w. der Stadt Lemberg vom Jahre 1500 bis aus unsere Tage." Das sehr werthvolle Buch, welches demnächst im Selbstverläge des Verfassers bei Fischer in Krakau erscheint, enthält wichtige Materialien (Documente, Abschriften vom Gemeindearchiv, Grabsteinnetz) zur Geschichte unserer jüdischen Gemeinde. — Von den hebräischen Briefen S. D. Luzatto's erschien soeben der 9. Band, welcher die Sammlung abschließt. Wir finden hier werthvolle Briefe von Kämpf, Steinschneider, Cafiel. Rapoport rc., welche mitunter von großem wissenschaftlichen Interesse sind. Ezernowitz. Seine Majestät..der Kaiser hat den Vorstand der hiesigen israelitischen Cultusgemeiude, Herrn Naftali Tittinger, zum Mitgliede des Londesschulrathes der Bukowina auf die Dauer der nächsten sechsjährigen Periode allergnädigst zu ernennen geruht. Drohövyez. Bor Kurzem ist der berühmte Belzer Rabbi Josua Rokeach gestorben. Er hatte sich in Wien einer Operation unterworfen, die sich nachträglich als mißlungen herausstellte. . Trotzdem eilte er nach der Heimath zurück, wurde aber unterwegs im Eisenbahnwaggon vom Tode ertheilt. Der Verstorbene genoß hierzulande die größte Hochachtung und Verehrung. Tausende von Unglücklichen suchten und fanden bei ihm Rath und Trost und darum ist auch die Trauer um ihn eine allgemeine und große. Er nahm regen Antheil an der Entstehung des Vereins „Machsike Hadath", welcher, im Jahre 1879 begründet, in den ersten Jahren seines Bestehens eine rührigeThätigkeit entfaltete. Der Belzer Wunderrabbi war der unsichtbare, geistige.Lenker des Vereins in seinen wichtigsten Unternehmungen. Erwähnenswerth ist unter Anderem der vom genannten Verein inscenirte Protest gegen den vom „Schomer Israel" einberufenen „Gemeindetag", an welchem sich gegen 300 galizische Gemeinden betheiligten, die Entsendung des Krakauer Rabbiners Schreiber in den Reichsrath als Vertreter des Kolomeaer Wahlbezirkes und schließlich die Rabbinerversammlung in Lemberg im Jahre 1882. deren Hauptthätigkeit die Abfassung eines Musterstatuts für die galizischen Gemeinden war, mit der Tender z, den Einstuß der orthodoxen Rabbiner gegenüber den neologen Bestrebungen zu sichern. In den letzten Jahren jedoch, wo der Verein allen Einfluß verlor und nur noch sein hebräisches Organ übrig blieb, zog sich der Verstorbene vom politischen Leben zurück. Groß-Kanizsa. Unter dem Präsidium des Herrn Adolf Löwy fand am 7. Adar die ordentliche Generalversammlung der Chewra-Kadischa statt. Der verlesene Rechenschaftsbericht bezeichnet. das abgelaufene Jahr als ein günstiges, indem es dem Vereine möglich war, nebst einer, außerordentlichen Ausgabe von st. 28615 einen in Folge" des neuerbauten Zadik Hadin-Hauses, dessen Baukosten sich auf fl. 12.000 beliefen, gebliebenen Rückstandes von fl. 850 vollständig zu tilgen. Die Gesammteinnahmen waren fl. 4508'59, die Ausgaben fl. 3979-55. In Folge des Ablebens des in den letzten Jahren immer leidenden Spitalwärters und der an dessen Stelle gewonnenen jüngeren Kraft wird dem Spitale in Zukunft mehr Aufmerksamkeit zugewendet — die Aufnahme der Kranken erleichtert — und diese humanitäre Anstalt in allen ihren Theilen den Anforderungen der Zeit entsprechend ausgestattet werden können. JDte Krankenpflegekosten betrugen in diesem Jahre bei einer verhältnißmäßig geringen Frequenz fl. 60052.' Den Rechnungs- Ausweisen entnehmen wir ferner, daß der Verein einen Spitalfond, Reconvalescentenfond, Grabstein-Renovirungsfond und mehrere Seelenheils-Stiftungen von bedeutenden Beträgen verwaltet. Nach Verlesung des Rechenschaftsberichtes, gelangten die auf der Tagesordnung verzeichneten Gegenstände zur Verhandlung: Statutenänderung, Wahl des Obercantors Herrn Leon Kartschmaroffs zum Ehrenmitgliede, Wahl der ausgeschiedenen 6 Ausschußmitglieder und Ersatz der durch Uebersiedlung ausgeschiedenen vierten Gabbais, an dessen Stelle Herr Wilhelm Pollak gewählt wurde. Vom Sitzungssaale begaben sich sodann die zahlreich versammelten Vereinsmitglieder zum üblichen Gottesdienste in den Tempel, wo Herr Oberrabbiner Dr. Neumann Dr. Jellinek eine in allen Formen gediegene Gedenkrede hielt. Ausgehend von dem ersten Verse der Wochenperikope, in welchem Ahorn dem Hohenpriester die Wahrung des Ewigen Lichtes im Tempel anbeiohlen wird, verglich der gewiegte Redner den Verklärten den Träger des ähnlichen Namens als Kempen für Licht und Wahrheit mit dem biblischen Hohenpriester, in dessen Erbgut er getreten. Und wie. Jener auf der-Brust die Namen der 12 Stämme Israels trug, so barg dieser in seiner Brust das Wohl und Wehe seiner Nation. Das „Lode-ob la Adonay“ ba§ der Sternschmuck des Hohenpriester war, hat sich Dr. Adolf Jellinek zur Devise gemacht, der er sein ganzes Denken und Fühlen gewidmet. G. Csakathurn, im Februar. Am 13. d. M., 7. Adar, hielt die Chewra-Kadischa, welche bereits vor zwei Jahren das Jubiläum ihres hundertjährigen Bestandes feierte, wie alljährlich an diesem Tage, ihre ordentliche Generalversammlung ab. Vorher fand im Tempel ein solenner Gottesdienst mit Chor und Orgelbegleitung statt. Dann bestieg Se. Ehrwürden- Herr Rabbiner I. Schwarz die Kanzel, setzte in einer gediegenen, schwungvollen, aufmerksam angehörten Predigt Aufgabe und Zweck des heiligen Vereines auseinander und hob in beredten Worten die Thätigkeit des Präsidiums lobend hervor, indem laut Ausweis vom abgelaufenen Vereiusjahre eine größere Summe auf Unterstützungen und Holz für Arme verwendet wurde; auch wurde nach neuerem Styl eine Ceremonienhalle erbaut und der Friedbof durch Baumpflanzungen freundlicher gestaltet. Zum Schlüsse gedachte Se. Ehrwürden der m jüngster Zeit aus dem Leben geschiedenen hochgesinnten/ großen, edlen Männer Bernhard Deutsch de Hatvan, Karl Kohner, -Freiherr v. Königswarter und Dr. Adolf Jellinek, durch deren Abgang eine große Lücke in der Judenheit entstand. Nachdem Herr Cantor Spitz noch das LI male recitirt hatte, begaben sich die Anwesenden, erbaut und tief ergriffen zugleich, aus dem Gotteshause in den Berathungssaal. L. Brod, am 18. Februar 1894. Am 14. Februar fand hier eine zahlreich besuchte Generalversammlung statt, bei welcher Gelegenheit unser langjähriger Präses, der sich allgemeiner Achtung-erfreuende Herr Jacob Kohn, neuerdings per Acclamation gewählt wurde. Nicht nur bei seinen Glaubensgenossen, sondern auch in allen intelligenten Kreisew der hiesigen Bevölkerung erfreut sich Herr Jacob Kohn einer außerordentlichen Popularität, demzufolge wurde derselbe bei der am 15. d. stattgehabten Gemeinderathssitzung mit 12 von 16 abgegebenen Stimmen zum Vicebürgermeister gewählt, ein erfreuliches Zeichen für die hier herrschende confeffionelle Eintracht und der gesunden Gesinnung der croatisch-slavonischen Bevölkerung. S. Malaezka: (Trauung.) Am 27. Februar findet im israelitischen Tempel zu Malaczka die Trauung von Fräulein Adele Pisko, Tochter des Herrn Rabbiners Dr. "Heinrich Pisko, mit Herrn Ignatz Bruder aus Linz statt. Wsetin. (Decorirung eines Arbeiters der Glasindustriefirma S. Reich u. Comp.) Bor wenigen Tagen fand hier aus Anlaß der Verleihung des silbernen Verdienstkreuzes an den Glasmacher der Firma S. Reich u. Comp., Herrn Josef Synek, ein schönes Fest statt. Nach einer vorhergegangenen kirchlichen'Feier wurde dem Jubilar, der Arbeit, welcher seit mehr als fünfzig Jahren im Dienste eines und-desselben Unternehmens thätig ist, im Beisein der Spitzen der Behörden durch den Bezirkshauptmann Freiherrn v. Gastheimb die ihm vom Kaiser verliehene Auszeichnung unter sehr schmeichelhaften Worten überreicht. Der Chef des Hauses S. Reich u. Comp, widmete dem Jubilar eine goldene Uhr sammt Kette als Zeichen der Anerkennung. E. B. Strakonitz. (Todesfall.) Am .15. d. M. verschied Frau Marie Fürth, Großindustriellen-Witwe, eine bekannte Wohlthäterin, 66 Jahre alt und wurde hier unter großer Theilnahme am israel. Friedhöfe bestattet. Mifilitz. Am 7. Adar wurde in der hiesigen Synagoge ein feierlicher Gottesdiest abgehalten. In seiner Gedenkrede feierte unser Rabbiner Herr Dr. L. Goldschmied das Andenken des unübertrefflichen Predigers Herrn Du. A. Jellinek, der mit Geist und Wort, und das Andenken des verewigten Herrn M. Freiherrn v. Königswarter, der mit Wort und That dem Juden-