Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 8 (23.2.1894)
- Date
- 1894-02-23
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. S Oesterreich tsche Wochenschrift Sette 15) Fest der goldenen Hochzeit. Das Jubelpaar sieht dieser seltenen Feier, umgeben von Kindern, Enkeln, einer Urenkelin, der kleinen Jda v. Leon, in vollkommener körperlicher und geistiger Frische, entgegen. Wien. (Eine seltene Hochzeit.) Montag den 19. d. M. fand im Tempel in der Seitenstettengasse eine Trauung statt, dieschlicht u»d einfach, ohne Glanz und Prachtentfaltung vollzogen wurde, dennoch aber verdient, verzeichnet zu werden, weil diese Thalsache geeignet ist, jeden wahren Menschenfreund zu erfreuen. Herr Jacob Schmul schloß an dem bezeichneten Tage den Bund der Ehe mit der Tochter einer angesehenen Familie und Jacob Schmul ist blind. — Er und seine Schwester verloren im zartesten Kindesalter das Augenlicht, und die Geschwister waren die ersten Zöglinge des israelitischen Blinden-Jnstitutes aus der Hohen Warte in Wien. An ihnen erwies sich die segensreiche Wirkung, welche die Blindenpädagogik auszuüben vermag. Die armen, hilflosen blinden Kinder wurden zu Menschen herangezogen, welche nicht allein eine bedeutende in sich abgeschlossene Bildung, sondern auch die voll st e Selbstständigkeit und Erwerbsfähigkeit erlangt haben. Herr Jacob Schmul betreibt das Bürstenbinder-Handwerk ohne jede fremde Hilfe im großen Maßstabe, beschäftigt mehrere Gesellen, versorgt seit Jahren die bedeutendsten Verkehrsanstalten und Fabriksunter' nehmuvgen mit Bürstenwaaren, unterhält ein großes offenes Verkaufslocale und hat sich aus den kleinsten Anfängen durch Fleiß, Geschicklichkeit und die ehrenhafteste Gebahrung aus eigener Kraft zu einer gesicherten ltnb angesehenen Stellung emporgearbeitet. Seine Lebensgefährtin kann ihre Zukunft mit Beruhigung dem wackeren Manne anvertrauen, der trotz seines umnachteten Auges den Kampf des Lebens so siegreich bestanden hat und der auch ein trefflicher Sohn und Bruder ist, was er dadurch bewiesen, daß er vor seiner Verheiratung aus eigenen Mitteln seiner Mutter und Schwester ein Geschäft eingerichtet hat. Die allgemeine Achtung, welcher Herr Schmul genießt, drückte sich durch die große Betheiligung an seinem Hochzeitsfeste aus; das Institut, welches ihn erzogen, ehrte ihn dadurch, daß ihn der Director der Anstalt, Herr S. Heller, unter den Trauhimmel führte. — Wien Die König in-Regentin von Spanien hat dem Banquier und Economisten in Paris Leon Goldwasser, der auch schriftstellerisch thätig ist, zum Ritter des Ordens Carl UI. ernannt. Herr Goldwasser ist ein geborener Oesterreicher. Wien. (Spenden.) Für den isr. rum. Landesschulverein sind uns 18 fl. zugekommen als Ergebniß einer Sammlung bei der Hochzeit in der Familie S i 1 b e r st e r u. Wien. (Israelitische Feriencolonie, zweiter Jahrgang.) Die rührigen und zielbewußten Damen, welche im Jahre 1892 die israelitische Feriencolonie in's Leben riesen, können wahrlich mit den Resultaten des zweiten Jahres völlig zufrieden sein und beruhigt der weiteren Entwicklung dieser so humanen Institution, welche mit Beginn dieses Jahres sich als „Ferienheim, B rein für israelitische Fkriencolonien" behördlich constituirte, entgegensetzen. Dem diesjährigen Jahresberichte, dcr für die emsige Arbeit im Dienste der Wohlthatigkeit Zeugniß ablegt, entnehmen wir folgende interessante Daten: Die Sammlungen der einzelnen Comitedamen waren von einem schönen Erfolge begleitet, indem sich die Spendensumme auf 2911 fl. 78 kr. beläuft; auch zahlreiche und werthvolle Spenden an Utensilien liefen vor Abgang der Colonien ein. Trotzdem 188 Kindern, Knaben und Mädchen, die Wohlthat eines vier bis sechswöchentlichen Landaufenthaltes erwiesen wurde, verbleibt dennoch für das Jahr 1894 ein Saldo von 3067 fl. 64 kr., eine ansehnliche Morgengabe für den Verein Ferienheim. Der Erfolg des Landaufenthaltes in den Colonien wurde durch die Gewichtzunahme der einzelnen Kinder berechnet und finden wir im Durchschnitt eine Zunahme von 2 Kilogramm, bei manchen Kindern sogar 4 bis 4l/2 Kilogramm. Dem Berichte sind angeschlossen ein Referat des Colonieleiters in Schattmannsdorf, eine Skizze über einen Besuch in den beiden Colonien zu Schattmannsdorf und Pettau, der in diesen Blättern veröffentlicht wurde, ferner die Beschreibung des Kinderfestes am 4. October, das Ergebniß der Wohlthätigkeits-Akademie vom 16. December, schließlich die Statuten des Vereines „Ferienheim", dessen Vorstand sich aus jenen Damen und Herren recrutirt, die sich schon in den vergangenen Jahren Verdienste uni das Zustandekommen, Gelingen und Gedeihen der Feriencolonien erworben haben. Wr.-Neustadt (Aufruf.) An unsere edlen Glanbensbrnder!!! Mehr als ein halbes Jahrtausend ist verflossen, seitdem die Cultusgemeinde Wr.-Neustadt, damals die älteste und größte im Reiche, der Sitz der berühmtesten Rabbinen und Lehrer, von ihrer stolzen Höhe herabgesunken ist. Die Mitglieder derselben wurden aus dem Lande getrieben, ihr Vermögen confiscirt, das Bethaus in eine Kirche um gewandelt, der Friedhof verwüstet und mit den Grabsteinen, deren einige noch vorhandene ein Alter von 700 Jahren Nachweisen, wurden die Canäle der Stadt zngedeckt. Erst im Jahre 1871 gingen einige glaubenstreue Männer , daran, die Gemeinde wieder aufzurichten und nach zwanzigjährigem harten Ringen haben wir es mit Gottes Hilfe glücklich wieder dahin gebracht, daß wir einen eigenen Gottesacker und ein eigenes Bethaus besitzen. Allein Letzteres befindet sich in einem sehr kläglichen Zustande. Bor etwa 15 Jahren von uns, so gut wir konnten, adaptirt, ist es uns heute räumlich zu klein, außerdem aber noch wegen des seiner heiligen Bestimmung geradezu Hohn sprechenden Zustandes das Object unausgesetzter hämischer Angriffe seitens der Antisemiten, in deren Centrum wir wohnen, und die voll Hohn und Verachtung auf die unwürdige Stätte Hinweisen, an der ivir Trost, Erbauung und Hilfe suchen müssen. So schreiten wir denn sorgenvoll, aber freudigen Herzens au die Errichtung eines neuen Gotteshauses. Wir Plauen keinen Monumentalbau, nur ein würdiges, seiner hehren Bestimmung entsprechend ausgestattetes Haus soll erstehen, das unseren Feinden nicht mehr zum Gespötte dienen kann und Dank dem edlen und uneigennützigen Entgegenkommen, das wir bei unserem hochherzigen, für das Judenthum und feine Ehre begeisterten Glaubensgenossen, dem k. k. Baurathe, Architekten und meinderathe der Stadt Wien, dem Herrn Wilhelm Stiaßny failden, ist es wahrscheinlich geworden, daß wir unser ^iel erreichen werden, wenn — wie immer in solchen Fällen — all' unsere Glaubensbrüder uns nach Möglichkeit dabei unterstützen. Wir selbst haben uns nie ausgeschlossen, wenn es galt, ein frommes Werk zu fördern, und so hegen wir auch die frohe Hoffnung, daß sie uns entweder durch Spenden oder durch Abnahme von Losen der uns von den hohen Ministerien bewilligten Effecten-Lotterie bei unserem frommen Vorhaben Helsen werden. Wr.-Neustadt im Februar 1894. Für das Tcmpelbau-Comitc: Für die israel. Cultusgemeinde: Dr. Carl Keßler. Ignaz S ch i s ch a. Brünn. 19. Februar. (Der T e x t i l i u d it )t v i e ((e Friedrich Redlich), einer der bedeutendsten Vertreter der Branche, Chef der seit 1856 in Brünn etablirten Firma, ist gestern in Brünn im o:>. Lebensjahre verschieden. Er war einer der Ersten, welcher in unserem Vaterlande die Erzeugung von Kammgarn-Modestoffen für Herrenconfection in feinen Betrieb anfnahm. Sein ältester Sohn, Friedrich Redlich jun., der in den letzten Jahren öffentlicher Gesellschafter der Firma lvar, wird das Etablissement unverändert fortsühren. Prag, 11. Februar. Gestern ist hier der emerit. Professor der Prager deutschen Handelsakademie, Herr Abraham F i sch el, im 76. Lebensjahre an Lungenentzündung gestorben. Der Heimgegangene zählte zu den bekanntesten Persönlichkeiten unserer Stadt und Tausende verehren in dem Kalligraphen Fischet ihren Lehrer. Fischet wirkte nacheinander an der Prager Josefstädter Hauptschule, an der Gremial Handels-Sonntagsschnle, an der deutschen Handelsakademie — 35 Jahre — und cm der Lehranstalt des deutschen Fraueuerwerbsvereines. Er genoß den Ruf als einer der vorzüglichsten Kalligraphen, seine Arbeiten wurden überaus geschätzt und sein kalligraphisches Lehrinstitut hatte eine starke Frequenz und war sehr beliebt. Professor Fischet war Inhaber der großen goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft. Wie man uns mittheilt, ist in unserem letzten Bericht über das Leichenbegängnis des Rabbiner Fischet Prof. Dr. G r ü n. der am offenen Grabe eine ergreifende Trauerrede hielt, irrthümlich vergessen worden. Marienbad. Bei der am 4. d. abgehaltenen Generalversammlung der israelitischen Cilliiisgeiiieinde in Marienbad wurde der bisherige Cantor und Religionslehrer Herr Moritz Schimetschek mit Rücksicht aus seine schwankende Gesundheit aller cantoralen Functionen, die er bis 1. Mai d. I. zu versehen gehabt hätte, enthoben, damit derselbe sich nach vollendeter Cur