Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-02-23 · 8 (23.2.1894) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
8 (23.2.1894)
Date
1894-02-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3021007-3021016--03260-3027388
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

©tu: 152 Vevrrrevtzlptzr WVitzeMSxcttt Vtx. 8 erzeuget* Ferdinand Rind!. Im dritten Wahlkörper: Herr Fabrikant Noe Slroß, Herr Bürgermeister Salomon Schlesinger und Gemcinderarh Herr Ad. B. Adler. Die Wahl des Bürgermeisters erfolgt nach Ablauf der Reklamationsfrist. Linz a. D. Am 22. v. M. fand hier eine Generalversammlung der Cultusgemeinde Linz-Urfahr flatt, um die Statuten der hohen Statthalterei zur Genehmigung vorlegen zu können, rvie diese Behörde selbe vorgelegt wissen will. Gemäß dem Gesetze „Ueber die Regelung der israelitischen Cultusgemeinden" bestehen in Oberösterreich nunmehr zwei Gemeinden, die eine in Steyr, die andere in Linz, welcher auch sämmtliche Glaubensgenossen des Herzogthumes Salzburg zugewiesen erscheinen. Letztere besitzen — in der Anzahl von circa 35 Familien in der Stadt Salzburg ein Betlocal, einen ständigen Lehrer und auch einen Friedhof. Als Vertreter der Salzburger Israeliten war zu obiger Versammlung Herr Adolf Winkler, Professor an der k. k. Siaatsgewerbeschule in Salzburg, erschienen, welcher dieWünsche der'Salzburger—im Nahmen der Großgemeinde— mit Eifer und Geschick und insbesondere getragen von warmer Liebe zum Fudenthume vortrug und zum größten Theile Erfolg erzielte. Samstag, den 10. I. M. fand bei Sr. Excellenz dem Herrn Statthalter Freiherr v. Ponthon in Linz die alljährlich vor Schluß der Landtags-Session übliche Galatafel statt, zu welcher sämmtliche Abgeordnete des Landes erschienen waren. Unter den Geladenen, welche die Spitzen der Behörden und Notabilitäten umfaßten, war auch der hiesige Rabbiner. Herr E. Friedmann. Ueöerhaupt wäre in dem so vielfach verkannten Oberösterreich, von der Zeitkrankheit, genannt Antisemitismus, noch wenig zu verspüren, würden nicht einige junge Advocaten sich hiedurch bemerkbar nrachen wollen. Die sogenannten „Clericalen", d. h. Abgeordnete des Landes und die eigentliche Bevölkerung sind — bei aller Wahrung ihres Standpunktes duldsam, und nichts weniger als agressiv: ausgenommen hievon ist das hier erscheinende, clericale Organ, welches übrigens wenig Beachtung findet und ob seiner Haltung (vide Rantener Proceß :c.) wahrlich keine Achtung verdient. Auch der Herr Statthalter stammt, wie bekannt und dessen Name schon ergibt, aus der gleichnamigen jüdischen Bankiers-Famllie, welche zn Anfang der Zwanzigerjahre den Uebertritt vollzog. Eduard Stein. Leitznlk. Wer die religiösen Zustände der mährischjüdischen Gemeinden vor dem ministeriellen Erlasse, betreffend die Regelung der Gemeindeangelegenheiten in Mähren, gekannt hat, der muß es sich gestehen, daß durch diesen ministeriellen Erlaß, wonach die Gemeinden verpflichtet sind, die vacant gewordene Rabbinerstelle binnen sechs Monaten wieder zur Besetzung gelangen zu lassen, dem Judenthume eine große Wohlthat erwiesen worden ist. Denn während es früher eine große Anzahl von Culttlsgemeinden vortheilhaster gesunden, dieJntereffen der Religion verwahrlosen zu lassen, als die nothwendigen Kosten eines Rabbiners herbeizuschaffen, sehen wir jetzt fast alle Rabbinerstellen, welche jahrelang vacant waren, wieder besetzt größtentheils von wackeren und talentvollen Männern, welche alle von dem edlen Streben erfüllt sind, eine gedeihliche und ersprießliche Wirksamkeit zu entfalten. Allein wenn das all den in Mähren angestellten Rabbinen vorschwebende Ziel erreicht werden sollte, wenn das jahrelang Versäumte nachgeholt, das vom Zahne dar ZeitBenagte wieder ausgebeffertwerden sollte, so darf die Thatigkeit der Herren Rabbinen durchaus nicht in der Ertheilung oder Leitung des Religionsunterrichtes und in der Abhaliung von Predigten sich erschöpfen. Es müßte vielmehr in jeder Gemeinde dafür Sorge getragen werden, daß der Sinn für die ruhmvolle jüdische Literatnr, insbesonders für die glanzumfloffene jüdische Geschichtsvergangenheit geweckt werde. Dies könnte einzig und allein durch Gründung von jüdisch-wissenschaftlichen Vereinen in Verbindung mit jüdischen Volksbibliotheken erzielt werden. Es wäre somit dem Rabbiner günstige Gelegenheit geboten, die Kenntniß der jüdischen Geschichtsvergangenheit in seinem Wirkungskreise zu verbreiten, indem er allmonatlich einen Vorttag über einen der großen und bedeutenden Männer Israels halten möchte. Die Sache würde noch an Interesse gewinnen, wenn die Herren Rabbinen gegenseitig sich verpflichten möchten, die Borträge abwechselnd zu halten. Ein solch jüdisch-wissenschaftlicher Verein wurde bereits vor einem Jahre vom Herrn Rabbiner Dr. M. Jung in llng.-Brod ins Leben gerufen, der bis jetzt glänzende Erfolge erzielt hat. Demnächst soll auch hier ein solcher Verein gebildet werden. Dresden. (Das Recht ans Lüge). Eine höchst merkwürdige Urcheilsbegründung hat das Dresdener Amtsgericht in dem Proceffe Dr. Lohan und Dr. Liman erlassen. Das aintsgerichtliche Unheil lautete gegen Dr. Lohan wegen Beleidigung an? 300 Mark Geldstrafe, eventuell 60 Tage Gefängniß, gegen Herrn Dr. Liman ebenfalls wegen Beleidigung auf 250 Mark Geldstrafe, eventuell 50 Tage Gefängniß. Höchst merkwürdig ist nun die Urtheilsbegründung, in welcher "es unter Anderm heißt: „Dr. Liman stand im Interesse seiner Sache das Rech.-, zu, sich gegen die Vorwürfe Dr. Lohan's zu verteidigen, auch wenn er wußte, daß nicht Alles in seiner Bertheidigung wahe' war. Insbesondere sei Dr. Liman, trotzdem er sich seine-.' jüdischen Abstammung bewußt war, berechtigt gewesen, dies in Abrede zu stellen." Das hier seitens des sächsischen Amtsgerichtes zu Gunsten der Antisemiten construirte „Recht aus Lüge" dürste gewiß nich: verfehlen, als juristisches Novum das allgemeinste Juteresse zu erwecken. Es fragt sich nur, ob auch die höheren Instanzen und zuletzt das Reichsgericht diese etwas ungewöhnliche Ansicht des Amtsgerichtes theilen werden. Mogabor (Marokko). 20. Jänner. Die günstigen Folgen der Audienz der jüdischen Gesandtschaft beim Sultan und dessen gnädige Antwort machen sich in der Stadt Marokko immer mehr bemerkbar. Die Bastonnade gehört jetzt einer vergangenen Zeit an und die Juden können unbelästigt bei den Mauren ihren Geschäften nachgeheu. Ein Versöhnungsact zwischen den: jüdischen Vorsteher und Kaid Widah hat sogar stattgefundeu. In vergangener Woche lud derselbe die Vorsteher zu sich in den Garten, wo sie einen sehr vergnügten Nachmittag verlebten, dessen Annehmlichkeit durch den Hauch des Friedens, der die Luft durchwehte, noch erhöht wurde. Der glückliche Wechsel der Verhältnisse ist jedoch nicht ohne ein Opfer eingetreten. Ein Mitglied der Deputation zum Sultan, Herr Mesod Schikri, wurde auf dem letzten Theil der Reise vom Fieber befallen, dem er wenige Tage nach der Rückkehr erlag. Die Gemeinden von Mogador und der Stadt Marokko haben kaiserliche Befehle erhalten, den jährlichen Tribut, den sie seit 18 Jahren schuldeten, jetzl zu bezahlen. Die Summe, welche die 'Juden von Mogadöt so schulden, beträgt ungefähr 19.000 Mark. NermiMes. Wie«, (Trauungen.) Sonntag, den 18. F 'bruar 1894. wurden getraut: Im Stadttempel: Herr Wilhelm Großer mit Frl. Hedwig Kirsch, Herr Markus Jäger mitFrl.Hedwig Rosenberg, Herr Salomon Steinhardt mit Frl. Helene Lichtenstern, Herr Dr. Norbert Handl mit Frl Bertha A l t m a n n. Im Eempel des Vl. Bezirkes: Herr David S u ß m a n n mit Frl. Regina S t r a ß e r. Fm Tempel des IX. Bezirkes : Herr Leopold L i e b g o l d mit Frl. Chaje Allerhand, Herr Bernhard H er s ch m a n n mit Frl. Chane Garten, Herr Max Weiß mit Frl. Helene Adler. Montag, den 19. Februar 1894 wurden getraut im Stadttempel: Herr Jacob S ch m u h l mit Frl. Johanna M e k l e r. Dienstag, den 20. Februar 1894: Herr Dr. Adolf Wölfl er mft Frl. Elise Rosenseld, Herr'Adolf Läufer mit Frl. Rosa Huttrer. Wien. (Vermälung.) Im israelitischen Tempel in der Seitenstettengafse feierte gestern Nachmittags der Polizeicommiffär Moriz Stuckart seine Vermälung mit Fräulein Gabriele S tr a ß er, der Schwester des Herrn Alfred Straßer. Dem feierlichen Acte, den Oberrabbiner Dr. Güdemann vollzog, wohnten bei: der türkische Botschafter' Zia Pascha, der belgische Gesandte Borchgrave, der serbische Legationssecretär Misu, Graf Franz Bubna, Baron Gustav Heine, Frau Gutmann v. Gelse, Generalconsul Springer, Biceeonsul Dr. Ritter v. Bivenot, Viceconsul Kuh, Hoftctth Breitenfeld, Hofrath Professor Nothnagel, Regierungsrath Heide, Polizeirath Frankel, Oberfinanzrath Jordan, Wilhelm Edler v. Wertheimstein, die Großindustriellen Julius Ritter v. Wernberg und Wilhelm Pollak, die Advocaten Dr. Heinrich Sieger, Dr. Benesch, Dr. Fialla, Dr. Bergruen junior und senior, Director Koritz^ zahlreiche Amtscollegen des Bräutigams und die Familienmitglreder des Brautpaares. Wien. (Goldene Hochzeit.) Am 28. Februar d.I. feiert Herr Markus Fanto, Realitätenbesitzer in Hollicz bei Göding, eine durch ihren Wohlthätigkeitssinn bekannte Persönlichkeit, mit feiner Gattin Josefine, geb. Morgenstern, das schöne-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.