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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-02-23 · 8 (23.2.1894) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
8 (23.2.1894)
Date
1894-02-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
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nt. s SrKrrrLichifitzL Wochenlchrrst Sette 15] iintiüberaten Partei, Herrn Spieß, stimmte. Haydni wurde beanständet' und machte Angaben dariiber, wie er dazu gekommen, ij'rr Herrn Simon zu stimmen. Die drei letztgenannten Personen waren gestern vor dem Erkenntnißgerichte, dem Landesgerichts- Bicepräsident Dr. R. v. Holzinger präsidirte, der Wahlfälschung angeklagt. Die Angeklagten wurden, und zwar: Marzinger zu vierzehn Tagen. Lackner zu einer Woche und Haydni zu drei Tagen Arrests verurtheilt. BZien. (Arische Lebensmittels an denen man sterben kann.) Die Gemischtwaarenverschleißer Gottfried Helmreich (Waldgasse) und Heinrich Mikla (Siuuneringerstraße) standen gestern vor dem Strafrichter des Bezirksgerichtes Simmering wegen ttebertretrrrig gegen die körperliche Sicherheit, weil in ihren Geschäftslocalen anläßlich einer durch das städtische Markteommissariat vorgenommenen Revision ungemeßbare, verdorbene Selchwaaren gesunden und confiscirt worden waren. Gottfried Helmreich wurde zu dreißig Gulden, Heinrich Mikla zu vierzig Gulden Geldstrafe verurtheilt. — Der Gemischtwaarenhändler Friedrich Knbin verkaufte der Beamtensgattin Antonia Schneider wgenamlte „Mehlsträußerln" und Nudeln. Als die Frau dieselben. in die Suppe gab, kam eine Unzahl kleiner Maden iumi Vorschein. Bei der gestern gegen Knbin beim Bezirksgerichte Wieden stattgefundenen Verhandlung erklärte der Augeklagte, daß diese Lebethiere Milben, sogenannte „Wippeln" seien, die in jeder trockenen Mehlspeise Vorkommen und überhaupt nicht gesundheitsschädlich seien. Die als Zeugin vorgeladene Frau Schneider bemerkte, die Suppe habe „grauslich" ansgeschaui. und Ekel erregt. Der Richter vertagte die Verhandlung zur Vorladung eines Gerichtsarztes, der die Frage zu entscheiden hat, ob die in trockenen Mehlspeisen vorkommenden Lebethiere gesundheitsschädlich seien. Wien. (Zum Capitel „Arische Moral" und antisemitischer Mädchenhandel.) Am 1. October v. I. hatten zwei Polizeiagenten den Auftrag, im Hotel „zum weißen Hahn", dessen Eigenthümer der antisemitische Bezirksausschuß Franz Leitner ist, eine Revision vorzunehmen. Die beiden Polizeiocgane kamen diesem Anstrage nach und brachten die daselbst gemachten Erfahrungen zu Papier. Auf Grund derselben fanden spater zahlreiche Einvernehmungen statt, worauf der Vertreter der Staatsbehörde gegen die Gattin Leitner's, Frau Juliana Leitner, und gegen das Hotel-Stubenmädchen Ursula Regor die Anklage wegen des im £ 515 verpönten Sittlichkeitsdelict der Gelegenheitsmacherei erhob. Nach Behauptung des Stubenmädchens besteht das unstatthafte Treiben im Hotel des antisemitischen Bezirksausschusses Leitner schon seit sehr langer Zeit, was ihre Borgängerinnen, ja auch die Umgebung des Hotels bezeugen könnten; sie selbst sei nur ein Werkzeug der Herrenleute, die von den übrigens ganz außerordentlich rentablen Erträgnissen der einzelnen Zimmer ihrer Ueberzeugung nach Kenntmß haben müßten. Sie besitzt auch über die eigenartigen Zimmervermiethungen im Hotel des Herrn Bezirksausschusses Leitner höchst interessante statistische Daten. Bei der gestern vor dem Strasbezirksgerichte Alsergrund wider Frau Leitner und das Stubenmädchen durchgeführten Verhandlung wurde seitens der Bertheidigung die bereits emgctreteue Verjährung geltend gemacht. Der Richter Adjunct Dr. Ritter v.. Stahl constatirte aus dem Acte, daß die Revision des Hotels am 1. October v. I. stattfand, daß sonderbarerweise jedoch erst am 21. Jänner l. I., also nach 112 Tagen, somit drei Wochen nach eingetretener Verjährung die erste polizeiliche Einvernehmung erfolgte. Da somit die Strafbarkeit schon erloschen war, ehe der Act dem Gerichte zukam, mußte der Richter beide Angeklagte wegen Berjöchrung s r e i s p r e ch e n. . LLieir. (Der a n ti s e in i t i s cki e Hu u d.) Das war endlich einmal ein masterer Kettenhund, an dessen heiterem Treiben die ebenso wackeren Herren Schneider und Gregorig, die intimen Freunde und Gesinnungsgenossen des Dr. Lueger und des Fürsten Alois Liechtenstein, wahre Her'.ettsfrende erleben dursten. Es ist der Kettenhund des Seifensieders Herrn I. A. Potz in der Hundsthurmerstraße» ein viertüriger „praktischer" Antisemit, der sich' nsche etwa damit begnügte, seiner Abneigung gegen die „Fremdlinge" durch platonisches Anbellen tttndzuqeben, sondern zur Propaganda' der That überging, indem er ein „Judenjüngelchen" ansiel und es irn Gesicht und am Kehlkopfe ordentlich zerfleischte. Vielleicht wird aus diesem freudigen Anlasse eine Festversammlung zum „Goldenen Luchsen" einbernfen, welche dem Nnde oes Herrn I. A. Potz ein Dankes- und Vertrauensvotum daroringen wird als Zeichen ihrer- Sympathie und ihrer congenialen Empfindung. Hängen oder topfen, diese Alternative gestattet ja nur eine geringe Auswahl; man kann ja auch bösartige Kettenhunde in den Dienst der „guten Sache" stellen, und tvenn das auch nicvr mit Vorbedacht geschehen dars, weil es 51t einigen Unannehmlichkeiten nie den Veranstalter einer derartigen Volksvetusrigung führen müßte, welcher seine Hunde auf Juden hebt, so dürste doch ein solcher Hund, der sich freiwillig dem antisemitischen Heerbann anschliesn. sich den Anspruch ans die Hochachtnna desselben erworben haben. Au dem Krankenlager ihres mit schrecklichen Wunden bedeckten Kindes durchwacht die Mutter eine schreckliche Nacht, de an der Arzt hat eniitc Besorgnisse für das Leben des Kindes geäußert-, das rechte Auge ist gefährdet. die Bißwunde am Kehtkopie ist bedenklich. Der kleine Pali nt phantafirt tut Fieberdelirinm : erschreckt fährt er ans der Betäubung empor, die seine Sinne umfangen hält, entsetzt reißt er die Augen aus und stößt den Scbreckensrns aus: „Mutter, der Hiino ist da!" Das ist doch wahrlich ein ergötzlicher Anblick! Wa-r io eine Jüdin für Geschichten macht wegen eines Judeuknaben: wenn das Kind iiirbt, dann ist eben „ein Juist weniger" in Wien, lind rvas bei der Sache für jeden richtigen Antisemiten noch komischer crscheint. als der vereits erzählte Sachverhalt, ist die Thalsache, daß jene Iran, deren Kind von dem wackeren Kettenhunde zerfleischt wurde, nicht blos eine Jüdin ist, sondern noch mehr, daß sie mit Gänsen handelt, mit „lascheren" natürlich. Ist das nicht drollig, daß eine „koschere" ^'änsthändlerin so viel Geschichten wegen ihres Kindes macht? Mai: denke nur — eine Gänsehändleriil als zärtliche Mutter, die iür dao L ben ihres Kindes mit der an den Jüdinnen 10 häufig beobaehreien Feigheit zittert: das ist doch wirklich heiler. Diele Austastung bat auch der wackere Eigenlhümer jenes Kettenhundes gehegt, der den Schnlknaben Siegfried Basel so schrecklich zilgerichte: hat: tvie konnte die Mutter die Bemerkung waget:, daß der Hund mit einem Beißkorb haue versehen sein sollen? Ter Herr I. A. Potz, dieser tvirktich muntere Seifensieder, hat ihr aber auch gehörig dev. Der; gelelen: io eine . . . jüditt, die wegen idrec? ....... so viel iR'chich'.en macht Eine uuertuute Keckheit! Ter Kettenhund dc-> Herrn I. A. Potz, der ist ein wackerer Antisemit, er har einen Beweis ver'öntichen Mnlhss geliefert. Aber auch das Benehmen seinem wackeren Herrn verdient es. gewissenhaft verzeichnet zu werden, als ein erbebendes Beispiel nicht blos ritterlichen Sinnes, sondern auch rührender Anhänglichkeit an seinen treuen Hund. Wie mochte er das edle Thier bedauern. dessen Schicksal an den Adler des Prometheus und sein tägliches Mertu erinnert. „Mein armer Hund", mochte Herr Potz sich sagen, „muß Inden-Kehlkopf Festen'." Budapest. (Antisemitismus als Tisciplinarv er gehen.) Jüngst hat die Budapests Advocatenkammer in einer Disciplinarangelegenheit eine interessante Entscheidung gefällt. Das Disciplinargericht der Kammer hat nämlich den Badapester Advocaten Dr. Alexander Pongracz wegen verletzender Redensarten vor Gericht und wegeik mehrerer in einer Eingabe gebrauchten, mit dem Advocatenstande nicht vereinbarlichen Ausdrücke ermahnt und zur Ordnung gewiesen. In der von „Uegyv. Lapja" mitgetheilteu Begründung beißt es, Doctor Pongracz habe die fernen College» und der Kammer schuldige Achtung verletzt, indem er folgende Aeußerung machte: „Ans Dasjenige, was der Kläger über die Ehre sagt, antworte ich nur so viel, daß ich als Christ nach den Priucipien einer solchen Religion und Moral erzogen wurde, deren Kenrrtniß ich vom Kläger wohl nicht vorausseyen kann, aber eben deshalb halte ich ihn für unfähig, über meine Ehre Kritik zu üben. Diese Aeußerung kann die Advocatenkammer als eine in ihrem amtlichen Wirken sich ossenbareirde Erscheinung des eonfessionellen und Rassenhasses nicht dulden, daher sie über den genannten Advocaten die obenerwähnte Maßregelung verhängen mußte. Lemberg, 17. Februar. (R abb i ne r w a h l.) jTelegramm der „Oesterr. Wochenschrift.") Soeben wurde Herr Oberrabbiner Jsak Schmelkes aus Przemysl einstimtnig zum Oberrabbiner der Lemberger israelitischen Cultusgerneinde gewählt. Die Wahl wurde vorgenommeu in einer Sitzung des durch gewählte Vertrauensmänner verstärkten Cultusrathes unter Vorsitz des Präsidenten S. Horowicz. — Tie Wahl des berühmten Talmudisten hat in allen Kreisen der Lemberger israelitischen Cultusgemeinde große Befriedigung hervorgerusen. Reichsrathsabgeordneter Dr. Bloch hat dem Vorstande der israelitischen Cultusgemeinde, sowie dem gewählten Oberrabbiner telegraphisch die Glückwünsche ausgesprochen. Auch von vielen anderen Seiten sind dem neugewählten Oberrabbiner telegraphisch Gratulationen und Zeichen innigster Verehrung übermittelt worden. Möge seine Wirksamkeit vom Segen für das Judenthum begleitet sein. Mähr-WeiHkirchen Am 12. und 15. d. M. sauden in der hiesigen israelitisch-politischen Gemeinde die Gemeinderathswahlen statt. Es wurden gewählt in denk ersten Wahlkörper: Herr Schnittwaarenhändler Sigmund Kober, HerrSchnittwaarenhändler Moses Vogel und Herr Lederhändler Jacob Vermisch. Im zweiten Wahlkbrper: Herr Advoeat Dr. Wilhelm Bloch, Herr Fabrikant Bernhard Wolf nnd Herr Papierivanrett-

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