Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 8 (23.2.1894)
- Date
- 1894-02-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3020846-3021007-3021016--03258-3027386- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
«rette 150 Nr. 8 VLSerLerchiML tfinbe beit Rufnamen „Kaufmann" beilegen könnte, wenn es eben nicht auf dem angegebenen Wege geschehen ist. Es wird überhaupt, und Zwar schon seit alter Zeit, nirgends >p viel etymologisch gesündigt, als bei Erklärungen und Deuinngen von Namen. So will, um nur Weniges anzusühren, schon der im t5. Jahrhundert lebende Moses Minz (Mahari!) den Frauennamen Berccha (ahd. Perchta, Berchtha, uhd. Bertha, die Glänzende) aus dem hebräischen ..Beracba-Segen" ableiten, >i. Güdemann, Geschichte des Erziehungswesens und der Cultnr der Juden in Deutschland. Wien, 1888, S. 77). Bei den Inden in Polen existirt noch heute ein Frauenname „Keile" (^8'p) der in dem bekannten Werke über die Schreibung der Namen bei Ehescheidungen von N. Salomon Margulies (Fürst Biblioth. Jud. H. S. 327 nennt ihn fälschlich „Margalioth", als ob der Rabbi Salomon Margulies in Brodp 7"- ein Spaniole gewesen wäre!), dem 13b Olrtin (Warschau 1884, II. jiag. 42) :« ytig mit p zu, schreiben angegeben wird, gegen Andere, die, une es dort in den Anmerkungen heißt, in dem Namen das hebräische (Gefäß) vermuthen, da die Frau das Gefäß des Mannes sei und daher das Wort mit 2 geschrieben wissen wollen. Es ist aber, was allerdings ein polnischer Rabbiner, der in den weiten Hallen des Talmuds zu Hause ist und in iynen lebt und webt, nicht zu wissen braucht, echt deutschen Ursprungs und kommt als Borname in der Form: Keila schon sehr früh vor und zwar schon im nennten Jahrhundert u. Ehr. Bergl. Ilonnw-uta histor. Libri confraternitatiii« Saueti «talli AngieusU Fabarieus'ts. Beroiiui, 1881 in In tex uomin S. 421 und Försternarrrr altdeutsches Namenbuch I. S. 458). Es ist dasselbe Wort, das dem neuhochdeutschen „geil" zu Grunde liegt, dessen ursprüngliche ältere Bedeutung: „lustig, fröhlich, muthwilliq" war, und erst später die jetzige Bedeutung annahm (vergl. Bechstein in Pfeiffers <termauia VIII. Wien, 1863 S. 351), was vielleicht der Grund ist, baß das Wort als Personenname nicht mehr gebraucht wird, während die Inden in Polen, bei denen allein der Name „Keile" sich findet, das Wort „geil" nicht kennen. An diesen Namen möge sich noch eine andere Reihe echt deutscher anschließen, die bei den polnischen Inden bis auf den heutigen Tag sich erhalten haben, ich nenne z. B. den Frauennamen „Selbe", es ist das mittelhochdeutsche saelde, welches Güte, Segen, Glück bedeutet, und das persouisieirt als vron Saelrle als „Verleiherin aller Vollkommenheit, alles Segens und Heiles, aufgefaßt wurde. (Bgl. Lexer, Mhd. Wörterbuch II, Leipzig 1878. S. 579 unter salde). Ferner „Sprinze", das ich aber nicht, wie es gewöhnlich geschieht, und auch Güdema-un thut" von ital. e-peraars. sondern mit Berliner (Magaz. für die Wissenschaft des Judenthums IX., S. 58) von, altdeutsch, spriiiz, einer Bogelart, (vgl. den Vornamen: Vögele, Veigele) ableile. Daß die erstere Ableitung nicht richtig sein kann, beweist der männliche Begleitname „Sprinz", der sich bei Jsserlein (im 15. Jhdt.) in den Pessakim Nr. 94, 127. 197 findet. (Berliner a. a. O.). Endlich seien noch zwei Frauennamen genannt, die einst auch bei Christen, wenigstens der eine von ihnen, im Gebrauch waren, bei diesen aber verschollen sind, bei den Juden dagegen, allerdings nur den polnischen, sich erhalten haben. Ich meine die Namen Jutta (jüdisch-deutsch: Jitte vgl. polnisch Jitka), wie er schon im 8. Jahrdt. erscheint, der allerdings aus Judita entstanden und das hebräische Jelmdith ist, welch' letzteres man aber als Personennamen nicht kennt; endlich ..Frumet“ (jüdischdeutsch: Friniet), das aber nichts mit („fromm" •rnninit) zu thun bat, sondern ans „sroh Muth", (f,o mu»t; frohen Mnthes enijtanben ist, dessen Abstammung aber im Laufe der Zeit vergessen und nun auf volksetymologischem Wege mit fromm, srnmm zusammengebracht wurde. ' (mnifoaniHi wlgt.) E. B. Wien. (Praktischer Antisemitismus.) In Folge eines Inserates offerirte sich ein jüdisches Fräulein aus höchst achtbarer Familie der Firma Kleiner und Fleischmann, Kochgeschirrfabrikanten in Mödling, mit einer Verkaufsstelle in Wien, Braunerstraße 3, und erhielt zur Antwort: . „Mit Bezug auf Ihr gef. Offert für die Stelle einer Verkäuferin ersuchen wir Sie freundlichst, sich unter Mitnahme Ihrer Zeugnisse und sonstigen Belege, präcise 1 Uhr in unsere Niederlage, Bräunerstraße 3, zu bemühen. Sollten Sie Israelitin sein, so könnte jedoch Ihr gef. Besuch unterbleiben, da wir diesfalls auf Ihr werthes Offert leider von vornherein nicht reflectiren wür de n". Die Firma Kleiner und Fleischmann zählt unseres Wissens eine namhafte Zahl jüdischer Hausfrauen zu ihren Kunden, welche sich das merken sollen. Wien. (C h r i st l i ch - s 0 c i a l e G e s ch ä s t s p r a x i s.) Das Handels- und Wechselgericht Budapest hat heute, wie uns von dort berichtet, wird, ein Nrlheil gefällt, welches seit dem Bestände dieses Gerichtshofes vielleicht das einzige in seiner Art ist und in Geschäftskreisen Aufsehen erregt. Es wurde nämlich der § 218 des Handelsgesetzbuches in Anwendung gebracht und gegen die Leiter einer Genossenschaft, welche sich in ihren Kundgebungen der Schlagworte der Christlich.Socialen bedienten, die Verhängung von Freiheitsstrafen auf Grund des Handelsgesetzes ausgesprochen. Der leitende Direetor des unter der pomphaften Firma „Landes-Selbstbilfe- und Eonsum-Genossenschast" betriebenen kleinen Bankinstituts, der Advocat Dr. Johann Blum, sowie mehrere Mitglieder des Directionsrathes wurden wegen falscher Bilanzansstellnttg verurtheili; über den Direetor wurde eine dreimonatliche, über die Mitglieder des Directionsrathes eine einmonatliche Gefängnißstrase verhängt. Dr. Blum ist seit einigen Tagen ans der Hauptstadt verschwunden. Wien. (Bocket über Scho n e r e r.) Der Böckel'sche „Reichsherotd" schrieb über den österreichischen Antisemitenfi'chrer am 22. December 1893: „Ans Oesterreich. 'Km 20. December gelangt der Führer der d-.'ntschnakivnaten Partei Oesterreichs, Schönerer, wieder in den Besitz .feiner politischen Rechte, die ihm feinet ^ett im Pro resse aberkannt wurden, weil er in die Rcdaction eines Wiener Judenbtattes gewaltsam eingedrnngcn unu\ Die Anhänger Schönerer's feiern den Tag mit großem Pomp und Huldigungen überschwänglicher Art, die uns Reichsdeutschen widerwärtig sind. In der That ist das politische Leben Oesterreichs ein wenig anziehendes, da fast alle politischen Persönlichkeiten nicht für Ideen, sondern nur für ihre Person kämpfen. Das Letztere ist auch bei Schönerer der Fall, dessen Eitelkeit geradezu pyramidal ist und nahe an 0ch-ös;enwahn streifl. Wir können, selbst wenn er wieder ins öffentliche Leben tritt, von ihm nichts' Bedeutendes mehr erwarten." „Zahlungsstocklmg". Das,, DeutscheBolksblatt" schreibt in seinem Morgenblatte vom 15. d. M. unter dieser Spitzmarke, welche in liberalen Blättern schon am 14. d. M. erschien, daß die Firma Lajos Weinberger in Debreczin in Zahlnngsstockung gerieth. Weil diese Firma eine jüdische ist, setzt Herr Bergani ein! bei. — Dieser Meldung stellen wir gegenüber, daß am selben Tage, also am 14. d. M., die Insolvenz der Wiener Firma A. R. Maresch & Comp, bekannt wurde. Diese Firma führt die Titel: k. n. k. Hoflieferant; Consectionär und Tuchhändler, außerdem bekleidete der Vater der Firma-Inhaber die Stelle eines Präsidenten des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft. Herr Bergani brachte bisher (15. d. M.> diese Meldung nicht, obwohl in diesem Falle zwei Ausrnfungszeichen hinzuzusetzen gewesen wären, als die Firma A. R. Maresch & Co. seit circa drei Jahren bereits zum zlveitenmale ihre Insolvenz declarirte. A. R. Maresch & (£0. ist eine ausgesprochene arische Firma. Sie sehen, Herr Bergani, es gibt auch in solchen Fällen eine gewisse Gleichberechtigung. Es tritt aber ein ganz anderes interessantes Moment hinzu. Ein Jude war es, ein Herr Rosenthal, der zur Zeit der ersten Insolvenz der Firma A. R. Maresch & Comv. dieser unter die Arme griff und den Ausgleich durchsührte. Wien. (Wie Antisemiten gewählt w erden.) Der Gastwirth in Döbling, Herr Simon, wollte von seiner Wahllegitimation für Zwecke der letzten Ergänzungswahlen in den Döblinger Bezirksausschuß keinen Gebrauch machen und verwendete sie dazu, darin eine Wurst einzuwickeln. Der Käufer derselben trug das Papier in das Wahlagitationslocale; hier übernahm die Legitimation der Kaffeehaus-Geschäftsführer Franz Marzinger und übergab sie dem Partieführer der Straßenkehrer Johann Lackner zur Ausübung der Wahl. Lackner betraute damit seinen Untergebenen Stefan Haydni, der auch auf diese Legitimation für den damals durchgedrnngenen Candidaten der