Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 8 (23.2.1894)
- Date
- 1894-02-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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MortzerlMryi o<uc 149 Jet. 8 Otto Israel, der belZncker Consul rst, en:e Reederei und ein Bank- , Geschäft besitzt und emen i'lnd^ren Namen-? Mar Israel, der dort! Rathsherr ist. Beire sind, wie mir glaubwürdige Leute versicherten, nicht etwa Converiilen oder von solchen abstanunend, und keineswegs etwa von ihren Ahnen her mit dem dortigen Wischen Händler Lazar Israel verwandt, sondern echte „Arier" und heißen doch Israel, ohne je den Versuch gemacht zu haben, den jüdischen Namen in einen urgermanischen ru verwandeln. Wie Israel ist auch Jsaac ein christlicher Familienname. In der „Allgemeinen deutschen Biographie" Band XIV. Leipzig 1881, Seite 580 lese ich Folgendes: „Jsaac Heinrich, der größte deutsche Tonsetzer des 15. Jahrhunderts und einer der größten Meister der Tonkunst aller Zeiten", der außer weltlichen Liedern, Mol- Letten, Messen und Hymnen componirt hat.Nach Ambros (Musikgeschichte 111. Bd. Seite 580) ist dieser „sehr ungewöhnliche Name noch jetzt in Prag durch einige weitverzweigte Familien vertreten", von denen zwei noch im Besitze sehr alter Bürgerhäuser sich befänden. Ja noch mehr. Es gibt einen sehr berühmten protestantischen Theologen ans älterer Zeit, der nicht etwa ein Convertit war, wie der bekannte Theologe mit dem Namen Jonas in unserem Jahrhundert, ein Schüler Schleiernracher's, sondern selbst der Sohn eines Pfarrers war. Ich meine nämlich den bekannten schweizerischen Reformator Leo Judä (eigentlich „Jud"). Er war der Sohn eines Pfarrers Joh. Jnd und selbst Pfarrer zu St. Peter in Zürich, geboren 1482, gestorben 1542. neben Zwingli und Bullinger der bedeutendste umerdenzüricherischen Reformatoren." (SieheA.D. B. Seite 651). „Seine Nachkommen", heißt es «ebenda S. 654) „nannten sich bald Len, bald Jud. während die Namenverbindung „Leo Jud" zweifellos ganz nach 1. B. M. 49. 9. gebildet ist, geradeso wie noch heute bei den Inden in Polen, gemäß der biblischen Stelle die Bornamen: „Jude Leib" (Löwe) gang uu8 gäbe sind. Die christliche Familie Jud in der Schrveiz hat schon im vorigen Jahrhundert aufgehört, zu existiren, und sie würde schwerlich heute den Namen behalten haben, zu einer Zeit, wo schon der Zuname „Jakob" — der Borname ist, wie bekannt, noch vor nicht langer Zeit auch in Deutschland unter Christen im Gebrauch gewesen, heißt doch der Begründer der germanischen Philologie, Grimm, mit Boruamen Jakob, und noch heute in der Schweiz und in England neben anderen altteftamentlichen Namen sehr gebräuchlich —der Zuname Jakob aber sage icky bei einer gewissen Elaste von Leuten, wie die gleich anzuführende Aeußeruug zeigen soll, gar argen Verdacht erregt: Jwlaeus lüe ear, ein Vorgang, der so charakteristisch für unsere Zeit ist, daß seine weitere Verbreitung nur zu Nutz und Frommen Aller dienen kann. Im Jahre 1891 hatte nämlich ein Dr. Georg Jakob in zweiter Auflage eine kleine Abhandlung veröffentlicht unter dem Titel: „Welche Handelsartikel bezogen die Araber des Mittelj alters aus den nordisch-baltischen Ländern." Bon dieser Schrift j hieß' es in der Kritik eines sehr bekannten Orientalisten, des vor nicht langer Zeit verstorbenen Professors A. Müller in I Königsberg, wörtlich: (Gotting, gelehrte Anzeigen 1891 L S. 775) „daß Jakob nach Kenntnissen, Urtheil und Arbeitskraft befähigt fei, das Allerhervorragendste zu leisten". „Seine Belesenheit", heißt es weiter „sei nicht allein auf dem Gebiet der orientalischen Sprachen, wo er jetzt insbesondere den persischen Dichtern eine große Anzahl sachlicher Notizen abgewonneu und die finisch-mongolischen Sprachen für die etymologische Seite seines Themas erfolgreich ansgenützt hat, sondern fast noch mehr in einer scheinbar unbegrenzten Menge von anderen Fächern, einerseits philologisch-historischer, andererseits naturwissenschaftlicher und selbst technischer Natur." So lautet das Urtheil eines, wie gesagt, competenten Krittlers in einem dervornehmsten kritischen OrganeDeutschlands. Es ist daher nur erklärlich, wenn der Verfasser der genannten Schrift in der Einleitung gegen einen seiner Recensenten polemisirt, der in einer anderen Zeitschrift, ohne auch nur das Geringste von den semitischen Sprachen zu verstehen, ihn angreift und seine Ausführungen nicht gelten läßt, wogegen jener sich mit Recht verwahrt, da er nur vvn einem Fachmaim veurtheilt sein wolle. Nun heißt er aber Jacob, und seine Schrift ist noch dazu dem rühmlichst bekannten, jüdischen Gelehrten M. Steinschneider in Berlin gewidmet, das bringt nun die bekannten grünen Blätter, die „Grenzboten", die einst Jacob Kaufmann, Kuranda und Freytag redigirttn, stark in bat Harnisch und sie ziehen gegen jenen also los («Grenzboten* Fahrg. 50. XL Abtheilung, Leipzig 1891, S. 58*): ..Wer ans 'Jeamen, Slil u. s. w. noch nicht gemerkt haben sollte, daß er es hier mit einem besonders unverfälscht ansgebildeten Eremvlar von jungen Israeliten zu thun hat. dem müßte trotz aller Toterauzduferei doch bei den nach allen Richtungen hin an Inden und Judengenossen ansgetheilten Complimenten aus dem >» extenso abgedrnckten Brief eines anderen Jsraelilen in ähnlichen Dingen etwas Klarheit kommen." Feig, trotz seines Arierthums, nennt sich natürlich der Verfasser jener Schmähungen nicht. Doch das Lächerlichste an der ganzen 'Lache ist, daß der Dr. Georg Jacob, der Kit mehreren Semestern Docent an der hiesigen Universität ist. weder Jude ist, noch von Juden abstammt. Er ist evangelisch und stammt von evangelischen Eltern ab, hat zuerst Theologie bei Renß in Straßburg studirt nnd ging dann zum Studium der orientalischen Sprachen über, wie ich aus seiner Vita zu seiner Dissertation ersehe, nicht von ihm selbst weiß. Wäre jener anvnnme Mitarbeiter der „Grenzboten" nicht so blind gehässig gegen Alles, was auch nur im Entferntesten an Inden erinnert, so hätte er sich sagen können und müssen, daß Jacob soivohl als Vorwie als Zuname, welch' letzterer, wie so häufig, ans ersterem entstanden ist, ebenso oft bei Christen, wie bei Juden zu finden ist, mit dem Unterschiede nur, daß jene ihn dem neuen, dem Apostel Jacobus, diese dem alten Testament, dem Patriarchen Jacob, entlehnt haben, von dem natürlich auch der Name des ersteren herrührte. Leider aber herrscht auf dem Gebiete der Namenkunde selbst bei den gelehrtesten Leuten eilte nicht geringe Unwissenheit. So war jüngst ein deutscher Professor .nebenbei bemerkt ein Convertit) nich: wenig erstaunt, als ich ihm sagte, daß „Hans" und „Hänschen" so echt deutsch sie auch klingen, hebräischen Ursprunges sind, Johannes ist die lateinische Form des griechischen Joannes das wiederum die gräcisine Form des hebräischen pnr (Jochanair) ist. Es ist daher ganz falsch, wenn ein Mann, wie 9t. Birchow in seinem „Archiv für patholog. Anatomie" (Bd. 91, 2. 177in einem Aussätze über „Barbarismen in der medieinischen Sprache" behauptet (S. 2): „Man verwandelt Joannes zunächst in Johannes und daun schneidet man bald vorn, bald hinten ab, zieht zusammen n. s. w. So entstehen Hans, Jan, John, Ivan u. s. w." Joannes ist durchaus nicht in Johannes verwa n d e lt worden. Der Hauchlaut im Innern des Wortes ist ursprünglich, nur hatten die Griechen, d. h. die griechischredenden Juden, die zuerst das biblische Wort übernahmen, keine Bezeichnung für inlautenden Spiritus .usper, gerade so wie Jizchak in der LXX und im N. T. zu werden mußte, wobei das erste», nur an Stelle des Schewa inJiz(e)chak trat, mährend "der Hauchlaut ganz ausfiel. Uebrigens ist der Name Johannes in der Christenheit einer der gebräuchlichsten (Bergl. darüber: „Georg Steinhausen: der Vorname Johannes" in der „Zeitschrift für den deutschen Unterricht" Vll. Jahrg. 1893 S. 621 ff.) Der Name „Jacob" allerdings ist als Bor- und Zuname nicht so häufig bei Christen als Johannes, dagegen sind aus „Jacob" oder dem latinisirten Jacobus eine unzählige Menge von Bor- und Zunanren, und zwar in den verschiedensten Formen bei Christen wie bei Juden entstanden. So bei den polnischen Juden die Deminutiv«; Jankel, Jeket, Jukel, Joikel, Jekef, Jekele, daher der Familienname „Jekeles" Jekoffke n. s. w., bei Christen: Jockel, Jäckel, Jockel, also alle vom ersten Bestandtheil des Namens Jacobus; vom zweiten dagegen sind gebildet die Familien: Kobus, Kobes, Kobs, Köberle, Koffka, vielleicht gehört auch hierher der Name: Kopmann statt, Kobmann, (gebildet wie Lipmann ans Liebmann), der also nicht, wie Pott u. A. annehmen, die niederdeutsche plattdeutsche) Form fi'lr „Kaufmann" wäre, nnd dessen Bildung dieselbe ist, wie die in: Heinemänn, Diezmann, Tiedemann, Hansemann :c„ in denen das — „mann", nach Andreien (Archiv für das Studium der neueren Sprachen Bd. 42, S. 428) als ein das allgemeine Genus bezeichnender pleonastischer Zusatz aufzufassen ist. Nur so erkläre ich mir den Vornamen „Kaufmann", der sich bisweilen bei Juden findet, wie z. B. der bekannte Königsberger altclassische Philologe Lehrs bis zu seiner Taufe hieß. Der Name wird also ursprünglich Kobmann (s. oben) gewesen sein, den man für niederdeutsch hielt und der hochdeutsch in „Kaufmann" übersetzt wurde. Doch soll nicht geleugnet werden, daß „Kaufmann" als Name schon sehr alt ist; bei den Griechen findet sich schon ein 'Euncpo? (Händler) ls. Pape Wörterbuch der griech. Eigennamen I. S. 357) als Name; vergl. auch lot Mereator). Es ist mir aber nicht recht z!a»blich, daß ein Vater seinem