Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 8 (23.2.1894)
- Date
- 1894-02-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14(5 Oesterreichische Wochenschrrst Nr. 8 gedrückt haben, kamen sie mit Chanfalla-Montiel überein, daß er gegen ein Honorar von sechs Ducaten eine'Vorstellung im Hause des Gemeinderathes Castrado geben soll, aber, wie der Schlaumeier sich ausbebingt, nur für die Honoratioren allein, damit er am nächsten Tage wieder eine Vorstellung für das Volk geben könne. Auf seine Warnung bezüglich der zum Sehen der Vorstellung erforderlichen Eigenschaften antwortet der Richter mit stolzem Selbstbewußtsein, er sei Richter und Nichtersohn und auf seinen Rippen läge vier Finger dick echtes altes Chrrstenfett, so alt, daß es schon ranzig sei. Und die Andern rufen: ,>Aber wir Alle werden es sehen, wir sind ja nicht hinter der Hecke geboren, man weiß ja, wer und woher man ist." Nicht minder stolz und ihrer Sache sicher als der Vater ist Fräulein Johanna Schöpsin, das.judenblutreine Töchterlein des Gemeinderaths, und mit geziemender Herablassung fragt sie ihre Freundin Theresa, die Tochter des Richters Kohlstrunk, ob sie auch die Bedingungen kenne und sicher sei, das; sie sich nicht blamiren werde. „Schöne Frage das", antwortet Thereschen, „bin ich doch Deine Base und vom selben reinen Blut wie Du, wüßte ich nur so sicher, daß ich ins Himmelreich kommen werde, wie ich rveiß, daß ich hier Alles sehen werde." In der nächsten Scene beginnt Chanfalla die Vorstellung mit den Worten: „Achtung, meine Herrschaften, ich beginne! O Du, der Du dieses Instrument mit so wunderbarer Kunst gemacht hast, daß es den Namen des Wunderbaren erhielt! Bei der Wunderkraft, die darin enthalten ist, beschwöre ich Dich und befehle Dir, daß Du sogleich diesen Herrschaften zu ihrer Unterhaltung einige dieser wunderbaren Wunder zeigen sollst, damit sie sich ohne Beschämung erfreuen können.... Ah, jetzt sehe ich, daß Du meine Bitte erfüllt hast. Da erscheint schon der starke Held Samson und saßt die Säulen des Tempels der Philister an, um ihn zu zerstören und sich an seinen Feinden zu rächen. Halt! halt! tapferer Ritter, um Gottes Willen sei vorsichtig und stürze nicht, Du würdest ja die ganze hier anwesende hochgeehrte Gesellschaft zu Brei zer-reiben." Benito Repollo: „Halt ein, guter Mann! Es wäre nicht übel, wenn wir, anstatt uns hier zu unterhalten, zu Brei zerrieben würden. Halt ein! guter Herr Samson!" Capacho: „Siehst Du ihn, Castrado?" Castrado: „Warum soll ist) ihn nicht sehen? Habe ich etwa die Augen im Hinlern?" Gob: (Bei Seite.) „Unbegreiflich! Ich sehe den Samson gerade so, wie ich den Großtürken sehe und ich bin doch ein legitimer alter Christ." Chir: „Achtung meine Herren, jetzt erscheint derselbe Stier, der den Taglöhner in Salamancar getödtet hat; werfen Sie sich zur Erde, zur Erde um Gotteswillen!" Chan.: „Alle sollen sich auf den' Boden hinlegen, Alle, Alle! (Als ob er den Stier anschreie) Hoho, hoho!^ Nun werfen sich alle in großer Verwirrung aus den Boden, um nicht von dem wüthenden Stier, den sie alle zu sehen Vorgaben öder glauben, aus die Hörner gespießt zu werden. „Hol' der Teufel den Stier, mit semen glühenden Angen", schreit der Alcalde, und der Regidor bittet den Wundermann, doch nicht solche schreckliche Gestalten erscheinen zu lassen, „mir macht es nichts aus, aber seht euch nur einmal die armen Mädchen an, denen ist ja vor Schreck kein Tropfen Blutes im Gesicht geblieben." „Ach lieber Vater", secundirt sein Töchterchen, „ich werde mich in einer Woche nicht von dem Schreck erholen, ich glaubte schon seine scharfen Hörner wie Dolchspitzen zu spüren." „Fa", antwortet der auf seinen judenreinen Stammbaum stolze Regidor, „wärest Du nicht meine Tochter,. so hättest Du ihn nicht gesehen". „Alle sehen, nur ich nichts", klagt leise der Bürgermeister, „aber um der Ehre willen muß ich sagen, daß ich auch Alles sehe." Hierauf läßt Chirino eine Schaar Mäuse und Natten erscheinen, weiße, schwarze, graue, „wie sie in der Arche Noa erschaffen wurden", und Alle sahen selbstverständlich die Mäuse. Kreischend und ihre Röcke aufhebend, fluchteten sich die Mädchen auf die Bänke und der Alcalde Jammert, eine große Ratte habe ihn ins Knie gebissen, während der Regidor seine Beinkleider lobt, in die nicht das kleinste Mäuschen eindringen kann. Dann läßt der Wundermann die Fluthen des Jordan Hereinströmen, 'welche die Gesichter der Frauen mit polirtem Silber überziehen und die Bärte der Männer vergolden. Nun bedecken sich alle die Gesichter und der Alcalde spürt, wie ihm das Wasser hinabstießt bis in die Hosen. Der Gobernador aber sagt sich voll Angst, daß er keinen Tropfen spüre, während die Andern zu ertrinken schienen. „Sollte ich am Ende unter allen diesen Reinen der einzige?. schrecklich es auszudenken. Und, wie um ihn zu ärgern, jubelt der Schreiber, obwohl er sich trocken wie die Sahara fühlt, daß ihm trotz sorgfältigen Bedeckens die Spitzen des Schnurbarts vergoldet wurden. Hierauf läßt Chirinos zum Schrecken der Gesellschaft Löwen und Bären erscheinen und endlich die schöne Herodias, die sich -mit ihrem kunstvollen Tanze den Kopf des Täufers Johannes von seinem Rumpfe herabtanzte. Alles bewundert die kecken Pas der schönen Tänzerin und auf Vorschlag, des Wundermannes, läßt sich der Neffe des Alcalden von seinem Onkel bewegen ihren Partner zu machen, obwohl dieser sich wundert, wie die Herodias, die Jüdin, ihre eigene Erscheinung sehen könne. Der Neffe tanzt nun mit seiner unsichtbaren semitischen Tänzerin die Sarabande und die Chacona, während der Schreiber über das hohe Alter dieser, spanischen Tänze seine Verwunderung äußert. •, . Während das Publicum dein Tanze der unsichtbaren Jüdin zuschaut, tritt ein wirklicher königlicher Quartiermacher ein und verlangt vom Bürgermeister, er solle sofort Quartier für dreißig Mann vorbereiten, die in einer halben Stunde eintreffen. Der Alcalde glaubt, es sei dies auch' eine vom Wundermann citirte Erscheinung, die er diesmal - wirklich sehe' Vergebens versichert ihn Chirino es sei wirkliche Cävallerie, die bis jetzt in einem benachbarten Dorfe einquartiert gewesen. Der Alcalde weiß'es besser, es seien nur vom Zauberer Tontouello gesendete Spukgestalten und droht ihn auspeitschen zu taffen, wenn sie nicht sofort verschwinden. 'Während über die Existenz der königlichen Reiter noch gestritten wird, kommt der Quartiermacher zurück und fragt ob die Quartiere für die eben einrückenden Soldaten schon bereit seien. Der Alcalde hält aber ihn und die Soldaten noch immer für Zauberspuk und stößt furchtbare Drohungen gegen den Wundermann aus. Chanfalla und Chorinos werfen wieder dem Alcalden hochverrätherische Aeußerungen vor, da er Seiner Majestät des Königs wirkliche'Soldaten für Teufelsspuk erkläre. Auch der Gobernador mischt sich in den Streit, obwohl er nicht rec' t weiß, ob er wirkliche Soldaten vor sich'habe, oder wegen seiner' Reinheit von Judenblut doch endlich gewürdigt worden-sei, die Zaubererscheinungen-'wirklich zu sehen. Der Regidor sucht zu vermitteln, erklärt dein Unter officier das Wesen der Erscheinungen und die zu deren Wahrnehmung erforderlichen Eigenschaften. - Aist feine Aufforderung läßt sich der Wundermann herbei, auch dem Kriegsmanne die Erscheinung der Herodias vorzugaukeln: „Siehst Du, wie sie sich dreht und springt und ihren Tänzer einladet, ihr'zu folgen?" Aber der ehrliche Quartiermacher antwortet, 'er - sehe nichts: „Mach', sie müde, mach'sie müde!" ruft der Alcalde .seinem Neffen zu, „noch einmal herum,, noch einmal. Holla hopp!" Und der Neffe tanzt und thut, als ob er die Herodias herumschwenke.