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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-02-23 · 8 (23.2.1894) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
8 (23.2.1894)
Date
1894-02-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 144 Vestrrrrichtsche Wochrnschrtfl Nr. ft werden würden, sich in größerer Zahl den verschiedenen manuellen Berufen zuzuwenden. Das ist eine so handgreifliche Lüge, daß wir unS wohl nicht -er überflüssigen' Mühe zu unterziehen brauchen, diese alberne Behauptung zu widerlegen. Wenn jüdische Elemente das Handwerk meiden und sich anderen Erwerlsgebielen zuwenden, so trägt daran nicht der Antisemitismus schuld, sondern der Grund dieser ausfälligen Erscheinung ist die Scheu vor harter und mühevoller Arbeit, die Sucht, rasch und leicht viel zu verdienen. Das wissen heute bereits Alle, die Gelegenheit hatten, die Eigenschaften des Judenthums kennen zu lernen — selbst der Baron Husch, der mit seinen jüdischen Ackerbau colonien so merkwürdige Erfahrungen machen mußte." Die „Oesterreichische Wochenschrift" hat lyiedkrholt den Nachweis geliefert, daß alle in dieser Richtung vorgebrachten Verdächtigungen erlogen sind und der Absicht entspringen, gegen die Juden Tendenz zu machen und die bLeiten Bevölkerungsschichten zu Haß und Gewaltlhätigkeiten gegen eine große Zahl von Staatsbürgern jüdischer Confession aufzureize». Diesem die allgemeinen materiellen Interessen und die Reputation de- Staates tiefschädigenden Treiben wird zum lebhaften Bedauern aller wahren Patrioten seitens der hiezu berufenen Organe kein Einhalt gethan, was jedoch nicht hindern soll, der Verlogenheit der vorgcbrachten Anwürfe und BeschuldiKmgen an der Hand statistischer Daten entgegenzutreten. Dem Berichte des wohlthätig wirkenden „B ereines zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten in Wien" über das zweiundfünfzigste Vereinsjahr ist zu entnehmen, daß im Jahre 1891 der Stand der unter der Obhut desselben befindlichen jüdischen Zöglinge 1301 betmg. Im Jahre 1893 wurden 354 Knaben — gegen 519 im Jahre 1891 — ausgenommen, dagegen 212 — . gegen 16.7 —... zu Gehilfen, freigesprochen. Der Rückgang in der Zahl der aufgenommenen Zöglinge hat, dem Vereinsberichte zufolge, darin seinen Grund, daß eine dem genannten Vereine seitens eines hohen Gönners gewährte außerordentliche Subvention vorläufig nur bis Ende 1893 zugesichert wurde, daher mit aller Vorsicht vorgegangen werden mußte, um den Verein vor der Gefahr einer mit der plötzlichen Subventionsentziehung unvermeidlich verbundenen Katastrophe zu bewahren. Von den unter Obhut des erwähnten jüdischen Handwerkervereines stehenden Knaben waren in der Lehre untergebracht als Schlosser 135, Tischler 164, Spängler 93, Maschinschlosser 10, Mechaniker 16, Metalldreher, Messerschmiede, Metallgießer 11, Schmiede 16, Steinmetze 4, Drechsler 120, Bronzearbeiter, Gelbgießer 5, Gärber 13, Gürtler, Graveure 16, Schuhmacher 160, Tapezierer 123, Kupferschmiede 13, Bürstenbinder 24, Buchbinder 64, Bildhauer 24 u. s. w. Aus dieser Darstellung ist ersichtlich, daß sich die jüdischen Lehrlinge mit Vorliebe gerade denjenigen Handwerken zuwenden, welche die manuelle Thätigkeit in hohen» Grade in Anspruch nehmen und an die physischen Kräfte die größten Anforderungen stellen. Es gibt freilich auch eine namhafte Zahl von Knaben, welche sich auch den intelligenteren Handwerken widmen, z. B. der Profefiion der Goldarbeiter 59, Holzschnitzerei 30, Lithografie 11, Optiker 10, Schildermaler 2, Steindrucker 11, Uhr-, macher 41, Vergolder 7 u. s. w. Der „Verein zur Beförderung der Handwerke unter den Israeliten" muß alljährlich schweren Herzens viele Hunderte von Knaben, die ein Handwerk erlernen wollen, abweisen, weil ihm die Mittel zu deren Versorgung und Unterbringung dies nicht gestatten, was hiemit mit lebhaftestem Bedauem constatirt werden soll. Wie oft trifft es sich, daß jüdische Knaben Hunderte Meilen weit, aus der Bukowina sogar, zu Fuß nach Wien wandern und, ohne die erforderlichen Reisespesen zu besitzen, sich „durchfechten", um in Wien in eine Lehre unterzukommen, Rührend sind die Scenen, welche häufig an den Vereinstagen sich da abspielen, wenn derartige Knaben vom Vorstande deshalb abgewiesen werden müssen, weil es die Mittel des Vereines nicht gestatten, alle» an denselben herantretenden Anforderungen gerecht zu werden. _ Während seiner segenbringenden zweiundfünfzigjährigen Wirksamkeit hat der Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten nahezu 15.000 Knaben als Handwerker heranbilden lassen, von welchen nachweislich über 95 Percent das Handwerk als Broterwerb in Wien und in der ganzen Monarchie ausübten, beziehentlich noch betreiben. Diese Ziffern sprechen deutlich und find wohl die schlagendste Widerlegung der gegen die Juden erhobenen frechen, verlogenen Beschuldigungen, die von einer Niedertracht und Verkommenheit der Gesinnung zeigen, wie sie allerdings bei Antisemiten vom Schlage des Oberstamp iglius Schneider und seiner Complicen nicht befremden darf. Mit den in der Obhut des Vereines stehenden circa 1400 Lehrlingen ist jedoch die Zahl der kn Wien das Handwerk erlernenden jüdischen Kinder beiweitem nicht erschöpft, denn derselbe muß, wie bereits erwähnt, alljährlich eine erhebliche Zahl abweisen und nimmt überhaupt nur solche in Obhut, welche den Nachweis der Mittellosigkeit erbracht haben. Außer den vom Verein versorgten Lehrlingen erlernen noch über 3000 jüdische Knaben in Wien ein Handwerk, exclusive derjenigen, die eine Mittel-oder Bürgerschule absolvirt haben und dann eine Fachschule frequentiren. Daß Juden, wenn sie einmal sich dem Handwerke gewidmet, in demselben auch Tüchtiges leisten und es zu einem Renommv bringen, ist bekannt. Jüdische Handwerks sind auch von Christen gesucht — mehr noch von letzteren — wenn sie von der modernen Seuche des Antisemitismus nicht insicirt sind. In Wien hat eine große Zahl jüdischer Handwerker es zu großem Ansehen gebracht. 'Viele besitzen hohe Auszeichnungen, Hoftitel, Orden u. s. w.; Um nur. einige Namen zu nennen, haben sich einen über die Grenzen Wiens reichenden guten Ruf als vorzüglich: Handwerker geschaffen: Hofschlosser Gemeinderath T a g leicht, Schlosser S ch w ar z und Stra ßb er g, als Anstreicher der in seinem Fache als Künstler bekannte und wiederholt ausgezeichnete Makler und Mensch, Kupferschmied Sperber, Spengler P ick, Steinmetze Vul ka n, Neubau er und Sonnenschein, Tischler Vogelhut, Engel u. s. w., sämmtlich einstige Zöglinge des „Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten." Es gibt keine Stadt in Oesterreich, in welcher Juden wohnen, in der sich nicht auch jüdische Handwerker in ausreichender Zahl befinden. In Galizien namentlich werden die Handwerke nahezu ausschließlich von Juden betrieben. Allda sind die Juden nicht nur Schuster, Schneider, Tischler und Schlosser, sondern auch Schmiede und Pflasterer. Die gleiche» Verhältnisse bestehen in Rußland. Bekannt ist ja, daß in London nach einer seitens der englischen Regierung gepflogenen Erhebung 30.000 vertriebene russische Juden das Schneiderhandwerk betreiben und sich mit dem minimalen Wochenverdienste von 3—4 Shilling begnügen, um nur nicht betteln zu müssen. Es ist überhaupt eine böswillige Verleumdung, daß der Jude körperliche Arbeit scheut. Freilich muß er dort, wo er von anderen Erwerbszweigen gewaltsam abgedrängt wird, zum „Handel" greisen. Möchten doch die antisemitischen Judenfresser einmal den Versuch machen, ob es gar so leicht, anmuthend, angenehm und lohnend ist, als Hausirer den „B i n k e l" zu tragen, Trepp aus, Trepp ab den ganzen Tag zu steigen und für ungezogene und ungeberdige arische Bengel als „Popanz" zu dienen. Gleiche Verhältnisse wie in Wien und Oesterreich bestehen in dieser Richtung auch im Auslande. Die Juden sind die besten Ackerbauer dort, wo ihnen der Betrieb der Landwirthschaft zugänglich ist. Sie sind fleißige, tüchtige Handwerker, wo ihnen gestattet ist, sich der Profession zuzuwenden. Allein auch das schwere Brot des Taglöhners scheuen sie nicht. In Salonichi, einer Stadt mit 90.000 Einwohnern

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