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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-02-23 · 8 (23.2.1894) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
8 (23.2.1894)
Date
1894-02-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Orstrrretchischv Worlzrujchrifi Seite 143 Sir. 8 an die Deputation des Abwehrvereines. Es wird lustig fortgehetzt, denn das Schimpfen gegen die Juden ist ja keine öffentliche Gewaltthätigkeit. Die Schächtfrage im bairischen Landtage und die schamlosen Lügen des Pan Verganew. München, den 12. Februar 1894. In der letzten Sitzung des Petitionsausschusses der Abgeordnetenkammer gelangte zur Verhandlung die Petition der Münchener Antisemiten Wengg und Genossen um Erlaß eines Schächtverbotes. Hierüber wird Folgendes berichtet: Referent Abq. Pfarrer Tr. Frank schildert, wie das Schächten vorgenommen wird, und bemerkt dazu, daß diese Art des Schlachtens einen religiösen Charakter habe. Der jüdische Gesetzgeber habe das Schächten aus sanitären und humanitären Gründen angeordnet. Durch das Schächten solle das Thier ans die schmerzloseste Weise gerödtet werden, so behaupten nicht nur die orthodoxen Inden, sondern auch Christen; allerdings bestehen auch andere Meinungen. Eine große Anzahl von medicinischen und thierärztlichen Professoren ist der Ansicht, daß das Schächten keine Quälerei sei; unter diesen Männern befindet sich Professor Dr. Birchow. Fm städtischen Schlachwichhof zu Frankfurt am Main werden mehr Stück Bich geschachtet als aus andere Weise geschlachtet. Oberregierungsrath Hörmann beleuchtet die juridische Seite der Frage. Das Schächten falle nicht unter den Strafparagraphen. Ein Gesuch an den Reichstag, das Schächten zu -verbieten, wurde von diesem abgelehnt. Die deutschen Regierungen hätten sich mit.dieser Frage eingehend befaßt. Das Schächten sei nach dem.Gutachten der hervorragendsten Fachmänner keine Thierquäkerei. Die Negierungen hätten Anoronuiigen. veranlaßt, um Quälereien beim schachten hintanznhaltcn, namentlich ' dadurch, daß nur tüchtig geschulte Leute'für,'dtk Schächterdienst angestellt werden. Correfercnt Gabriel Löwen stein glaubt nicht, daß das Schachten Thierqnäletei sei; wäre dies der Fall, so würde er seine-Stimme dagegen erheben. Wenn die Petenten Thierquälerei verhüten wollten, dann sollten sie zunächst gegen die grausame Tödlung des Wildes durch Erlegung auf den Jagden austreten. Abgeordneter Seltner: Wenn Gabriel Löwenstein, der gegen die Jagd zu sein scheine, ein Mittel anzngeben wisse, wie man die Hasen und Rehe anbinden könne, um sie dann todtznschießen, so werde er zu loben sein. Er möchte fast meinen, daß Löwenstein aus geschossenes Wild nicht gut zu sprechen sei, weil er nichtgeschächtete Hasen nicht verspeisen dürfe. O b e r l a n d e s t h i c r a r z t Göring : Das Tödten der Thiere durch Schächten iverde von den tüchtigsten Fachkemiern als eine Schlachtart bezeichnet, die nicht zu Vertverfen sei. Das sei auch seine Anschauung. Referent beantragt, die Petition als nicht geeignet zur Erörterung im Plenum zu erklären, da zu gesetzlichen Maßnahmen gegen das Schächten keine Veranlassung vorliege und da überdies der Vertreter der Staatsregierung erklärt habe, daß Verordnungen zur Verhütung von Thierquälerei beim Schlachten überhaupt und beim Schächten insbesondere erlassen worden seien. Dieser Antrag wird einstimmig angenommen. Pan Verganew im „Deutschen Volksblatt" vom 16.; Februar 1894 ist darüber ganz erbost und rächt sich an' den katholischen Pfarrer durch eine schamlose Lüge. Es meldet unter dem Schlagwort: (Ein BcrtheidigerdesSck achtens.) Wir haben neulich über den Stand der Schächtfrage in Baiern berichtet und dabei erwähnt, daß im bairischen Landtage ein Pfarrer Frank mit unglaublicher Wärme für diese grausame Procedur eintrat. Wie w.i r nun erfahren, ist Frank ei» getaufter Jude und hat sich bereits früher durch eine Judenschntzscyrift für Israel Verdienste erworben. Dem gegenüber erinnern wir daran, daß wir in Nr. 51 der „Oesterr. Wochenschrift" vom 16. December 1892 aus der berühmten Schrift des Herrn Pfarrer Dr. Frank: „Die Kirche und die Juden" ftll. Auflage) folgende charakteristische Stelle wörtlich herausgehoben haben: „Wenn ich in einzelnen Blättern von antisemitischer Färbung dem Publicum als geraufter Jude vorgestellt wurde, so habe ich über diese Entdeckung herzlich gelacht. Ich habe mich dabei lebhaft an den hochseligen Papst Pius IX. erinnert, der, wie Carl Paasch in seinem zweibändigen Werke . „Eine jüdisch-deutsche Gesandtschaft und ihre Helfer; III, Theil, Seite 117" nachweist, ebenfalls ein Hebräer war: „Ein Schüler des Seelenriechers Dr. Jäger hat das schon im Jahre 1847, als er den Pantoffel des Papstes'küssen durfte, durch den Geruch entdeckt, und Papst Pins IX. hat es bann im Jahre 1861 den Gebrüdern Kohn aus Lyon selbst eingestanden. Ich bestnde mich also auch hier in ganz guter Gesellschaft." - So schamlos sind die antisemitischen Lügner und Verleumder, daß sie sich nicht scheuen, ohne Rücksicht aus alle Widerlegungen ihre Erdichtungen immer neu zu wiederholen. Aus dem jndeurcinen Spanien. Welch glückliche Zustände in dem so hochgepriesenen judenreinen Spanien dermaiell herrschen und wie der Wohlstand dort durch die Abwesenheit der Inden von Tag zu Tag sich steigert, davon gibt folgende Faschingseorrespondenz aus Madrid Zeugniß, die mir in der „Voffischen Zeitung" finden: Madrid, 7. Februar. Die Faschingszeit ist sehr ruhig verlaufen; die Verhältnisse sind nicht solcher Art, daß Sie großen Massen im Stande wären, den. Carneval wie früher zu feiern. Nur die höchsten Gesellschastsclassen haben glänzende Feste veranstaltet, im königlichen Schlosse und in detk Paläpen der Granden und der fremden Diplomaten sind Maskenbälle abgehaklen worden. Das Volk bekundete nicht einmal Lust, die öffentlichen Aufzüge zu sehen, die von kleinen Gesellschaften.veranstaltet wurden. Niemand benutzte nach allem Brauch die Maskenfreiheit der Fastnacht, um den Ministern einige kräftige Wahrheiten zu. sagen. Der Frohsinn ist geschwunden. Ein dumpfes Gefühl der Trostlosigkeit beherrscht die ganze Bevölkerung und macht sich überall geltend. Hunger und Elend veranlapen Tausende und Abertausende, ihr Heil im Betteln, im Stehlen und Randen zu suchen. Der Selbstmord wird epidemisch in dem notyleidenden Mittelstände. Die ' Unhalibarkeit der bestehenden Zustände niacht sich in allen Schichten der Bevölkerung mehr als je bemerkbar. Die umfassendsten Vorsichtsmaßregeln, welche die Regierung, angesichts der Zustände in Portugal und der eifrigen Thätigkeit der spanischen und der portugiesischen Republikaner ergriffen hat, erzeugen Unruhe bis in die höchsten Kreise hinaus. Das Banditenwesen greift weiter und weiter um sich und vergebens fragt man sich, was für Mittel angewandt werden sollen, dem Uebel zu steuern. 8,727.519 Einwohner Spaniens, und zwar nahezu zwei Millionen Männer und 6*/4 Millionen Frauen sind, der neuesten statistischen Zusammenstellung gemäß, beschäftigungslos, 64.000 leben als Pensionäre auf Kopen des Staates, über 90.00t) Bettler und Bettlerinnen werden auf öffentliche Kosten erhalten; ein Heer von 97.25« Personen versieht Beamlendienste; aus 43.528 beläuft sich die Zahl der Geistlichen, ans 28.549 die der Nonnen. Obgleich die Masse der Schüler und Schülerinnen beinahe 1?/^ Millionen beträgt und 39.582 Lehrer und Lehrerinnen an den Lehranstalten ihätig siild, können non den 17 Millionen Spaniens nur 3,417.355 männliche lind 2,686 615 weibliche Personen, zusammen also nur 6,104.470 schreiben und lesen. Diese Ziffern sind bezeichnend für den Cnlturzustand des heutigen Spanien. Und da wundert man sich, daß es drunter und drüber geht! Wir wundern uns blos, daß es bei diesem heißblütigen Volke und solchen Zuständen nicht noch weit toller hergeht und daß ans diesem vortrefflichen, wie eigens methodisch dazu hergerichteten Nährboden der „Anarchismus" nicht noch weit üppiger gedeiht! — (Ein jüdischer Marquis) Aus einer Mittheilung des Amtsblattes von Rom über Veränderungen im diplomatischen Corps entnimmt man die Thatsache, daß m Italien ein Jude den Titel Marquis führt. Es ist dies Srg. Teosilo Rodolfo Cahen, Marchese di Torre Alfina, welcher von der italienischen Gesandtschaft in Madrid nach Paris versetzt wurde. Italien war der erste Staat,' welcher in neuester Zeit einen Hilden als Minister an einen europäischen Hof geschickt hat. Graf Hierschel di Minerbi, welcher seiner Stellung nach gleich nach deni italienischen Gesandten in London rangirt und in dessen Abwesenheit Charge iVAffaires ist, ist unser Glaubensgenosse. Das Handwerk unter den Juden rmd Juden als Handwerker. Seitens der Antisemiten witd. jeder sich darbietcnde Anlaß dazu benützt, gegen die Inden den Vorwurf zu schleudern, daß sie das Handwerk und die damit verbundene manuelle Thätigkeit scheuen. Ein derartig willkommener Anlaß bieier sich dem antisemitischen „Deutschen Volksblatt" gelegentlich der von einem liberalen Blatte gebrachten Enthüllung, daß die unter dem Terrorismus des bekannten „Oberst am piglius" Schneider stehende Mechanikergenossenschaft, resp. die Mitglieder derselben einen Nüttlischwur leisteten, keinen jüdischen Lehrling aufzunehmen, nachdem der seitens der Genossenschaft als solche . gefaßte gleichartige Beschluß von amtswegen als ungesetzlich ansgehoben worden war. Das antisemitische Organ des Herrn Vergani schreibt nämlich: „Es wird versucht, den Eindruck zu erwecken, als ob die Inden nur durch den insbesondere im Lager der Gewerbetreibenden stark verbreiteten Antisemitismus davon abgchalten

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