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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-02-16 · 7 (16.2.1894) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
7 (16.2.1894)
Date
1894-02-16
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 7 Veyrrretttztptze WochrnptzrM Seite 137 langen; — vielleicht finden wir den Vater und den Bruder dort' — dann war' es gut, dann war' es herrlich, wenn nicht, müssen wir Das, was uns Gott auferlegt, so gut wir's eben vermögen, tragen. So lange wir uns auf oeutschen Boden, besonders in der Nähe Ansbachs, befinden, thut um Dich, des Vaters und des Bruders Wrüen die größte Vorsicht noth. Wenn auch die Flucht gelungen, wird der Markgraf den Vater und die Seinen verfolgen lassen. Wir müssen Alles vermeiden, was uns verrathen und was auf seine Spur leiten könnte." „Du bist ein kluges Kind", hatte Dina geantwortet, „ich überlasse mich ganz Deiner Leitung." Die beiden Frauen konnten ihre Weiterreise erst in zwei Tagen antreten, da die Flüsse in der ganzen Umgegend ausgetreten und alle Straßen unter Wasser gesetzt waren und so kam es, das sie erst kurz vor Sabbarti-Anbruch in Berolzheim anlangten und gezwungen waren, dort über Samstag zu bleiben. — Dina und Eva Frankl waren Frauen, die beim ersten Anblick Herzen gewinnen konnten und sie wurden in der kleinen Gemeinde mit großer Freundlichkeit ausgenommen. Sie legten sich den Namen Leidensdorf bei, gaben an. daß sie aus dem Ober-Elsaß kamen und Verwandte im Hannover'schen besuchen wollten. In der kleinen jüdischen Gemeinde gab es nur für Wanderbettler eine Herberge, die aus einer räucherigen dumpfigen Stube bestand, andere Reisende, die in Berolzheun übernachten wollten, kamen säst gar nicht vor, und wenn ein solcher Fall in langer Zeit einmal .eintrat, war der Durchreisende gezwungen, die Gastfreundschaft eines Gemeindemitgliedes anzunehmen. Die zwei, dem Aussehen und Benehmen nach, vornehmen Frauen konnten nur bei einer Frau wohnen und Kröndl*) Buttenwieser, die Wltwe des verstorbenen und die Mutter des gegenwärtigen Barnoß**) der Gemeinde, lud die Frauen ein, über den Sabbath und so lange es ihnen in Berolzheim gefiele, ihre lieben Gäste zu sein. Kröndl Buttenwieser, welche das Geschäft ihres Gatten gemeinschaftlich mit ihrem Sohne fortfühne, wohnte mit diesem in einem Haufe und die Beiden führten auch gemeinschaftlichen Haushalt. — Freitag Abend bei Tische, an welchen sich außer den Familienmitgliedern, dem Hausbochur***) und dem Geschäftspersonale noch zwei durchreisende Schnorrer befanden, war von nichts Anderem als von der wunderbaren Flucht des Fjrrther Oberrabbiners Rabbi Hirsch Fränkl aus dem Mauerthurme die Rede. Die Hausfrau frug Mutter und Tochter, ob sie auf ihrer Reise nichts von diesem merkwürdigen Ereignig gehört hatten, welches ungläubigen Gemüthern beweise, daß Gott noch in der Gegenwart, besonders frommen Männern, so große Wunder erweise als zu Zeiten Moses; und nun hatten die beiden Frauen Gelegenheit, sowohl die außerordentliche Liebe und Beretirung, deren sich ihr Familienhaupt erfreute, als auch die wundersamen Ausschmückungen, mit welchen seine Flucht erzählt wurde, kennen zu lernen. Einer der Commis des Hauses berichtete: Ein Ansbacher Dorfjude, der Kuhhäute zum Verkaufe gebracht und mit geheimnißvoller Miene erklärt hatte, er habe den Verlauf der merkwürdigen Begebenheit aus sicherster Quelle erfahren, hatte dieselbe folgendermaßen dargestellt: Dem bösen Markgrafen von Ansbach, der Grund hatte, die Macht des Rabbi als Kabbalisten zu fürchten, hätten seine Rathgeber, Feinde der Juden im Allgemeinen und des heiligen Rabbi insbesondere, verpchert, daß, wenn ein eiserner Ring um dessen Leib geschmiedet würde und seine Kerkerzelle sich über Wasser befände, er die Macht über die Geister verlieren würde. Nun aber hätten mehrere Personen, welche in der Nacht vom 20. auf den 21. November an dem Mauerthurm vor übergingen, gesehen, daß sich plötzlich Heller Sonnenschein über die ganze Gegend verbreitete, der Prophet Elias in einem feurigen Wagen vom Himmel herabgefahren, das feste Dach des Kerkerthurms wie eine Eierschale eingedrückt, den Rabbi aus feiner Zelle geholt, ihn neben sich setzen hatte lassen und mit diesem entschwebt war. Das Erscheinen des Propheten Elias in seiner vollen Herrlichkeit hatte — nach des Ansbacher Landjuden-Bericht — nicht nur auf Menschen und Thiere, sondern auch auf die unbelebte Natur einen merkwürdigen Eindruck hervorgerufen. Der Kerkermeister, defien Gehilfen und der Soldat, der eben Schildwache stand, wären bei dem Anblicke der überirdischen Erscheinung wie vom Blitze getroffen auf's Antlitz zur Erde gestürzt und' hätten es erst dann wieder gewagt, den Blick emporzuheben, als das donnerartige Getöse, womit die feurige Luftfahrt begleitet, *) Kränchen, ein jüdischer Frauenname. **) Richtiger Parneß, Vorsteher. ***) Hauslehrer. verstummt und die ganze Gegend wieder in tiefste Dunkelheit gehüllt war; — die Vögel, die sonst allnächtlich mit rauhem Gekrächze den Mauerthurm umflatterten, wären verstummt und wären jo raschals sie ihre Flüge! trugen entwichen, und selbst dieEis decke der Schwabach wäre von der übernatürlichen Erscheinung so erschüttert worden, daß sie in tausend Stücken zerbarst, die Wasser aus dem Tiefen emporquellien, die Eisblöcke sich auf richteten und tief verbeugten, um den göttlichen Sendboten sowohl als dem Geretteten ihre Ehrfurcht zu bezeugen. (Forisetzung folgt.) Jalkuth Sofer Scfer Bercsttiith von Bezirks-Rabbiner Josef Sofer, Deretske (Ungarn.) Unter obigem Titel ist vor kurzer Zeit ein Werk in Druck erschienen, dessen Herausgeber Herr Bezirks-Rabbiner Josef Sofer in Drrecske, der Sohn des rühmlichst bekannten Pacser Rabbiners und Verfassers des Jalkuth Elieser ist. Mit der Herausgabe desselben hat der Verfasser die hebräische Literatur mit einem sehr nützlichen Werke bereichert, indem er es sich zur Aufgabe gestellt hat, alle ans die Beschneidungs-, Hochzeits- und Trauerfeier Bezug habenden Stellen im Midrasch, Sifri, Sif.o, Tosephta, Targum, Jonathan, Jervschalmi, Sohar und in der Pessiktha zu sammeln und nach den Wochenab - schnitten, nach der Reihenfolge der obenermähnten Thematas zu ordnen. Dieser Sammlung hat der Herausgeber eine schöne Blumenlese von geistreichen Auslegungen und Erklärungen der schmierigsten Midraschstellen von den hervorragendsten und berühmtesten Conimentatoren von der frühesten Zeit bis zu unserem Zeitalter nebit seinen eigenen und zumeist sehr gelungenen und treffenden Auslegungen beigefügt und aus diesen zusammen einen Kranz gewunden, der dieses Werk für jeden kundigen Leser, besonders aber für Rabbiner und Religionslehrer zn einem sehr begehrenswerthen und gesuchten machen dürste. Das 29 Bogen starke und 5^,2 Seiten umfassende Werk ist ganz dazu g> eignet, ein gutes Nachschlagebuch für Rabbiner und Prediger und eine treffliche Fundgrube für den nach passende Midraschuno Ägadastellen Suchenden zu werden. Wir hoffen und wünschen, daß die moralischen und pecuniären Erfolge, die Herr Rabbiner Sofer mit seinem Erstlingswerke erringen dürfte, ihn in die Lage versetzen mögen, den Jalkuth Sofer ans die anderen vier Bücher des Pentateuchs baldigst folgen zu lassen. 8. L—r. Wochenkalender. Adar 6654. — Februar 1894. Freitag 10 j I 1 > - 16,1 E. d. Ti. 6>' 08" Samstag u; nmn 17:! Sonntag 13 | 18 ‘! Montag 13'I 19;! Dienstag 20;! Mittwoch 15 | 21 j| Donnerstag 16;j 22!j 23; Freitag 17;! li Briefkasten. Ignaz Fiicher, Pollerskirchen. Die Einsendung eignet sich nicht zur Public^tion. G. H., Teolitz. In dem Artikel „Auch Du. Brutus" haben wir blos wörtlich wiederholt, was die anwemiti chen Blätter in der fraglichen Sache publicirten. Unsere eigene'Meinung über das Promessengeschäft zu äußern und dazu Stellung zu nehmen, haben wir keinen Anlaß. Prister, Agram. Sie haben leider Recht. Indessen kann man nicht m,t Allem durchdringen. K., Lemberg. Wir empsehlen Ihnen das Institut Ballitzer in Genf. Ein vorzügliches, eminent gut geleitetes Institut. Danksagung. Zu meinem leider schon „hohen“ Geburtstage kamen mir durch Telegramme, Briefe, Karten, Blumen und persönliche Begrüssung unzählige Glückwünsche zu. So sehr mich diese kostbaren Zeichen treuer Erinnerung, liebevoller Theilnahme beglückt und erfreut haben, gesellte sich aber gleichzeitig zu ihnen ein wahres Herzleid, dass es mir nicht möglich ist, jedem Einzelnen, den Nahen und Fernen, meinen tiefgefühlten Dank erwidern zu können. Und so sei es Alien gesagt: „Es war ein schönes Abendleuchten meines Lebensl* Ludwig August Frankl.

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