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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-02-16 · 7 (16.2.1894) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
7 (16.2.1894)
Date
1894-02-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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3k. 7 Vesterreichifche Wochenfchrist Seüe 137 Bd. II. S. 487. „Die Juden bezeugten sich so liebreich gegen sie, daß die Emigranten sich nicht genug darüber verwundern konnten. Diejenigen, die in der Landgrafschaft Hessen-Cassel wohnten, sammelten unter sich eine Collecte, die sich über 4000 Thaler belief. Als sie durch obengenanntes Land reisten, kamen die Vornehmsten unter ihnen den Emigranten entgegen und überreichter ihnen das gesammelte Geld. Sie bedienten sich dabei dieser Worte: „Die Umstände, in denen wir Euch sehen, verursachen, daß wir an den Ausgang unserer Väter aus Egypten gedenken. Wir sind voller Verwunderung wegen der Ursachen, die Euch angetrieben haben. Euer Vaterland zu verlassen. Wir bitten Euch, dieses Geld anzunehmen, als ein Kennzeichen, daß wir Theil an Eurem Zustande nehmen." Hiedurch wurden etliche unter den Berchtesgadern so bewegt, daß sie voller Verwunderung ausriefen: „Ist es möglich, daß di.se Leute, welche man als Feinde anzusehen lehret, die Brüder selbst beschämen, welche wie wir an Jesum Christum glauben wollten, uns doch auf das Heftigste verfolgen und gar verjagen." Von den Salzburger Protestanten wanderten mehrere Gruppen nach Amerika aus und schifften sich nach Savannah ein. Nicht weit von Springsfield, Georgia, siedelten sie sich an. Den ersten Auswanderern folgten im Jahre 1736 achtzig andere vertriebene Protestanten unter der Führung des Barons von R e ck und des Hauptmanns Hermsdors, welche sich auf einem Bergrücken nahe dem Fluffe Savannah, dem sie den Namen „Neu Ebenezer" beilegten, häuslichniederließen. In Savannah wohnten in jener Zeit ungefähr zwölf jüdische Familien, welche, gleich den Salzburgern, des Glaubens wegen verfolgt, aus Spanien und Portugall eingewandert waren. Einer von ihnen lud die müden Wanderer zu einem Frühstück ein und erwies ihnen sonst viele Freundlichkeiten. Von einem anderen Juden, dessen Name nicht auf uns gekommen ist, und seinem Weibe berichtet der Geistliche Bolz ins, der die Salzburger begleitete, in seinem Tagebuche: „Die Juden erweisen uns und den Salzburgern so bereitwillig Dienste, daß wir darüber ganz erstaunt sind, sie sind so ehrlich und so treu, daß ihresgleichen kaum gefunden werden dürfte." „Diese Juden", bemerkt Bolz ins an einer anderen Stelle seines Tagebuches, „zeigen eine große Liebe zu uns und haben versprochen) uns in unserer neuen Ansiedelung zu besuchen." Eonsistorialrath Prof. Dr. Schöpf in Salzburg theilt in einen« Schreiben vom 3. Fedruar 1894 mit: Gestatten Sie mir nun ein Pendant zur humanen Handlungsweise jener Zeit der Beachtung vorzulegen. Im Jahre 1857 wanderten ein paar hundert Tiroler, darunter meine Schwester mit sieben unmündigen Kindern, nach Peru in Südamerika. Ihr Geld bestand ausschließlich in österreichischem Papier, das zu jener Zeit ein hohes Agio hatte. In Augsburg verfügte ich mich nun mit dem Seelsorger der Ausgewanderten, Herrn I. Egg, zunächst zu einem christlichen Banquier und ersuchte ihn um Auswechslung gegen möglichst geringe Provision. Umsonst. Er verlangte enormes Agio. Hierauf wandte ich mich an einen jüdischen Wechsler. Derselbe erklärte sogleich: „Diese Leute sind arm und brauchen ihre Kreuzer nothwendig, da muß man helfen" und wechselte gegen äußerst geringe Provision. Nach ihrer Ankunft in Peru war es abermals ein edler Jude, der sich unserer Landsleute lebhaft annahm, nämlich Herr Renner aus Hamburg. Derselbe verwendete sich bei der Regierung in Lima für den Priester Egg und erwirkte einen namhaften Beitrag zu Cultuszwecken. Ueberdies machte er der Colonie noch eine großartige Schenkung, nämlich 60 Kühe, 60 Schweine und 60 Ziegen für die anfängliche Cultur am Pozuzo, woselbst sich die Leute bleibend niedergelassen hatten. Solcher Art war seit je der jüdische Christenhaß beschaffen. __ Der Deutschenhaß. In der preußischen Landtagssitzung vom 28. Jänner 1893 sagte Herr Stöcker: „Schon in der Römerzeit hieß der Jude: oämm generis humani! Doch nicht deshalb, weil sie zehn Jahrhunderte danach verfolgt sind, — nein, weil sie die Eigenschaft haben, sich bei allen Völkern mißliebig zu. machen." Ein unglücklicheres Argument als die allgemeine Mißliebigkeit für den Unwerth eines Volkes allzuführen, kann es nicht geben. Viel Feind, viel Ehr. Der Haß gegen ein Volk ist kein Beweis für seine Niedrigkeit; rein psychologisch genommen bedeutet der Haß genau das Gegentheil. Aber unglücklich ist das Argument auch darum, weil sich dieselbe Logik gegen uns — Deutsche anwenden läßt. Es mag in Europa keine Nation geben, die so mißliebig ist wie die deutsche. Moltke hat uns die bestgehaßte Nation genannt, die seit dem Kriege von 1870—71 wohl an Achtung, aber nirgends an Liebe gewonnen habe. Und in seinem soeben erschienenen ganz hervorragenden Werke: „Wesen und Zweck der Politik" (Leipzig bei F. A. Brockhaus, 1893), sagt Gustav Ratzenhofer: „Die Deutschen erfreuten sich nie der Zuneigung der übrigen Völker, da ihre Grundeigenschaften nur im Familienkreise und aus dem Boden der Wissenschaft und Kunst vortheilhaft hcrvortreten, während sie im öffentlichen Leben entweder durch wirthschaftlichen Eigennutz oder wegen ungeselliger Rauhheit und unduldsamer Sittenstrenge unbeliebt sind. Diese Eigenschaften machten' die Deutschen schon im Alterthum und im Mittelalter um so verhaßter, als sie damals auch durch ihre Streitlust und Tapferkeit allerwärts die Unterjocher oder das Mittel zur Unterjochung waren. Während Deutschlands politischer Erniedrigung traten diese Empfindungen in den Hintergrund, weil die Deutschen eher zum Mitleid, als zum Haffe anregten, obgleich insbesondere die allseitigen freiwilligen und erzwungenen Kriegsdienste der Deutschen und die Habsucht ihrer Fürsten sogar Verachtung erregten. Seit aber Deutschland zu unerwarteter politischer Größe emporstieg, wird die thätige Abneigung gegen die Deutschen wieder lebendig. Auch in den Volksliedern der Franzosen spielen die Deutschen eine ungünstige Rolle. In einer Sammlung steht ein Lied „der kleine elsässische Märtyrer oder das gekreuzigte Kind", dessen letzter Vers lautet: „Dann, durch seinen Haß hingerissen, hob ihn der Preuße in die Höhe, und dies Scheusal mit Menschenantlitz nagelte die Hände des Unschuldigen an die Mauer. Obgleich von Schmerzen gebrochen, rief das Kind mit ei, er letzten Anstrengung laut: „Es lebe Frankreich." Und daun erwartete es den Toö." Zu dieser nationalen Antipathie der Franzosen gesellt sich die ökonomische, der Concurrenzneid. Deutsche Arbeit und deutsche Arbeiter sind ihnen unangenehme Concurrenten, deshalb suchen die Franzosen beide aus Frankreich zu verdrängen. Nicht gering ist die Anzahl der Krawalle, mit Hilfe derer französische Arbeiter französische Unternehmer zwingen, ihre deutschen Arbeiter zu entlassen, eine „Liga zum Schutz der nationalen Arbeit" ist gegründet und der Pariser Weihnachtsmarkt geht von Jahr zu Jahr zurück in Folge der nationalen Agitation gegen das harmlose — deutsche Spielzeug. Die Sage vom ioetor judaicus. Die Sage von einem specifischen Judengeruch (koetor juäaieus) ist von den Antisemiten bisher für wissenschaftliche Wahrheit ausgenommen und gebracht worden. Nunmehr constatirt das „Berliner Abwehr- Organ" die Thatsache, da > das französische Volk im Jahre 1870 auch den Preußen einen eigenen „Geruch" zuschrieb. In der „Allg. Cons. Monatsschrift" (Rov. 93) findet sich ein Auffatz über „Französische Bolksstimmungen während des Krieges 1870/71 (Nach französischen Quellen)", laut welchem die Franzosen über die Preußen wie folgt fabelten: „Zunächst bemerkte man an ihnen eine Art „Wilden Geruch", an ranzigen Talg und naffes Leder erinnernd, ode nach einer anderen Quelle, aus Tabak-, Speck- und Ledergeruc zusammengesetzt, und von solcher Schärfe, daß er sich in de Möbeln und Wänden festsetzte." Andere nannten ihn direct „Preußen-Geruch". Die „Mittheilungen" des Abwehr-Vereines in Berlin, denen Vorstehendes entnommen, bringen in der letzten Nummer nachstehende Offene Frage. Wegen Vergehens gegen § 166 wurde am 5. Februar gegen den Maler Friedrich Trauner, einen Anarchistenführer in Frankfurt a. M., verhandelt, der in einer Wählerversammlung vom 7. Juni 1893 die christliche Kirche beschimpft haben soll durch die Behauptung: „Die Christen sind Dummköpfe und Heuchler." Er erhielt 2 Monate Gefängniß. Die Kammer erkannte, der Angeklagte habe erwiesenermaßen die incriminirten Worte in einer öffentlichen Versammlung gesprochen und dadurch die Gesammtheit der Christen beschimpft. Wenn sich der Satz auch nur auf Personen beziehe, so gehe doch aus dem Zusammenhang hervor, daß er wie die ganze Debatte, auch das Unpersönliche der christlichen Kirche treffe und diese dadurch mittelbar beleidige. Die Ausdrücke „Dummköpfe" und „Heuchler" enthalten eine gröbliche Beschimpfung, deren Trauner sich bewußt sein mußte. Wenn wir den Raum von 50 Heften der „M.ttheilungen" zur Verfügung hätten, er würde nicht ausreichen, die zahllosen Beschimpfungen der Gesammtheit der Juden zu registriren, die in den letzten.15 Jahren gefallen sind. Die Folgerung ergibt sich von selbst, eine Folgerung, die für unsere RechtSzustände nicht gerade schmeichelhaft ist.

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