Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 7 (16.2.1894)
- Date
- 1894-02-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3020846-3021007-3021015--03232-3027359- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 7. Vrsterrekhiptzr WochrnfchrM Seite 125 kommen, darunter Einer, der als Reichsraths- und Landtags- Abgeordneter, sowie als Stadtrath ein solches aus den Steuergeldern von ciifca 6000 fl. jährlich bezieht, auf diesen Fremdenzufluß verzichten können. Die Gewerbetreibenden Wiens können dies jedoch nicht. Und weil sie es nicht können, so sind sie zu dem Entschlüsse gelangt, ihre Pflicht zu erfüllen und die ihren Interessen drohende Gefahr abzuwehren. Es wird sicherlich Euer Durchlaucht bekannt sein, daß jene Corporation, welche den internationalen Saatenmarkl einleitet und einberuft, die Wiener Börse für landwirthschaftliche Producte, sich mit dem Gedanken trägt, die fernere Abhaltung des Saatenmarktes einzustellen, zumal die eigentlichen Mitglieder der Wiener Fruchtbmse aus leicht begreiflichen selbstischen Gründen entschiedene Gegner des Saatenmarktes sindi Es ist klar, daß die Wiener Fruchthändler durchaus kein Verlangen darnach haben, den deutschen, französischen, schweizerischen, holländischen und belgischen Consumenten in persönliche Berührung mit dem ungarischen, hannakischen oder slovakischen Producenten zu bringen. Es ist ebenso klar, daß es den Wiener Händlern durchaus nicht genehm sein kann,, den vorgenannten ausländischen Consumenten Gelegenheit zu geben, an Stelle der wenigen Körnermuster, die sie jeweilig von den Händlern per Post zugesandt erhalten, eine nach Tausenden zählende Musterschau auf dem internationalen Traten markte vorgeführt zu sehen. Solche, auch jedem Laien völlig klare Beweagründe müssen die Wiener Fruchthändler zu Gegnern des Saatenmarktes machen, und es hat sich auch das merkwürdige Schauspiel ergeben, daß die Angriffe einer bestimmten Gruppe von Landtags-Abgeordneten in den Kreisen dieser Wiener Händler stillen, aber sehr freudigen Jubel hervorgerufen haben. Anders gestaltet sich jedoch die Sache für uns Gewerbetreibende. Wir können nicht, wir wiederholen es, wir können nicht auf den Zustrom von 5000 bis 6000 kaufkräftigen und kauflustigen Fremden verzichten. Wir leben nicht von fixen Bezügen. Wir beziehen keine Stadtrathsg'chalte keine Reichsraths- und keine Landtagsdiäten. Wir sind auf den Ertrag unserer Hände Arbeit angewiesen und wir müssen uns entschieden dagegen verwahren, daß gewissermaßen in unserem Namen Tausenden von Fremden die Thür gewiesen wird. Ganz im Gegentheil, wir erwarten und wollen, daß die insultirten Fremden wieder freudig in unserer Stadt begrüßt werden, und wir sehen deren Eintreffen im nächsten Herbste mit voller Zuversicht und voller Freudigkeit entgegen. An Euer Durchlaucht stellen wir die ticfcra^Bcne Bitte, Sie wollen geruhen, kraft Ihres hohen und mächtigen Einflusses Alles daran zu setzen, damit der Schaden, der uns durch die Nichtabhaltung des Saatenmarktes droht, vermieden und für die Zukunft völlig ausgeschloffen werde. Genehmigen Euer Durchlaucht den Ausdruck unseres vollsten Vertrauens und unserer tiefsten Dankbarkeit, mit welcher wir zeichnen als Euer Durchlaucht tiefergebenfte Josef Schlechter, Vorsteher der Genossenschaft der Buchbinder, Ledergalanterie- und Cartonnagewaaren - Erzeuger, Futteralmacher rc. rc., Wien. Gremium der Hoteliers und Fremdenbeherberger in Wien. Der Vorstand: Leopold Seiler. Johann Eichinger, Vorstand der Kaffeesieder. I. Müller, Vorstand der Genossenschaft der Bäcker. Wenzel Gotthard Zimmermann, Vorsteher der Gemischtwaarenverschleißer. Anton von Waldheim, Vorstand des Wiener Apothekergremiums. Emil M. Engel, Vorstand des Gremiums der Buchdrucker und Schriftgießer. Albert Jaschke, Vorsteher der. Juweliere, Gold- und Silberschmiede in Wien. Josef Wimmer, Vorsteher der Wiener Fleischhauergenossenschaft. Franz Jankä, Vorsteher der Genossenschaft der Glaser, Glas- Händler und Glasschleifer. Anton Panek, Vorsteher der Feinzeug-, Stahl- und Messerschmiedgenossenschaft. Heinrich Mathies, Vorsteher der Spänglergenossenschast. Franz Rieder, Vorsteher der Victualienhändler ohne Verkaufsgewölbe. A. Kohl, Vorsteher der Seilergenossenschaft. Eduard Weber, Vorsteher der Canalräumergenoffenschaft. Ludwig Bretschneider, Vorsteher der Genossenschaft der Wildpret- und Geflügelhändler. M. Eisenschimmel, Vorsteher der Genossenschaft der Erzeuger von Spiritus, Liqueur, Essig, Schaumwein, Preßhefe und Senf. Ferdinand Schromm, Vorsteher der Genossenschaft der Taschner. Josef Pauly, Vorsteher der Beltwaaren-Erzeuger. Johann Schwerdtner, Vorsteher der Graveure. Carl Graffer, Vorsteher der Büchsenmacher, Schwertfeger, Waffenschmiede und Büchsenschäfter. Carl Schrott, Vorsteher der Vergolder. Eduard Seitz, Vorsteher der Tuchscheerer. Johann Meerkatz, Vorsteher der Siebmacher und Gitterstricker. Franz Hinke, Vorsteher der Genossenschaft der concessionirten Branntweinschänker mit dem Sitze in Wien. Mathias Rausch, Vorsteher der Genossenschaft der Vogel-, Thierhändler und Thierausstopfer in Wieni Franz Herrmann, Vorsteher der Genossenschaft der Kunstblumen-Erzeuger. Ferdinand Taubler,. Vorsteher des Gremiums der Seidenwaaren-Erzeuger. Eduard Reuter, Vorsteher der Land- und Stadt - Lohnfuhrwerke. Carl Ultz, Obmann des Wiener Modeclub. Aus dem galipfchen Landtag. Lemberg, 8. Februar. Abgeordneter Merunowicz konnte nicht länger an sich halten. Die seit Wochen vorbereitete Bombe ist endlich in der heutigen Sitzung geplatzt. In seiner gewöhnlichen confusen Weise griff er in die Debatte über das galizische Volksschulwesen ein, um seine von Pfefferkorn, Rohling und anderen Autoritäten düses Schlages ausgeborgte Weisheit über den Talmud, die jüdischen Gesetzbücher, die religiösen Vorschriften der Juden, über ihre Staatsgefährlichkeit u. s. w. u. s. w. dem Hause zum Besten zu geben, um schließlich zwei thatsächlich sehr „zahme" Resolutionen einzubringen: 1. Die Regierung sei aufzufordern, den israelitischen Religionsunterricht im Wege eines Gesetzes in den öffentlichen Schulen zu regeln; 2. der Landesschulrath sei anzuweisen, in seinen jährlichen Berichten über das Volksschulwesen die Verhältnisse, betreffend den jüdischen Religionsunterricht, zu beleuchten und statistische Daten in Bezug auf die Confeffion der schulbesuchenden Jugend zu veröffentlichen. In kurzen, aber treffenden Worten antwortete Doctor Fruchtmann auf obige Ausführungen. Nicht die Anträge selbst seien es, die ign zu einer Entgegnung bestimmen. Er hätte gegen diese Resolutionen nichts einzuwenden, wenn sie nicht in einer gehässigen Weise motivirt worden wären. Die Behauptungen Merunowicz' seien unzähligemal als Absurditäten auch in diesem Hause widerlegt worden, ohne daß derselbe hievon Notiz nehmen wollte. Herr Merunowicz werde sich schließlich daran gewöhnen müssen, daß man ihn nicht mehr ernst nehmen wird. Abgeordneter Dr. Gotdmann ergriff ebenfalls das Wort und wies mit großer Schlagfertigkeit die ganz unerwartet bei dieser Gelegenheit vorgebrachten Beschuldigungen zurück. Die Angabe Merunowicz's, daß die Juden 613 „Vorschriften und Verbote" haben, sei wohl wahr — aber darüber haben sich doch wohl in erster Linie die Juden selbst zu beklagen, denen diese große Anzahl von Vorschriften Zwang auferlegt. Redner