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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-02-16 · 7 (16.2.1894) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
7 (16.2.1894)
Date
1894-02-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 7. Vesterredh tschL Wmtzrnptzrifl Sette 133 schwert" der Nichtgenehmigung der Lehrkräfte, was selbstredend auch auf deren Entwicklung nachtheilig wirken mußte und auch die Gründung weiterer Schulen unmöglich macht. Erst in den letzten Tagen soll, wie wir erfahren, die Genehmigung der letzten Lehreranstellungen herabgelangt sein. Doch ohne kleinliche — Pedanterie ging es auch hier nicht ab, die Entf ern u ng eines Lehrers an der Schule in Buczacz, wo es, nebenbei gesagt,gar keine öffentliche Schule gibt, wurde unnachsichtlich verlangt. Dieser Candidat hat sich nach Absolvirung des Untergymnasiums der Maturitätsprüfung an einer k. k. Lehrerbildungsanstalt unterzogen, wurde aber, wie es ja bei Privatisten mitunter geschieht, auf ein Jahr reprobirt. Die Anstellung an der Stiftungsschule erfolgte nur unter der Bedingung, daß er am Schlüsse des Schuljahres die Prüfung wiederhole. Der Stiftung aber erwachsen durch die Nichtgenehmigung dieser Anstellung neue Schwierigkeiten, da der Ersatz einer Lehrkraft bei dem herrschenden Mangel an Lehrern namentlich mitten im Schuljahre überaus schwierig und seine neuerliche Verschiebung im Lehrkörper nur mit Störungen verbunden ist. Wir erlauben uns nun die bescheidene Anfrage an den hohen k. k. galizischen Landesschulrath, ob nicht ein etwas größeres Maß von Wohlwollen einer Institution gegenüber am Platze wäre, die einem so weitgehenden Bedürfnisse des Landes unter so überaus schwierigen Verhältnissen in so hohem Maße entgegenkommt, wobei wir keineswegs so unbescheiden sein wollen, das gleiche Maß der Berücksichtigung für die Stiftungsschulen zu verlangen, wie es den allgemeinen Schulen in Galizien zu Theil wird. Wir glauben, die Antwort kann nicht schwer fallen, wenn es sich auch zum großen Theile nur um Juden handelt. Denn wer würde den Schaden davon haben, wenn der Stifter sich gezwungen sehen würde, seine segensreiche Thätigkeit in Galizien einzustellen? Ein Patriot. Die Maske wird gelüstet. Wir haben ein Ereigniß zu verzeichnen. In der Sitzung - der gemeinderäthlichen Budget-Commission vom 7. Februar 1894 hat sich der Antisemitismus in einem neuen Lichte gezeigt und seine wahre Gestalt enthüllt. Bisher war man vielfach geneigt, der antisemitischen Bewegung einen socialistischen Charakter zuzusprechen und bekannt ist ja das geflügelte Wort: „Der Antisemitismus ist der Socialismus des dummen Kerls von Wien!" In Deutschland haben die Judenhetzer den wohlklingenden Namen einer „Deutschen Reform-Partei" angenommen und bei uns haben sie sich „Christlich-Sociale" genannt. Hundertfältig konnte man es öffentlich und vertraulich aus dem Munde ihrer Führer vernehmen, daß die Antisemiten nicht blos gegen die „Auswüchse" des jüdischen Capitals, sondern auch gegen jene des christlichen Capitals kämpfen, daß ihr Haß sich nicht allein gegen die eigentlichen Juden, sondern in gleichem Maße auch gegen die sogenannten „christlichen Juden" richtet. Als „christliche Juden" wurden alle Besitzenden, alle Capitalisten bezeichnet, sie alle wurden als Ausbeuter und Unterdrücker des „christlichen Volkes", der „producirenden Classen" gebrandmarkt. Mit diesen Schlagworten ist man auch lange Zeit den Arbeitern um den Bart gegangen und hat sich bemüht, eine „christlich-sociale Arbeiterpartei" zu gründen, welche das Elend der gesellschaftlich Enterbten nicht blos mit dem Hinweise auf die Glückseligkeit im Jenseits, sondern auch durch die Sorge für die irdische Wohlfahrt zu lindern versprach. Zwei bedeutsame Vorfälle der letzten Tage haben nun gezeigt, daß all' diese volksfreundlichen Phrasen purer Schwindel sind, daß die Rohheit und die Selbstsucht der „Christlich- Socialen" sich nicht gegen die reichen Juden und die reichen Christen, sondern recht eigentlich gegen die Aermsten der Armen, gegen das christliche Proletariat richtet. Die Maske, welche die „christlich-sociale" Partei sich vorgesteckt hatte, ist gelüftet, der wahre Charakter dieser Partei tritt zutage. In der Sitzung der gemeinderäthlichen Budget-Commission vom 7. Februar 1894 beantragte der Tischlermeister Jedliczka, daß alle DiejWigen, welche nicht den Ausweis über die Bezahlung der Militär-Taxe erbringen können, mit Arrest bestraft werden und daß den um Ertheilung eines Gewerbescheines ansuchenden Personen dieser so lange zu verweigern sei, als sie die genossenschaftliche Jncorporationstaxe nicht bezahlt haben. Und der Seifensieder Trambauer schwang sich sogar zu dem Anträge auf, es möge jeder Arbeiter verhalten werden, in seinem Arbeitsbuche eintragen zu lassen, daß er die Militärtaxe bezahlt habe; fehle diese Eintragung, so sei er nicht in Arbeit zu nehmen, eventuell aus derselben zu entlassen. Es sind die ärmsten und unglücklichsten Menschen, solche, die körperlich zurückgeblieben oder verkrüppelt sind und die mindeste Steuerleistung von jährlich Einen Gulden nicht zu leisten vermögen, welche durch diese Anträge der antisemitischen Gemeinderäthe Jedliczka und Trambauer getroffen werden sollten. Das ist die christliche Liebe, welche der Antisemitismus predigt, das ist die Menschenliebe der „Christlich-Socialen". Der wirrhschaftliche Eigennutz, der Classen-Egoismus tritt uns in seiner abschreckendsten, häßlichsten Gestalt entgegen. Hier handelt es sich nicht um die „reichen" Juden oder um reiche Christen, nicht um die angeblichen Volksausbeuter, sondern um arme, christliche Gewerbetreibende und Arbeiter. Die Armnth wird zum Verbrechen gestempelt und sie soll nicht allein mit der Entziehung der Freiheit, sie soll mit dem Hungertode bestraft werden. Der Arbeiter, welcher seine Militärtaxe nicht bezahlen kann, soll unbarmherzig auf das Pflaster geworfen werden und noch in irgend einem Winkel elend zu Grunde gehen. Aus den Anträgen der Herren Jedliczka und Trambauer spricht der blutdürstige Jnstinct des Raubthieres. Die jüdische Lehre enthält eine lange Reihe von Vorschriften zum Schutze der Armen und wirthschaftlich Schwachen und den Inbegriff des jüdischen Glaubens bildet der Grundsatz: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." Der Grundsatz der „christlich-socialen" Gesellschaftsretter aber lautet: „Des Einen Tod ist des Andern Brot." Man könnte vielleicht glauben, daß aus den Herren Jedliczka und Trambauer die Bornirtheit des ungebildeten Mannes gesprochen. Aber diese beiden Zierden der antisemitischen Partei stehen mit ihren Anschauungen nicht allein, die akademisch gebildeten Führer der „christlich-socialen" Bewegung bekennen sich genau zu denselben Principien, wie die vor wenigen Tagen im Landtage geführte scandalöse Debatte über die Subvention des F r au en-Erwerbvere ine s beweist. Man weiß, welche humane Zwecke dieser Verein verfolgt. Er bietet armen Frauen und Mädchen Gelegenheit, sich zu einer selbstständigen Erwerbsfähigkeit auszubilden und so dem furchtbaren Schicksale zu entgehen, welchen Tausende ihrer Mitschwestern verfallen, die ihr Dasein durch die Schande erkaufen müssen. Die wohlthätige Wirksamkeit des Frauen-Erwerbvereines kommt fast ausschließlich christlichen Frauen und Mädchen zu Gute und die Antisemiten haben im Landtage die Suvention auch nicht deshalb bekämpft, weil sie darin etwa die Förderung jüdischer Zwecke sahen, sondern mit der ausdrücklichen Begründung, daß die Schützlinge des Vereines durch ihre Arbeit den Gewerbetreibenden das Brot wegnehmen. Ueber die sittliche Verrohung, die in dieser Argumentation liegt, werden wir kein Wort verlieren. Nach dieser Richtung hat der Antisemitismus niemals das geringste Schamgefühl gezeigt und es ist überflüssig, sich darob noch irgendwie zu entrüsten. Aber die Thatsache, daß die „Christlich- Socialen" die Zeit für gekommen erachten, um die heuchlerische Maske der Volksfreundlichkeit abzunehmen und den anti-socialistischen Charakter ihrer Bestrebungen zu enthüllen verdient ernste Beachtung.

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