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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-02-16 · 7 (16.2.1894) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
7 (16.2.1894)
Date
1894-02-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 122 Vrstrrreichische vor drei Jahren i'n's Leben getretene Baron Hirsch-Stiftung zur Beförderung des Volkssch ulunterrichtes im Königreiche Galizien zu kämpfen h al. Dicse Stiftung, deren Aufgabe es ist, das Licht der Bildung in die finsteren, bis jetzt der Cultur ganz unzugänglichen Massen der jüdischen Einwohner Galiziens zu tragen, und die das Land durch seine Schulgründungen in hohem Maße entlastet, hat nicht nur gegen den hartnäckigsten Fanatismus einer schulfeindlichen, den modernen Anforderungen ganz unholden Beoölkerungsschichte, die durch die Schule und moderne Gesittung erst ihren. Mitbürgern nähergebracht werden soll, zu kämpfen — eine Aufgabe, die dem Lande, auch wenn es seiner ' flicht nach dieser Richtung genügt hätte, nur schwer gelungen ' äre — sondern auch mit feindlicher Gesinnung seitens eines oßen Theiles der übrigen Bevölkerung, die, sagen wir es ar rund heraus, die Bildung der jüdischen Massen mit scheelen Augen ansieht; von den Eifersüchteleien und der mangelhaften Unterstützung seitens einrs großen Theiles der sogenannten jüdischen Intelligenz des Landes ganz zu schweigen. Trotzdem ist es der zielbewußten Leitung der Stiftung in der kurzen Zeit ihres Bestandes gelungen, zahlreiche Institutionen in's Leben zu rufen, andere bereits übernommene weiter zu entwickeln, allerdings mußte sie auch manche, die nicht den Keim der Lebensfähigkeit in sich trugen und die im Verhältnisse zu den Aufgaben der Stiftung nur beschränkten Mittel derselben zu sehr in Anspruch nahmen, auflösen, so daß gegenwärtig nebst zahlreichen anderen Anstalten zum Heile des Landes 21 Stiftungs-Volksschulen bestehen, und zwar zum größten Theile in den finstersten und ärmsten galizischen Gemeinden, die der Cultur zuzuführen schier ein Ding der Unmöglichkeit schien. Um auch den Aermsten den Schulbesuch zu ermöglichen, werden die bedürftigen Schulkinder nicht nur mit Schulbücher und Schulrequisiten versehen, sondern auch mit warmen Kleidern und Mittagskost während der Wintermonate bedacht, und wäre es nur zu wünschen, daß auch von Seite der wohlhabenderen jüdischen Bevölkerung Galiziens — von einigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen — der Stiftung mehr unter die Arme gegriffen würde, um ihr die Erfüllung ihrer übrigen weitreichenden Aufgaben zu ermöglichen. Die wohlthätige, für unser armes Land so heilbringende Wirksamkeit der Stiftung beschränkt sich aber nicht allein darauf, die jüdischen Elasten der Cultur zuzuführen, eine Thätigkeit, die selbstverständlich der Allgemeinheit moralisch und auch materiell zu Gute kommt, da sie ja dem Lande und den Gemeinden Lasten abnimmt, zu denen sie verpflichtet sind und die sie — es handelt sich doch nur um Juden, sagen wir, nicht gerne getragen haben; die Stiftung ist vielmehr, getreu den Bestimmungen ihrer Statuten nicht ausschließlich confessionell. Ihre Schulen sind auch christlichen Kindern zugänglich, und wird diese Wohllhat auch seitens der christlichen Bevölkerung bei vielen Stiftungsschulen, so in Chrzanow, Buczacz, Zablocie Sassow und anderen in Anspruch genommen, in welchen Fällen die Stiftung auch für die Ertheilung des Religionsunterrichtes an die christlichen Kinder aus eigenen Mitteln sorgt. Neben den obgenannten Schwierigkeiten der für das Land so ersprießlichen Stiftung hat sie noch mit zahlreichen anderen zu rechnen, deren Ueberwindung nur bei einigem Wohlwollen seitens der dazu berufenen Factoren möglich wäre. Dem Mangel an entsprechenden Schulubicationen sollten doch die mit Stiftungsschulen bedachten Gemeinden in wohlverstandenem eigenen Interesse wenigstens durch unentgeltliche Uebcrlassung geeigneter Bauplätze steuern, um die Aufführung eigener, den Anforderungen der Schulhygiene entsprechender Schulhäuser seitens der Stiftung zu ermöglichen. Eine der hauptsächlichsten Schwierigkeiten aber, die Beschaffung eines geeigneten Lehrermateriales ist es, welche die Thätigkeit der Stiftung am meisten hemmt und hierüber möchten wir uns einige ergebene Bemerkungen an den hohen k. k. Landesschulräth erlauben, der ja selber diese Schwierigkeiten kennt und der als berufener Wächter der Culturintereffen des Landes ohne kleinliche Parteirücksichten einer Institution entgegenkommen sollte, Worhrnschrifl Nr-? die, wie aus dem Vorausgeschicktcn hervorgeht, trotz aller Schwierigkeiten eine Thätigkeit entfaltet, welche seine eigenen Aufgaben und Ziele in so hohem Maße zu fördern geeignet ist. Ist der Mangel an qualificirtcn Lehrern schon f ü r b i c all gem einen Schulen ein so empfindlicher, daß zahlreiche Anstalten nicht eröffnet, andere nur unzureichend und mit ungenügend qualificirten Lehrermateriale besetzt werden konnten, so war es vorausz isehen daß dieser Uebelstand, wenigstens in den ersten Jahren sich in der Thätigkeit der Stiftung in viel erhöhterem Maße fühlbar machen wird. Denn es gab in Galizien nur ein sehr geringes pädagogisch geschultes jüdisches Lehrermateriale. Wozu sollten sich auch jüdische Jünglinge dem ohnehin nicht sehr verlockenden Lehrerstande widmen? Winkte ihnen ja doch bei den obwaltenden tatsächlichen Verhältniffen nicht einmal die Hoffnung auf eine noch so bescheidene Anstellung. Der Bedarf an Lehrkräften für die wenigen jüdischen Volksschulen des Landes war nur ein geringer, und an Etatschulen eine Anstellung zu finden, war ja in der Praxis — sehr schwer. Die Stiftung war sich auch von Anbeginn dieser Schwierigkeit wohl bewußt und suchte durch Creirung von Stipendien für Lehramtscandidaten mehr Kräfte dem Lehrerberufe zuzuführen. Der Erfolg blieb nicht aus und läßt für die Zukunft eine bedeutende Besserung dieser Zustände erwarten. Zahlreiche jüdische Schüler wurden theils durch die Stipendien, theils durch die Hoffnung auf entsprechende'Anstellungen für die galizischen Lehrerseminarien gewonnen. Auch ein anderer Umstand wirkte darauf hin, daß der Zudrang zu den Lehrerbildungs-Anstalten seilens der jüdischen Jugend in der letzten Zeit ein -größerer wurde. Es ist dies die Aussicht auf Anstellung als jüdische Religionslehrer in den Etatschulen. Doch bevor diese Candidaten ihre Studien beendigt haben werden, dürften noch ein' bis zwei Jahre ins Land gehen. Mittlerweile aber wäre die Stiftung kaum in der Lage, ihrer Aufgabe gerecht.zu werden, und neue Schulen zu gründen, auch auf die Erweiterung der bestehenden müßte sie verzichten und so zahlreiche Kinder der Verwahrlosung preisgeben, u. zw. einzig und allein aus Mangel an Lehrkräften, zumal ihr das Land selbst durch Anstellung von jüdischen Religionslehrern, die wohl gute Lehrkräfte für die profanen Gegenstände abgeben, aber kaum die Eignung für die Ertheilung des Religionsunterrichtes besitzen, bedeutende Concurrenz macht. Um diesem Uebelstande abzuhelfen und sobald als möglich geeignete Lehrkräfte zu gewinnen, suchte die Stiftung junge Leute zu acquiriren, die wohl nicht die volle gesetzliche Eignung für das Lehrfach haben, deren Vorstudien aber die Gewähr bieten, daß sie in kürzester Zeit die fehlenden pädagogischen Prüfungen abzulegen in der Lage sein werden. So .stellte die Stiftung mehrere Lehrkräfte an, die beispielsweise die Maturitätsprüfungen an einem Gymnasium oder ähnliche Vorstudien besaßen, und zwar unter der ausdrücklichen Verpflichtung, mit Schluß des Schuljahres die Ergänzungsprüfung an einer k. k. Lehrerbildungsanstalt abzulegen, widrigenfalls sie aus dem Dienste der Stiftung entlassen werden würden. Auf diese Weise hoffte die Stiftung dem Mangel an Lehrkräften nach Thunlichkeit abzuhelfen und sie rechnete hiebei umso zuversichtlicher auf die Unterstützung des hohen k. k. Landesschulrathes, als er sich ja selbst in die traurige Nothwendigkeit versetzt sah, an den allgemeinen Schulen Lehrer zuzulassen, die nicht nur nicht die gesetzliche Qualification, sondern, wie dies im Landtage mannigfach hervorgehoben wurde,, überhaupt nicht die Eignung für das Lehrfach besitzen. Ein Vorgehen, welches in den ersten zwei Jahren die Unterstützung der Behörde gefunden. Doch auf einmal und merkwürdiger Weise, gerade in einer Zeit, wo die Schulverwaltung die ganz unleidlichen Zustände an den Etatschulen offen bekennen mußte, änderte sich die Situation. Es wurden der Verwaltung der Stiftung in dieser Hinsicht zahlreiche Schwierigkeiten gemacht, es bedurfte erst wiederholter Vorstellungen und über die Existenz vieler Schulen hing das „Damokles-

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