Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 7 (16.2.1894)
- Date
- 1894-02-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang XI I . 7. Wien, IS, Februar 1894. Centrslorgan flir die gessmmtrn Interessen des Iudrnthums. m m R. k. Pvstfparralfrn-Anrt Clraringverkrhr Nr. 810.976. Aedsrtion und Administration: Wir» Franr Josrfs-Nuai Nr. 3. I'olapkon - Dir. «SSS S- Eigrnthümrr: Reichsraths-Abgeordrreler vr.Ktoch. Erscheint jeden Freitag. -<M' —<< ■—-— Je Man abonnirt bei allen pofianstalkrn des In- und Kuslandrs. M Srk»g»grris für Srstrrrrrck»: Halbjührig 4 ft. - 8 Fr. üinzeleremplnre 35 kr. Für'» Ausland: halbjährig S fl. — 10 Fr. ganzjährig IO „ 20 „ Anzeigen: Die 4>nal gespaltete Petitzeile IS kr. Inhalt: Leitartikel Eine höfliche Anfrage an den hohen k. k. galizischen Landesschulrath. — Die Maske wird gelüftet. — Ein Dieb als : Antisemitenführer von Oedenburg. — Zur Actiou der Abwehr. — Aus dem galizischen Landtag. — Jüdischer Chrisienhaß. — Der Deutschenhaß. — Vom Antisemitenmarkt. — Correspondenzen: Wien, St. Poliea, Pilsr». Budapest, Dresden, Berlin, Petersburg, Rußland. — Vermischtes: Wien, Stanislau, Mähr.-Aussee, Lernberg, Ezernowitz, Krakau, Prag, Zloezow. Reichenlierg, Berlin, Paris, Kiew. —- Die Sabbathfchäudenn. — Fürstcngunit Xl,VI. — Wochenkalender. Briefkasten. — Inserate. Eine höfliche Anfrage an den hohen k. k. galtzifchen Landesfchulrath. Lemberg, den 14. Februar 1894. Allenthalben werden in Galizien Klagen über die tristen Schulverhältnisse laut, unter denen die Volksausklärung empfindlich zu leiden hat. Das Organ der galizischen Lehrer: „Szkolnictwo ludowe“ (Volksschulwesen) entwirft ein überaus trauriges Bild über den Stand der galizischen Volksschuloerhältniffe. Es heißt in demselben: ' „Von allen Seiten, von Lehrern, Eltern mrd vielen angesehenen Persönlichkeiten erhalten wir unzählige Klagen über die bedauernswerlhen Verhältniffe, die auf dem Gebiete der Volksaufklärung herrschen. In erster Sinie Bitbet der Mang el an Lehrern das Grundübel unseres Schulsystems. Tausende von Schulen, von welchenjede mehrere Lehrer erfordert, müssen mit Einem Lehrer oder Einer Lehrerin, und zwar größtentheils, ohne daß dieselben die hiezu erforderliche Qualification besitzen, vorlieb nehmen. Hunderte von Schulen können ausMangel an Lehrkräften gar nicht eröffnet werden. Sogar in zahlreichen Bezirksstädten macht sich der Mangel an Lehrern extra, statmm fühlbar, die sonst sich in großer Anzahl um solche, für Anfänger sehr günstige Unterrichtsposten beworben haben. In Folge dieser traurigen Schulzustände muß jetzt der arme Volksschullehrer zwei, auch dreimal so viel leisten, als dies früher der Fall war, wodurch er seine Kräfte aufreibt, seinen schlecht genährten Organismus zu Grunde richtet und sich der Gefahr aussetzt, vorzeitig in Pension zu gehen, beziehungsweise um ein Gnadenbrot anzusuchen. Zu diesem Uebelstande gesellt sich auch noch die seitens des Landesschulrathes allzuoft angeordnete, das Gedeihen des Volksschulwesens unbedingt hemmende Aenderung der Schulbücher und Schullehrgegenstände, wodurch die armen bäuerlichen Eltern, die nicht in der Lage sind, so häufig neue Bücher für ihre Kinder anzuschaffen, eine immer größer werdende Abneigung gegen den Schulbesuch haben, ihre Kinder auch sehrselten in die Volksschule schicken, und diesem bedauernswerthen Umstande ist. es auch zu. verdanken, daß in Galizien Millionen von Analphabeten sind, die an Zahl i m m e r z u n e h m e n. Was kann das Land von einer solchen ungebildeten Bolksmasse Gutes erwarten? Zur Abhilfe gegen diese Uebelstande reicht das Wirken der Vereine für Volksaufklärung und der „Macierz polska“ nicht hin. Da muß eine vernünftige Action der ganzen Nation eingeleitet werden, um eine Verbesserung dieser jammervollen Verhältniffe herbeizuführen." Daß diese Schilderung des mit den Schulverhältniffen un/eres armen Landes genau vertrauten Organes der galizischen Lehrerschaft den Thatsachen entspricht und die obwaltenden Verhältnisse nicht mit zu düsteren Farben malt, beweist schon der Umstand, daß sich auch der galizische Landtag in seinerletzten Session mit diesen, wir möchten sagen, erschreckenden Uebelständen befaßt hat. Der mit zahlreichen statistischen Details ausgestattete Bericht des Landesschulraches über den Stand des galizischen Volksschulwesens entrollt ein nicht rrunder ttauriges Bild*) und war Gegenstand lebhafter Debatten im galizischen Landtag. Das Hauptübel liegt, wie allenthalben hervorgehoben wurde, an dem großen Mangel geeigneterer Lehrkräfte. Der Abgeordnete Harasimowitz schildert in der Debatte über den erwähnten Bericht bin materiellen Nothstand und das Elend der galizischen Volksschullehrer auf dem Lande. Die geringe Entlohnung derselben und die für sie bestehenden schlechten Avancementverhältnisse, führt der Redner weiter aus, bilden eines der wichtigsten Hindernisse für die Entwicklung des Volksschulwesens und die Verbreitung der VolksaufkÄrung. Die erwähnten Verhältnisse tragen die Schuld daran, daß man dem Mangel an geeigneten Lehrkräften bisher nicht abzuhelfen vermochte, und daß gar zu häufig ganz unberufene Leute, die vielleicht nicht einmal die Eignung als Schuldiener haben, geprüfte Lehrer ersetzen müssen. Ein Uebelstand sei es auch, daß in die Schule die Politik hineingetragen werde. Der Abgeordnete Emil von Torosiewicz meint, daß es angemessener wäre, diejenigen Schulen, an welchen Lehrkräfte mit solch'i ungenügender Qualification wirken, gänzlich zu sperren. 1 llflter diesen Verhältnissen, sollte man glauben, mußte der hohe galizische Landesschulrath jede Action zur Hebung der Volksbildung mit Freuden begrüßen' und dieselbe aus jede mögliche Weise unterstützen, namentlich, wenn sie mit solch' e x c e p t i o.n ellen Schwierigkeiten, w i e die *) Es wirkten nach demselben im Schuljahre 1892/93 an den Etatschulen 863 unqualisicirte Lehrer und fehlten im Allgemeinen 542 Lehrkräfte, ebensoviele Clasfen blieben uneröffnet. Der Mangel an qualiflcirten Lehrern betrug 1405. Die Zahl der organisirten, aber aus Mangel an Lehrkräften nnthätigen Schulen betrug 331.