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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-02-09 · 6 (9.2.1894) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
6 (9.2.1894)
Date
1894-02-09
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Sette 116 Vrsterreichischr Wochenschrift Nr. 6 Im Laufe der Rede beklagte der gelehrte Rabbiner mit beredten Worten den großen Verlust des Rabb. S. Spitzer in Wien. Jüngsten Sabbath predigte Rabb. David Kohn-Zedek in der ersten und größten Synagoge in Gegenwart des Herrn Oberrabbiners Dr. H. Adler, der Rabbinats-Asfessoreu und sehr vieler anderer angefebener Herren. Rabb. David Kohn-Zedek, welcher als Gelehrter, Schriftsteller und Kanzelredner gut bekannt ist, sprach auch diesmal sehr belehrend und begeisternd, so daß die Zeit seiner längeren gediegenen Rede wie eine Minute verschwunden ist. Während der allgemein beliebte Redner predigte, war die Zuströmung des zahlreich versammelten Publicums so groß, daß das große Gotteshaus überfüllt war, und Polizei einschreiten mußte, um den großen Zudrang zu verhindern. Paris. Während einiger Streifzüge der französischen Expeditionstruppe in Tonkin hat ein junger, jüdischer Sergeant, Namens Leon Levy, stch dadurch ausgezeichnet, daß er das Leben eines seiner Vorgesetzten Officiere, welcher von einem chinesischen Piraten überfallen wurde, gerettet hat. Nach der Rückkehr in's Lager wurde Sergeant Levy von seinem Chef wärmstens beglückwünscht und für die Kriegsmedaille vorgeschlagen. Diese Auszeichnung wurde ihm auch zur Genugthuung aller seiner Cameraden verliehen. Danzig. (T h i e r s ch u tz v e r e i n.) In der gestrigen Borstanvssitzung wurde über das rituelle Schlachten der Juden berathen. Von den Antisemiten wurde bekanntlich ein Verbot des Schächtens angestrebt und die Regierung hat mehrere hervorragende Thierärzte, darunter auch den Kreisdepartements' Thierarzt Dr. Mehrmann-Königsberg zu Gutachten aufgefordert. Alle diese Gutachten stimmen in dem überein, daß das Schächten eine Thierquälerei nicht darstelle. Der Vorstand beschloß, für den Fall des Erforderns eines Gutachtens sein Votum in demselben Sinne abzugeben. Rom. Aus einer Mitthcilung des Amtsblattes über Veränderungen im diplomatischen Corps entnimmt man die Tharsache, daß in Italien ein Jude den Titel Marquis führt. Es ist dies Sgr. Teofilo Rodolfo Cahen. Marchese di Torre Alfina, welcher von der italienischen Gesandtschaft in Madrid nach Paris versetzt wurde. Italien war der erste Staat, welcher in neuester Zeit einen Juden als Minister an einen europäischen Hof geschickt hat. Graf Hierschel di Minerbi, welcher seiner Stellung nach gleich nach dem italienischen Gesandten in London rangirt und in dessen Abwesenheit Charge d’Affaires ist, ist unser Glaubensgenosse. Fürstengunst. Roman von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel". Jeder «»befugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetzungs- 45) rechte Vorbehalten.) Der Markgraf hatte den Worten des Prinzen mit großer Spannung gelauscht; als dieser von seinen Verdiensten um Kaiser und Staat sprach, hatten seine Augen freudig aufgeleuchtet, aber bei den Schlußworten verfärbte er sich vom Neuen und biß sich heftig auf die Lippen; aber Eugen wollte dem Markgrafen am Boden des bittern Kelches doch noch einen Tropfen Honig finden lassen und fügte nach kurzer Pause hinzu: „Wie mir der Privatsecretär Seiner Majestät des Kaisers, der die Einqabe der Stände gelesen, mitgetheilt, sollen diese an einigen Stellen in ihrer Ausdrucksweise den ihrem Landesherrn, Ihnen Durchlaucht, schuldigen Respect verletzt haben und da der Conferenzrath bei seiner Enunciation die Rechte jeder Partei schützt, wird er seinerseits dem Kaiser empfehlen, derselbe geruhe, den Herren Landständen von Ansbach seine allerhöchste Mißbilligung über einzelne, in dem allerhöchsten Erlasse genau anzuführende Redewendungen auszusprechen und dieselben in allerhöchsten Ortes gerichteten Eingaben strengstens zu verbieten." „Träs bien, mon tres eher prince!“ kicherte der Markgraf im höchsten Discante, „wenn nur die Filous, die Stände, nicht ganz leer ausgehen; wenn auch sie einen Klaps bekommen, dann ist's gut!... Herr Gott! Sie haben mich in derThat beruhigt, bester Prinz. Nach des Kaisers Empfang hatte ich schon das Aeußerste befürchtet. Ich danke Ihnen viel tausendmal! Ich werd's Ihnen nie vergessen!"* Der Markgraf zog eine reich mit Brillanten besetzte goldene Uhr aus der Tasche und sah auf dieselbe. „Schon halb°acht! wie angenehm mir die Stunden in Ihrer liebenswürdigen Gesellschaft verflossen sind! — Nochmals besten Dank für alle Ihre Liebenswürdigkeit und Güte.Ich bin für heute Abend zum Reichshofrathpräsidenten geladen, Sie werden wohl auch dort erscheinen?" „Allerdings." Also au revoir*) beim Grafen Windischgrätz!" Der Markgraf reichte dem Prinzen die Hand und wollte der Thüre, durch welche er eingetreten, wieder zuschreiten, aber der Prinz wollte es vermeiden, daß er mit Fränkl zusammenkäme und sprach, auf eine gegenüberliegende Thür deutend: „Durchlaucht! wenn Sie die Gnade haben, durch dieses Zimmer zu gehen, gelangen Sie bequemer und rascher zur Treppe." Als der Markgraf das Gemach verlassen, berief der Prinz durch ein Glockenzeichen den Kammerdiener und befahl ihm, Fränkl, der im Antichambre wartete, eintreten zu lassen. „Ich habe Sie warten lassen müssen", sprach Eugen. „Der Markgraf war zu Besuch bei mir und ich habe die Gelegenheit benützt, mit ihm über Sie und die Ihrigen zu sprechen. Ich fand ihn für Sie und Ihren Vater außerordentlich günstig gestimmt. Es hat sich in seinen Anschauungen ein völliger Umschwung vollzogen. Er hat die Ueberzeugung gewonnen, daß die Feinde Ihres Vaters seine eigenen Feinde sind und diesen in nichtswürdigster Weise verleumdet haben. Die beiden Geistlichen Haendl und Meelführer, welche die Bücher, die Ihr Vater besessen, geprüft und diesen und jene verdammt hatten, sind zu lebenslangem Kerker verurtheilt. Er sehnt sich darnach, Sie zu sprechen, allein ich glaube, daß eine Begegnung mit ihm Ihnen peinlich werden müßte und ich habe es übernommen, seine Entschuldigung bei Ihnen zu übermitteln." „Ich bin Ihnen auch hierfür zu höchstem Danke verpflichtet", schaltete Fränkl mit einer tiefen Verbeugung ein. „Der Fürst versicherte, er wolle, was in seiner Macht steht, aufbieten, Alles wieder gut machen. Er wird in einem Decrete, dem die größte Verbreitung und Publicität verliehen werden soll, die Schuldloserklärung Ihres Vaters aussprechen, das Edict, mittelst welchem auf Ihrem und der Ihrigen Köpfe, ein Preis ausgeschrieben, für null und nichtig erklären, Ihnen die Rückkehr nach Ansbach gestatten, Ihren Vater, wenn er noch am Leben ist und es wünscht, in.sein voriges Amt wieder eiusetzen." „Ich habe meinen Vater,..seitdem ich ihn zu retten versuchte — es sind dies jetzt über anderthalb Jahre — nicht gesehen und habe seit dieser Stunde nichts über ihn gehört. Höchst wahrscheinlich ist es, daß mein Vater sich seiner wiedergewonnenen Freiheit nur wenige Minuten erfreuen konnte und mit seinem treuen Diener in den Fluthen der Schwabach sein Grab gefunden. Allein in keinem Falle werden wir von der Erlaubniß, nach Ansbach zurückzukehren, Gebrauch machen. Ich kann mich einer tiefen Abneigung gegen den Markgrafen Friedrich Wilhelm nicht erwehren. Er ist einer wahrhaft edlen Regung nicht fähig. Wenn er auch das schwere Unrecht, das er an uns begangen, einsieht, kann er sich doch nicht so weit emporschwingen, dasselbe wieder gut zu machen. Der Markgraf hat unser Vermögen, das in Ansbach lag, das seine raubgierige Hand zu erreichen vermochte, confisciri. Durchlaucht, Sie hatten die Gnade, mir mitzutheilen, er hätte erklärt, Alles wieder an uns gut zu machen; aber er sprach nur davon, uns für unschuldig zu erklären und die Rückkehr in sein Ländcheu zu gestatten; aber der habsüchtige Markgraf, der das uns geraubte Vermögen in tollster Verschwendung, in sinnlosester, unwürdigster Weise vergeudet, hat gewiß n'cht mit einem Worte erwähnt, daß er uns seinen Raub zurückerstatten wolle." „Das hat er allerdings nicht gethan", meinte Eugen. „Wenn Sie es wünschen, bin ich bereit, Ihre gerechte Forderung mit aller Energie zu unterstützen. Ich bin sogar überzeugt, daß, wenn ich dies thue, Sie gar nicht nöthig haben werden, die Hilfe des Reichsgerichtes und des Kaisers gegen Ihren ehemaligen Landesherrn anzürufen." Fränkl verbeugte sich tief und sprach; „Euer Durchlaucht, ich danke für Ihre nimmer endende Gnade, aber ich erkläre, daß wir auf jeden Rückersatz verzichten. Markgraf Friedrich Wilhelm würde es unfern unschuldigen Glaubensgenossen in seinem Lande bitter entgelten lassen, wenn er gezwungen würde, eine große Summe, die er schon lange Zeit als sein Eigenthum betrachtet und die er wahrscheinlich auch verausgabt hat, zurückzuzahlen." *) Auf Wiedersehen.

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