Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 6 (9.2.1894)
- Date
- 1894-02-09
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 6 Vrstrrreirirtfchr Worhenschrtfl Sette 115 Oederrbirrg. Das hier in allgemeiner Achtung stehende und mit den angesehensten Familien verwandte Ehepaar Herr M. A. und Frau Katharina Dux feierte das Fest seiner goldenen Hochzeit. Zu Ehren des Jubilanten, welcher Bice-Präses der Gemeinde ist, veranlaßte der zum Stadtrepräsentanten gewählte Gemeinde-Präses, Herr Dr. Winkler, eine Tempelfeier beim Samstags - Gottesdienst, für welchen der Obercantor Deutsch einen eigenen Mischaberach verfaßte. Am Sonntag, als am eigentlichen Jubiläumstage, begrüßte der Gesammtvorstand, die Schulcommission das Jubelpaar in der Wohnung und der Schuldirector Rabbiner Elias richtete an dasselbe eine geistreiche Ansprache, welche alle Anwesenden tief ergriff. Der greise Jubilar dankte gerührt für die Beweise der Theilnahme. Ein opulentes Mahl im engeren Familienkreise bildete den Schluß dieser seltenen Feier, an die auch die Armen dankerfüllten Herzens denken werden. — Die neuerwählte Präsidentin des hiesigen Frauenwoblthätigkeitsvereines Frau Bethlen hat durch Veranstaltung eines mit Tombola verbundenen Tanzkränzchens d m Vereinsfonde ein Reinerträgniß von 300 fl. zugeführt, und dieses glänzende Resultat verdankte man neben der energischen Präsidentin und dem wackeren Comite besonders der unermüdlich Uhätigen-Frau Charlotte Biringer. An diesem geselligen Unterhallungsabend, an welchem Persönlichkeiten der verschiedensten Confessionen bis zum Morgengrauen in animirter Stimmung zusammen verweilten, zeigte es sich, wie leicht es gelingen könnte, die confessiouellen Schranken zu durchbrechen. Es bedarf blos eines tactvollen energischen Eingreifens. Prerau. Die hiesige israel. Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten. Dienstag, den 30. Jänner, 11 Uhr Nachts, entschlief nach langem, qualvollen Leiden Herr Eman. Mandl in seinem 75. Lebensjahre. Der Heimgegangene, welcher sein . ganzes Leben hindurch dem Judenthum treu anhing und wegen seines biederen Charakters einer allgemeinen Achtung sich erfreute, hinterließ eine Gattin. 7 Söhne und 4 Töchter, welche in der Gesellschaft geachtete Stellungen einnehmen. L. L. Troppau. (Antisemitismus im Theater.) Die neue antisemitische Gemeinde-Repräsentanz hat — den früheren alle Theaterkreise zufriedenstellenden Theater-Director fallen lassend — die Leitung des hiesigen Stadttheaters waschechten Antisemiten übertragen. Sei es, daß sich große Kreise der hiesigen Bevölkerung vom Theaterbesuche fernhielten, sei es der Mangel jeglicher Erfahrung der gegenwärtigen Leitung — kurz der „Krach" ist eingetreten und. die armen Schauspieler in Noth versetzt. Die Verhältnisse hier sind, seitdem die Antisemiten das Regiment führen, so geartet, daß noch auf andern Gebieten manche Enttäuschungen zu gewärtigen sind. Ob es dann zur gewünschten Remedur kommen wird, ist bei der Zerfahrenheit der einschlägigen Factoren fraglich. Lemberg. Der „Carmel" meldet: Der Oberrabbiner Jsac S ch m e l k e s in Przemysl, unstreitig die größte talmudische Autorität in Galizien, ist nun definitiv zum Oberrabbiner der israel. Cultusgemeinde in Lemberg designirt worden. Wir können der berühmten Gemeinde der galizischen Landeshauptstadt zu diesem Entschluß nur Glück wünschen. Rabbi Jsac Schmelkes aus Przemysl stammt aus einer hochberühmten uralten Rabbinerfamilie und genießt in ganz Galizien allgemeine Verehrung. Zu seinen Schülern zählt auch der Reichsrathsabgeordnete Dr. Bloch, der ihm eine kindliche Zuneigung bewahrt. Agram, 29. Jänner. (Hymen). Im hiesigen israel. Tempel fand gestern Nachmittags eine glänzende Trauung statt. Der Chef des Fiumaner Haüdelshauses Breßlauer u. Kemeny, Herr Isidor Breßlauer, führte Frl. Bertha Kolmar, die Tochter des Gemeinderathes' und Vicepräsidenten der Croatischen Commercialbank, Herrn Edmund Kolmar, zum Traualtäre. Dem feierlichen Acte wohnte ein außerordentlich zahlreiches, die weiten Räume des Gotteshauses bis in-den letzten Winkel füllendes Plublicum bei; in. den ersten Bankreihen sah man Ihre Excellenz Gräfin Margit Kh u en - H e d erv ür y und Corpscommandanteu FML. Freiherr von Bechtolsheim, Präsidenten Skerlek, Oberstaatsanwalt Spitzer, Frau Dr. Stefan Spevec. Grafen Stefan Erdödy, Obergespan Kovacevic, die Abgeordneten Dr. Franz Spevec, Ludwig v. Galliuff und Peter Sliepcevic, Oberst Ritter v. Göttlicher, Seclionsrath v. Walter, k. Rath Josef Macvansky, Finanzrath Stengl, Director I. F. Devidä, Gutsbesitzer Karl v. Mihalovich, Regierungs-Secretär Smrekar, Concipist v. Hrvoic u. A. Dem vom Oberrabbiner Dr. Jacobi vollzogenen Trauaete folgte am Abend ein Symposion in den Räumen des Musikvereines, welchem außer den meisten der bereits genannten Herren auch die Directionsräthe der Croatischen Commercialbank: Präsident Franz Arnold, Sectionsraih Dr. Mallin, Milan Stankovic und Dr. Lorenz Vidric, die Aufsichtsräthe Abg. Nicolaus v. Czernkovich, Vicedirector Julius Senoa und Jgn. Farkas nebst dem Anstaltsdirector Max Frankl, weiters Gerichtshof-Präsident Dr. v. Rakodczay, Senator Hudovsky, Rechnungsrath Dutkovic. Landes- Cassenvorstand Nestor Halagic, Landtags - Quästor Theodor Kuzmanovic und die zahlreichen Angehörigen der durch diesen Herzensbund vereinigten Familien beiwohnten. Grzymalow. Der hiesige Rabbiner Jacob Weidenfeld, welcher weit über die Grenzen dieser Gemeinde Anhänger und Verehrer zählte, ist am 28. Jänner, nachdem er durch 29 Jahre das Rabbinatsamt bekleidete, in ein besseres Jenseits abberufen worden. Geboren 1838 zu Stanislau, entstammte er einer berühmten Rabbinerfamilie und war ein Schüler des Rabbiners Horowitz in Stanislau. Seit dem Jahre 1865 wirkt er in unserer Gemeinde. Am 25. Jänner 1894 erkrankte er an Influenza, der er schließlich erlag. Er hinterläßt eine Witwe mit 6 Kindern. Das Leichenbegängniß des theuren Dahingeschiedenen fand am 29. Jänner unter Betheiligung einer zahlreichen Menschenmenge, welche von der ganzen Umgegend herbeiströmte, statt. In der Synagoge, wohin man die Leiche brachte, hielt der Schwiegersohn des Verblichenen, Rabbiner Rubin, einen rührenden Nachruf, wo dann Herr Rabbiner Rohatin aus Zloczow, ein Freund des Verstorbenen, das Wort zu einer großen Trauerrede ergriff, welche auf die ganze Trauerversammlung einen tieferschütternden Eindruck gemacht hat. Samuel M a r g u l i e s. Berlin. (Die „Antisemitische Vereinigung für Norddeutschland") erläßt einen Aufruf an die Gesinnungsgenossen, worin es heißt: „Im Eifer des Wahlkampfes haben Äiizelne sich für die Sache geopfert, sind Verpflichtungen für die Gesammtheit eingegangen. Diese Ehrenschulden müssen endlich getilgt werden, auch die Freudigkeit bei der Arbeit für unsere Sache darf nicht getrübt werden. Gesinnungsgenossen! . . . Wie unsere Vorfahren in den Befreiungskriegen opferten, so opfert jetzt Euer Scherflein. Gebe Jeder nach seinen Kräften. Auch die kleinste Gabe ist willkommen." Die Agitation der Ahlwardt-Partei in eine Reihe zu stellen mit den Befreiungskriegen — das ist wahrlich der Gipfel der Unverfrorenheit unserer Geschäftsantisemiten. Berlin. (Spät aber doch.) Der deutsche Kaiser hat den berühmten Hebraisten und Bibliographen, Tr. Moritz Steinschneider, einen gebürtigen Oesterreicher, zum königlichen Professor ernannt. - Paris. Die bekannte Pianistin Mlle. Clotilde Klöeberg wurde zum Officier der Academie ernannt. M. Leon Carvalho, Director der komischen Oper, wurde zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. M. Maurice Lövy, Mitglied des Institutes de France und Professor am College de France, sowie dessen Bruder M. Theodor Lsvy, beide Chef-Ingenieure für Weg- und Brückenbau, wurden zu Generalinspectoren ernannt. Aus Bayonne berichtet man den Tod von Madame Auguste Furtado, einer Tante der bekannten Pariser Philantropin Madame Furtado-Heine. Bor einigen Jahren hat die Verstorbene zur Erinnerung an ihren seligen Gatten, welcher Präsident des jüdischen Consistoriums von Bayonne war, der Stadt eine Spende von Frcs. 50.000 zur Errichtung eines wohlthätigen Franeninstitutes gewidmet. Mit der Verstorbenen erlischt der berühmte Name der Furtado. Paris. Bedeutende Züge russischer Auswanderer kommen unausgesetzt hier an. Diese armen, im vergangenen Jahre aus Rußland ausgewiesenen Leute hatten es versucht, sich in der Türkei oder im Norden Afrikas niederzulassen. Da sie in den mittelländischen Gegenden nicht die nöthigen Existenzbedingungen antrafen, wollen sie nach Amerika ziehen. Das Oowitß de Bienfaisance israelite zu Paris empfängt und unterhält sie während ihres Aufenthaltes in Paris und übernimmt es, diejenigen auf Kosten der Alliance nach Amerika zu schicken, die ein Handwerk verstehen, kräftig sind und den Eindruck machen, daß sie im Stande wären, in den Vereinigten Staaten ihren Unterhalt zu verdienen.. Die vom Central-Comite für diese Expeditionen gemachten Ausgaben waren sehr bedeutend im Jahre 1893. Sie betrugen nahezu 100.000 Francs. Londov, Jänner 1894. Herr Rabbiner Joseph Kohn- Zedek hatte Sonntag den 14. d. M. in der hiesigen Synagoge der Holländer Gemeinde über den seligen Herrn Lölvenstein, Oberrabbiner zu Haag (Holland), eine Trauerrede gehalten.