Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 6 (9.2.1894)
- Date
- 1894-02-09
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 114 Vrstrrrrdtzifchr Wochenschrift Nr. 6 ländischen Industriellen, welche vom Finanzausschüsse gehört wurden, gewährt habe. Dieselben waren durch Herrn Henry Latzko, einen Woll-Jndustriellen aus Brünn vertreten, welcher den Finanzausschuß dahin informirte, daß ein Zoll von 35 Percent ad volorem sür Wollwaaren es den ausländischen Fabrikanten ermöglichen würde, ihre Fabricate mit Nutzen in den Vereinigten Staaten abzusetzen. Die Majorität des Finanzausschusses hat seinen Wunsch bis auf 5 Percent erfüllt, eine Differenz, welche durch die übliche geringere Bewerthung bei der Verzollung mehr als compensirt erscheint. L L. Brünn. (Zum Empfang des Statthalters) in der letzten Woche war auch der Landesrabbiner Dr. Placzek erschienen und erfreute sich seitens des Statthalters, sowie der Spitzen der Behörden und der Magistratur einer auszeichnenden Aufmerksamkeit. Prag. (Jubiläum.) Gestern feierte der Prager Oberrabbiner-Stellvertreter Herr Dr. Moriz Tauber das Jubiläum seines vor 25 Jahren erfolgten Amtsantrittes als Prediger der Neusynagoge. Die aus diesem Anlasse in dem genannten Bethause abgehaltene Feier nahm einen sehr würdigen und für den Jubilar außerordentlich ehrenden Verlauf. Die Synagoge war festlich geschmückt und zahlreiche Festtheilnehmer hatten sich ein^ gefunden, so der Vorstandstellvertreter der isr. Cultusgemeinderepräsentanz Herr Dr. Ludwig Bendiener an der Spitze mehrerer Mitglieder derselben, die Vorsteher und Rabbiner aller Prager, und vorortlichen Synagogen, die Vorstandsmitglieder der Neusynagogc, sowie mehrere Professoren des Neustädter Gymnasiums, zu dessen Lehrkörper Herr Dr. Tauber zählt. Es wurde hierauf eine Andacht abgehalten, in deren Verlauf der Obercantor Herr Brod einen Segensspruch über den Jubilar sprach. Herr Dr. Tauber hielt hierauf eine Festpredigt, in welcher er in weihevoller Rede eine Rückschau auf seine 25 jährige Thätigkeit als Seelsorger hielt und die auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machte; der Redner schloß mit einem Segensspruche auf das Herrscherpaar und das ganze kaiserliche Haus, auf das Vaterland, die Gemeinde und deren Vorstände, sowie auf alle Anwesenden. Nach Beendigung des Gottesdienstes war Herr Dr. Tauber in seiner Privatwohnung Gegenstand herzlicher Ovationen. Zahlreiche Agitationen der verschiedenen Gemeinde- Corporationen beglückwünschten den Jubilar und überreichten kostbare Ehrengeschenke. Besonderes Aufsehen erregte ein wunderbarer Pocal, den die Vorstandsdamen des Vereines für israel. Feriencolonien überreichten. Möchten dem verehrten Manne, der in allen seinen Stellungen, sei es als religiöser Führer, sei es als Verkünder des Gotteswortes, sei es als warmherziger begeisterter Lehrer der reiferen Jugend, sich mit Recht der wärmsten Sympathien der ganzen Gemeinde erfreut, noch ungezählte Jahre in rüstiger und freudiger Arbeit im Dienste des Herrn gegönnt sein. Pilsen. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde hat am 4. Februar d. I. in seiner außerordentlichen ad hoc einberufenen Plenarversammlung dem Vereine zur Abwehr des Antisemitismus für das mannhafte Eintreten zum Schutze der israelitischen Mitbürger, welche sowohl im gesellschaftlichen als im geschäftlichen Leben durch die widersinnigsten, gefühllosesten, dem Geiste des Jahrhunderts hohnsprechenden Angriffe verrohter und geistig verkrüppelter Existenzen bedroht werden, einstimmig den Dank votirt und diesen zur Kenntniß der Vereinsleitung gebracht. Budapest. (Bei den Neuwahlen in die Direction der Budapest er „Ersten vaterländischen Sparkasse") wurden in den Directionsrath designirt: L. Kune Wälder, Edmund S z i t a n y i, in den Aufsich tsrath Alois Ungar und Sigmund Laszlo. Die Direction der Wiener Sparkasse ist jedoch nach wie vor judenrein. Raab. Der hiesige israelitische Frauenverein arrangirte zu Gunsten seiner Hausarmen in den glänzend beleuchteten und prachtvoll decorirten Räumen des „Lloyd" einen Geselligkeitsabend, welcher von günstigstem Erfolge begleitet war. 130 Paare tanzten die erste Quadrille. Anwesend waren Ober-, gespan Graf und Gräfin Laßberg, Stadthauptmann Dr. Armin Angyal, Dichter und Redacteur Julius Szavay, Schriftsteller und Redacteur Professor Lasz, die Richter der königl. Tafel Rohrer und Lupiu, Ministerial-Concipist Dr. Julius Kautz jun. und noch viele Honoratioren — alle sammt Gemalinnen, was in der ganzen Stadt den besten Eindruck machte. Vor denk Tanze hielten Vorlesungen Frau Wilbrandt-Baudius aus Wien von Petöfy, Kiß, Scheffel, Heyse, Ad. Wilbrandt, Andersen, Wilhelmine Popper und Fillinger. — Die Schriftstellerin Frl. Wilhelmine Popper war anwesend und wurde durch eine Ovation, des Gesammtpublicums freudig überrascht, nicht endenwollender Applaus begleitete sie auf's Podium, wo ihre und der Frau Baudius Berueigung mit brausenden Eljen empfangen wurde. Die von dem glänzenden Erfolg animirte Präsidentin Frau Sigmund Herzl beschloß, im Vereine mit der Vicepräsidentin Frau Dr. Sal. Rauschburg, der Cassierin Frau Dr. Emerich Leszlenyi und dem Ausschüsse recht bald einen zweiten Abend zu arrangiren. Sz. G. V. Piesling, den 3. Februar 1894. Gestern' hielt hier unser hochgeehrter Herr Rabbiner Dr. N. Frankel einen Nachruf für weiland Dr. Jellinek, Oberrabbiner in Wien, der einen starken Eindruck auf die andächtig lauschende Versammlung machte und der nicht sobald vergessen werden wird. Bisenz. (Gedäch tnißrede über Dr. Adolf Jellinek, dem größten jüdischen Prediger des neunzehnten Jahrhunderts.) Am 3. d. M. hielt Se. Ehrwürden Herr Dr. S p i r a eine Erinnerungsrede über Dr. Adolf Jellinek. Er schilderte das Leben und Wirken des Verblichenen, die schriftstellerische Thätigkeit desselben in rhetorischer, wissenschaftlicher und philosophischer Hinsicht und setzte namentlich die politischen Ansichten des Dahingeschiedenen auseinander. Die gediegene Rede machte auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. Kremsier. Vor den versammelten Mitgliedern der Gemeinde und sämmtlichen hiesigen Mittelschülern hielt Herr Rabbiner Dr. Frankl-Grün am verflossenen Samstag eine Gedächtnißcede auf den seligen Dr. Adolf Jellinek, der sich um den cultuellen und wissenschaftlichen Fortschritt in seinem engeren Vaterlande Mähren besonders verdient gemacht hat. Durch die Errichtung einer Stiftung, die seinen Namen tragen soll, möge sein Name verewigt werden! Waag-Neustadtl. Bei der am 30. Jänner stattgehabten Richterwahl wurde Herr Bernhard Eliasz unter großer Begeisterung der gesammten Bevölkerung einstimmig zum Richter gewählt. Herr Bernhard Eliasz bekleidet diese Stelle schon seit Jahren und erfreut sich nicht nur der Anerkennung seiner Mitbürger, sondern wurde ihm auch von Seite des Comitates mehrfache ehrenvolle Auszeichnung zu Theil. Lange Zeit hindurch hatte er auch das Präsidium der Cultusgemeinde inne und wurde noch mit anderen Ehrenstellen seitens seiner Mitbürger bedacht, die wissen, daß sie in. seiner Person einen Vertreter haben, der in uneigennütziger Weise bestrebt ist, ihr Wohl zu fördern. Dicsö-Szt. Marton. Der am 5. November 1893 einstimmig zum Bezirksrabbiner gewählte Rabbiner Max Marton aus Kövajo-Oers, Com. Zala, hielt am 18. Jänner seinen feierlichen Einzug'. Schon bei der Centralstation erwartete ihn eine vornehme Deputation, die sich bei den späteren Stationen immer vergrößerte. Der Vorsteher Herr Dr. Hirsch begrüßte den Rabbiner in einer ungarischen Anrede, die Se. Ehrwürden in derselben Sprache beantwortete. Zum Samstag-Gottesdienst am 21. v. M. hatte eine Deputation den Rabbiner abgeholt, geleitete ihn in den Tempel zur Jnstallationsfeier, an welcher eine zahlreiche Versammlung aller Confessionen theilgenommen. Unter den Anwesenden sah man die Richter, die Geistlichkeit, die Directoren und Lehrer der Staatsschulen, Vertreter des Adels und des Bürgerstandes. In einer schwungvollen Ansprache übergab der Vorsteher Herr Dr. Hirsch dem neuen Rabbiner die Kanzel, dessen Antrittsrede. allgemeinen Beifall entfesselte. Die Feier hat bei allen Anwesenden einen großen Eindruck zurückgelassen. Kuttenplan. Die Jahresgedenkfeier für die verstorbenen Mitglieder der Chewra-Kadischa, welche alljährlich am Rüsttage des Monat Schwat stattfindet, hatte auch Heuer alle Gemeindemitglieder in dem entsprechend beleuchteten und decorirten Tempel versammelt. Unser Rabbiner, Herr H. Weiner, nahm die Gelegenheit wahr, um in seiner Predigt, welche die „Pietät im jüdischen Volke" zum Thema hatte, dem kurz vorher verschiedenen Dr. Adolf Jellinek einen warmen und liefempfundenen Nachruf zu halten, der auf die Anwesenden einen nachhaltigen Eindruck ausübte. Nach dem Gottesdienste fand unter Vorsitz des Obmannes, Herrn Albert Kraus, die Generalversammlung der Chewra statt, in welcher über Antrag des Vorsitzenden eine durchgreifende Aenderung der Statuten beschlossen wurde. In den Vorstand der Chewra wurden gewählt: Herr Albert Kraus in Plan als Obmann, Herr I. Epstein in Kuttenplan als Obmann-Stellvertreter, Herr S. Hecht in Plan als Rechnungsführer und die Herren S. Schwager und M. Fischer aus Plan als Revisoren.