Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 6 (9.2.1894)
- Date
- 1894-02-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 6 Vrsterrrichlptze wochenschrM Seite 113 Sonnenschein, Cassier, Beamter der Oelindustrie-GeseÜschaft, XVI., Marktplatz 4; Isidor Berkowitz, Schriftführer, Perlmutterknopfhändler, XVII., Ottakringerstraße 100; Julius Jungmann, Rechnungsführer, Cafetier, XVII., Ottakring, Hauptstraße 21. Ersatzausschüsse: Rubin Porges, Leon Taschmann, Carl Koch, Osias Atlas. Die weiteren Ehrenstellen der verschiedenen Sektionen wurden durch bewährte, für die gute Sache warmfühlende Männer besetzt, und erhoffen wir dadurch das beste Prosperiren des Wohlthätigkeitsvereines. Wien, 6. Februar 1894. In der am 31. v. M. abgehaltenen Versammlung des israelitischen Bethausvereines „Brigittenauhielt Herr Lehrer Josef Weiß einen längeren, formvollendeten Vortrag, der dahin ausklcurg, die zahlreich erschienenen Glaubensgenossen mögen mit vereinten Kräften dahin streben, der großen, mittellosen Bevölkerung der Brigittenau ein würdiges Gotteshaus zur Verfügung zu stellen. Jeder Einzelne möge in diesem Sinne in seinem Bekanntenkreise wirken und zur Widmung von Spenden anregen. Redner wurde nach Beendigung seiner geistvollen Ausführungen durch allgemeinen, lebhaften Beifall ausgezeichnet und sofort folgten einige Herren der von ihm gegebenen Anregung, indem höhere Beträge zum Tempelbau votirt wurden. Wien, 6. Februar. Der humanitäre Geselligkeitsverein „Rudolfsbund" veranstaltete im Vereinslocale 2. Bez., Praterstraße 11, anläßlich des Jahrestages des Hinscheidens weiland Kronprinzen Erzherzog Rudolf am 3. Februar d. I. eine solenne Gedenkfeier die einen äußerst würdigen Verlauf nahm. Ein distinguirtes Publicum war erschienen, um an der patriotischen Trauerfeier theilzunehmen. Am Podium hatte der k. k. Polizeicommissär Platz genommen und hielt nach Eröffnung der Versammlung durch den Obmann Herrn Josef Pollak der Schriftführer des Vereines Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Ludwig Pisk die Gedenkrede, in welcher er in tadelloser Form die Vorzüge des Verewigten und die Tendenzen des Vereines, der sich an der Bahre des Verblichenen coustituirte, beleuchtete. ' Im Laufe der Rede erhob sich das Auditorium und hörte dieselbe stehend an. Als der Redner dann ein Hoch auf den Kaiser ausbrachte, da gab es nicht enden wollende Hochrufe. Ein Vorstandsmitglied hielt dann einen Vortrag über praktischeHumanität, in welchem er die historische Entstehung der Armenpflege entwickelte und Vorschläge über praktische Ausübung der Humanität machte. Reicher Beifall lohnte die Ausführungen dieses Redners. Bei dem hierauf stattgehabten Bankett ging es gar fröhlich zu. Besonders gefiel ein von Dr. Ludwig Pisk verfaßtes und höchst wirksam oorgelesenes Märchen „Aus d e r S t e i n z e i t". Erst in weit vorgerückter Stunde schloß die ebenso würdige als gemächliche Feier. Wien. (Gewerbliche Excursio n.) Der Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien veranstaltete unlängst eine Excursion in das k. k. technologische Gew e rbe m u s e um und besichtigte die Lehrwerkstätten, Versuchsanstalten, sowie die Ausstellung der Schulerarb eiten und den Kl e i n g e w e r b e s a a l. Am Schlüsse der Excursion hielt der Vereinspräsident Herr S. Bro d eine lebhaft acclamirte Ansprache an die 180 Köpfe zählende Versammlung, in welcher er auf die Wichtigkeit des Gesehenen hinwies und des Niederösterreichischen Gewerbevereins als Gründer, der Regierung als Förderer dieses Institutes gedachte, ganz besonders aber die verdienstvolle Thätigkeit des Direktors der Anstalt, Herrn Hofrathes Exner, würdigte. Ein auf Herrn Hofrath Exn er ausgebrachtes Hoch fand stürmischen Beifall. Nachdem dem Herrn Adjunrten Loos der Dank für die Führung und Erläuteruug von Seite des Präsidenten und der Versammlung ausgedrückt worden war, begab man sich zu einer geselligen Zusammenkunft. Wien. (Ein aufopfernder jüdischer Arzt.) Der Arzt wollte sich gerade zur Ruhe begeben, wenngleich die zehnte Nachtstunde noch nicht vorüber war. Da er jedoch oft des Nachts zu Kranken berufen wurde und zeitlich Morgens das Haus zu verlassen pflegte, suchte er müde sein Bett auf. Da klingelt es heftig an der Thür. „Der HerrDoctor möchte rasch zu Herrn kommen, es geht ihm sehr schlecht!" Sofort kleidete sich Dr. Weinberg an und verfügte sich eiligst an Ort und Stelle in der Stistgasse im VII. Bezirke. Es war die höchste Zeit, der Zustand des Patienten ein überaus bedenklicher, ärztliche Hilfe dringend nöthig. Ohne den Ueberrock abzulegen, tritt der Arzt sofort zu dem Kranken, trifft einige Anordnungen und befühlt den Puls. In diesem Momente ereignete sich etwas Schreckliches. Der Doctor wankt plötzlich und stürzt zusammen. Die Hausinsassen wollen ihn aufrichten, doch ihre Mühe ist vergebens, der Arzt gibt kein Lebenszeichen, er liegt als Leiche vor dem Bette des Schwerkranken, dem er Hilfe hätte bringen sollen. Man kann sich die Aufregung im Hause vorstellen. Während die entsetzten Angehörigen des Kranken die Leiche in ein anderes Zimmer bringen, werden andere Aerzte requirirt, die als Todesursache ihres Collegen einen Herzschlag constatirten. Den Collegen des unter so ungewöhnlichen Umständen verschiedenen Dr. Jacob Weinberg harrte noch eine schwere Pflicht. Ehe der Todte aus der Wohnung des Kranken in sein Heim transportirt werden konnte, mußten die ahnungslose Gattin und die Kinder des Verstorbenen verständigt werden. Das war eine traurige, erschütternde Action. Das Befinden des Kranken verschlechterte sich in Folge des düsteren Vorfalles, aber auch dessen Angehörige wurden durch die Aufregungen dieser Nacht so hart mitgenommen, daß sie sich lange nicht erholen konnten. Wien. Der Professor am Wiener Conservatorium, Herr Robert Fischhos, wurde zum Officier äes Unstrnction pnbtigue ernannt. Wien. Herr Ignaz Fleischuer, Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes, gewesener Fabriksdirector der renommirten Glasfabrik I. Reich u. Comp., ist, 77 Jahre alt, gestorben. Prag. Am 7. Febr. d. I. begeht Frau Betty Lasch, geb. Teller, die Begründerin der israelitischen Feriencolonien in Oesterreich-Ungarn, ihren sechzigsten Geburtstag. Einer alten Patrizierfamilie entstammend, im Geiste echter Religiosität und Wohlthätigkeit erzogen, verlebte sie im Elternhause und später an der Seite eines in gleichen Grundsätzen erzogenen und daher gleichgesinnten geliebten Mannes — des Sohnes eines auf talmudischem Gebiete berühmten Gelehrten — ein glückliches Stillleben dem Wohle der ihrigen und „ihren" Armen gewidmet, bis sie durch die Gründung der jüdischen Feriencolonie in Prag plötzlich in die Oeffentlichkeit trat. Aber dieses „In die Oeffentlichkeit treten", geschah nicht in der ruhigen gemüthlichen Art, wie Wohlthätigkeitsacte gewöhnlich das Licht der Welt erblicken; das Hinaustreten aus ihrem gemüthlichen Heim in die Oeffentlichkeit war ein Hinaustreten in den Kampf. Man kann nicht genug staunen. Die Begründung eines Wohlthätigkeitsinstitutes ein Kampf! Und dennoch ist dem so. Wer die Verhältnisse in dem von nationalen Wirrenzerrissenen Prag nicht kennt, wird es nicht begreifen, daß die Gründung einer jüdischen Feriencolonie mit politischen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Frau.Lasch wollte nicht durch eine große Spende nur für einmal einigen armen jüdischen Kindern die Wohlthat eines Sommer-Landaufenthaltes gewähren, sondern eine dauernde Institution, aus einer breiten, sichern Grundlage aufgebaut, ins Leben rufen. Dazu benöthigte sie der Unterstützung aller Classen der Gesellschaft und die Bildung eines solchen Vereines hieß eben kämpfen, denn die Schwierigkeit lag nicht in außcrjüdischen, etwa antisemitischen Kreisen, sondern in den jüdischen Kreisen selbst, welche in der Begründung eines solchen Vereines eine Schädigung des allgemeinen deutschen Feriencomitss befürchteten. Doch Frau Lasch stellte sich an die Spitze eines gemischten Comitäs, in dem tapfere jüdische Herzen vertreten waren, kam, kämpfte muthig und siegte. Denn heute nach dreijährigem Bestände zählt der behördlich bestätigte Verein bereits an 500 Mitglieder, dessen Geschäfte von einer Schaar wackerer Herren und Damen, wie Ehrwürden Oberrabbiner Dr. N. Ehrenfeld, Dr. M. Tauber und Frau, Landtagsabgeordneter Dr. Zalud und S. Lieben u. v. A. geführt werden. Frau Betty Lasch beendet wohl ihr sechstes Decennium, doch ist ihr Herz noch jung und empfänglich für alles Erhabene und Edle, ihr Geist noch frisch und ideal. So möge denn ibr Eintritt ins siebente Decennium ein gesegnetcr und es der edlen Wohlthäterin vergönnt sein, noch lange die Früchte ihres edlen Wirkens zu genießen. Straßnitz, 6. Februar. Gestern um 4 Uhr Nachmittags wurde in der hiesigen Synagoge eine feierliche Trauerandacht für den Hingeschiedenen Oberrabbiner und Prediger Dr. Jellinek abgehalten, deren Glanzpunkt die tiefdurchdachte formvollendete Gedenkrede unseres ehrwürdigen Herrn Rabbiners Friedmann bildete. Nebst dem Verluste um Jellinek widmete der Herr Rabbiner auch den in jüngster Zeit verstorbenen Nabbinen: Spitzer (Wien), Perls (Groß-Karoly), Grünbaum (Ansbach), Kulka (Kostl) und Dr. Zimmels (Mähr.-Ostrau) in beredten Worten ehrende Nachrufe. Nach dem vom Cantor Preßer stimmungsvoll vorgetragenen „El mole rachmim“ sprach Herr Rabbiner Friedmann noch einige erhebende Schlußworte, mit welchen die Trauerfeier, welche einen auf Geist, Herz und Gemüth bewältigenden Eindruck machte, würdig den großen Männern, welchen sie gegolten, beschlossen wurde. Mantua. Hier ist der Oberrabbiner Mortara, der Doyen und berühmteste unter den Rabbinen Italiens, 70 Jahre alt, gestorben. Brünn, 3. Februar. In dem Motivenberichte zur Wilson'schen Tarif-Bill, welche im amerikanischen Repräsentantenhause angenommen wurde, wird unter Anderm bemerkt, daß die Majorität des Finanzausschusses praktisch den Wunsch der aus-