Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 6 (9.2.1894)
- Date
- 1894-02-09
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 112 .... Weürrretrtztfche MmtzenfitzrM Nr. 6 auch oft erst auf einem Umwege nach erfolgreicher Lehrthätigkeit an Universitäten des Auslandes, in Ordinariate deutscher Universitäten berufen zu werden. Bon einem hervorragenden Schüler Eohnheiurs, der als außerordentlicher Profeffor der Pathologie in Leipzig wirkte, ist bekannt, daß er notorisch als ein Opfer seiner Glaubenstreue vor nicht allzulanger Frist diese Stellung aufgab und jetzt in Frankfurt a. M. am Senkenbergschen Institut thätig ist. — An Stelle des kürzlich dahingeschiedenen Geh. Sanitätsrathes Guttmann hat Herr Professor Eulenburg die Redaction der „Deutschen Medicinischen Wochenschrift" übernommen; das Andenken seines Vaters, des Geh. Sanitätsrath Michael Eulenburg, der dem Judenthume Treue bewahrte, findet sich durch die von ihm hinterlassenen Legate bei mehreren Stiftungen der jüdischen Gemeinde verewigt. An der Berliner Universität lehren zur Zeit gegen 52 jüdische Doeenten, von denen nur einer ordentlicher Professor geworden, nämlich der Lehrer der Handelsrechte, Dr. Lewin-Goldschmidt; Dr. Moritz Lazarus ist Honorarprofessor der philosophischen Facultät; nach dem Ausscheiden des Professors Karl Bernstein hat die juristische Facultät nur zwei Glaubensgenossen als außerordentliche Professoren, nämlich Rubo und Gradenwitz. In der medicinischen Facultät sind außer den obenerwähnten Neuerungen noch folgende Titularprofessoren zu nennen, nämlich Baginsky, Leonhardt, Hirschberg. Mendel, Julius Wolss, Max Wolff. In der philosophischen Facultät lehren von Glaubensgenossen Barth, Gabriel, Ludwig Geiger, Liebermann, Magnus, Steinthal und Pinner. Profeffor Ludwig Geiger, ein Sohn des Rabbiners Abraham Geiger, der mit Beginn dieses Jahres in den Vorstand der Berliner Hauptgemeinde eingetreten ist, liest vornehmlich über Literatur und Geschichte der Renaissanceperiode. („Allg. Ztg. d. Judenth.") Berlin. (Antisemitische Ehrenmänner.) Die antisemitische „Staatsbürger-Zeitung", versucht in einer gestern veröffentlichten Erklärung ihre bisherigen Genossen und Gehilfen Ahlwardt's, Schwennhagen, Plack und Podgorski, von sich abzuschütteln, weil sie anläßlich des von Miquel gegen dieselben angestrengten Beleidigungsproceffes, der noch schwebt, erfahren habe, daß Plack nicht weniger als fünfmal wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung mit Gefängniß, in einem Falle zu sechs Monaten mit einjährigem Ehrverlust, und Schwennhagen ebenfalls zweimal wegen Eigenthums-Vergehen, darunter einmal wegen Diebstahls mit einem Tage Gefängniß bestraft seien. Das Blatt kündigt an, es wolle die „antisemitische Partei mit eisernem Besen auch von anderen Personen reinigen, die mit ähnlicher schmutziger Vergangenheit noch beute in der Bewegung stehen und sich in der Partei vordrängen." Als seinerzeit die „Freisinnige Zeitung" Enthüllungen über die Vergangenheit Schwennhagen's brachte, schwieg die Antisemitenpresse still. Berlin. (Antisemitisches Attentat.) Als in der Nacht vom Donnerstag zum Freitaa der bekannte freisinnige Schriftsteller Arnold Perls durch die Bellealliancestraße seiner Wohnung zuging, begegnete ihm der ihm befreundete Zahnarzt K., der im Gespräche mit einem anderen Herrn war. Herr Perls rief dem Zahnarzt den Gruß zu: „Guten Abend, lieber K.!" Darauf rief der Begleiter des Begrüßten: „Halt' die Schnauze, verfluchter Jude!" Herr Perls wandte sich um und machte den Mann in ruhigem Tone darauf aufmerksam, daß diese Schmähung in sedem Betracht unberechtigt sei. Die Wirkung war, daß jene rohen Worte einfach wiederholt wurden. Als nunmehr der Angegriffene in ernstem Tone erklärte, daß er sich das nicht gefallen lassen werde, versetzte der Mann mit seinem Stocke Herrn Perls einen Schlag über den Kops, so daß Hut und Brille in-weitem Bogen davon flogen. Inzwischen hatte der Zahnarzt Herrn Perls erkannt und suchte unter Hinweis darauf und unter freundlichen Worten für Perls den Schläger zu beruhigen. Doch dieser führte einen zweiten, noch wuchtigeren Schlag auf den Kopf von Perls. Der Ueberfallene wurde blutüberströmt gegen die Bäume geschleudert und konnte sich uur mit Mühe aufrecht erhalten. Er wurde alsbald mittelst einer Droschke unter heftigem Schüttelfrost und bei fortwährendem Blutverluste aus den beiden Kopfwunden nach der Sanitätswache am Plan-Ufer 19 gebracht. Dort wurde ärztlich festgestellt, daß eine kleine Kopfwunde und eine große, etwa vier Centimeter tiefe Kopfwunde geschlagen worden waren. Letztere liegt unmittelbar neben der Schläfe; wäre der Schlag ein klein wenig mehr nach rechts gefallen, so wäre der Tod des Geschlagenen auf der Stelle eingetreteu. Nach sorgfältiger Auswaschung und Vernähung der Wunde und Anlegung eines Umschlages wurde der Schwere verletzte nach Hause gebracht. Der Verüber dieser Heldenthat heißt Röber; derselbe ist Inhaber der von Beckerath'scheu Weinstubin der Leipziger Straße. Es wird gegen ihn criminell und civilrechtlich vorgegangen werden. Wien. (Trauungen.) Sonntag, den 4. Februar wurden getraut: Herr Sigmund Brunner mit Frl. Jlma Eisenstädter von Buzias; Herr Emil Korolanyi mit Frl. Eugenie Weiß; Herr Sigmund Kommen mit Frl. Charlotte Kohn; Herr Sigmund Ohrenstein mit Frl. Clara Teichtner; Herr Bernhard Neumann mit Frl. Rosalie Fanta; Herr Eduard David Werner mit Frl. Rosa Blum; Herr Samuel Josef Schmied! mit Frl. Lotte Fischer; Herr Jakob Böhm mit Frl. Caroline Bittner; Herr Josef Wilhelm mit Frl. Anna Grünfeld. Wien. (S p e n d e n l i st e.) Dem Einzelverein Wien des „Zion-Verbandes" sind aus Baltimore nachstehende Spenden^ zugekommen: Josef Cohen, Louis Zimbler, Jsaac Lichtenberg, Abraham Silbermann je 1 Dollar; Herzmann Ascher, Adolf Kreß, Hirsch Krüger je 50 Cents; Moses Dubowis, Hirsch Selzer je 25 Cents. Das Geld wurde anläßlich des Barmizwah-Mahles bei Josef Cohen in Baltimore gesammelt für den Fond der landwirthschaftlicheu Arbeiter im heiligen Lande. — An die „Oesterr. Wochenschrift" sind nachstehende Spenden eingetroffen: Für den unglücklichen Rabbi Ben Jehuda in Palästina: Von Adolf Grünbaum in Carlsbad fl. 10, Jg. Fuhr? mann in Budapest fl. 3, von N. N. Teplitz fl. 3'50. Für den rumänischen Schulverein: Bon I. u. S. Neumann in Rakonitz fl. 3, von Dr. Paul Mittler in Wien, I., fl. 5, Anonym fl. 16, welch letzterer Bettag direct dem Präsidenten Doctor A. Stern zugesendet worden ist. Durch Herrn Josef Kohn in Teplitz: Von Herrn Ferdinand Hauser fl. 2; Herrn S. Frischmann fl. 2; Frau F. U. fl. 2; Herrn Karpeles fl. 1; Fräulein Eleonore, Josefine und Marie Kohn fl. 3; Herrn I. K. fl. 1; Herrn M. R. fl. 1; Herrn Josef Kohn fl. 2; von mehreren Ungenannten fl. 3; Herrn Julius Otto fl. 1; zusammen fl. 18. Wien. (Elite-Ball.) Der Einzelverein Wien des „Zion-Verbandes zur Colonisation Palästinas" veranstaltet im Ballsaale Ronacher am 20. Februar 1894 einen Eliteball. Da das Reinerttägniß des Balles zur Unterstützung armer jüdischer Colonisten dient und es dem Ballcomitä gelungen ist, -glänzende: Kräfte für das Fest zu gewinnen, so wird zweifellos der Abend zu einem der herrlichsten der Saison sich gestalten. Familienkarten ä fl. 5 und Einzelkarten ü fl. 2 sind zu haben bei den Mitgliedern des Ballcomitts Herrn L. P. Löbl, II., Afrikanergasse 9, Dr. M. T. Schnierer, Ober-Döbling, Hauptstt. 30, und Carl Bringer, I., Kärntiiersttaße 13. Wien. (W o h lt h äti gkeits b all). Der israelitische Humanitätsverein für den X. Gemeindebezirk Wiens veranstaltet, wie alljährlich, am 21. Februar Abends 8 Uhr in Rappel's Rosensäle in Favoriten einen Wohlthätigkeitsball, aus dessen Reinerttägniß wahrhaft arme im X. Bezirk wohnende Familien betheilt werden sollen. In Anbetracht des Wohlthätigkeitszweckes und in Berücksichtigung der großen Nothlage in jenem Bezirke verdient das Unternehmen die weiteste Unterstützung. Ballkarten sind zu haben bei Herrn Carl Seligmann, X., Quellengasse 97 und Herrn D. Weis, X., Wielandgasse 16. Wien-Mariahilf. Am 28. v. M., 3 Uhr Nachmittags, hielt der Talmud-Thora und Bethausverein im VI. Bezirk, Stumpergaffe 42, im Restaurant Löbl unter Vorsitz seines Obmannes, Herrn Leopold Werter, seine zweite ordentliche Generalversammlung ab. Vom Wiener Cultusvorstand war Architekt Max Fleischer als dessen Delegirter erschienen. Der Schriftführer Herr Sigmund Bing verlas den Jahresbericht und der Vereinscassier Herr Friedrich. Falk den Caffabestand und ernteten beide Herren, sowie der Gesammtvorstand für ihre besondere Thätigkeit allgemeine Anerkennung. Bei der hierauf vorgenommenen Wahl wurden die Herren Leop. Werter zum Obmann, Herr Sigmund Gewitsch als Obmann-Stellvertreter, Sam. Weisz als Schriftführer, Fried. Falk als Cassier, Mor. Ungar, Mor. Felsenburg, A. Teweles zu Bethausverwaltern und die Herren D. Marie und Gustav Benedikt zu Revisoren gewählt. Wien-Hernals. Der Wohlthätigkeits- und Krankenunterstützungsverein „Serviles Odeseä" hat bei der am 30. Jänner 1894 stattgefundenen Generalversammlung die Neuwahlen vorgenommen. Es wurden gewählt: Heinrich Kornmehl, Obmann, Hausbesitzer und Fleischhauer, XVII., Grillparzergasse 5; Selig Falik, Obmannstellvertteter, Hausbesitzer und Perlmuiterknopfhändler, XVI., Ottakring, Hauptstraße 47; Bernhard