Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 6 (9.2.1894)
- Date
- 1894-02-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Deite 110 OeKrrreichifche Wortzrnkchritt Vtv. 6 Kohn lief nun in den Hof hinaus, wo. er niederstürzte. Hier versetzte ihm der Officier einen Stich in das rechte Schulterblatt. Kohn raffte sich wieder auf und flüchtete in die Weinstube, deren Gäste er um Schutz gegen den ihm nacheilenden Officier bat. Die Verwundungen des Kohn und Löwit erklären die Aerzte Dr. Hahn und Dr. Löwenstein als nicht besonders gefährlich. Die Angelegenheit wurde der Staatsanwaltschaft und dem Stattons-Commando angezeigt und die Untersuchung ist im Zuge. Miihr.-Wciftkircheu. (Wie unsere Erzherzoge denken.) Aus Mähr. - Weißkirchcn wird uns geschrieben: In der hiesigen Bevölkerung wird ein Borsall außerordentlich beifällig besprochen, der die edle Denkungsart des Erzherzogs Heinrich von Toscana, der sich an der hiesigen Muitär-Qberrealschule befindet, in überaus hellem Lichte erscheinen läßt. Vor kurzer Zeit wurden der Rabbiner Dr. Adolf Leimdörfer und der Cultusvorstand von Wrißkirchen, Herr Ehrlich, vom Erzherzog in besonderer Audienz empfangen und von demselben in sehr eingehender Weise über die Verhältnisse der hiesigen Cultusgemeinde befragt'. Bald darauf folgte der Erzherzog einer bei dieser Gelegenheit vorgebrachten Einladung und besuchte die Cultusgemeinde in ihrem Heim. Als Dr. Leimdörfer vor dem Erzherzog die Thora entrollte, ergab der Zufall, daß gerade die Stelle aufgeschlagen wurde, welche heißt: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." Dr. Leimdörfer nahm die Gelegenheit wahr, darauf hinzuweisen, daß dieses auf. alle Menschen ohne Unterschied der Geburt und des Bekenntnisses sich beziehende Wort einen der Grundpfeiler des jüdischen Glaubens bilde. Eine noch größere Auszeichnung widerfuhr jedoch den beiden Functionären der Cultusgemeinde dadurch, daß sie vorgestern zum Diner beim Erzherzog Heinrich v o n T o s c a n a geladen wurden. Im Verlaus der Unterhaltung bezeugte der Erzherzog ein besonderes Interesse an volkswirthschaftlichen Fragen itnd erkundigte sich namentlich "sehr eingehend um den Bau des Donau-Oder-Canals und die aus demselben erwachsenden Vorth eite für den Handel und Verkehr. Was aber dem feinen Tact des Erzherzogs ein besonders günstiges Zeugniß ausstellt, ist der Umstand, daß er in zarter Rücksichtnahme auf die rituellen Gebräuche seiner Gäste das Geflügel für das Diner beim Schächter der Gemeinde schlachten und die Speisen in ganz neuen, vorher noch nicht gebrauchten Geschirren bereiten ließ. Brün«. (In Angelegenheit des mährisch-jüdischen Landesmaffafondes.) In der letzten Hälfte des Monates März findet alljährlich in Brünn die Delegirtenversammlung mährischer Cultusgemeinden statt. In der vorjährigen Tagung dieser Körperschaft wurde die Ernennung von Jnspectoren für den hebräischen, respective Religionsunterricht beschlossen. Eine von den meisten Rabbinen gegen die .Ausführung dieses Beschlusses an das Curatorium des mährisch-jüdischen Landesmaffafondes gerichtete Petitton hat zu einer unerquicklichen Controverse geführt. Dies veranlaßte den Boskowitzer Cultusvorstand, nachstehenden Aufruf an die Vorstände und Rabbiner in Mähren zu richten: Euer Wohlgeboren! Während Ihrer Amtsthätigkeit werden Euer Wohlgeboren aus eigener Erfahrung gewiß zur Ueberzeugung gelangt sein, daß nur Derjenige, der in der Gemeinde lebt, das Interesse der eigenen Gemeinde jederzeit wahrzunehmen im Stande ist; wogegen Derjenige, der wohl einst dieser Gemeinde angehörte, seither aber Mitglied einer anderen Gemeinde geworden ist, naturgemäß der ersteren sich entfremdete und durch die Rücksichtnahme auf seine nunmehrige Gemeinde unabsichtlich mit der Vertretung der Interessen seiner Heimatsgemeinde leicht in Collision geräth. Wenn dieser Satz schon im Allgemeinen gilt, so hat er gewiß seine vollste Berechtigung bei der Wahl eines Delegirten des Landesmaffafondes, der neben den Gesammtintereffen der mährischen Judenschaft die wichtigsten Interessen seiner Gemeinde zu vertreten hat. Soll aber diese Wirksamkeit eine ersprießliche sein und den Intentionen des edlen und hochherzigen Stifters des Landesmaffafondes entsprechen, so darf doch die Separatinteressenvertretung die Gesammttnteressen der übrigen Gemeinden nicht beeinträchtigen. Um dies hintanzuhalten, ist es für die einzelnen Gemeinden an der Zeit, der Wahl des Delegirten und denk Delegirtentage größere Bedeutung beizulegen. Denn die Aufgabe des Delegirten ist es nicht, sich auf die Entgegennahme der seiner Gemeinde gebührenden Subvention in dem Sinne zu beschränken, als sei dieselbe eine von Zufälligkeiten abhängende Gnadengabe. Wie wichtig die hier ausgesprochene Ansicht für die Gesammtheit ist, beweist die im vorigen Jahre angeregte Regelung des Religionsunterrichtes. Diesbezüglich würde es sich in einzelnen Gemeinden empfehlen, dem Seelsorgerstande durch Entsendung des Rabbiners als Delegirten Rechnung zu tragen. Wir stellen daher die höfliche Bitte, Euer Wohlgeboren wollen güttgst dahin wirken, daß anläßlich der bevorstehenden Wahl eines Delegirten für die Generalversammlung Ihre Vertretung im Sinne dieser Anregung einen Delegirten aus ihrer Mitte entsende. Hochachtungsvoll Der Cultusvorstand. Daß die Initiative zu der Anregung, auch Rabbinen in den Delegirtentag zu entsenden, von einem Cultusvorstand ausgegangen, soll mit besonderer Befriedigung hier constatirt werden. Der Boskowitzer Cultusvorstand ehrt sich sebst dadurch, daß er den im Judenthume einst so mächtig wirkenden Kwod Hatoro in Erinnerung gerufen. Nebstdem liegt in dem kundgethanen Wunsche, auch Rabbinen mit einem Mandate,zu.betrauen, eine entschiedene Widerlegung der Insinuation, als bilden die Rabbinen einen besonderen Stand und assimiliren sich nicht mit den Interessen ihrer resp. Gemeinden. Es bleibt nunmehr noch zu wünschen übrig, daß einige Cultusgemeinden das in dem Aufrufe enthaltene pium desiderium in Ausführung bringen möchten. Ein solches Zusammenwirken von Vorständen und Rabbinen könnte viel Gutes fördern, könnte vorzüglich dazu beitragen, daß die Animosität in den kleinen Gemeinden schwinde und ein friedliches, einträchtiges Gemeinwirken zwischen Rabbinen und Vorständen erzielt werde. Brünn, 4. Jänner 1894. . . . . r. Lemberg, im Februar. Die Idee zur Gründung einer öffentlichen jüdischen Bibliothek in der hiesigen jüd. Gemeinde, macht durchaus keinen Anspruch mehr auf Neuheit. Die Frage steht bereits seit einer längeren Reihe von Jahren auf der Tagesordnung und wird in maßgebenden wissenschaftlichen Kreisen lebhaft erwogen und ventilirt; allein denjenigen Kreisen, die in der Eröffnung derselben eine Nothwendigkeit erblicken, fehlt es eben leider noch immer an der gebotenen Gelegenheit und der Energie, jener großmüthigew Schöpfung das Leben zu schenken! Ein Hauptgrund des seitherigen Nichtzustandekommens dieser auf die Verallgemeinerung und Förderung des jüd. Wissens zweifelsohne von wesentlichem Einflüsse bleibenden Institution dürfte, wie bei jeder Neugründuyg wohl in erster Reihe in der Aufbringung der erforderlichen Geldmittel zu suchen sein, zumal da überdies unser jüd. Publicum für die Unterstützung allerhand jüd. Wohlthätigkeitsgründungen bereits hinlänglich herangezogen wird, allein eine Institution wie die einer öffentlichen jüd. Bücherei, dürfte eben allen anderen Stiftungen die Krone aufsetzen und dem Tempel edler jüd. Wohlthätigkeit die stattliche Zierde leihen! Ja eine derartige Gründung soll und darf in einer altjüd. Großgemeinde wie die unserige ist, wo einst die jüd. Lehre in voller Blüthe stand, nicht fehlen! In Bezug auf die Aufbringung der materiellen Mittel erscheint es nach dem unmaßgeblichen Dafürhalten oes Schreibers dieser Zeilen für möglich, dieselben nur dann allmälig sicher aufbringen zu können, wenn an die Spitze des ev. Curatoriums einige wackere, hinreichende Kenntniß und Energie besitzende Männer (deren wohl welche in unserer Gemeinde zu treffen sind) gestellt sein werden. Ueberdies dürfte eine rein wissenschaftlichen Zwecken gewidmete Institution wie die in Rede stehende nicht allein auf die willigste Förderung seitens aller Parteigruppirungen und Schattirungen bauen können, dieselbe hätte vielmehr noch auf nahmhafte Subventionen seitens der Baron Hirsch'schen rc. Stiftungen, sowie auf solche seitens der hierortigen hochherzigen und anderer größerer jüd. Cultusgemeinden des engeren Vaterlandes, endlich auf Landes- resp. Stadtgemeinde-Subventionen begründete Aussicht. Anlangend an das erforderliche Büchermaterial dürfte es kaum einem Zweifel unterliegen , daß sich edle Spender finden werden, die ihre unbenutzt liegenden, dem Vermorschen preisgegebenen Werke einer öffentlichen Anstalt widmen, woselbst sie dieselben als die früheren Besitzer, nunmehr doch leichter benutzen können werden. Wohl gibt es hier in fast jedem älteren Bethamidrasch zerstreut liegende werthvolle hebr. Werke, allein das Studiren daselbst ist hierzulande bereits längst außer Mode gekommen, insbesondere hält sich die Jugend, die hie und da noch welches Gefühl für jüd. Wissen bekundet, vom Bethamidraschbesuche ganz fern. — Hoffen wir, daß diese Zeilen diejenigen Edel- ■ denkenden, die für das edle Unternehmen Interesse haben, in