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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-02-09 · 6 (9.2.1894) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
6 (9.2.1894)
Date
1894-02-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Geue 109 Nx.^6 VrürrrrUtzUchr WoSrentthrrrt - E. L. Wien. (Die jüngste Fälschung des Ob erst ampigliu s.) In der Sitzung des Niederösterr. Landtages vom 30. v. M. richtete Oberstampiglius Schneid e r an den Statthalter nachstehende Interpellation: „In den im 17. und 18. Bezirke bestehenden acht gewerblichen Vorbereitungsschulen befinden sich unter 27 wirklichen Lehrern und 9 bestellten Supplenten oder Aushilfslehrern nicht weniger wie 7 Juden, d. i. 20 Percent, während sich unter den circa 1200 Schülern nach den bisherigen Erhebungen kaum 10 Juden befinden. In neuester Zeit soll in der Schule, Leopoldigasse, eine Stelle eines wirklichen Lehrers zur Besetzung kommen und competirt hierfür der Jude Herz. Nun genießen bekanntlich die Juden in den Kreisen der gewerblichen Bevölkerung sehr wenig Sympathien und die Erfahrung lehrt, daß es den Juden sehr schwer gelingt, sich bei den Lehrlingen Autorität zu verschaffen. Selbst politisch sehr liberale Pädagogen können sich der Bedenken gegen die allzu starke Heranziehung jüdischer Lehrer'zum Unterrichte der Jugend in Schulen und der Sorge um die Aufrechterhaltung der Disciplin in Schulen, ün welchen jüdische Lehrer wirken, nicht erwehren. Die Unterzeichneten stellen daher die Anfrage, ob Seine Excellenz nicht geneigt wäre, dahin zu wirken, daß in den gewerblichen Borbereitungsschnlen im Interesse des Unterrichtes und der Aufrechterhaltung der Disciplin keine jüdischen Lehrer mehr angestellt werden?" Dem gegenüber stellen wir fest, daß die erwähnten jüdischen Lehrer den gewerblichen Unterricht an den Borbereitungsschulen nicht nur zur Zufriedenheit persolviren, sondern auch wegen ihrer lehramtlichen Thätigkeit wiederholt belobt worden sind. Die eineDenunciation involvirende Interpellation ist daher ein frecher Angriff auf die Thätigkeit der Lehrer als solche und es muß bedauert werden, daß diese Interpellation nicht schon bei der Einbringung eine entschiedene. Zurückweisung gefunden hat. Wenn die jüdischen Lehrer" bei den berufenen Factoren keinen ausreichenden Schutz vor Verunglimpfung finden, dann darf es freilich nicht befremden, wenn Schüler und deren Eltern es an Respect fehlen lassen, wie das die jüngst stattgefundene Gerichtsverhandlung zur Genüge darthut. E. B. Wien. (Trottelosis Psenneria.) Doctor P s e n n e r's „Volksfreund" bringt in der letzten Nummer nachstehende Notiz: „Ueber die Schulverhältnisse in Galizien dringt hin und wieder etwas in die Oeffentlichkeit. Diese Schulverhältnisse sind aber auch so miserabel, daß sie jeder Beschreibung spotten. So erfahren wir aus dem neuesten Berichte des Landesschulrathes über den Stand des galizischen Unterrichtswesens, daß in 542 Schülclassen kein Unterricht ertheilt werden konnte, weil es an entsprechendem Lehrerpersonal gebrach. In nicht weniger als 863 Volksschulclassen mußten Lehrer mit ungenügender Qualification angestellt werden. Die Volkssckulfrequenz erreicht die Ziffer von 527.423; doch können jährlich 380.000 Kinder wegen Lehrer- und Schulmangel keinen Unterricht erhalten." Hiezu folgt nachstehender Commentar: „Diese Ziffern beleuchten scharf die erbärmlichen Schulzustände Galiziens. So sieht es in dem Lande aus, in welchem die Bevölkerung von den Juden ausgesogen und niedergedrückt wird, in dem Lande, in dem die Stammesverwandten jener Zeitungsschreiber so zahlreich und mächtig sind, welche in ihren Zeitungen immer das christliche Volk belehren wollen, welche immer von Cultur und. Fortschritt sprechen!" Die Trottelosis scheint sich beim „Volksfreund" zu einem chronischen Uebel herausgebildet zu haben, denn es ist nur dem beschränktesten Unterthanenverstande möglich, zwischen den Schulverhältnissen in Galizien und den dortigen Juden einen Causalnexus zu construiren. Gewissermaßen besteht freilich ein Zusammenhang, nicht aber wie ihn der „Volksfreund" sich zurecht legt. In Galizien wird nämlich kein Jude als öffentlicher Lehrer angestellt; mag er auch die beste Befähigung nachzuweisen im Stande sein, der erst beste arische A-B-C-Schütze wird vorgezogen. Alle jüdischen Kinder in Galizien besuchen Schulen, und wo ihnen diese nicht zugänglich, zumindest ein Cheder, weshalb sie auch später, wie Erzherzog Albrecht wiederholt hervorgehoben hat, im Soldatenstande das beste Materiale — und oft nahezu ausschließlich — für den Unterofficiersstand der galizischen Regimenter liefern. Wien. (Emin Pascha als Afrikaforscher.) Unter den Namen jener Forscher, die mit dem dunklen Erdthoil am innigsten verknüpft sind, ragt jener Emin Paschas ganz besonders hervor, und es ist auch für den Fernstehenden zumindest rein menschliches Empfinden, das ihm die Lichtgestatt dieses Asrikaforschers. der gleichsam als Märtyrer der Wissenschaft weit von der Heimat sein Grab gefunden, näher rückt. Eine interessante Charakteristik dieses seltenen Mannes, wenn man will einen Nekrolog, hat gestern im Handelsmnseum der bekannte Gelehrte Professor Dr. Ph. Panlitschke einem überaus zahlreichen Auditorium geboten. Der Borträgenüe beleuchtete die Thätigkeit Emin Paschas auf dem Gebiete der Afrikaforschung mit großer Gründlichkeit und wies aus die ganz unschätzbaren Verdienste hin, welche die Wissenschaft jenem Manne verdankt, der sein Leben der Erforschung des interessanten Welttheils geweiht. Professor Panlitschke zog eine scharfe Grenze zwischen Emin's Thätigkeit als Organisator und als Gelehrter. In seiner ersteren Eigenschaft hat er wohl ebensoviel geleistet, wie in seiner letzteren, da er als unermüdlicher Sammler von immer neuen Momenten uns über jenes ralhselhafte Land Aufklärung zu bringen suchte. Ihm war Afrika sein Element, und nur ungern ließ er sich bestimmen, es zu verlassen. Es hat Stanley — meinte der Redner — viel lleberredung kosten müssen, Emin nach Europa zu bringen. Emin befand sich gar nicht in einer Situation, die seine Rettung erheischt hätte : ganz im Gegeutheil war Stanley Derjenige, der in geradezu desolatem Zustande auf Emin stieß, und er, der Retter, sowie seine Leute mußten sich retten lassen. Emin Pascha hatte ein diplomatisches Talent ohnegleichen. Das ist aber nicht dieselbe Fähigkeit, die w i r im Allgemeinen in diesen Begriff rangiren: Emin war ein Neger-Diplomat. Er konnte mit den Schtvarzen tagelang verhandeln, ihre Reden, die stundenlang währten, ruhig anhören, ohne eine Miene;n verziehen, und erst am Schlüsse ergriff er das Wort, mit dem er gewöhnlich den Vogel abschoß. Man hat ihm Geiz vorgeworsen und ans seine großen Elfenbeinvorräthe hingewiesen. Dieser Borwurf ist unzutreffend, denn Emin war ein Mensch, der ein viel zu gutes Herz hatte und Alles eher als persönliche Vortheile erstrebte. Die Elfenbeinvorräthe waren zu dem Zwecke anfgehäuft, um die enormen Kosten der Expedition zu decken. Denn seine Leute waren seine erste Sorge. Trotzdem Emin Pascha so lange Jahre im Orient lebte, zum Islam übertrat und sich allen sonstigen Gebräuchen accommodirte, trotzdem er ein Menschenalter lang in Afrika gelebt, hat er sein deutsches Wesen nie verleugnet. Professor Panlitschke schloß seine interessanten Ausführungen mit dem Eitat eines Ansspruches Emin's über den österreichischen Afrikaforscher Dr. Junker: „Gott habe den in einer Sonntagslanne geschaffen." Dieses Wort paßt auch auf Emiu. Er war etu Mauu. nehmt Alles nur in Allem! — Dem Vortrage, der von lautem Beifall begleitet war, wohnte Erzherzog Karl Ludwig bei, der Herrn Professor Paulitfchke in ein längeres Gespräch zog lind sich über denen persönliche Berhältnisse, sowie über seine Forscherthätigkeit eingehend inform itte. Pilsen, 5. Februar. Samstag Abends kam es hier im „Hotel Waldeck" zu einem bedauerlichen Conflict zwischen einem Officier der hiesigen Garnison und zwei Bürgern der Stadt. Lieutenant Paul Jkalowicz vom 73. Infanterie-Regiment besuchte gegen 8 Uhr Abends in Begleitung eines zweiten Officiers und des Agenten Kaffowitz aus Prag die Weinstube des Waldeck'schen Hotels, wo die Gesellschaft an einem an der Wand stehenden Tisch Platz nahm. Wenige Minuten später erschienen im Locale der Lederhändler Herr Julius Kohn mit seiner Frau und Herr August Löwit, welche sich an den Nachbartisch setzten. Lieutenant Jkalowicz begann sich nun aus seinem Stuhle zu schaukeln und stieß dabei unaufhörlich an den Tisch, an dem das Ehepaar Kohn saß. Von Frau Kohn wegen seines Benehmens zur Rede gestellt, erwiderte der Officier: „Paßt es Ihnen vielleicht hier nicht?", worauf Herr Kohn replicirte: „Wir sind hier Gäste ebenso gut wie Sie." Der Lieutenant ries hierauf in barschem Tone: „Schweigen Sie; Sie haben hier nichts zu reden!" Herr Kohn blieb die Antwort nicht schuldig und bezeichnet das Benehmen des Officiers durch einen beleidigenden Vergleich. Hierauf zahlten die Officiere ihre Zeche und begaben sich in das in demselben Hause gelegene Kaffeehaus, wohin ihnen die Tischgesellschaft Kohn eine Viertelstunde später folgte. Im Kaffeehause kam es nun zu neuerlichen Wortplänkeleien, die endlich dahin führten, daß Lieutenant Jkalowicz den Säbel zog und einen Hieb gegen den Kopf des Herrn Löwit führte. Welche Ausdrücke den Officier hiezu veranlaßten, ist noch nicht sestgestellt. Nach der Aussage Kohn s äußerte der Lieutnant zu ihm: „Wenn Sie satisfactionsfähig sind, werden wir uns morgen schlagen; wenn nicht, werde ich Sie mit der Reitpeitsche behandeln." Hierauf erwiderte Löwit dem Officier, er möge sie doch in Ruhe lassen. Nun zog der Officier den Säbel und versetzte Löwit einen Hieb über den Kopf, der auch den Arm, mit welchen Löwit unwillkürlich parirt hatte, traf. Löwit schleuderte dann einen Sessel gegen den Officier, worauf dieser nochmals mit gezogenem Säbel auf die Gesellschaft eindrang.

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