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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-02-09 · 6 (9.2.1894) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
6 (9.2.1894)
Date
1894-02-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 108 VLsterrrkchifAxL Wmhrnschrtst Nr. 6 pfindung für Gott drücken die Gebete und die öffentlichen gottesdienstlichen Einrichtungen aus: Gebet-Ordnungen. Feiertage (mit charakteristischen Sätzen, wie z. B. naitv tsnm iypn oder 1B3' n?n vl'2 *2) synagogale Ceremonien. Zweite Bürgerschulelasse. 1. Biblische Geschichte. 1. Spaltung und Verfall desReiches. Rehabeam und Jerobeam. Das Reich Juda und Israel. Ueberhandnehmen des Götzendienstes. Während der Regierung Ahabs werden die Propheten des wahren Gottes verfolgt. Elias Flucht. Die Opferung am Berge Karmel. Elias Traumerscheinung am Berge Horeb. Elisas Weihe. Sturz des Hauses Ahab. Wirken Elisas. 2. Die Lehren der Propheten auf Grund ausgewählter Stücke in freier Uebersetzung: A m o s: „So spricht der Ewige zum Hause Israel: suchet mich auf und bewahret euer Leben." 5, 4—27. — Hosea: „Vernehmet das Wort des Ewigen, ihr Söhne Israels!" 4, 1—9; „Kommt, wir wollen zum Ewigen zurückkehren." 6, 1—8. Jesaias: „Vernehmet ihr Himmel, merke auf, o Erde", 1, 2—20. Gleichniß vom Weingarten 5, 1—24; „Ruf es mit lauter Sttmme, laß nicht ab; wie Pofaunenruf erschalle Deine Stimme!" 58, 1—11. (Fortsetzung folgt.) Stimmen aus dem Publirum. Löbliche Redaction! Sett einiger Zett bringt die in Troppau erscheinende „Deutsche Wehr", das Organ des aus seiner Wirksamkeit im Reichsrath durch „Knigge's Conversationslexikon" und ähnliche Bluthen in weitesten Kreisen bekannten Wundarztes Türk, an der Spitze des Blattes Aussprüche bedeutender oder wenigstens bekannter Männer über die Juden. So findet sich in der letzten dkummer (vom 3. oder 4. Februar?) folgendes Citat: »Das israelitische Volk hat niemals viel getaugt, wie es ihm seine Ansührcr, Richter, Vorsteher, Propheten tausendmal vorgcworfen haben; es besitzt wenig Tugenden, aber die meisten Fehler anderer Völker." I. W. v. Goethe. Wenn ich nun gerade dieses Citat heraushebe, um an diesem Beispiel den ganzen Modus des Zustandekommens jener die Spitze des Blattes zierenden Aussprüche auszudecken, so geschieht es nur, weil -gerade in diesem Falle die Conttole Jedermann leicht gemacht ist. Man nehme Goethe's Werke zur Hand und schlage nach: Wilhelm Meisters Wanderjahre, 2. Buch, 2. Capitel (z. B. in der Cotta'schen Bibliothek der Weltliteratur, Goethe's Werke, Band 18, S. 142, Zeile 5 von unten). Dort heißt es: „Das israelitische Volk hat niemals viel getaugt, wie es ihm seine Anführer, Richter, Vorsteher, Propheten tausendmal vorgeworsen haben; es besitzt wenig Tugenden und die meisten Fehler anderer Völker; aber an Selbstständigkeit. Festigkeit, Tapferkeit und, wenn alles das nicht mehr gilt, an Zähheit sucht es seines Gleichen. Es ist das beharrlichste Volk der Erde, es ist, es war, es wird sein, um den Namen Jehovah durch alle Zeiten zu verherrlichen. Wir haben es daher als Musterbild aufgestellt, als Hauptbild, dem die anderen nur zum Rahmen dienen." So im Zusammenhang klingen die Worte, die Goethe dem Aeltesten der pädagogischen Provinz in den Mund legt ganz anders. Abgesehen davon ob es statthaft ist, einen aus einem Dialog herausgeriffenen Satz als Meinung des Dichters hinzustellen, da dieser gerade durch Rede und Gegenrede, durch Behauptung und Widerlegung, durch Einschränkung und Berichtigung das Richtige von dem Falschen vor den Augen des Lesers sondern will — zeigt gerade die von der „Deutschen Wehr" verübte Verstümmelung s das ethische Niveau des Blattes und seiner Herausgeber. Das sind die Männer, die immerfort die Worte „deutsche Treue", „deutsche Biederkeit", „deutsche Redlichkeit" im Munde führen und davor nicht zurückschrecken, einen der größten Dichter und Denker des deutschen Volkes zu fälschen und zu verstümmeln! Zwar der Wundarzt Türk ist gewiß nicht der unmittelbare Urheber dieses literarischen Bubenstücks; er hat ja unwiderleglich durch seine Thätigkeit im Reichsrath bewiesen, daß er auf so niedriger Bildungsstufe steht, daß ihm die Fähigkeit, Goethe zu lesen, zweifellos abgesprochen werden darf; aber wenn seine Mitarbeiter ein derartiges Gaunerstückchen aufzuführen wagen, so zeigt dies, daß sie das Bildungsniveau ihres Leserkreises richtig schätzen. Sollte, was ich hoffe, das Citat der „Deutschen Wehr" dazu beitragen, die wirklichen Worte Goethe's in weitesten Kreisen bekannt zu machen und sollte es, wie wir nur sehnlichst wünschen können, dazu Mitwirken, daß jeder Jude sich dieselben unauslöschlich einpräge, so chatten wir Juden allen Grund, der „Deutschen Wehr" dankbar zu sein; wir hätten dieselbe als Theil jener Kraft zu betrachten, „Die stets das Böse will Und doch'das Gute schafft" Hochachtungsvoll K. S. * * * Die Aufreibungen der Mittelstände. Wie die antisemitischen Ehrenmänner niemals deutlicher konterfeit worden sind, als wenn sie von ihresgleichen dem verehrlichen Publicum gezeigt werden, wie sie sind, so passirt es zuweilen den Protectoren des Antisemitismus, daß ihnen aus ihrem eigenen Lager heraus ein Spiegel vorgehalten wird, der ihnen ihr wahres Antlitz in unverzerrter Naturtreue unter die Augen hält. Wir, die wir im Kampfe gegen die reactronären Parteien stehen, haben allen Grund, solche reactionäre Offenherzigkeiten nicht zu ignoriren; wir müssen sie vielmehr ihrem vollen Werthe nach würdigen. Sie sind Ergüsse schöner Seelen, die die Marke des Studiums von „Eingeweihten" tragen und auf eine gewisse Authenticität unzweifelhaft Anspruch, erheben dürfen. Die „Grenzboten" in Leipzig, das Organ des Herrn Treitschke und seiner Genossen, schreiben in der neuesten Nummer des Monates Februar 1894: „Wenn in großen Culturstaaten, die sich eines kräftigen Bürger- und Bauernstandes erfreuten, dieser zerstört worden ist, so können dieser Leistung nicht dieJuden, sondern „andere mächtigere Leute" sich rühmen." „Nicht Juden sind es gewesen, sagt der christliche Verfasser, sondern hochkirchliche Lords normännischen und angelsächsischen Blutes, die den englischen Bauernstand vernichtet haben. Nicht Juden, sondern Vollblutitaliener sind es, die das italienische Landvolk in einen Zustand bejammernswürdiger Armuth und Sclaverei herabgedrückt haben, und weder ihr politisches noch ihr^ religiöses Glaubensbekenntnitz hat auf ihre Handlungsweise Einfluß geübt; ehemals waren sie fromme, con» fervative Räuber und besuchten die Messe, heute sind sie liberale Räuber und beten mit ihrem Cartucci zum Satan, aber Räuber sind sie nach wie vor. Nicht Juden, sondern orthodoxe Bauern sind in Rußland die Mitfresser. Nicht Juden, sondern Iankees sind es gewesen, die, um fabelhafte Reichthümer aufzuhäufen, die natürliche gesunde Entwicklung Nordamerikas gewaltsam unterbrochen und durch Landdiebstahl, Schutzzölle, Ringe und Silbergesetze in jenem geräumigen, reichen und dünnbevölkerten Lande die socialen Nöthen jetzt schon erzeugt haben, die sich bei natürlicher Entwicklung erst nach einigen hundert Jahren eingestellt haben würden." Wien. (Die antisemitischen Judenstämmling e der „Rei chsp oft".) An die Adresse des Herausgebers der christlich-socialen „Reichspost", einen sicheren Anton Weimar, richtet die „Ostdeutsche Rundschau" von Samstag den 3. Februar 1894 folgende Anfrage: „Können Sie, Herr A. Weimar, leugnen, daß Sie den Namen Weimar nur durch Adoption erhalten und früher Spitzer geheißen haben, was in Lainz Jedermann weiß? Wollen Sie leugnen, Herr Weimar, ehemals Spitzer, daß Sie aus der Ehe stammen, welche ein Rudolf Spitzer, Generalagent der LeipzigerFeuerverslcherungsgesellschaft in Wien, wohnhaft Stadt Nr.908, von Bunzlau in Preußisch - Schlesien gebürtig, ehelicher Sohn des Simon Spitzer, Kaufmann ebendort, und der Amalia Löwe, beide Eltern israelitischer Confession, am 19. November zu Hietzing mit der katholischen Franziska Denneau schloß? Können Sie demnach leugnen, daß Sie von väterlicher Seite unverfälscht jüdischer Abstammung, ergo der Rasse nach Jude sind, wenn Sie auch gleich nach Ihrer Geburt im Jahre 1861 zu St. Stephan getauft wurden? Sollten Sie das jetzt noch leugnen oder durch' eine jesuitisch verfaßte Berichtigung abstreiten wollen, so wären wir keinen Augenblick in Verlegenheit, als was wir Sie dann zu behandeln und zu bezeichnen hätten." K. H. Wolf: Die „Reichspost" bleibt darauf die Antwort schuldig und «vanchirt sich durch wüste Schimpfereien auf die Juden. Bon welcher Sorte Ehrenmänner muß der Großvater des Herrn A. Weimar gewesen sein, wenn sein frommer Enkelsohn ihn noch im Grabe beschimpfen zu müssen glaubt.

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